Nordhausen in alten Ansichten Band 3

Nordhausen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Rainer Hellberg
Gemeente
:   Nordhausen
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6695-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nordhausen in alten Ansichten Band 3'

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29 Rudolf Weide vor seinem Motorfahrzeugbetrieb in der Helmestraße 43, um 192 7, links neben der Tür das ADAC-Schild. Rechts befand sich eine Kraftstoff-Zapfsäule. Im dazugehörigen Geschäft verkauft der Firmeninhaber Fahrräder und Motorräder.

Die hohe steuerliche Belastung von Personenkraftwagen führte zu einer großen Nachfrage nach führerscheinfreien Fahrzeugen, da diese steuerlich wie Motorräder behandelt wurden. Deshalb bemühten sich seit Anfang des 20.Jahrhunderts die KfzKonstrukteure, die Lücke zwischen Motorrad und

Automobil mit einfachen und leichten Fahrzeugen auszufüllen. Fahrzeuge bis 350 kg und mehr als 200 ccm Hubraum entsprachen diesen Wünschen, da sie ohne Führerschein zu fahren waren.

Eine interessante Variante

fertigte Mitte der 1925 gegründete Motorfahrzeugbetrieb Rudolf Weide (1888-1968), Helmestraße 43. Die von 1925 bis 1930 hergestellten Motordreirad-Wagen mit der Bezeichnung 'R.WN.' erfreuten sich im gesamten

Thüringer Raum großer Beliebtheit. Sie gab es in den Karosserie-Versionen offen und geschlossen, vom Nutzfahrzeug bis zum Kabriolett.

30 Technische Abnahme eines R.WN.-Motordreirad - Personenwagens,

(' geschlossene ' Version) auf dem Kaiserplatz (Platz der Gewerkschaften), im Hintergrund die spätere Gaststätte 'N ordhisser Eckchen", um 1927.

Im Fahrerhaus die Prüfer des Dampfkesselüberwachungsvereins Halberstadt, die Ingenieure Brüser und Hammer, auf dem Notsitz Garagen- und Tankstellenbesitzer Karl ]agemann (links) und Firmeninhaber Rudolf Weise.

Die R.WN.-Dreiradwagen wurden wahlweise mit 200-ccm-Zweitakt- oder 350- und 500-ccm-Viertaktmotoren hergestellt. Ein großräumiger Kofferraum, der - wie auf der Aufnahme ersichtlich auch als Notsitz hergerichtet werden konnte, befand

sich hinter den Fahrersitzen. Etwa achtzig dieser Fahrzeuge verließen die Werkstatt von Rudolf Weide.

Der Anschaffungspreis richtete sich nach dem

Typ und betrug zwischen 1600 und 1700 Mark.

'Als von ausschlaggebender Wichtigkeit ist der niedrige Preis hervorzuheben, der unterhalb desjenigen eines Motorrades mit

Beiwagen liegt und den weiten Volkskreisen erschwinglich ist', ließ der Hersteller die Kunden in einem Prospekt wissen.

3 1 Generalvertretung für Goliath-Fahrzeuge von RudolfWeide in der Kasseler Straße 29, um 1932. Die im Kraftstoffverbrauch sparsamen (zwischen 3 bis 4 Liter pro 100 km) und in der Wartung bescheidenen R.WN.-Fahrzeuge erreichten je nach Motorstärke eine Höchstgeschwindigkeit von 60 bis 75 km/h in der Ebene. Mit einer Tankfüllung (14 1) wurde ein Aktionsradius von 400 km angegeben. Für Kriegsinvaliden und Gehbehinderte baute der Unternehmer steuer- und führerscheinfreie Spezialanfertigungen.

Rudolf Weide stellte auch Lieferfahrzeuge in verschiedenen Varianten her. Erhältlich waren Lieferkasten und Pritschenausführung, Pritschenwagen mit Seitenwänden sowie Brot-

und Fleischerwagen, alle bis mit 500 kg Tragkraft. Die Ladefläche bot mit 1,10 mBreite, 1,50 m Länge und 1,7 0 m Höhe ausreichend Platz. Aufgrund zu hoher finan-

zieller Forderungen des Patentbesitzers stellte Weide die Produktion Anfang der dreißiger Iahre ein. Er wechselte von der Helmestraße in die Kasseler Straße 29 und über-

nahm dort eine Generalvertretung für GoliathFahrzeuge.

32 RudolfWeide (2. Fahrer von oben) als Motorsportler auf der Zementbahn des Nordhäuser Stadions, um 1926. RudolfWeide war nicht nur ein hervorragender Fahrzeugbauer, sondern auch ein leidenschaftlicher Motorrad- und Motordreiradfahrer sowie Fahrlehrer. Urkunden und Pokale zeugen von der erfolgreichen Sportkarriere des bekannten Nordhäusers. Beispielsweise gewann er am 15. Juli 1928 die Harzgebirgsfahrt über 600 km des ADAC Nordhausen. Die Fahrt legte der begeisterte Autosportier ohne jegliche Störung und strafpunktfrei zurück. Der Wagen war zum Zeitpunkt des Wettkampfes 30 Monate alt und hatte bereits 38 000 km auf dem Buckel.

'Der ungefährdete Sieg be-

weist die Zuverlässigkeit und Ausdauer der Motordreirad -Wagen R. WN.' , schrieb die Tagespresse zu dem Ereignis.

Dieses hohe Lob erhielt der Hersteller auch von

zahlreichen Kunden, zu denen unter anderem das Stoffgeschäft Oskar Wimmer, die Bäckerei Willi Raspe und Hermann Oelschlegel aus Göttingen gehörten. Heute befindet

sich ein R.WN. als Museumsstück im Tabakspeicher und lässt die Herzen der Motorsportfreunde höher schlagen.

33 Kiesbaggerei und Fuhrbetrieb Rudolf Eilhardt, um 1930.

In den dreißiger Iahren des 20. Iahrhunderts wurden aus den Kieslagerstätten der Goldenen Aue, zwischen Nordhausen und den Gemeinden Bielen

und Sundhausen gelegen, die ersten Kiesgruben zur Gewinnung von Kiesen und Sanden aufgeschlossen. Die Firmen Franz Krieger, Franz Schwagerl

in Nordhausen und Rudolf Eilhardt in Sundhausen belebten mit der Bereitstellung von diesen Baustoffen die Baukonjunktur im umliegenden Territorium. Rudolf Eilhardt gründete 192 8 auf dem Gelände westlich des Areals vom heutigen Marktkauf das Unternehmen Kiesbaggerei und Fuhrbetrieb Rudolf Eilhardt. Die Abraumbesei-

tigung und Rohkiesgewinnung erfolgte durch drei Arbeitskräfte unter äußerst beschwerlichen Bedingungen im Handbetrieb. Fahrzeuge der Firma lieferten den Kies direkt zum Auf-

traggeber, vornehmlich an das Straßenbauamt Mühlhausen. Als der Flugplatz das Areal benötigte, musste der Unternehmer die Grube aufgeben. Ihm wurde eine neue Fläche

östlich der heutigen Plattenstraße, die Bielen mit Sundhausen verbindet, zugewiesen.

34 Die neue Kiesgrube Eilhardt südlich der Bahnlinie Nordhausen-Halle, die sich bis an die Plattenstraße zog, um 1940.

Im Zweiten Weltkrieg mussten die Betriebe Franz Krieger und RudolfEilhardt für die Mittelwerk Niedersachswerfen GmbH Kies liefern. Es wurde eine Gleisverbindung vom Abbaugebiet Eilhardt zur Waggonladerampe der Firma Krieger geschaffen, um die geförderte Menge dort zu verladen. Eimerkettenbagger ermöglichten eine enorme Steigerung der Kiesförderung. Die Anzahl der Arbeitskräfte wurde verdoppelt. Notwendige Reparaturen an der Ausrüstung übernahm die Firma Winkier in der Helmestraße. Nach dem plötzlichen Tod des Unternehmers 1943 ging der

Betrieb an dessen Tochter über. Während die Firmen Franz Krieger und Franz Schwagerl unter Zwangsverwaltung gestellt wurden, blieb das Unternehmen Eilhardt privat. Kurt

Hennecke übernahm 1948 den Betrieb von seiner Frau. 1956 erfolgte die Überführung in Volkseigentum und der Anschluss an den VEB (K) Bau Nordhausen. Drei Iahre später

wurde die ehemalige Firma Eilhardt an den VEB (K) Kies- und Sandwerk Bielen angegliedert, der sich 1961 in VEB Kiesund Sandwerk Nordhausen umbenannte.

35 Verkaufsraum der Einund Verkaufsgenossenschaft vereinigter Fleischermeister van Nordhausen und Umgegend im Schlachthof um 1 920.

Im Juli 1904 fand in Nordhausen der 27. Deutsche Fleischer- Verbandstag statt, der mit einer Fachausstellung verbunden war, an dem sich elf der bekanntesten Fachfirmen des Landes beteiligten. Als Ausstellungsgelände diente der städtische Turnplatz. Die Schau fand so großen Anklang, dass sogar ein finanzieller Überschuss erwirtschaftet wurde,

von dem ein Teil für die Armenunterstützung und für das Kinderheim bereitgestellt wurde.

