Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 2

Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Helmut Scheuerich
Gemeente
:   Neustadt bei Coburg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6629-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Neustadt bei Coburg in alten Ansichten Band 2'

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59 Das Bild vom Mühlgraben zeigt im Vordergrund eine junge Frau an einer Patschbank. Auf dieser Bank wurde die Wäsche mit einem Wäscheklopfer durchgepatscht und anschließend im Mühlgraben gefleut. Zuvor hatte man die Wäsche aus einem Kessel mit kochendem Wasser geholt, mit Schmierseife oder Kernseife eingeschmiert und auf der Rumpel bearbeitet. Da die Wäsche trotz der mühseligen Arbeit nicht weiß genug wurde, ging man an schönen Sommertagen zur Bleiche auf den Anger oder auf den städtischen Zimmerplatz. Dort wurde die Wäsche ausgebreitet und

mehrmals mit Wasser übergossen.

Angesichts der vielen Kinder, die mit auf dem Bild sind, wird der Ausspruch der Großmutter vom Greiners-]örg, dem letzten

Neustadter Schachtelmaler, verständlich. Sie pflegte immer zu sagen: 'Auf do Walt hot öllos amool a End. Bluoß es Kinnomachn hört nümmo auf!'

60 Vor dem Haus Mühlgraben 12 haben sich die Bewohner für den Fotografen aufgestellt. Die sich nicht so recht trauten, schauen aus dem Fenster. In dieser Gegend ist einmal eine kleine Geschichte passiert. Als seine Frau große Wäsche hatte, wurde der Gustav beauftragt, Grießklöße zu kochen. Da er den Grieß nicht fand, entschloss er sich, Mehlklöße zu machen. Er nahm das Mehl, gab alle anderen Zutaten hinzu und fing an zu rühren. Doch der Teig wurde nicht dick. Als seine Frau kam, schaute sie in den Topf und fragte: 'Ja, was machsta denn dou, Gustav?' 'Ich hau dann Grieß net gfunna un mach liebo Mahlklüoß. Owo dei Mahl taacht nex!' Dann griff er zum Mehltopf, um noch mehr zuzugeben.

'Ochs, olboro!' schrie seine Alte und riss ihm den Topf aus der Hand. 'Mit Schlämmkreidn kahsta freilich kenna Mahlklüoß gomach!'

61 Das Bild zeigt ein Stück vom Mühlgraben mit dem 'Schtórznhaus' im Hintergrund.

Ganz in der Nähe, beim ehemaligen 'Fórsters-Beck' tanzte vor langer Zeit früh kurz vor 7 Uhr ein Gespenst in dem Gässchen aufund ab. Zwei junge Schneiderinnen, die gerade zur Arbeit wollten, schrien vor Schreck um Hilfe. In ihrer Angst drückten sie sich an ein Haus und schlugen ein Fenster ein. Doch das Gespenst lachte nur. 'Hihlhi - Huhuu!' Auf einmal ging eine Tür auf und ein Mann sauste heraus mit einem Prügel in der Hand. Da lief das Gespenst davon, doch der

Mann holte es bald ein. 'Sochsta, war da bist, owo ich haab dich windlwääch!' Da demaskierte sich das Gespenst und der Kopf eines Nachbarjungen kam zum Vorschein. "Iu

ma nex! Ich hau bluoB an SchpaaB woll mach. Ich hau Samml soll huol un do Beck hot noch net aufkhott. Dou hau ich halt mein Korb aufgsetzt!'

62 Die WittkenstraBe, die hier zu sehen ist,wurde im Iahre 1902 nach dem Geheimen Staatsrat Exzellenz Edmund von Wittken benannt. Vorher hieB sie BahnhofstraBe.

Wittken wirkte als Vorstand des Coburger Staatsministeriums zum Wohl der Stadt. Er war einer der wenigen, die sich speziell der Neustadter Verhältnisse annahmen, sie durch eigene Anschauung und Pflege persönlicher Beziehungen zur städtischen Verwaltung näher kennen zu lernen suchten und ausgleichend eingriffen, wo es erforderlich war. Von sozialen Gefühlen geleitet, hatte er immer eine offene Hand

und half, so weit es sich mit dem allgemeinen Interesse vereinbaren ließ. Kein Wunder, wenn ihm die Stadt Neustadt dafür das Ehrenbürgerrecht verlieh. N ach seiner Versetzung in

den Ruhestand widmete sich Wittken zahlreichen Vereinen und derWohlfahrtsförderung.

63 Das Bild zeigt die WittkenstraBe von der anderen Seite mit dem 'PinzelsHäusla' auf der linken und dem Anwesen Grempel ('Reps') auf der rechten Seite. Im Hintergrund ist die Brauerei Schulz, Putzenbräu, zu erkennen. Und aus der Gaststätte Putzenbräu kam eines Tages im Winter ein Bauer mit einem ]auchefass herausgefahren. Ein Lausbub namens Heiner, der mit seinen Schlittschuhen unterwegs war, hielt sich hinten fest, um sich bis zur 'Schtörza' hinaufziehen zu lassen. Doch völlig unerwartet lieB der Heiner den

Wagen blitzschnelllos.

