Nordhausen in alten Ansichten Band 1

Nordhausen in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Rainer Hellberg
Gemeente
:   Nordhausen
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6544-0
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2 - 3 werkdagen (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Nordhausen in alten Ansichten Band 1'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

29 Die Biedermeierzeit mit ihrem Sinn für behagliche Freuden des Lebens, mit ihrem Trieb zum Spazierengehen zum Zweck des Gesehenwerdens, ließ in fast allen Städten Deutschlands, dem französischen Vorbild gleich, in ihren Zentren Promenaden entstehen. In Nordhausen entstand nach Verfüllen des Wallgrabens und Bepflanzen der eingeebneten Flächen mit Bäumen und Sträuchern eine Promenade, die im wesentlichen 1842 fertiggestellt war. Indenjahren 1902103 erfolgte eine größere Umgestaltung durch den Gartenbauinspektor Rohscheid. Die einzelnen Gruppen von Bäumen, Sträuchern und Blumen, die durch Wege getrennt waren,

wurden mehr auf den gesamten Park verteilt und Brezelwege angelegt, so daß größere Rasenflächen entstanden, die auf die Besucher beruhigend wirkten und die Promenade für Besucher noch at-

traktiver machten. Im Bild die Promenade mit Stadtmauer und Gärtnerturm (links) etwa um 1910.

~ der Mauer

"

30 Der 1480 erbaute Gärtnerturm in der Promenade war einst ein Verteidigungsturm zur Stadtbefestigung und lag vor der eigentlichen Stadtmauer. Da dieserTurm bei der Verkehrsführung und den Bebauungsplänen der Stadt im 19. und 20. [ahrhundert nicht im Wege war, sondern bei der Umgestaltung der Promenade sogar als Zierde diente und als Wohnung genutzt wurde, blieb er der Nachwelt bis zu seiner Vernichtung beim Luftangriff auf Nordhausen im April 1945 erhalten. In diesem Turm wohnte unter anderen bis zumjahre 1900 der verdienstvolle Stadtgärtner Friedrich Hermsdorf. Hermsdorf war am 19. Mai 1864 in den städtischen Dienst übernommen worden und hatte unter anderem erheblichen Anteil an der Gestaltung der Promenade. Die Stadtverordneten-

versammlung beschloß am 12. August 1872, Friedrich Hermsdorf auf Lebenszeit einzustellen. Sein Können stellte er über fünfzig [ahre in den Dienst der Stadt.

31 Nordhausen besitzt eine Jahrhunderte alte Theatertradition. Lange Zeit waren die Aufführungen an bescheidene Spielstätten gebunden. Am 24. Juli 1818 eröffnete das Kettembeilsche Schauspielhaus im Berliner Hof in der Rautenstraße 44/45. Nach dessen Niedergang wurde das Tivoli für Aufführungen genutzt. Im Frühjahr 1913 begann man mit einem Theaterneubau an der unteren Promenade, der zwar im Sommer 1914 im Rohbau fertig wurde, aber auf Grund des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nicht fertiggestellt werden konnte. Unter vielen Mühen gelang es jedoch, die innere Ausstattung soweit zu vollenden, daß am 29. Sep-

tember 1917 die Eröffnung stattfinden konnte. Die Aufnahme zeigt das Theater 1940, rechts der Gärtnerturm, im Hintergrund die Kirche St. Blasii.

Beim Luftangriff auf Nord-

hausen wurde die Spielstätte stark beschädigt. Nach Kriegsende erfolgte der Wiederaufbau.

32 NachAbbruch des Zwingers vor dem Töpfertor zwischen 1838 und 1842 wurden die eingeebneten Flächen begrünt und Sträucher gepflanzt, um diesen Platz vor den beiden Schulen (Realgymnasium und Elementarschule) ansehnlich zu gestalten. Eine gründliche Umgestaltung des 70 m langen und ebenso breiten Platzes erfolgte 1902. Er bekam Blumenbeete, neu angelegte Rasenflächen und niedriges Buschwerk. Der Weg zur Promenade wurde im Herbst 1906

mit einem Mosaikpflaster versehen. Somit war ein fließender Übergang zur Promenade geschaffen. Das Kaiser-Friedrich-Denkmal und das Museum mit wertvollen Sammlun-

gen, Archiv, Bücherei und Kunsthalle fügen sich harmonisch in das Gesamtbild des Platzes ein, wie die Aufnahme aus dem [ahre 191 0 zeigt.

33 Am 18. Oktober 1901 fand in Gegenwart des Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen die feierliche Enthüllung des Friedrich -WilhelmDenkmals statt. Der Kaiser als überlebensgroßer Bronzeguß auf einem Sockel aus rotem poliertem schwedischem Granit. Die gesamte Nordhäuser Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie tausende Bürger der Stadt und Gäste waren bei der Einweihung dieses Denkmals anwesend. Im Bild rechts ist der Kristallpalast am Beginn der Gartenstraße zu sehen.

