Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 1

Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Helmut Scheuerich
Gemeente
:   Neustadt bei Coburg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5996-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 1'

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19 Vor der 'Farb' stand früher ein Laufbrunnen, an dem die Anwohnerinnen des Marktes ihr Wasser holten und einen Schwatz zu halten pflegten. Hier wurden alle Neuigkeiten, die es in der Stadt gab, ausgetauscht und manchmal auch unter Lachen und Kichern eine fröhliche Begebenheit erzählt. So lustig wie in der Gastwirtschaft oder bei diesem Schützenumzug im Iahre 1893 ging es allerdings nicht immer zu. Nach altem Brauch wurden nämlich Mädchen, die mehrmals Hochzeit gefeiert hatten, ohne verheiratet zu sein, an einen Strick gebunden und vom Wasenmeister (in Neustadt 'Schindo' genannt) unter Trommelwirbel durch

die Stadt und auch um den Brunnenkasten geführt. Aus diesem Herumführen entstand dann das geflügelte Wort: 'Dreimool üm Brunnakastn rüm! Do Schindo kümmt! Bumbüh!'

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20 Im Winter 1841 beschloß die evangelischlutherische Kirchengemetnde, das durch den Stadtbrand von 1839 zerstörte Pfarrhaus, damals Diakonat genannt, wieder aufbauen zu lassen. Es sollte aber nicht auf seinem alten Platz, sondern auf dem Grund und Boden des früheren Syndikats, Marktplatz 12a, errichtet werden. Als hierzu die landesherrliche Genehmigung vorlag, wurde sofort rnit dem Bau begonnen. Im Frühjahr 1842 konnte das Haus bezogen werden. Die Kosten beliefen sich aufrund 5 000 Gulden. Der erste Bewohner war der Diakonus (zweiter Pfarrer) Siegmund Philipp Ernst Tittel, der beim Stadt-

brand seine ganze Habe verloren hatte. In Anerkennung setnes verdienstvollen Wirkens als Geistlicher verlieh ihm 1846 der Stadtrat das Ehrenbürgerrecht.

21 Im evangelischen Pfarrhaus, Marktplatz 12a, starb arn 6. April 1889 die zu ihrer Zeit bekannte Schriftstellerin Ludovica Hesekiel. Sie war mit dem damaligen Diakonus und späteren Superintendenten WilhelmJohnsen verheiratet, Ludovica wurde als Tochter des bekannten Dichters und Romanschriftstellers Dr. George Ludwig Hesekiel arn 3. Juli 1847 in Altenburg geboren. Berelts mit 22 Iahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Wàhrend sie in Neustadt wohnte, erschienen "Iempler und johanniter', 'Reiche Leute', 'Agnes, Fûrstin Reuß' (1887), 'Nürnberger Tand', 'Salz und Wein', 'Der lustige Gascogner' (1888) und 'Der ~u-

sterschreiber' (1889). Nach ihrem Tod kamen noch heraus: 'Neue Häuser - die Steinschleifer von Golling', 'Andernach und Clairvaux' sowie 'Augusta, Kaiserin und Köntgin' (1890).

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22 Als am Johannistag des jahres 1839 durch ein furchtbares Feuer die ganze innere Stadt in Flammen aufgegangen war, wurden beim Wiederaufbau die Plätze neu verteilt und der ungleichmäßige Zuschnitt der Straßen und Häuser beseitigt. Da sich dadurch die Zahl der Bauplätze verringerte, war ein Teil der Bewohner gezwungen, sich außerhalb des bisher bebauten Gebietes anzusiedeln. So entstanden neben den ersten Häusern des Glockenbergs bald weitere. Das Bild aus den zwanziger Iahren zeigt das Plelschmanns-Haus, in Neustadt 'Frassosch-Haus' genannt, an der Einmündung der Schützenstraße in den

Glockenberg. Eine der bekanritesten Bewohnerinnen des Hauses war die 'Rós', die immer für Gesprächsstoff sorgte. Wegen ihrer 'Auftritte' in der Stadtverwaltung erhielt sie sogar mehrmals Ratha us- Verbot.

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23 Der Geist der Biedermeierzeit, der für die Natur und für 'Gartenhäuschen' schwärmte, ließ nach 1839 auf dem Glockenberg eine offene Bauweise entstehen. [edes Häuschen hatte sein Gärtchen mit eigenem Stadelplatz und meist auch mit kleinen Stallungen, die nicht mit dem Haus in Verbindung standen. Zu dieser aufgelokkerten Bauweise war man nicht zuletzt durch die Erfahrungen beim großen Stadtbrand gekommen. Das Bauen in diesem Bereich wurde erleichtert, weil fast das gesarnte Gelände bis hinauf zum Schützenplatz der Familie Holtzhey gehörte, die bereit war, die Grundstûcksfläche aufzuteilen. Wie auf

dem Bild aus den zwanziger Iahren zu sehen ist, war zu jener Zeit der Glockenberg ganz in Grün eingebettet.

