Nierstein am Rhein in alten Ansichten Band 2

Nierstein am Rhein in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Hans Peter Hexemer
Gemeente
:   Nierstein am Rhein
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5116-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nierstein am Rhein in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

'Nierstein in alten Ansichten' zeigt in seinem zweiten Band das jeweils aktuelle Gesicht der größten Weinbaugemeinde am Rhein in den vergangenen Jahrzehnten. Für uns ist heute alt, was damals neu war. Darauf soll der Bliek gelenkt werden.

Auch den Rheinhessen der Jahrhundertwende schien das Deutsche Reich stark in Europa, ja sogar in der Welt. Der Bliek auf eine lange, seit 1871 währende Friedensperiode, auf eine bis dahin ungeahnte wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung und technischen Wandel, alles das vermittelte den Menschen Optimismus für die Zukunft. Nierstein nahm an dieser Entwicklung teil. So stieg die Einwohnerzahl von 1858 bis 1925 von 2 870 auf 4 585.

Weinbau und Schiffahrt aber prägten vor allem die Gemeinde. Niersteiner Wein war - und ist es auch noch heute in der Welt geschätzt, die Fürsten- und Königshäuser in Europa schätzten ihn ebenso wie das reichgewordene Bürgertum bei uns, in England und in Amerika. Und im Erzeugergebiet gehörte der Wein zum täglichen Brot, war er eben eine gute Gabe Gottes. Auch durch die Schiffahrt war Nierstein mit der Welt verbunden. Auf dem Rhein kamen Waren in die Gemeinde, wurden umgeschlagen. Und auf ihm wurde der Wein auf die Reise in alle Himmelsrichtungen geschickt.

Die Aufwärtsentwicklung war für die Menschen aber auch in ihrer Gemeinde sichtbar, die baulich und an Bevölkerung wuchs, in der große öffentliche Einrichtungen entstanden wie ein neues, prächtiges Schulgebäude oder ein Elektrizitäts- und Wasserwerk. Handel, Gewerbe und Gastronomie erblühten, Die Zahl der Geschäfte und Gasthäuser - viele sind heute nicht mehr vcrhanden - ergeben ein Bild von der Aktivität dieser Zeit. Neue Vereine entstanden, vom Turnen über Fußball bis hin zur Vereinigung der in der Schifffahrt Tätigen. Neue politische Kräfte organisierten sich, neben Liberalen und Zentrum trat 1905 die SPD auf den Plan.

Die Entwicklung einer Gemeinde gibt also stets auch ein Spiegelbild der allgemeinen Entwicklung ab. Abbild preußisch-deutschen Militarismus waren der Soldatenverein 'Rhenania', der 1885 gegründet wurde, oder die Begeisterung, die sich an Musterungstagen vernehmen ließ. Mit dem Ersten Weltkrieg kam die Ernüchterung und mit der Niederlage die Besatzung durch die Franzosen. Auch die Jahre der Wirtschaftskrise ab 1930 und die des Nationalsozialismus, der ja nicht vom Himmel fiel, sondern dessen 'Herautziehen' in jeder Gemeinde sichtbar war, spiegeln sich in der lokalen Entwicklung. Dieses Buch will und soll aber nicht aufzeigen, was durch mutiges Engagement hätte verhindert oder anders werden können, es willlediglich auch jene Zeit in Bilddokumenten wiedergeben und sie mit kurzen knappen Texten beschreiben.

Die schwierige Absatzlage, mit der Anfang und Mitte der dreißiger Jahre die Winzer zu kämpfen hatten, mußte zu neuen Ideen und Initiativen führen: das Niersteiner Winzerfest wurde 1935 aus der Taufe gehoben. Historische Figuren wie der Ritter Herrmann Hundt von Saulheim, mittelalterlicher Schultheiß und Gerichtsherr zu Nierstein, erstanden dabei wieder. Der Ritter machte im Festspiel von Hans Ludwig Linkenbach Mut zum Weintrinken, denn er soff den Wein 'bei Sonn- und auch bei Mondenschein'.

