Nierstein am Rhein in alten Ansichten Band 1

Nierstein am Rhein in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Hans Peter Hexemer
Gemeente
:   Nierstein am Rhein
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2327-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Nierstein am Rhein in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Die Gegend am Rhein sei eine große Völkermühle, sie sei die Kelter Europas, so meint Carl Zuckmayer, selbst aus Rheinhessen stammend, in seinem Werk 'Des Teufels General', Vom Rhein kämen die Besten, weil sich hier die Völker vermischten. Und Zuckmayer nennt eine stattliche Ahnenreihe, vom römischen Feldhauptmann bis zum böhmischen Musikanten - 'das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt'. Am Rhein habe man sich 'vermischt - wie das Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein - das heißt: vom Abendland.' Soweit Carl Zuckmayer, der in der Niersteiner Nachbargemeinde Nackenheim das Licht der Welt erblickte.

In dieser so beschriebenen Gegend liegt Nierstein am Rhein, für das 1787 Goswin Widder in seiner 'Beschreibung der Kurfürstlichen Pfalz' folgende Worte findet: 'Nierstein hat dem allda wachsenden Weine, der mit Recht unter die besten Rheinweine gezählet wird, seinem Ruhm hauptsächlich zu verdanken.' Ohne Zweifel: wer die 'Ahnenreihe' Niersteins durchgeht, der findet fast alle, die Zuckmayer nennt. Durch den Gang der Geschichte hat Nierstein viele Erschütterungen unmittelbar erlebt: Kriege, Besetzungen, Unterdrückung, schnell wechselnde Herrschaft. Heute kann gesagt werden: all dies ist auch ein Quell, aus dem der Reichtum dieser Gegend fließt, seit vor 2 000 Jahren die Römer hier am Rhein waren. Wo heute Nierstein liegt gründeten sie die Militärstation Bucconica. Das Sironabad kündet von dieser Zeit. Die Gallier gaben dem Ort den Namen: 'Neri' bedeutet Quelle und der Zusatz Stein ist vermutlich auf einen 'Hünenstein' in der Gemarkung zurückzuführen. Im Jahre 742 - die Karolinger haben die Herrschaft übernommen - schenkt Karlmann die drei Kirchen zu 'Neristein' dem Bistum Würzburg. Bis heute erhalten sind die überreste der alte Umfassungsmauer der

Martinskirche, die aus der Zeit stammen, als Karl der Große in Nierstein einen Königshof besaß. Nierstein wurde im Mittelalter ein reichsfreier Ort und gemeinsam mit den Nachbarorten Dexheim und Schwabsburg wurde ein Rittergericht gebildet, dem der Dorfschultheiß vorsaß. 1024 wählten die deutschen Fürsten bei Nierstein Konrad I1., den ersten Salier, zum König, Am 3. Mai 1376 wurde Nierstein an die Kurpfalz verpfändet und hörte damit auf, reichsfrei zu sein.

Im Dreißigjährigen Krieg erlebte Nierstein elf Jahre spanischer Besatzung bis zum Rheinübergang des Schwedenkönigs Gustav Adolf im Jahre 1631. Im Gefolge des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde die Gemeinde fast völlig zerstört. Die Französische Revolution des Jahres 1789 blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Rheingegend. 1795 wurden die Privilegien von Adel und Klerus aufgehoben, ein freier Bauernstand wurde geschaffen. Nierstein gehörte unter französischer Herrschaft zum Departement Donnersberg und zur Präfektur Mainz. Nach dem Wiener Kongreß wurde Nierstein Teil des Großherzogtums, nach 1918 des Volksstaates Hessen.

Soweit ein kurzer Abriß der Ortgeschichte, aus dem sich die vielfältigen Auswirkungen der großen Ereignisse auf die Weinbaugemeinde Nierstein ablesen lassen. Wie auch immer: beständig seit Jahrhunderten prägte auch der Weinbau das 'Hèrz Rheinhessens', die Menschen, ihre Sitten und Gebräuche. Das Weinjahr 1911 war eines der ganz großen, es gab den 'besten Wein seit Menschengedenken'. Doch das war nicht immer so. Schädlinge, Pilzkrankheiten und die Witterung bestimmen Menge und Qualität. Einmal, wie im Jahre 1834, war Wein im überfluß, aber kein Geld vorhanden, so daß die Hessische Staatsregierung 'Unterstützung der Weinproduzenten durch Vorschüsse zum Ankauf von Fässern für die Weinlese des laufenden Jahres' gewährte. In den Folgejahren entstanden unzählige Straußwirtschaften, um die Bestände 'weg-