Er hatte sich nämlich am Spund festgehalten und der Spund nicht am ]auchefass. So geschah es, dass der Lausbub im nächsten Augenblick bis zum Hals in

der Brause einer gehaltvollen Wirtshausjauche stand. Als der Bauer am 'Schtórzneck' von einem Passanten auf das Missgeschick aufmerksam gemacht wurde, war es

schon zu spät. Das Pass hatte gerade für die WittkenstraBe gereicht.

64 Auf der heute viel befahrenen Straße neben der Röden fuhren zur Zeit der Aufnahme ganze vier Autos. Ob ihre Bremsen wohl in Ordnung waren? Damals, als für Odal kräftig geworben wurde, so dass sogar an den Landstraßen Werbeschilder standen, brachte ein älterer Herr aus Neustadt den Autos noch wenig Vertrauen entgegen und behauptete, dass manchmal die Bremsen versagen würden 'un nochot dörf ma ümmozu im Kräs rüm fahr, bis es Benzin ölla is un des Dingk widdo van alle-i aahelt'. Eines Tages konnte er aber doch von seinen Enkeln zu einer Sonntagsfahrt überredet werden. Er kam durch

ihm unbekannte Gegenden und studierte aufmerksam die Ortsnamen. Plötzlich lehnte er sich zurück und hielt sich ängstlich am Vordersitz fest. 'Was hosta denn, Großvatto?' fragte

einer der Enkel. 'Mir machto nex weiß!' 'Ja, was isn luos?' 'Ihr me-it öbbo, ich kaa nümmo golas? Ihr fahrt im Kräs rüm! Jetz seido schö es värta Mol dorch Odal gfohrn!'

65 Das Gasthaus 'Zu den zwei Gulden', vielen Neustadtern als Goldener Löwe geläufiger, ist nach dem Bild kaum wiederzuerkennen. Hier in dem Haus Coburger Straße 22 befindet sich heute unter anderem die Franken-Apotheke.

Die Gaststätte dürfte etwa um 1750 entstanden sein. Sie gehörte lange Zeit der Bäckersfamilie Schneider, die im Städtischen Brauhaus ihr eigenes Bier braute. Ferdinand Schneider, Bierbrauer und Wirt, besaß auch einen Felsenkeller am Friedhof In der Zeit von 1890 bis 1895 wurden allein in die Landorte 95 Hektoliter Bier ausgeführt. Im Iahre 1911 übernahm

dann Gustav Fischer, Fischer-Mann genannt, das Lokal.

66 Es kommt sicher selten vor, dass ein Bier und eine Gastwirtschaft nach einem Spitznamen genannt werden. Bei der Gaststätte Geussenbräu in der Coburger Straße 21 ist dies der Fall. Gustav Knorr, der Gründer der damaligen Knorr'sBrauerei wurde Geuß genannt. Das kam daher, dass zu jener Zeit in Coburg ein Gastwirt namens Geuß residierte, der für seine recht raue Art manchen Gästen gegenüber weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war. So sagten die Neustadter bei gegebenem Anlass, der Gustav führt sich wieder auf wie der Geuß van Coburg.

Doch dieser Spitzname genügte seinen Freunden noch nicht. Da Gustav Knorr, ein recht brummiger Mann, mit seiner weißen Haarpracht und seinem Kaiser-Wilhelm-Bart

meist auf dem Sofa der Gaststube thronte, nannten sie ihn auch 'Eisbär'.

In den zwanziger Iahren vermarktete die Familie Knorr die beiden Spitznamen, führte den Brauerei-

namen Geussenbräu ein und nahm den Eisbären als offizielles Firmenzeichen auf.

67 Gemütlich ging es zu, in der Gartenwirtschaft Geussenbräu in der Coburger Straße. Die gepflegten Biere ließen den Garten zu einem angenehmen Aufenthaltsort werden. In dieser Atmosphäre gediehen auch kleine Geschichten, von denen eine nachstehend erzählt werden soll. Als eines Tages der Maler Schulz mit einem Bekannten durch die Coburger Straße tippelte, krabbelte etwa 50 Meter vor ihnen ein städtischer Arbeiter aus einem der Kanalschächte heraus. 'Ja, wu kümmt denn dar har?' sagte der Bekannte vom Maler Schulz. 'Frouchst du owo olwo!' entgegnete der

Maler Schulz. 'Des wäßta nett? Dar muss ölla vier Wochn die Ardachs schmier, äss die Walt net schtenn bläbbt! Su an Postn mücht ich khou!'

68 Der Puppenfabrikant Anton Kiesewetter in der Coburger Straße 32 hatte eine der größten Puppen-

fabriken in Neustadt und gehörte auch zu den Unternehmern, die die meisten Leute beschäftigten. Er

besaß sogar eigene Lieferwagen und Geschirre, was selten vorkam.

Das Bild zeigt seine Mitar-

beiterinnen und Mitarbeiter vor seinem Anwesen.

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