Niersteiner Wein hatte seinen guten Klang schon lange vorher. Die Römer, an die noch heute das Sironabad erinnert, sollen die Reben an den Rhein gebracht haben. Die älteste Weinberge am Fuß der Kilianskirche, die später 'Glöck' genannt werden, sind bereits 742 urkundlich erwähnt. Nicht von ungefähr kommen deutsche Dichter wie Kleist und Goethe auf den 'Niersteiner', wenn sie vom Wein sprechen. Mathias Claudius soll sein Rheinweinlied, in dem er die Weine vom Rhein so lobt, nach dem ausgiebigen Genuß von Niersteiner Rebensaft verfaßt haben. Und Josefine Moos, die Dichterin vom Mittelrhein, faßte ihre Begeisterung in folgendes Gedicht:

Und kommst du nach Nierstein, Freund, merke dir eins:

Dort liegt der Probierstein Des würzigsten Weins.

Dem [eurigen Sohne Von Rebe und Rhein, Den Preis und die Krone Dem 'Niersteiner Wein'.

Was Rebe und Schiefer Erzeugten im Bund Tut rassiger, tiefer

hier Bachus dir kund.

Der Weinbau soll aber nicht romantisiert werden, weil er als Arbeitswelt auch von sozialen Verhältnissen gekennzeichnet war, die heute noch eine überdurchschnittliche Zahl von Kleinrenten zur Folge hat. Von 'Wein, Weib und Gesang' zu reden, beschreibt die Lage ebenso wenig wie der Satz 'Aus Erde, Sonne, Winzerfleiß, gedeiht der Wein zu Gottes Preiß'.

Die Bilder dieses Buches stammen vornehmlich aus meiner eigenen Sammlung. Sie sind durch einige Aufnahmen, die Niersteiner Bürger zur Verfügung stellten, ergänzt. Das neue Bild des alten Nierstein soll ein Beitrag sein, das Heimatgefühl zu stärken. Es soll ein freundlicher, aber keineswegs unkritischer Bliek sein. Nierstein hat noch immer seine Reize , aber in der Vergangenheit wurde sicher einiges zu viel getan im Eifer, sich noch attraktiver zu gestalten. Und auch heute könnten Chancen besser genutzt werden. Attraktiv muß nicht modern bedeuten. Ein Ort kann sehr wohl attraktiv sein, weil er sich ohne verfälschende Romantik seine Ursprünglichkeit bewahrt hat.

Das Buch will jedoch eines auf keinen Fall: die Erinnerung an die 'gute alte Zeit' verklären. Jede Zeit hat ihre Vorteile , aber auch ihre Nachteile. So gut war die 'alte' nicht und die 'neue ' ist heute nicht so schlecht.

Wo einstmals die Quelle 'Sirona' entsprang, Reift feurig und helle Der Riesling am Hang,

Dort winkt dir vom Bergsaum Am Rebengepflöck:

Der 'Schmitt' und der 'Heßbaum', Der 'Niersteiner Gloclc',

Und schlürfst du die Blume Des Goldquells am Rhein, Stimmst bald du zum Ruhme Des Gottertranks ein,

Laßt heiter durchsonnen Dir Seele und Sinn,

Gibst jubelnd den Wonnen Des Daseins dich hin.

Der' Edle von Nierstein' Hält, was er verhieß,

Wer möchte nicht hier sein Im Weinparadies?

1. Niersteins wichtigste Sehenswürdigkeiten zeigt diese Lithographie um die Jahrhundertwende. Die evangelische Martinskirche zwischen Fronhof und Marktplatz wurde 1896 vergrößert und ihr Turm auf 27 Meter erhöht, die katholische Kilianskirche grüßt weit sichtbar ins Rheintal, auf dem Marktplatz stand das Kriegerdenkmal 1870/71 und das neue Schulhaus auf dem Neunmorgen, erbaut 1893, war der Stolz der Gemeinde. 1900 zählte Nierstein 4 275 Einwohner, von denen 2479 evangelisch und 1 712 katholisch waren. Anderen Konfessionen gehörten 84 Einwohner an.

2. Die Niersteiner Fähre - häufig 'Fliegende Brücke' genannt - schuf seit Jahrhunderten die wichtige Ost-West-Verbindung über den Rhein. Schon 1524 wurde den Niersteinem erlaubt, eine Fähre zu betreiben. Seit 1825 unterstand sie als öffentliches Beförderungsmittel der Regie des Großherzogtums Hessen. 1979 verkaufte das Land Rheinland-Pfalz die Fähre. Seitdem wird sie wieder privat unterhalten. Das Bild von 1905 zeigt an der Niersteiner Anlegestelle Fahrgäste vor der Überfahrt zum Komsand.

3. Der Kornsand, eine breite Acker-, Wiesen- und Waldfläche von eirugen tausend Morgen, gehörte seit Urzeiten zu Nierstein. Durch den Frieden von Luneville 1801 kam der Kornsand, der in weiten Bereichen gemeinsames Eigentum von Dexheim, Schwabsburg und Nierstein war, an das Großherzogturn Hessen. Die Niersteiner sahen darin ein großes Unrecht, das der Großherzog trotz vielfacher Interventionen nicht durch Rückgabe des Geländes wiedergutmachte. Zu Beginn des Jahrhunderts gab es drei Gasthäuser auf dem Kornsand. Das älteste war das hier abgebildete 'Deutsche Haus'.

Bliek vom Casthaus auf den Rbein u. Nierstein

4. Die Gasthäuser, die sich an der Anlegestelle der Fähre befanden, waren beliebte Ausflugsorte. Das Lokal 'Zur Erholung' gehörte Josef Wehner, der seine 'herrliche Gartenwirtschaft mit Tanzboden im Freien' anpries. Direkt am Rhein befand sich ein Kiosk für die kurze Rast, da an dieser Stelle die zwischen Darmstadt und Bad Kreuznach verkehrenden Postbusse hielten. Direkt neben dem Kiosk stand das Wartehäuschen für die Fähr- und Busbenutzer .

5. Am 4. August 1908 mußte Ferdinand Graf von Zeppelin mit seinem Luftschiff zwischen zwei Krippen auf dem Rhein notlanden. Diese Karte zeigt den Landeplatz des Luftschiffs auf dem Kornsand, rechts ist der geniale Konstrukteur abgebildet. Zehntausende begeisterte Menschen aus dem gesamten Umkreis sind damals spontan zur Landungsstelle gekommen.

6. Immer wieder wurden auf den 'König der Lüfte' Hochrufe und Ehrenbezeugungen ausgebracht. Die Begeisterung wird als 'riesengroß' beschrieben. Nachdem das Luftschiff LZ 5 am Tag nach der Landung gegenüber Nierstein bei Echterdingen in einem Gewittersturm zerstört wurde, waren in ganz Deutschland bald Millionen Mark an Spenden gesammelt, damit Zeppelin sein Werk fortsetzen konnte. Die Niersteiner übersandten, durch das persönliche Erlebnis sicher stark motiviert, am 22. August 1908 den Betrag von 2 396 Mark und zweihundert Flaschen feinsten Weins, um die weitere Arbeit zu unterstützen.

Gasthaus zum Zenuelinstein, Inhaber Franz Maver.

7. Auf der Höhe der Zeit befand sich Franz Mayer. Sein Lokal auf dem Kornsand hieß 1916 'Zum Zeppelinstein'. Diesen hatten die Niersteiner zu Ehren des Grafen an der damaligen Landestelle errichtet. Am 11. August 1911 überflog das Luftschiff 'Schwaben' in südlicher Richtung die Weinbaugemeinde.

Der südliche Teil een Nierstein mit Galgenberg.

8. Im südlichen Teil von Nierstein entstanden um die Jahrhundertwende mehrere herrliche Villen. Auf dieser Ansicht sind die Anwesen von Karl Senfter, das heute zum Autohaus Hartmann gehört, von Reinhold Senfter und Rolf Paulus zu sehen. Im Gegensatz zu den rotliegenden Weinbergslagen nördlich von Nierstein bestehen die Lagen vom Burgweg über Galgenberg bis zum Brückchen aus gelben Kalk -Lößböden .

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