Der Bronzeguß fiel im Zweiten Weltkrieg der Rüstungsproduktion zum Opfer. Der Sockel wurde umgearbeitet und fand später als Gedenk-

stein für die Opfer beider Weltkriege auf dem Hauptfriedhof Verwendung.

34 Eines der beliebtesten, wenn nicht sogar das beliebteste café der Stadt war bis zum Kriegsende das Café Dietze an der Promenade. Im Bild eine Innenaufnahme aus dem [ahre 193 O.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang in der Promenade, vor oder nach einerTheatervorstellung, verweilte man gern, nachmittags bei Kaffee und Kuchen, abends bei einem gepflegten Glas Wein und dezenter Musik, um sich zu entspannen, zu unterhalten oder auch, um sich näher kennenzulernen. So manche feste Bindung ist hier entstanden.

Jahrelang war das gemütliche Café in Besitz der Familie Becker, genannt 'Dietze-Becker'.

35 Der Nordhäuser Hof stand an jener Stelle, an der 1895/96 das riesige Gebäude des Kristallpalastes errichtet wurde. Die Aufnahme zeigt die Gaststätte um 1895, fotografiert etwa vom Standort der heutigen Deutschen Bank. Dr. Hans Silberborth schrieb in seinem Buch 'Die Geschichte des Nordhäuser Gymnasiums' von 1924, daß die Gastwirtschaft beliebt war bei Gymnasiasten und stark von ihnen frequentiert wurde. Die Straße, in der sich das Lokal befand, hieß damals Gartenstraße und ist heute Teil derTöpferstraße. Ihren Namen verdankte sie dem Umstand, daß sie zu den hinter dem ehemaligen Töpferteich angelegten Gärten führte.

36 Die Aufnahme aus dem [ahr 1913 zeigt die Vorderansicht des stadteigenen Vereinshauses in der Baltzerstraße S. Entstanden durch einen Umbau vor dem Ersten Weltkrieg, bot das Gebäude den Nordhäuser Vereinen eine Unterkunft und die Möglichkeit, sich geistig und kulturell zu betätigen.

In Nordhausen entfaltete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein reges Vereinsleben. Bereits 1897 existierten 157 Vereine, die Zahl erhöhte sich ständig. 1914 gab es etwa 240 politische, mildtätige, gesellige, gemeinnützige, gewerbliche sowie Militär- und Gesangsvereine. Ursprünglich beherbergte dieses Haus das Hotel

'Schwarzer Adler' , das als erstklassig galt. Hochrangige Persönlichkeiten übernachteten dort. Im [ahre 1 848 residierte Baron van Byla, Landrat und Ritter, im 'Schwarzen AdIer'. Von diesem Haus befin-

det sich ein Gemälde im Nordhäuser MeyenburgMuseum.

37 Zahlreiche Schaulustige erlebten 1909 den Start des Ballons 'Nordhausen ' auf dem Neumarkt, dem heutigenAugust-Bebel-Platz. Es war einer von mehreren Versuchen, die Stadt mit einem Ballon zu überfliegen.

Ein Zeitungsinserat vom 23. April 1832: 'Am Ostermontag nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr wird Hans Larifari bei dem Hannoverschen Zoll in die höchsten Lüfte aufsteigen' , ist der erste Hinweis über einen Ballonflug in Nordhausen. Den ersten bemannten Ballonflug erlebten die Nordhäuser am 31. Juli 1892 im Gehege. Der Luftschiffer Paul Feller stieg mit seinem gasgefüllten Ballon auf, überflog die Stadt in Richtung Kyffhäuser. Der Flug endete unfreiwillig in Heringen. Die Begeisterung für solche Unternehmungen war so groß, daß in Nordhausen der

'Sächsisch-Thüringische Verein für Luftfahrt' entstand und einen eigenen Ballon erwarb, den Oberbürgermeister Dr. Carl Contag am 4. Juni 1909 auf den Namen 'Nordhausen' taufte.

38 Am 28. November 1880 wurde der Gymnasial-Gesangsverein (GGV) gegründet. Er war der älteste der drei Schülervereine arn Nordhäuser Gymnasium. Zu den Gründern des aus dem Gymnasial- Kirchenchor hervorgegangenen Vereins gehörte der Nordhäuser Justizrat Gustav Pillert, der unter den Trümmern des Riesenhauses arn 3. April 1945 ums Leben kam. Die drei Schülervereine traten um die Weihnachtszeit mit ihren Stiftungsfesten an die Öffentlichkeit. Diese Veranstaltungen in den Gesellschaftshäusern 'Erholung' und 'Hoffnung' oder im 'Riesenhaus' zeichneten sich durch hohes Niveau aus. Mitglieder des Vereins, die das

Gymnasium mit bestandenem Abitur verlassen hatten, hießen von diesem Zeitpunkt an im Verein 'Alte Herren'. Am 29. Dezember 1920 fand in der 'Hoffnung' das 40. Stiftungsfest des Gymnasial-Ge-

sangsvereins statt. Heute gibt es den GGV nicht mehr, nur die Postkarte aus demjahre 1920 erinnert noch an ihn.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2019 Uitgeverij Europese Bibliotheek