24 An der Einmündung der Talstraße in den Glockenberg ist der Bunzels- Theodor mit seinem Mistwagen zu sehen, Links steht das Haus

Bosecker, rechts das Anwesen Schubert (heute Renner). Zwischen diesen beiden Gebäuden sind in der Talstraße von links nach rechts die beiden damaligen Doppelhäuser Kümmet/Langbein und Reißmann/von Berg zu erkennen. In den zwanziger jahren waren die Zeiten noch nicht von Hektik geprägt. Man hatte Zeit. Nur die Kinder glaubten manchmal keine Zeit zu haben. So hängten sie sich, vor allem wenn sie noch einen Handwagen zu ziehen harten, heimlich an einen vorbetfahrenden Wagen hinten an. Um nun den Ge-

schirrhalter darauf aufmerksam zu machen und den Anhängenden zu ärgern, riefen andere Lausbuben, die das sahen, im Chor: . A Bauo un a Maa, es hengt e-is hintn draa!'

25 Die GlockenbergerVereinigung, die 1887 entstand und zu ihrem Vereinslokal die auf dem Bild dargestellte Gaststätte 'Zur Erholung' wählte (im Oval der Wirt Ernst Liebermann, 'Merch' genannt), hatte sich zum Ziel gesetzt, die nachbarliche Gesinnung zu pflegen und sich gegenseitig mit Rat und Tat zu unterstützen. Daß dabei auch der Humor nicht zu kurz kam, bewiesen die Mitglieder mit manchem Streich. In den zwanziger [ahren war es die Ernennung des 'Bunzels-Schorsch' zum 'Sandversteifungsrat' , die viel belacht wurde. In der unter großem Hallo in der Versammlung überreichten Urkunde hieß es unter anderem, daß es dem Tün-

chermeister Georg Bunzel gelungen sei, einen festen Putz aus reinem Wasser und Sand herzustellen. eine Leistung, die nur mit dem Titel 'Sandversteifungsrat' gewürdigt werden könne.

26 Das erste Schießhaus am Muppberg, auf dessen Grund und Boden die "IhüringischFränkische Begegnungsstätte ' steht, wurde im jahre 1845 errichtet. Es war ein reizender Bau, für dessen Entwurf der Zimmermeister Adam Döll verantwortlich zeichnete. Eine ständige Bewlrtschaftung ermöglichte jedoch erst ein Umbau im Iahre 1882. In den folgenden Iahrzehnten kam es noch zwei Mal zu einer Vergrößerung des Hauses, bis es 1924 seine endgültige Gestalt erhielt. Das Bild entstand um 1900. Das Haus, das dem gesellschaftlichen Leben

der Stadt diente und viele große Feste und Veranstaltungen gesehen hatte, in

dem sich mehrere Iahre lang auch ein Kino befand, nahm schließlich ein unrühmliches Ende. Am 22. Februar 1985 wurde es durch Brandsuftung ein Raub der Flammen.

Schützenhaus vom oberen Festplatz gesenen.

27 Wie der Saal im alten Schützenhaus aussah, zeigt die im [ahre 1914 geschriebene Ansichtskarte. Hier fanden unzählige Konzerte, Tanzveranstaltungen, Schauturnen und Theateraufführungen heimiseher Vereine start, Aber auch auswärtige Wanderbühnen, ja sogar das Landestheater Coburg, gaben hier ihre Gastspiele. Wie die Zuschauer bei den Theatervorführungen mitgingen, beweist eine Episode aus der Zeit um 1900. Da umschwärmte in einer Vorstellung ein leichtsinniger Leutnant ein bildhübsches Mädchen, das sich ihm schließlich in die Arme warf. Eine der Zuschauerinnen war so gepackt, daß sie von der

Galerie hinunterrief: 'Glääbs net, Mädla, dar socht a Lüüch!' Und am Schluß schrie einer mit drohend erhobener Faust zum Leutnant hinauf: 'Wart na, Freckola, dich dowisch ich heit noch!'

28 Die Stadtkapelle, die häufig zum Tanz oder zu Konzerten im Schützenhaussaal aufspielen mußte, wurde daneben noch zu kirchlichen Veranstaltungen herangezogen, wie beispielsweise zum Choralblasen vom Turm der Stadtkirche zu Weihnachten, Neujahr, Ostern und Pfingsten. Dies führte manchmal zu Verwicklungen. So beschwerten sich im [anuar 1901 der Kirchenvorstand und der Oberpfarrer, daß die Musiker in angeheitertem Zustand in der Neujahrsnacht gespielt hätten. Sie seien direkt vom Wirtshaus in die Kirche gekommen. Niemand behauptete [edoch, daß ihr Spiel deswegen schlecht gewesen sei. Das Bild zeigt die

Kapelle unter Stabführung von Musikdirektor Reinhold Lieb in der Mitte der zwanziger [ahre. Lieb hatte die Kapelle im November 1921 übernommen.

Stadtkanelle Neustadt b. Ooburn

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