zutrinken'. So ist der Winzer stets von der Natur abhängig, aber auch stets optimistisch eingestellt, wie Bürgermeister Ludwig Reichardt sinngemäß im Jahr 1913 schreibt. Die Grundlage des Weinbaues bildeten die Sorten 'Rheinriesling' und 'Silvaner oder Österreicher Rebe', Mit Stolz berichtet der Bürgermeister von der damals durchgeführten Flurbereinigung, von der Nierstein als erster Weinort in Hessen Gebrauch gemacht habe, Damit werde eine bessere Bearbeitung der Weinberge möglich und eine intensivere Bekämpfung der Schädlinge. Kritisch merkt Reichardt allerdings an, daß 'mit der Vertilgung des Unkrauts hier in Nierstein zu weit' gegangen werde, diese Sucht komme eher einem 'Ausrottungsverfahren' als einer Bekämpfung des Unkrauts gleich.

Als im Jahre 1909 der Bürgerverein sein 25jähriges Bestehen feiern konnte, hieß es mit stolzen Worten, es sei gelungen, 'den Verein in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen und durch Pflege edlen Gemeinsinnes das Gefühl für seinen Nächsten zu heben und zur Verherrlichung unseres geliebten Heimatortes und unseres schönen Hessenlandes nach Kräften beizutragen.' Den Hauptbeitrag zur 'Verherrlichung' Niersteins hat aber der Wein geleistet. In Nierstein liege der Probierstein des würzigsten Weins, meinte schon Josefine Moos, die Dichterin vom Mittelrhein. Goethe und Kleist lassen 'Niersteiner' in ihren Werken zum Ausschank kommen. Und Mathias Claudius' 'Rheinweinlied' soll dem Niersteiner Wein seine Entstehung verdanken. Darin wird in vier Zeilen das schönste Kompliment für den Niersteiner Wein ausgesprochen. Es gilt bis heute:

Bekränzt mit Laub den lieben, vollen Becher, und trinkt ihn fröhlich leer!

In ganz Europia, ihr Herren Zecher, ist solch ein Wein nicht mehrl

Dieser Band beschäftigt sich in alten Ansichten mit der Zeit von 1880 bis 1930, Jahren, in denen sich in Nierstein viel veränderte. Es waren Jahre des Umbruchs, des Glaubens an den technischen Fortschritt, eine Zeit in der Einrichtungen geschaffen wurden, die zum großen Teil bis heute Bestand haben. Weitsichtige und fortschrittliche Gemeinderäte schufen beispielsweise ein eigenes Wasser- und Elektrizitätswerk, Genossenschaften wurden gegründet, um die wirtschaftliche Situation der Bauern und Winzer zu verbessern, eine großzügige Volksschule errichtet, beispielhaft für die damalige Zeit.

Mein Dank gilt allen, die halfen mein Bildmaterial zu vervollständigen und die so dieses Buch mitgestalteten. Es soll allen Interessierten in Bildern und knappen Texten einen Bliek auf einen Teil der Ortsgeschichte bieten und schildern, wie es damals aussah in 'Alt-Nierstein'.

Benutzte Literatur:

Dörrschuck, Jakob: Nierstein am Rhein, Nierstein 1911. Dörrschuck, Jakob: Nierstein, Band 7 der Reihe 'Rheinhessen in seiner Vergangenheit', Mainz 1928.

Lang, Werner: Heimatbuch Landkreis Mainz, Oppenheim 1967.

Bürgerverein Nierstein (Herausgeber): Festschrift 1909. Schifferverein Einigkeit Nierstein (Herausgeber): Festschrift 1930.

Reichardt, Ludwig: Nierstein und sein Weinbau, Nierstein 1913.

Hexemer, Hans-Peter: Die Anfänge der Arbeiterbewegung in Nierstein, in Heimatjahrbuch Landkreis Mainz-Bingen 1981. Hexemer, Hans-Peter: Schiffahrt in Nierstein, in Heimatjahrbuch Landkreis Mainz-Bingen 1979.

1. Diese Aufnahme zeigt einen Bliek auf Nierstein vom Galgenberg; sie entstand im Jahr 1886. Die Weinbaugemeinde zählte damals 3602 Einwohner. Noch wurde in den Weingärten auf dem Neunmorgen, die im Vordergrund zu sehen sind, die Tokaier-Rebe angebaut. Die evangelische Martinskirche war noch nicht zu ihrer heutigen Form umgebaut und die südliche Baugrenze lag dort, wo man heute 'mitten in der Gemeinde' ist.

