Nordhausen in alten Ansichten Band 2

Nordhausen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Rainer Hellberg
Gemeente
:   Nordhausen
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6628-7
Pagina's
:   112
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nordhausen in alten Ansichten Band 2'

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49 Der Mühlgraben an der Hohensteiner Straße / Ecke Elisabethstraße um 1918.

N eben der Brücke bestand die Möglichkeit, das Vieh zu tränken, Reinigungsarbeiten auszuführen und hölzerne Fässer ausquellen zu lassen. Die Färberei Schnetter, deren Anwesen in unmittelbarer Nähe lag, wusch hier die Stoffe aus. Etwa 20 m entfernt befand sich das Elisabeth-Hospital, im Volksmund 'Spittel' genannt. Nur wenig weiter nutzte die Gärtnerei Rößler, die noch bis 1965 existierte, den Mühlgraben zur Bewässerung ihrer Flächen.

Für die Kinder war diese

Stelle ein beliebterTummelplatz. Hier verbrachten sie in den Sommermonaten einen Großteil ihrer Freizeit. Hier konnten sie nach Herzenslust spielen, der flache Uferbereich er-

möglichte ein gefahrloses Erreichen des Wassers. Die Mutigsten nahmen manchmal ein Bad oder suchten den Mühlgrabengrund nach 'Schätzen' ab, was ihnen oftmals die Bewun-

derung der gesamten Clique und nicht selten daheim ein paar schallende Ohrfeigen einbrachte.

50 Die Kaisermühle, im Iahre 1913, aus Richtung Grimmei gesehen.

Links dasWohnhaus, in der Bildmitte das Mühlengebäude, rechts die Scheune. Der Dachstuhl der Mühle fiel 1 913 einem Brand zum Opfer, wurde aber im gleichen Iahr wieder erneuert.

Die Kaisermühle ist die vermutlich älteste, noch namentlich nachweisbare Mühle am Nordhäuser Mühlgraben. Sie wurde im 12. Jahrhundert gebaut und gehörte dem Domstift. Später ging die Mühle in städtischen Besitz und ab 1870 in Privateigentum über. Um 1930 wurde ihr eine Bäckerei angegliedert. Als nach der Bombardie-

rung das Wasser des Mühlgrabens nicht mehr zur Verfügung stand, mußte aufStrom zurückgegriffen werden. 1951 stellte der Besitzer den Mühl- und Backbetrieb ein.

Das Mühlengebäude wird heute von den Nachkommen des ehemaligen Müllers Otto Pieper für Wohnzwecke genutzt, im ehemaligen Wirtschaftsgebäude ist der soziale Ver-

ein Horizont e.V untergebracht.

5 1 Die Weidenstraße mit Blick zum Grimmel, um

1 92 O. Vorn links das Barbier- und Friseurgeschäft von Max Kleemann, daneben die bekannte Gaststätte Schwarzes Roß.

Vom Grimmei kommend, führte der Mühlgraben die Weidenstraße entlang. Das Ufer war mit großen Steinen befestigt, ab und an gab es Trittstufen zum Wasser, die den Anwohnern das Wasserschöpfer erleichtern sollten. Zu manchen Grundstücken jenseits des Mühlgrabens

gab es kleine Brücken, die teilweise sogar befahrbar waren. Kurz vor dem Lohmarkt erreichte das ruhig fließende Wasser die Kut-

telmühle. Dort endete die Weidenstraße, die ihren

N amen den Kopfweiden zu verdanken hat, die einst vor der Bebauung den Mühlgraben säumten.

Die bezaubernde Beschau-

lichkeit, die der Weidenstraße eigen war, inspirierte zahlreiche Heirnatmaler zu eindrucksvollen Aquarellen, Federzeichnungen und Radierungen.

Im Volksmund wurde diese

Gegend auch als KleinVenedig bezeichnet.

Nordhausen

52 Der letzte Weißgerbermeister der Stadt, Friedrich Engel (2. von rechts), mit seiner Familie vor seinem Wohnhaus am Lohmarkt 20. Die Aufnahme entstand um 1932.

Seinen Namen hat der malerische Lohmarkt von den im Mittelalter dort ansässigen Weiß- und Lohgerbern. In dem Wasser des Mühlgrabens konnten sie ihre Tierfelle vorzüglich bearbeiten, die unter anderem zur Herstellung von Schuhen und pferdegeschirren benötigt wurden. Die Besiedlung des Lohmarktes und die Nutzbarmachung des Mühlgrabens in diesem Bereich geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die noch heute vorhandene Kuttelpforte, die die direkte Verbindung zwischen Königshofund Mühlgraben ermöglichte, fand be-

reits 1 206 Erwähnung. Die am nördlichen Ende des Lohmarktes gelegene Kuttel- oder Lohmarktmühle wurde 1310 erstmals urkundlich erwähnt.

53 Die weiße Pracht verzaubert den Lohmarkt in eine winterliche Märchenlandschaft. Fast ausgestorben wirkt der sonst so belebte Platz im Kriegswinter 1944/45.

Der Lohmarkt besaß in jeder Jahreszeit seine ihm eigenen Reize: Im Frühling, wenn sich das erste zarte Grün der Bäume zeigte, die Linden mit dem Duft ihrer unzähligen Blüten den Platz erfüllten, im Sommer, wenn die Bänke unter dem schattigen Dach der Bäume zu einem Plausch animierten und die Lohmarktmühle lustig rauschte, im Herbst, wenn sich die Blätter goldgelb färbten und den nahen

Winter ankündigten. Das besondere Flair, das diesen Platz umgab, ließ ihn zu einem der beliebtesten Orte der alten Reichsstadt werden.

Die Schönheit und Gemüt-

lichkeit des Lohmarktes hat nicht nur Maler zu romantischen Bildern inspiriert, auch bei Künstlern der schreibenden Zunft fand dieses idyllische und gern besuchte Fleckchen in

zahlreichen literarischen Werken ihren Niederschlag.

54 Das Wasser des Mühlgrabens, vom pfingstgraben kommend, trieb am Schaekenhof 1 die MartiniMühle an. Im Bild eine Aufnahme aus demjahre 1920.

Sie lag linksseitig des Mühlgrabens zwischen Rumbach und Arnoldstraße und war über drei Zufahrten zu erreichen:

Von der Mitte der Rumbachstraße, vom oberen Teil der Sundhäuser Straße und von der Arnoldstraße aus, wobei da der Weg über den Mühlgraben führte.

Die Mühle wurde erstmals 1410 urkundlich erwähnt, gehörte zum Martini-Hospital und ging später in städtisches Eigentum über. Sie wurde, wie alle Mühle der Stadt, meistbietend für jeweils sechs Iahre verpachtet.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wieder in Privatbesitz, betrieb man neben der Mühle auch den Handel mit Mühlenprodukten. Der

letzte Besitzer Heinrich Machmuth erweiterte das Leistungsspektrum nochmals, wobei derVerkauf von Mehl und Futtermit-

teln eine nicht unwesentliche Rolle spielte. Die Mühle fiel dem Luftangriff imApril1945 zum Opfer.

55 Nach der Unterquerung der Sundhäuser Straße erreichte das Wasser an der Martinstraße die Klostermühle und entschwand den Blicken hinter einer Wellblechwand, so daß Fremden die Sicht in diese malerische Partie des Mühlgrabens verwehrt blieb.

Es gehörte zur guten Tradition des Stadtarchivars Dr. August Stolberg, bei Exkursionen durch das tausendjährige Nordhausen, seine Gäste stets auch an diesen Ort zu führen, der mit seinem unter steinernen Brücken dahinfließenden stillen Gewässer an das belgische Brügge erinnerte.

Heirnatmaler und -dichter Walther Reinbath sen. (1899-1990) hieltdiesen bezaubernden Winkel 1930 in einer Ölskizze fest.

Der gebürtige Nordhäuser, der seit Kriegsende in Walkenried lebte, hat viele solcher Winkel und Gassen, in die sich kaum ein Fotograf verirrte, gezeichnet und somit der Nachwelt erhalten.

56 Die Lindenmühle, hier eineAufnahme um 1908, war vermutlich eine Ölmühle, die von der Größe her unbedeutend und bei weitem nicht so alt war wie die Mahlmühlen in der Stadt. Der älteste Hinweis auf die Mühle ist im Nardhäusischen wöchentlichen N achrichts- Blatt vom

2. Dezember 1822 zu finden. Sie lag außerhalb von Nardhausen, etwa der heutigen Tankstelle MINOL gegenüber.

1862 übernahm Ferdinand Rosenthal die Mühle, die daraufhin auch Rosenthals Mahlmühle genannt wurde. Fünfzehn Iahre später erwarb Jakob Mautner das gesamte Gelände und

betrieb darauf eine große Weberei. Das Mühlengebäude wurde im Zuge von Erweiterungsmaßnahmen im Iahre 1910 abgerissen. Der Betrieb bestand als mechanische Weberei Eduard

und Denny Mautner bis 1945. Unzählige Bomben verwüsteten das große Areal und legten den gesamten Gebäudekomplex in Schutt und Asche. Wenige hundert Meter

weiter vereinte sich der Mühlgraben wieder mit der Zarge.

57 Die Niederlegung der Finkenburg in der Domstraße 23 im Frühjahr

1 92 7 - Blick auf die zum Teil zusammengefallene Westseite des Hauses. Anfang des 20. Iahrhunderts war das um 1445

im Fachwerk-Ständerbau errichtete historische Gebäude in einem desolaten Zustand. Im Iahre 1915 wohnten, trotz gebrochener Balken im Inneren und morscherTreppen sowie defekter Fenster, 39 Personen im Haus. In den Baupolizeiakten vom 11. Juli 1917 ist folgende Aktennotiz enthalten, verfaßt von Ernst Schulze, pferdemarkt 1: 'Nach Aussage meines Desinfektors Hartung sind

die Abortverhältnisse im Haus Domstraße 23, woselbst augenblicklich Typhus ausgebrochen ist, so skandalös, daß es angebracht ist, um ein Weitergreifen der Krankheit zu

verhindern, daß die Polizei daselbst einschreitet .. .' und zwei Iahre später stellte das städtische Hochbauamt fest: 'In den Wohnungen wohnt das Grauen.'

58 Der Hausbesitzer konnte das Geld für die ständigen Reparaturen nicht aufbringen. Der spätere Verwalter wurde wegen Nichtbehebung der bestehenden Mängel mehrmals von der Stadt zur Kasse gebeten und veräußerte das heruntergekommene Grundstück. Der neue Eigentümer stellte einen Antrag auf Abriß des Gebäudes, den die Stadtväter jedoch ablehnten.

Im Iahre 1923 ging das gesamte Areal an den Deutsch-Amerikaner Ulrich König aus Milwaukee, der das Haus seiner Heimatstadt zum Geschenk machte. In der Denkschrift zum Wiederaufbau der Finkenburg heißt es dazu:

' ... die Körperschaften nahmen es gern an, denn es schien ihnen eine Ehrenpflicht, dies altehrwürdige

Baudenkmal in eigene Hand zu bekommen, um es als Wahrzeichen alter, vergangener Zeit der Nachwelt zu erhalten.'

Die Aufnahme zeigt das Abtragen des Ziegelwerkes durch Gesellen des Baugeschäftes H. Bartens aus Nordhausen.

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