Neustadt in Holstein in alten Ansichten Band 2

Neustadt in Holstein in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Hugo Koch
Gemeente
:   Neustadt in Holstein
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3418-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Neustadt in Holstein in alten Ansichten Band 2'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Im Jahre 1838 gelang es dem Franzosen Daguerre nach etlichen Versuchen, die ersten Fotobilder auf versilberten Kupferplatten herzustellen, die sogenannten Daguerreotypen. Diese 'Wundererfindung' fand überall schnell Anklang. Größeren Erfolg hatte aber seit den fünfziger Jahren die neuere Methode, unter Verwendungvon Glasplatten mit einer lichtempfindlichen Schicht 'negative' Bilder zu erzeugen, von denen sich in beliebiger Anzahl 'positive' Abzüge aufPapier anfertigen ließen. Als man schließlich in den sechziger Jahren geeignete Verfahren erfand, und sie laufend verbesserte, Fotobilder in Druckverfahren umzusetzen, war der Weg frei zur massenhaften Anwendung im Buch- und Zeitungsdruck sowie für Ansichtskarten, die um die Jahrhundertwende ein beliebter Modeartikel wurden. Unsere 1244 gegründete Stadt hat in über sieben J ahrhunderten eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Über ihre Entwicklung in den letzten 100 Jahren geben uns Fotos und Ansichtskarten gute Einblicke. Ein 1976 erschienener Band umfaßte Ansichten aus Neustadt bis in den Beginn unseres Jahrhunderts. Dieser neue Band schließt das dritte Jahrzehnt mit ein, in dem in Neustadt nach dem Ersten Weltkrieg bedeutsame Veränderungen, wie wir lesen und sehen werden, eintraten.

Lehrer A. Hamann, Langenhagen, verfaßte in einer 1902 herausgegebenen 'Beschreibung des Kreises Oldenburg in Holstein' nachstehenden Bericht über Neustadt:

Die größte und bedeutendste Stadt im Kreise ist Neustadt. Sie wird bereits im Jahre 1259 als Nova Krempa Neukrempe im Gegensatz zu Altenkrempe erwähnt. Die Stadt liegt freundlich an einer fjordartigen Einbuchtung der Ostsee, dem Neustädter Binnenwasser. Wegen ihres guten Hafens treibt sie bedeutende Schiffahrt. Jedoch hat sie sich in dieser Hinsicht wegen der Nähe Lübecks nie zu der gewünschten Blüte aufschwingen können. Durch die Weiterführung des Schienenweges als Kreis-Oldenburger Bahn bis Oldenburg und Heiligenhafen hat sie von ihrer früheren kommerziellen Bedeutung als Endpunkt der ostholst. Bahn viel eingebüßt. Die Stadt selbst macht einen freundlichen Eindruck, hat einen großen, geräumigen Marktplatz und eine schön gelegene, im gotischen Stil erbaute Kirche. Ein altertümliches Bauwerk ist das Kremper Tor, welches noch an die früheren Stadttore erinnert. Das Wappen der Stadt ist ein Nesselblatt in rot und blauem Felde, welches von 3 in einem Boot sich befindenden Männern gehalten wird. Das Boot mit den Insassen deutet auf die Beschäftigung der Bewohner hin. An

Fabriken sind vorhanden: eine Seifen- und Sodafabrik, eine Fabrik [ûr Smirgelpapier, eine Holzbearbeitungsfabrik und eine Maschinenfabrik. Außerdem befindet sich in der Stadt ein Eichamt.

Am Hafen entfaltet sich ein verschiedenartiges Bild: Längs dem sich weithin erstreekenden Hafendamm liegen große und kleine Schiffe verschiedener Nationen. An kräftigen Duc d'Alben (im Wasser oder im Uferlande eingerammte Schiffsanbinde-P[ähle] sind sie gekettet und löschen hier Balken und Bretter, dort Getreid oder Kohlen. Am Ufer zeigen ausgespannte Netze an, daß Fischer hier ihrer Beschiiftigung nachgehen. Dort kommt der Hafenmeister daher, welcher für die n6tige Ordnung (Anlegen der Schiffe, sowie Abfahrt derselben) zu sorgen hat. Der am Hafen entlangführende Jungfernstieg bringt uns weiter nach dem Erikabad und dem Kaiserholz mit geschmackvollen Anpflanzungen. Weiterhin befindet sicb westl. v.Hafen das Marienbad. Letzteres liegt der Seeburg gegenüber auf der andern Seite des Hafens, ist sehr besucht und gewährt eine reizende Aussicht, - Bei der Stadt befindet sich das ursprünglich zur Zukkerfabrik, nach deren baldigem Eingehen als ProvinzialPflegeanstalt eingerichtete Gebäude. Diese Anstalt ist nunmehr vollständig eingerichtet und beherbergt ca. 700 Pfleg-