2. Die Backsteinfabrik von Georg Schneider stand in der Nähe des F1ügelbaches. Das Foto zeigt sie vor 1895. Dort, wo auf diesem Bild die Lagerhallen und Schornsteine der Brennanlagen zu sehen sind, hat sich im Laufe der Jahrzehnte seit der Betriebsaufgabe viel getan. An dieser Stelle wurde später der erste Gemeindesportplatz errichtet.

3. Eine weitere Backsteinfabrik wurde in der Gründerzeit von Georg Maurer Il. in der Mainzer Straße betrieben. Auch diese Fabrik gehört schon lange der Vergangenheit an. Industriell hat Nierstein keinen nennenswerten Aufschwung genommen. Vorallem der Weinbau, daneben Schiffahrt und Gewerbe bestimmten die Struktur. In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts kann festgestellt werden: 'Die Industrie betätigt sich hier in 1 Malzfabrik, 1 Maisstärkefabrik, 2 Molkereien und Käsefabriken, 1 Steinbruch.'

4. Diese Aufnahme zeigt den Bliek vom Fronhof auf die Martinskirche, die umgeben ist von baulichen Überresten aus der Zeit Karls des Großen. Das Foto entstand vor 1895. Neben einem Teil der Befestigungsmauern sind vor allem das markante Portal und der Halbturm erhalten. Der Name Fronhof, ehemaliger Zehnthof des Ortes, sowie die Straßenbezeichnung 'Hinter Saal' erinnern noch heute an die Zeit der Karolinger. Aus alten Urkunden geht auch hervor, daß das von Karl dem Großen erbaute Schloß mitten in den Weingärten stand.

5. Der Marktplatz gehört ebenfalls zu den ältesten Teilen von Nierstein. Um den Marktplatz gruppieren sich alte Adelshäuser wie der Harxthäuser Hof, der Gutshof von Metternich und die Besitzung derer von Allendorf (heute Maurer). Markant auch die Eiche, damals rund 25 Jahre alt, unter der ein Denkmal für die Gefallenen des 1870/71er Krieges mit Frankreich steht. Die Martinskirche war zu dieser Zeit eingerüstet, denn am 4. Juni 1895 begann der Kirchenbaumeister C. Schwartze aus Darmstadt mit dem Umbau zu der Form, in der die Kirche noch heute erhalten ist.

6. Auf dem Marktplatz bot sich im Jahre 1895 dieser Bliek in Richtung Rheinstraße. Im Vordergrund steht der Röhrenbrunnen, der nur noch wenige Jahre den Mittelpunkt des Platzes bilden sollte. Im Hintergrund ist auf der linken Seite das Gebäude der großherzoglichen Bürgermeisterei zu sehen, in dem die Verwaltung bis 1935 ihrer Tätigkeit nachging. Im Jahre 1895 war Reichert Naab Bürgermeister der Weinbaugemeinde. In der Bildmitte der Harxthäuser Hof, ein charakteristisches Gebäude der althessischen und braunschweigischen Familie von Harxthausen, die auch in Ingelheim ihre Besitztümer hatte.

7. Diese interessante Karte zeigt die evangelische Martinskirche vor und nach dem Umbau des Jahres 1895. Vom Fronhof aus (Bildmitte unten) sieht man das Gotteshaus in der Form, wie sie zwischen 1782 und 1787 aus den Resten der alten Martinskirche erneuert worden war. In der Chronik ist zu lesen, daß die Rohbauarbeiten, die von der pfälzischen geistlichen Verwaltung zu bezahlen waren, 2 558 Gulden kosteten. Für die innere Ausschmückung hatte die Gemeinde rund 1 000 Gulden aufzubringen. Im Bild rechts ist der Bliek auf die Kirche nach dem Umbau von 1895 zu sehen.

Gruss aus Nierstein a. Rh.19.~

8. Vom Fronhof aus gesehen, bot sich nach dem Umbau von 1895 dieser Bliek auf die Martinskirche. Die Kirche wurde in Kreuzform ausgebaut und mit gemalten Fenstern versehen, die zum Teil von besitzenden Gemeindegliedern gestiftet wurden. Der Turm wurde durch ein neues Ho1zwerk auf 27 Meter erhöht. Im Turm ließ die bürgerliche Gemeinde eine Uhr mit vier Zifferblättern im Wert von 1 700 Mark anbringen. Zu dieser Zeit war Karl Orth evangelischer Pfarrer in Nierstein, der seine Gemeinde auch in poetischen Versen besang.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek