Nordhausen in alten Ansichten Band 3

Nordhausen in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Rainer Hellberg
Gemeente
:   Nordhausen
Provincie
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6695-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nordhausen in alten Ansichten Band 3'

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39 Waffen- und Munitionshandlung, Büchsenmacherei, Fahrradhandlung und Reparaturwerkstatt

A. Ströver, Vor dem Vogel 14/15, um 1920.

Im Iahr 1855 siedelte der Büchsenmachermeister AdolfStröver von Heiligenstadt nach Nordhausen um und eröffnete in der Predigerstraße eine Werkstatt. Bei dem zu damaliger Zeit berühmten Büchsenmacher Morgenroth in Gernrode aufs Beste ausgebildet, stellte er Gewehre her. Aufgrund der hochwertigen Qualität war Adolf Ströver bald über

die Grenzen der Region hinaus bekannt und geschätzt. Selbst im Ausland waren seine Waffen begehrt. Als die Räume nicht mehr ausreichten, richtete er sich in der Rautenstraße 3 0 ein neues Geschäft ein.

Aber auch dort blieben seine Erweiterungsmöglichkeiten äußerst begrenzt. Der engagierte Geschäftsmann erwarb das Grundstück Vor dem Vogel 14 und baute es mehrfach um. Bereits Anfang der achtziger Iahre erkannte

er die große Zukunft des Fahrrades und gliederte der Büchsenmacherei und Waffenhandlung eine Fahrradhandlung an. Um noch mehr Platz zu gewinnen, kaufte Adolf Ströver das Grundstück Vor dem Vogel 15 dazu. Dadurch gewann er den Platz für die Errichtung eines umfangreichen Ersatzteillagers.

40 Rechnungs- und Visitenkarte der Fa. Adolf Ströver um 1920. Inzwischen hatte sein Sohn Carl, Büchsenmacher und Kaufmann vom Beruf, das Geschäft übernommen. Über Mangel an Kundschaft konnte sich der neue Inhaber nicht beklagen, denn jeder, der es sich leisten konnte, legte sich ein Fahrrad zu. In der firmeneigenen Werkstatt wurden die Reparaturen an den "Ireteseln' schnell und zuverlässig ausgeführt.

Der Bombenangriff auf Nordhausen am 4.April zerstörte die Waffen- und Fahrradhandlung Vor dem Vogel 14-15. In einem

Kellerraum im Haus Stolberger Straße 9 begann der beschwerliche Neuaufbau. 1949 übergab Carl das Unternehmen seinem Neffen Karl Ströver. Sechs Iahre später erfolgte die

Eröffnung des Geschäftes in der Stolberger Straße 9. Mechanikermeister Günter Ströver führte ab 1958 die Firma weiter. Seit 1993 ist Schwiegersohn und Werkzeugmachermeister Harry

Barthel Inhaber der

A. Ströver & Co. OHG.

Das Geschäft ist das älteste Privatunternehmen Thüringens, das durchgängig in Familienbesitz war.

JI. Strö~er

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41 Honigkuchenfabrik Aug. Facius, InhaberTh. Madeheim, Engelsburg 6. In Nordhausen trat die Bäckerei als Verkaufsgewerbe erstmals in den Statuten Anfang des 14. Iahrhunderts auf. 1852 entstand in Nordhausen eine 'Bäcker-, Pfefferküchler- und Conditor-Innung', die nur etwa zwanzig Iahre bestand. 1874 wurde der 'Verein gewerbetreibender Bäcker' gegründet und elf Iahre später in 'Bäckerinnung' umbenannt.

August Facius, Bäckermeister in Werna, erwarb um 1878 das Haus Barfüßerstraße 33 und richtete dort eine Bäckerei und ein kleines Café ein. Seine Bäckerei konzentrierte sich vorwiegend auf die Fabrikation von Honigkuchen in verschiedenen Variationen und Süßwaren.

Seine Tochter Luise heiratete 1886 den aus Bollstedt bei Mühlhausen stammenden Fotografen Theodor Madeheim. Als August Facius im gleichen Iahr starb, übernahm der Schwiegersohn das gutgehende Café in der Barfüßerstraße.

1893 verkaufte er das Haus und eröffnete in der Engelsburg 6 eine Honigkuchenbäckerei, die er etwa fünfzig Iahre betrieb. Seine heißen Kräpfelchen und Storchennester waren in der ganzen Stadt bekannt und beliebt. Zu den weiteren Spezialitäten des Hauses gehörten Spritzkuchen, Pfefferkuchentorten und Apfelstrudel ebenso, wie das Anfertigen von Torten nach Wünschen der Kunden.

42 Drei saisonale Angestellte versorgten im Sommer die Nordhäuser mit verschiedenen Eissorten. An warmen Tagen sah man sie mit ihren Wagen durch die Straßen ziehen und Eis anbieten. Einen festen Standort hatten die ambulanten Eisverkäufer der Konditorei in der Rautenstraße. Über Mangel an Arbeit konnten sie sich in der Hauptgeschäftsstraße Nordhausens nicht beklagen.

Aufjedem Nordhäuser Jahrmarkt war das Geschäft mit einem über acht Meter langen Stand vertreten. Aber auch auswärts bot die Honigkuchenfabrik van Theodor Made-

heim bei Volksfesten und auf]ahrmärkten ihre leckeren Produkte an. Aus Angst vor Diebstahl schlief der Geschäftsinhaber nachts unter seinem Stand. Nebenbei war Theodor

Madeheim in seinem Grundberuf als Fotograf tätig. Davon zeugt beispielsweise eine Werbepostkarte der Konditorei Th. Madeheim aus dem Iahre 1898. Auch Hochzei-

ten, Taufen und andere Familienfeste hielt der begeisterte Fotograf im Bild fest. Indes führte sein Sohn Erich das Konditoreigewerbe fort.

43 Innenansicht von Café Madeheim, Vor dem Vogel 17,uml925.

Nach dem Ersten Weltkrieg wagte Erich Madeheim den Schritt in die Selbständigkeit. Zuerst übernahm er in der Kranichstraße eine Zuckerbäckerei. 1924 erwarb er dann Vor dem Vogel 17 eine Konditorei und ein Café. Zwei Iahre später begann er mit umfangreichen Modernisierungs- und Umbauarbeiten. Es entstand ein gemütliches Tanzcafé mit intimer Atmosphäre und eine moderne Konditorei. Im ständig gut besuchten Café spielte eine Drei-MannKapelle zum Tanz auf, zusätzliche Unterhaltungsprogramme mit Künstler-

darbietungen in Nordhisser Platt sorgten für humoristische Einlagen.

Sowohl die Honigkuchenfabrik in der Engelsburg als auch die Konditorei und das Café Vor dem

Vogel wurden beim Bombeninferno am

4. April 1945 zerstört. Damit endete die 67 -jährige Firmengeschichte der Familien Facius und Madeheim.

44 Die Bergbrauerei, Altendorf 1 (alte Nr. 653a), wurde Mitte des 19. Iahrhunderts gegründet. 1853 betrieb der Kaufmann Louis Weineck eine Lagerbierbrauerei mit bayrischer Bierstube ('Zum Braustüble') . Bis zur Iahrhundertwende wurden mehrfach Umbauarbeiten vorgenommen. 1910 übernahm Matthias Bideau die Brauerei. Sein Produktionssortiment umfasste Pilsener, Lager-, Exportund Weizenbier sowie alkoholfreie Getränke. 1914 endete die Bierherstellung. Bis 1993 betrieb das Familienunternehmen einen Bierverlag und Getränkehandel. Ein Iahr später be-

gann der Umbau der Brauerei zu einem Wohn- und Gewerbegrundstück durch die neuen Eigentümer Wilfried und Guido Mecklenburg.

Alle Gebäude und die ge-

schützte. Der Hof mit dem Biergarten ist das letzte unverfüllte Stück dieses gewaltigen Festungsgrabens.

waltigen Tonnengewölbe hinter dem hohen Wirtschaftsgebäude befinden sich in einem Teil des Wallgrabens, der Nordhausen einst innerhalb einer Doppelstadtmauer vor Feinden

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45 Das Kolonialwarengeschäft Iulius Wilhelm Ruprecht in der Bäckerstraße 1, um 1915. Das Haus daneben gehörte zur Engelsburg und war das Schuhgeschäft Holzapfel. Das Gebäude im Hintergrund gehörte zum Steinweg. Das kleine Geschäft von Wilhelm Ruprecht, gegründet 1820, war eines der ältesten Kolonialwarenhandlungen der Stadt.

1 937 gab es etwa 140 'Tante-Emma-Läden' in Nordhausen. Neben Lebensmitteln aller Art und Spirituosen boten die meisten Geschäfte eigene Spezialitäten an, die eben nur dort zu erhalten waren. Damit schufen sie sich einen Kreis von Stammkunden, der ihnen die Existenz sicherte.

Eine echte Nordhäuser Spezialität war der

Fuschenkohl (kleine Weißkohlköpfe, die nach besonderer Vorbereitung wie Sauerkraut eingelegt wurden), den es nur bei Wilhelm Ruprecht gab. Auch für selbsthergestelltes Sauerkraut und nach besonderem Rezept eingelegten Gurken war das kleine Geschäft in der Stadt bekannt. Außerdem richtete der Geschäftsmann stets im Frühjahr eine Aufkaufsammelstelle für Waldmeister ein. Die pflanzen wurden dann an Verarbeitungsbetriebe veräußert. Beim Luftangriff auf Nordhausen Anfang April wurde das Wohnund Geschäftshaus in der Bäckerstraße 1 zerstört. Der Laden existierte dann in der Waisenstraße / Ecke Kalte Gasse und danach in der Barfüßerstraße bis 1954.

46 Böttchermeister Fritz Heyer in der Erfurter Straße 16, Obermeister der Böttcher -Zwangs- Innung für Nordhausen, um 1937.

Das Böttcherhandwerk hat in Nordhausen eine lange Tradition, die bis weit ins Mittelalter reicht. Damals fertigten die Böttcher wasserdichte Holzgefäße, wie Kübel, Eimer, Wannen und Fässer. Ihre Produkte wurden überall gebraucht, im Haushalt wie in den Produktions- und Handwerksbetrieben. 1913 gingen noch 72 Böttcher in der Stadt ihrem Handwerk nach. Der Innung gehörten 1 930 immerhin noch 21 Meister an. Zu ihren Tagungen trafen sie sich vierteljährlich in der Finkenburg.

Die größtenteils kleinen Betriebe befanden sich

unter anderem in der Neustadtstraße, Johannisgasse, Weidenstraße, am Jakobikirchplatz, in der Gumpertstraße, am Lohmarkt und im Altendorf, in der Erfurter Straße, im Klosterhof, an der Lesserstiege

und am Frauenberg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mit Fritz Heyer in der Erfurter Straße 16 nur noch einen einzigen Böttchermeister in der Stadt. Bis 1 958 wurden seine Holzfässer ins

Ausland exportiert. Im Mai 1958 erfolgte in Nordhausen die Bildung der Produktions genossenschaft des holzverarbeitenden Handwerks 'Nordfass'.

47 Weingroßhandlung Carl Bohnhardt, Am Altentor 8, urn 1920. Links die Gaststätte 'Lorbeerbaum' . Carl Bohnhardt eröffnete seine Firma 1 867 mit einer größeren Mengen ausländischer Weine. Die sich langsam aber stetig entwickelnden Umsätze machten es notwendig, Keller zur Einlagerung der Weine zu mieten. Die zum Teil abgelegenen Lagerräume und die damit verbundenen Transportwege waren für den Unternehmer auf die Dauer nicht mehr wirtschaftlich. Carl Bohnhardt entschloss sich, neben dem seit 1828 in Familienbesitz befindlichen 'Lorbeerbaum' ein neues Geschäftshaus zu bauen. Das Gebäude wurde 1893 fertiggestellt. In den geräumigen Kellern war es möglich, neben

Weine aus Bordeaux, Burgund auch große Mengen der in der Gunst der Weinkenner besonders geschätzten I892er und I893er Jahrgänge einzulagern.

Im Herbst 1896 richtete Carl Bohnhardt in den Parterreräumen des Hauses Rautenstraße 44 die Wein-

schänke 'Zum Ritter' ein. Doch die Lokalität war schon bald den Ansturm der Gäste nicht mehr gewachsen. 1902 baute er auf dem eigenen Grundstück in der Neue Straße 3 und 4 ein Gebäude und eröffnete dort am 1. April 1903 die Weinschänke 'Zum Ritter'.

Beim Bombenangriff Anfang April 1945 wurde das Gebäude in der Neue Straße zerstört. Das Haus Am Altentor blieb jedoch erhalten. Heute hat dort das Arbeits- und Sozialgericht Nordhausen seinen Sitz.

48 Hüpedens Garten, Restaurant und Gartenwirtschaft in der Straße der Genossenschaften, um 1915.

Vor den Toren der Stadt Nordhausen, an der Salza bei den Mühlen, erwarb Iohann Heinrich Christian Hüpeden - van 1755 bis 1799 pfarrer an der Iakobigemeinde - Ackerland und widmete sich mit besonderer Sorgfalt dem Obstanbau, den er als erster in und um Nordhausen rationell betrieb. Er errichtete sich ein Gartenhaus, in dem er mit seiner Familie wohnte.

Im Laufe der Zeit entstanden die Hüpedenschen Obstplantagen und Musteranlagen, die über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt waren. Mit Hochachtung wurde von 'Hûpedens Garten' gesprochen,

noch heute ist 'Hiebchen's Garten', wie er im Volksmund liebevoll genannt wurde, bei älteren Nordhäusern bekannt. Bedeutung als Landwirt erlangte Hüpeden mit dem Kleeanbau. 1793 baute er erfolgreich auf einer Brache Luzernklee an. Der so erzielte

Futterüberschuss ermöglichte bald darauf die Einführung der Stierwirtschaft in Altnordhausen, die zusammen mit der Branntweinbrennerei einen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Nordhausen ermöglichte. Anlässlich seines 200. Ge-

burtstages im Iahre 1926 wurde zu Ehren Hüpedens der 'Weg an der Salza', der an seinem Gartenhaus entlang und mitten durch 'Hiebchen's Garten' führt, in 'Hüpedenweg' umbenannt.

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