linge (zur Hälfte Männer, zur Hälfte Frauen.) - Nordwestlich von der Stadt befindet sich die Burg, eine bewaldete Insel im Binnenwasser, welche von der Eisenbahn durchschnitten wird und einst die wendische Burg Krempen getragen haben soll. Seitdem ein Damm dorthin führt, ist die Burg ein beliebter Ausflugsort für die Bewohner der Stadt. - Neustadt hatte am I. Dez. 00: 4600 Einwohner; im Jahre 1875 betrug die Einwohnerzahl: 4201; imJahre 1895: 3789. Dieselbe hat sich demnach während der letzten 25 Jahre sehr schwankend verhalten. - Die Stadt war in alter Zeit mit einer Mauer und doppelten Wällen umgeben. Die 3 Ausgänge waren mit Toren und starken Burgfrieden versehen. Die Befestigungen wurden bereits vor 200 Jahren geschleift. - Im Jahre 1817 wurde Neustadt durch eine große Feuersbrunst zum größten Teil eingeäschert. Die Haupterwerbszweige der Bewohner sind Landbau und Fischerei.

Lassen wir uns nun durch Bild und Text berichten, was sich in jenen Jahren in Neustadt ereignete und wie unsere Stadt aussah.

1. Das älteste Foto, ein Daguerreotyp, das wir in Neustadt vorweisen können, zeigt Jacob Lienau 1848 in seinem 50. Lebensjahr. Jacob Lienau, 1798 in Uetersen geboren und dort in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, gründete 1820 in Neustadt in der Kremper Straße, im heutigen Lienaustift, einen Krämerladen. Er betrieb weiterhin, wie schon von Uetersen aus, Großhandel in Branntwein, stieg mit Hilfe der Mitgift und eines Kreditvorschusses seines Schwiegervaters, des Hofbäckers Stahl aus Eutin, in das Getreidegeschäft ein und seit 1826 auch in den Holzhandel. Für den Bau des Turrnhelmes der Stadtkirche 1847 stiftete Lienau den größten Betrag. Die Hospitalsgebäude ließ er auf seine Kosten 1853 gründlich renovieren. Die Stadt verlieh ihm als erstem Bürger 1878 das Ehrenbürgerrecht. Jacob Lienau verstarb 1884 in Neustadt.

2. Jacob Lienau ließ 1868 seine Gebäude und Schiffe fotografieren. Den abgebildete Kornspeicher vor dem Brücktor errichtete 1829 für Lienau der Baumeister Cay Hinrich Prüß. Davor ist das Kontorhaus von Lienau zu sehen. Mühlsteine und Holzstapel weisen auf weitere Geschäftszweige hin. Der große Speicher, seit 1888 C.F. Janus gehörig, wurde nach einem Brand 1959 im Inneren umgebaut.

3. Zu jener Zeit befanden sich vor dem Brücktor sieben 'Packhäuser' . Zwei dieser von Lienau genutzten Speicher zeigt diese Aufnahme von 1868. Das Gebäude an der Ecke zur heutigen Bahnhofstraße mußte wegen des Postneubaues 1907 abgerissen werden. Das mittlere Gebäude, neben 'Benns Gasthof', inzwischen weitgehend umgebaut, verschwand erst 1982 durch Abbruch.

4. Im Jahre 1827 erwarb Jacob Lienau ein Haus am Markt, Ecke Burgstraße, und erhöhte es 1835 um ein Stockwerk. Ladengeschûft, Kontor und Warenlager (Speicher dort 1829 erbaut) befanden sich zu ebener Erde, das Obergeschoß diente als Wohnung. Das Detailgeschäft wurde 1844 aufgegeben. Der Großhandel entwickelte sich stetig, nämlich außer Getreide auch Holz (seit 1828), Reederei, Schiffbau, vorübergehend Eisengießerei und endlich eine Schleifmittelfabrik (in der Bahnhofstraße ). 1832 wurde das erste Schiff auf Kiel gelegt, bis 1848 waren es deren sechs. (Horst Hase.)