Als der Fleischer- Verbands tag 1903 in Potsdam beschloss, den nächsten Verbandstag in Nordhau-

sen durchzuführen, soll der Vertreter aus Trier empört gerufen haben: 'Meine Herren, was wollen Sie in Nordhausen. Kommen Sie nach Trier. Bei uns können sie nicht

nur Wein trinken, bei uns können Sie in Wein baden! Was hat die alte Stadt Nordhausen zu bieten, dort haben sie höchstens "Nordhäuser"!' Und gerade dieser 'Nordhäuser' war

es, der die Mehrzahl der Delegierten für die Stadt am Südharz entscheiden ließ - besagt die Überlieferung.

36 Die 192 0 gegründete Ein- und Verkaufsgenossenschaft vereinigter Fleischermeister van Nordhausen und Umgegend.

In Ermangelung von Kraftfahrzeugen zogen ab und an noch sogenannte Fleischerhunde die schwer beladenen Wagen der Kunden durch die Straßen der Stadt. Aufnahme um 1 920. Das Iahr 1920 brachte die langersehnte Aufhebung der öffentlichen Fleischwirtschaft. Anfang Oktober 1920 erfolgte die Umstellung des Handels mit Vieh und Fleisch von der Zwangs- in die freie Wirtschaft. Damit eröffnete sich dem bereits im

November 1915 ins Leben gerufene FleischerVersorgungsverband die Möglichkeit zur Gründung einer Ein- und Verkaufsgenassenschaft für das Fleischergewerbe. Der Genos-

senschaftsgedanke hatte sich bei den Fleischern durchgesetzt und sich als eine besondere Notwendigkeit zur Wahrung der Selbständigkeit und zur Förderung der wirtschaft-

lichen Interessen herausgebildet. Im Lokal Spangenberg gründeten 99 Mitglieder der Innung die Genossenschaft.

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37 Die Gastwirtschaft 'Zum Schlachthof' in der Kyffhäuserstraße 16 - hier eine Aufnahme um 19 1 0 befand sich am Barbarossaplatz, direkt gegenüber

der alten Einfahrt zum Schlachthof. Der Eingang befand sich allerdings in der Kyffhäuserstraße, zu der das Haus auch gezählt wurde. Zu den Gästen der Lokalität, die ab 1906 nachweisbar ist, zählten hauptsächlich die Kunden und die Arbeiter des Schlachthofs. Letzter Wirt war Otto Görcke, der zugleich auch Fleischer war. Beim Luftangriff auf Nordhausen Anfang April 1945 wurde das Gebäude total zerstört.

Die erste namentliche Erwähnung eines Wirtshauses in Nordhausen stammt aus dem 14. Jahrhundert:

Es war die Taverne

'Zur roten Tûr'. Sie befand sich an der Ecke Jüden-

s traße/ Pre di gerstraße . Viele Lokalitäten lagen zwangsläufig an den Zufahrtsstraßen der Stadt. Die Gaststätten waren meistens mit einem Geschäft verbunden, ausreichende Stal-

lungen zum Unterstellen von pferden gehörten ebenfalls dazu. Mit der raschen Industrialisierung und dem damit verbundenen Bevölkerungszuwachs in Nordhausen, dem Bau der Eisenbahn und der fortschreitenden Mobilität

durch die Erfindung des Autos nahm das Gaststättengewerbe einen erheblichen Aufschwung, was sich nicht zuletzt an der Zunahme von Lokalitäten äußerte.

38 Baustoffwerk Niedersachswerfen, Leipziger Straße 4, um 1930.

Die Badische Anilin-

und Sodafabrik (BASF) Ludwigshafen kaufte am 20. Juli 1917 ein größeres Gelände am Kahnstein bei Niedersachswerfen, um bei Aufnahme der Düngemittelproduktion im Ammaniakwerk in Merseburg den Rohstoff Gips greifbar zu haben. Der Betrieb errichtete ein großes Silo auf dem Gelände, auf dem sich Brechwerke und Bunker zur Lagerung des zerkleinerten Gesteins befanden. Ein Anschlussgleis stellte die Verbindung zum Bahnhof Niedersachswerfen her. Im April 1918 be-

gann die kontinuierliche Lieferung an das Stammwerk in Merseburg. Bis 1935 gingen etwa 11 Millionen Tonnen Anhydrit vom Kahnstein nach Leuna.

1 935 gründete die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft mbH (Wifo) zwecks Errichtung unterirdischer Lagerräume am Kahnstein die Außenstelle

Niedersachswerfen. Die wifo sollte die Bevorratung an strategisch-wichtigen Rohstoffen für den Kriegsfall sichern. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste die wifo die Stollen räumen, um das unterirdische System für die Raketenfertigung nutzen zu können. Nach Kriegsende wurde die Blockschwefelanlage

mit Zementwerk der wifo am Kahnstein demontiert. In den leerstehenden Hallen entstand 1948 ein Anhydritwerk.

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