Nordhausen in alten Ansichten Band 1

Nordhausen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Rainer Hellberg
Gemeente
:   Nordhausen
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6544-0
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nordhausen in alten Ansichten Band 1'

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9 Nördlich des Rathauses, von diesem nur durch eine schmale Gasse getrennt, stand bis zum Luftangriff auf Nordhausen am 3. und 4.April 1945 die Kirche St. Nikolai, auch 'Marktkirche' genannt. Dieser wuchtige steinerne Bau wurde in der romanischen Zeit errichtet. Bereits

1 220 stand eine pfarrkirche zu 'St. Nikolai auf dem Markte' , nach Nikolaus benannt, dem heiligen Schutzpatron der Kaufleute und Schiffer. Mehrmals zerstörten Brände die Türme dieses Gotteshau ses, so am 21. August 1612, am 23. August 1710 und am 21. August 1712.

St. Nikolai war seit der Reformation die Hauptkirche der Nordhäuser Evangelisten.

Hier amtierte Pastor Primarius, leitender Pfarrer der Stadt, dem der Rat der Stadt einen Teil des Wallgrabens zur Nutzung überließ (Primarius graben) .

Die Aufnahme zeigt die Kir-

ehe um 1915. Heute erinnert nur noch das Kopfsteinpflaster hinter dem Rathaus an den schmalen Durchgang, der die Kirche vom Rathaus trennte.

. NORDHAUSEN.

Nikolai-I<.irche .

10 Am 7. Mai 1927 fand die feierliche Weihe von zehn neuen Glocken für die evangelischen Kirchen von Nordhausen statt. Im Ersten Weltkrieg mußten einige Kirchen zum Einschmelzen für die Rüstungsproduktion Glocken opfern. Die Nikolai-, Petri-, [akobi-, die Altendorfer- und die St.-Laurentius-Kirche in Salza besaßen dadurch kein vollständiges Geläut mehr. Deshalb beschlossen die Kirchengemeinden, ersatzweise zehn neue Glocken anzuschaffen. Tausende Menschen, darunter der gesamte Magistrat, die Pfarrschaft, die Kirchenältesten und die Schulen, versammelten sich auf dem Markt, um der feierlichen Ze-

remonie beizuwohnen. Am 16. Mai 1927 (Himmelfahrtstag) erfolgte das Einläuten der neuen Glocken. Allerdings hielt die Freude in den Kirchengemeinden nicht lange an, denn im Zweiten Welt-

krieg durften sie fast alle Glocken wieder abliefern, nur die Melanchthon-Glocke entkam diesem Schicksal, überstand auch die Bombardiemng 1945 und befindet sich heute am freistehenden

Glockenstuhl an der Frauenberger Kirche.

1 1 Die Rautenstraße um

191 O. Sie wurde nördlich vom Kornmarkt und südlich 'Vor dem Vogel' begrenzt. Ungefähr siebzig Läden, kleinere Dienstleistungsbetriebe und Kaufhäuser boten in dieser Hauptgeschäftsstraße ihre Waren und Dienste an. Ab 1900 wurde die elektrische Straßenbahn in Betrieb genommen. Die Linien Bahnhofsplatz- Kornmarkt -Gei ersberg und BahnhofsplatzKornmarkt -Altentor-Grimmelallee führten eingleisig durch die stark frequentierte Straße, die damals nicht halb so breit war wie die heutige.

Auch in den schweren [ahren nach dem Ersten Weltkrieg und während des Zweiten

Weltkrieges nahm die Entwicklung dieser Straße einen erfreulichen Fortgang.

Die Rautenstraße mit ihren Gebäuden versank unter dem Bombenhagel im April 1945 in Schutt und Asche. Der Wie-

deraufbau scheiterte am Geld- und Materialmangel. So entstand eine überbreite Straße mit zwei Schienensträngen für die Straßenbahn, ohne Flair und Atmosphäre. Rechts und links monotone Betonar-

chitektur nach sozialistischem Schönheitsideal.

12 Älteren Nordhäusern ist das Rosenthal-Haus am Steinweg / Ecke Bäckerstraße ein Begriff.

Erbaut 1908 im sogenannten Hildesheimer Stil, war das Haus des Bäckermeisters Karl Rosenthal mit seinen vielen Verzierungen ein Vorzeigeobjekt der Stadt. Als architektonische Glanzleistung galt der hohe, reich geschmückte Fachwerkbau, als wahres Meisterwerk der Dachdeckerkunst das steil abfallende, metallisch schimmernde Schieferdach des Hauses.

Im Ersten Weltkrieg verlor der Bäckermeister seinen einzigen Sohn, in der Inf1ationszeit sein gesamtes Vermögen und das Haus.

Von Gästen bewundert und oftmals fotografiert, gehörte das markante, mit vielen Sprüchen versehene Gebäude - im Bild eine Aufnahme aus demjahre 1935 -zum unbe-

dingten Muß bei Stadtführungen. Beim Luftangriff auf Nordhausen wurde es bis auf die Grundmauern völlig zerstört.

1 3 Das Wiener Café in der BäckerstraBe 22 / Ecke Kalte Gasse im Iahre 1930.

Paul Freyhardt eröffnete 1905 das Lokal nach einigen Umbauarbeiten. Vorher beherbergte dieses Haus eine Käsehandlung. Dreißig [ahre später gestaltete der rührige Gastwirt Alfred Mader das gutgehende Lokal unter besonderer Berücksichtigung der vorhandenen Kreuzgewölbe aus dem 15. Jahrhundert neu und schuf somit ein gemütliches Café mit besonderem Flair. Gepflegte Speisen und Getränke und nicht zuletzt die Veranstaltungen mit Varietécharakter waren ausschlaggebend für den guten Ruf des Lokales. Ein schmackhaftes Mittagessen gab es hier schon

ab 70 Pfennig. Warme Speisen konnte man zu jederTageszeit haben.

Der Luftangriff lieB nach einem Bombenvolltreffer von diesem Haus nichts übrig.

Wlener Café. Nordhausen a. H. Bäckerstraße 22 Telephon 724 Bes. Alfred Mader

Einzige Kleinkunstbühne am Platze

14 Das Riesenhaus präsentierte sich zurTausendjahrfeier 1927 im neuen Gewand. Die Putzschicht wurde entfernt und das Fachwerk wieder freigelegt. Das geschichtsträchtige Gebäude erhielt damit sein ursprüngliches Aussehen zurück.

Seinen Namen erhielt es durch den im Giebel zur Straße hin angebrachten hölzernen Riesen mit Lanze, der noch älter gewesen sein dürfte als der Roland am Rathaus (1717). Erstmals wurde das Riesenhaus am 14. Februar 1375 erwähnt, als das aufgebrachte Volk das Gebäude stürmte und die versammelten Ratsherren gefangen setzte. Mitte des 16. [ahrhunderts ging das Haus in Ratseigen-

tum über. Ein Stadtbrand im [ahre 1 71 0 vernichtete das Gebäude bis auf die Grundmauern, es wurde aber bald wieder aufgebaut. 1805 ging das Riesenhaus in Privatbesitz der Familie Blödau über, die

darin eine Kaffee- und Weinstube einrichtete. Beim Bombenangriff im April 1945 wurde das historische Gebäude vernichtet, 35 Menschen fanden unter den Trümmern den Tod.

Nordhausen

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1 S Das Lutherdenkmal auf dem ehemaligen Holz- bzw. Kohlmarkt, dem späteren Lutherplatz im [ahre 1910.

Zum 400. Geburtstag des Reformators 1883 hegte man in Nordhausen den Wunsch, diesen Mann mit einem Denkmal zu ehren. Vorgesehen als Standort war der Holz- bzw. Kohlmarkt im Zentrum der Stadt, der von dem markanten Riesenhaus, der Adlerapotheke (Geburtshaus von Luthers Freund [ustus Jonas) und einigen Geschaftshäusern begrenzt wurde. Am 12. September 1888 erfolgte die Weihe des 2S 000 Reichsmark teuren Denkmals einschließlich einer bemerkenswerten Brunnenanlage. Im Bild eine Aufnah-

me aus dem [ahre 1910. Am Lutherdenkmal trafen sich alljährlich die Bürger zum Martinsfest. 1936 wurde das Denkmal aus nicht nachvollziehbaren Gründen (angeblich Verkehrshindernis) vor

die Nikolaikirche, zwischen Rathaus und Stadthaus, umgesetzt. Im [ahre 1943 verschwand Luther von seinem Sockel und wurde zur 'Verstärkung der Rüstungsreserve' eingeschmolzen.

16 Mitte des vorigen [ahrhunderts veröffentlichte der Nordhäuser Buchhändler Ferdinand Förstemann in 'Rierne unn Biller' erstmals die Geschichte 'D'r Märtensabend zu Nordhusen'. Diese Geschichte stellt alle Elemente einer Martinifeier vor: den Blaukohl, den Gänsebraten, die Martinskerzen, den Schnaps und den Wein, die Fische, die Geschenke für den Lehrer und die Feier selbst. Die Gestaltung dieser Geschichte mitText und den lustigen Bildern hatte der Maler und Schriftsteller Karl Duval (1808-1853) übernommen. Von den Festen hat das Martinsfest (Martini) in der Stadt die längste Tradition. Ursprünglich am 1 1. November

zu Ehren des 397 verstorbenen Heiligen Martin van Tours begangen, wurde es nach der Reformation zu Ehren Luthers an dessen Geburtstag arn 10. November gefeiert. Von 1 845 an bis zum

Zweiten Weltkrieg fand jedes [ahr an diesem Tag ein Festumzug statt, der am Lutherplatz mit Glockengeläut und dem Lutherlied 'Ein« feste Burg ist unser Gott' endete.

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17 Martini in Nordhausen hatte bis 1938 Volksfestcharakter. Ganz Nordhausen war an diesem Tag auf den Beinen. Da für alle Kinder schulfrei war, besuchten sie am Vormit tag den Festgottesdienst in der Marktkirche. Die Händler auf dem Markt hatten Hochkonjunktur, denn Martinsgans, Karpfen und Kohl waren sehr begehrt. In allen Papierwarenhandlungen und Drogerien verkaufte man Feuerwerk und Martinskerzen mit Abziehbildern von Luther, Melanchthon und [ustus Jonas. Die obligatorischen Martinskarten gab es in großer Auswahl. Sie wurden an Bekannte und Verwandte geschickt.

Bedingt durch den Krieg und seine Folgen wurde Martini bis zur Wiedervereinigung nur noch im Familienkreis begangen. Findige Nordhäuser Lokale warben trotzdem in Inseraten am

10. November zum Martinsessen, vermieden aber vorsichtshalber den Ausdruck 'Martini' und setzten dafür 'Nordhäuser Kirrnes' ein.

Oer Roland ZU Martini

NordhBusrn.

18 Das Reichspostamt auf dem Königshof, vom Fotografen aus Richtung Kuttelpforte um 1890 aufgenommen, wurde im [ahre 1 878 erbaut. Im Vordergrund das Becken der Wasserkunst mit Figur und das Pumpenhäuschen. Als der schöne Klinkersteinbau entstand, konnte die Stadt Nordhausen bereits aufzweihundert [ahre Postgeschichte zurückblicken. Während die Postbeförderung der Freien Reichsstadt Nordhausen Ende des 17. Jahrhunderts in den Händen eines reitenden Boten lag, übernahmen Postkutschen im 18. Jahrhundert diese Tätigkeit. Als im [ahre 1802 die Stadt die Reichsfreiheit verlor, löste die könig-

lich-preußische Post die kaiserliche ab, die fast siebzig [ahre bestanden hatte. Nach der Reichsgründung im [ahre 1871 nannte sie sich Reichspost. Nach einer grundhaften Sanierung 1996/97 erstrahlt

das alte Gebäude heute wieder im alten Glanz.

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