5. Im selben Jahr 1853, in dem Lienau die Hospitalgebäude erneuern ließ, errichtete er in einem ausgedehnten Park an der seit 1912 so benarmten Lienaustraße sein geräumiges Wohnhaus (heute ParkHotel). Zwei Kindern aus der ersten Ehe (ein weiteres und die Frau starben 1825) sowie fünf Kindern aus der 1830 geschlossenen zweiten Ehe verhalf Jacob Lienau zu gesicherten Existenzen. Der weit verzweigten Familie blieb das großväterliche Haus ein beliebter Treffpunkt. Sohn Robert Lienau, Musikverleger in Berlin, seit 1910 wegen Schenkung des Lienaustiftes Ehrenbürger in Neustadt, verlebte hier seinen Lebensabend (gestorben 1920).

6. Nach dem Krieg von 1864 mußte Dänemark im Friedensvertrag von Wien (30. Oktober 1864) die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich abtreten, die nunmehr zunächst gemeinsam die Regierungsgeschäfte ausübten. Dabei auftretende Reibungen wollte man durch den Vertrag von Gastein (14. August 1865) beseitigen. Holstein sollte durch einen österreichisehen Statthalter regiert werden. Die bleibenden Streitigkeiten zwischen Preußen und Österreich führten im Juni 1866 zum Abzug der österreichischen Truppen und schließlich zur kriegerischen Auseinandersetzung 1866. Unser Bild zeigt österreichische Soldaten mit Neustädter Einwohnern an der Badeanstalt. Malermeister Carl Hillbrandt verfolgt die Zeitaufnahme mit seiner Taschenuhr.

7. Aus dem Bericht des Neustädter Wochenblattes vom 7. März 1871 über die Friedensfeier am 4. März 1871: Auch unsere kleine Stadt wurde in jubelnde Bewegung versetzt, als die schon am Tage vorher sehnlich erwartete officielle Friedensnachricht am Nachmittage des 3. März hier endlich eintraf. Mit festlichem Flaggenschmuck bedeekten sich sofort die Häuser und öffentlichen Gebäude der Stadt sowie die Schiffe unseres Hafens, als 9 Bëllerschûsse das freudige Ereigniß verkündeten. Am 4., Morgens wurde die Feier durch Reveille eröffnet. Um 1 Uhr riefen 3 Kanonenschläge den Festzug der Gewerke und Corporationen zur Sammlung auf den Bahnhof Hier organisierte sich ein Zug, wie ihn so gelungen und so großartig Neustadt bisher wohl noch nicht aufzuweisen hatte. Nach Beendigung des Festzuges war Sammlung auf dem Marktplatz, wo Herr Bürgermeister Martens in ergreifenden, weithin schallenden Worten über die Bedeutung der Feier sprach und ein Hoch auf den deutschen Kaiser und das deutsche Kriegsheer ausbrachte. Um 6 Uhr war bei festlich erleuchteter Kirche Gottesdienst. Abends war die ganze Stadt brillant illuminirt und noch bis spät am Abend war ein bewegtes Leben in den Straßen der Stadt. Schließlich bemerken wir noch, daß Herr Photograph Lange versucht hat, den auf dem Markt versammelten Festzug auf ein Bild zu fixiren und wie wir hören, mit gutem Erfolg.

8. Alljährlich am Tage der Schlacht von Sedan (2. September 1870) veranstaltete der' Allgemeine Militärverein' ein Vogelschießen verbunden mit Volksbelustigungen aller Art. Das Programm für 1888 sah vor: Am Sonnabend den 1. Septbr. Abends Zapfenstreich durch die Stadt. Am Sonntag den 2. Septbr. Morgens Reveille. Mittags 1 Uhr Abmarsch des Vereins nach dem Festplatze. Um 2 Uhr Abmarsch der Schuljugend mit Musik vom Marktplatz. Nach Ankunft auf dem Festplatze Beginn der Volksbelustigungen. Es ist für Erwachsene eine Kegelbahn gelegt und werden Kegelkarten ausgegeben. Außerdem findet Schießen mit Salonbüchsen nacb Flutterscheiben. Ringscheiben. Eiern und Vögeln statt. Damen können sich am Topfschlagen, Ring-, Tauben- und Figurwerfen betheiligen. Die Knaben haben Vogelschießen, sowie Schießen naclt Eiem und Flatterscheiben. Für die Mädchen findet Topfschlagen, Taubenwerfen und Figurwerfen statt. Von 4 Uhr ab beginnen Scherzvergnügen für Kinder, als: Stangenklettem, Walzenreiten, Bierfaßlaufen, Wurstschnappen, Kringelbeißen, Sacklaufen, Bickbeersuppessen in weißen Anzügen u.s. w. Um 8 Uhr Einmarsch, woran sich die Jugend mit Stocklaternen betheiligt. Um 8112 Uhr Anfang des Balles im Vereinslokal Hotel Baur.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek