Nördlingen in alten Ansichten

Nördlingen in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Dietmar-H. Voges
Gemeente
:   Nördlingen
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4878-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nördlingen in alten Ansichten'

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19. Mauer und Wehrgang der Nördlinger Stadtbefestigung, hier mit Blick auf den Deininger Torturm, sind seit dem14. Jahrhundert bis heute weitgehènd unverändert erhalten geblieben und in einer Gesamtlänge von 2 632,50 m rund herum zu begehen. Der Mauerring besteht im unteren.Teil zumeist aus Bruchsteinen, darüberaus verputztem Ziegelwerk. Auf der Mauer befindet sich der Wehrgang, der von einem Satteldach mit Hohlziegeln bedeekt und gegen die zur Stadt hin offene Seite mit einem Balkengeländer gesichert ist. Zur Feldseite ermöglichen Rundbogenöffnungen im Mauerwerk des Wehrganges und Schießscharten unterschiedlicher Art eine wirkungsvolle Verteidigung und Bekämpfung des Feindes schon im Vorfeld.

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20. Der Reißtunn ist wahrscheinlich 1408 von dem Maurer Hans Rewss gebaut und dann nach diesem benannt worden. 1430 erhält der Turm einen neuen Tunnknopf und bei einem großen Umbau 1644145 seine heutige Gestalt, die ihn als dreigeschossigen, runden Batterieturm ausweist. Wohl um ein breitgefächertes Schußfeld abdecken zu können, steht der Reißtunn ziemlich weit vor der Stadtmauer und hat deswegen durch einen breiten Quergang mit Schießscharten und Satteldach mit der Stadtmauer verbunden werden müssen.

21. Entlang der Stadtmauer schweift der Bliek vom Reißturm (1644/45) zum Deininger Tor (1517-1519) und noch weiter zum Löpsinger Tor (1593/94), wobei sich an der Begrenzungslinie der Dächer der Bürgerhäuser gegen die Landschaft und den Horizont des Rieses das Kreisrund der Stadtmauer erahnen läßt. Zwischen dem Reißturm und dem Deininger Tor liegt vor der Stadtmauer und dem Graben die 'Schanze beim Scharfrichter', die um die Mitte des 17. Jahrhunderts mit Steinen der abgebrochenen St.-Emmerams-Kirche erweitert worden sein soll. Durch die Baumgruppe zwar etwas verdeckt, sind die Gebäude der hier 1913 eröffneten Kinderbewahr- und Krippenanstalt zu erkennen, des heutigen Kinderheims an der Deininger Mauer.

22. Das Reimlinger Tor, vielleicht baulich das eindrucksvollste der Nördlinger Stadtbefestigung, verdankt seinen Namen dem nahe vor der Stadt gelegenen Dorf Reimlingen. Von der Turmstube geht der Bliek weit auf der alten Römerstraße durch das Ries nach Südosten. Diese alte Fernhandelsstraße über Augsburg und die Alpenpässe nach Norditalien war jahrhundertelang von besonderer Bedeutung für Nördlingens Entwicklung als Messestadt. Die Abbildung zeigt eindrucksvoll die verschiedenen Bestandteile der Stadtbefestigung: Mauer (mit überdachtem Wehrgang), Zwinger (hier Gärtnereibetrieb) und Graben, Torturm und Vortor sowie die über den Graben führende, gemauerte Brücke. Während die beiden äußeren, hier offenen Brückenbögen seit alters fest gemauert waren, war nur der umittelbare, hier als Mauerverband dargestellte Bereich vor dem Vortor als Zugbrücke ausgebildet. Im Hintergrund sind der Reißturm und das Deininger Tor zu sehen.

23. Das Reimlinger Tor besitzt als ältestes der fünf Nördlinger Stadttore in seinem Untcrgeschoß noch heute Baubestand aus dem späten 14. Jahrhundert; das niedrigere Vortor stammt wohl von 1424. 1480 werden wesentliche Veränderungen am Torturm durchgeführt, 1549 wird der Wappenadler am Vortor ausgebessert, bis das Reimlinger Tor 1602/03 unter dem Baumeister Wolfgang Walberger mit den wulstigen Geschützbrüstungen und den markanten Abwurfdächern sein heutiges Aussehen erhält, das - je nach Perspektive - zuweilen etwas an fernöstliche Pagoden erinnert.

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24. Besonders zwischen Deininger, Reimlinger und Berger Tor - wie hier südwestlich des Reimlinger Tores - lehnt sich eine ganze Reihe, heute recht malerisch wirkender Casarmen innen an die Stadtmauer. Diese Casarmen sind kleine, an die Stadtmauer angebaute Häuschen, die Tagelöhner oder andere arme Leute gegen einen geringen Jahreszins auf städtischem Grund errichten und bewohnen durften, allerdings mit der zwar nie eingetretenen Auflage, sie im Verteidigungsfall vorübergehend Soldaten als Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Entgegen älteren Ansichten sind die Casarmen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), zumeist sogar erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts zugelassen und gebaut worden.

25. Der hier rechtwinklig nach innen einspringende Wehrgang bezeichnet von der Stadtseite her den Mauerabschnitt, an dem nach außen die Alte Bastei als Halbrund weit aus der Stadtmauer und in den Graben hinein vorspringt und der Stadtbefestigung an dieser gegen das ansteigende Gelände des Galgen- oder Henkelberges (heute Marienhöhe) besonders gefährdeten Seite zusätzlichen Schutz verleiht. Das erste, von 1449 stammende Bollwerk an dieser Stelle wird 1554 durch den völligen Neubau der Alten Bastei ersetzt und 1598/99 mit der Aufmauerung der Geschützbrüstung in der heutigen Form vollendet. Unten in gewölbten Kasematten und oben auf freier Plattform bot die Alte Bastei Platz für zehn Geschütze und vereinigte damit eine gewaltige Feuerkraft gegen den Feind. Das Innere der Alten Bastei wurde seit 1839 weitgehend abgetragen, dient jedoch renoviert seit 1928-1930 dem Verein Alt-Nördlingen als romantische Freilichtbühne.

26. Der Feilturm - zwischen der im Hintergrundsichtbaren Alten Bastei (1554 und 1598/99) und der 1808-1826 abgetragenen Neuen Bastei (1607-1613) - besteht im quadratischen Unterbau vielleicht noch aus Mauerwerk aus der Zeit um 1395, während der Rundturm mit dem Zeltdach 1547 gebaut wurde. Der wiederholt als Schuld- und Gefängnisturm genutzte, wegen seines Baumaterials auch als 'Weißer Turm' bezeichnete Feilturm, der offenbar älter als die Alte und Neue Bastei ist, hatte lange Zeit allein die Aufgabe, die Stadt an ihrer am meisten gefährdeten Seite (vgl. Nr. 25) zu schützen.

27. Das Rathaus am Marktplatz erwirbt die Reichsstadt Nördlingen 1382 durch Pachtvertrag, 1523-1525 als Eigentum von dem Zisterzienserkloster Heilsbronn, das dieses Gebäude seinerseits 1313 als 'Steinhaus am Markt in Nördlingen, das mit seinen vier Wänden an die öffentliche Straße grenzt', von den Grafen von Oettingen gekauft hatte. Da die Reichsstadt Nördlingen namentlich gegen Ende des 14. Jahrhunderts bestrebt war, die volle Gerichtsbarkeit, also auch die hohe Blutgerichtsbarkeit selbständig auszuüben, die allerdings einen Gerichtsplatz an öffentlicher, königlicher Straße oder in einem derartig an öffentlicher Straße von allen Seiten frei zugänglichen Gebäude erforderte, mußte der Rat der Stadt den Erwerb dieses Steinhauses am Markt, das die obigen Forderungen erfüllt, anstreben, urn es dann sogleich als Rathans nutzen zu können. Auf dieser Postkarte von 1915 ist oberhalb des Rathauses das vierteilige Satteldachdes 1955 abgebrannten Kürschnerhauses (vgl. Nr. 34 und 35) zu erkennen.

Marktplatz.

28. Das Rathaus ist als Steinhaus am Marktplatz schon in der Zeit um 1300 nachweisbar. Wenn es wohl von Anfang an die Ausmaße der heutigen Grundfläche besaß, so ist dat zweite Obergeschoß doch erst 1499-1500 aufgestockt worden. An den bis dahin außen ungegliederten Bau werden 1509 an der (hier nicht sichtbaren) Ostseite der hohe Schatzturm sowie die Erker an der Süd-, Westund Ostseite angefügt. Eine wegen des schlechten Bauzustandes 1857-1862 endlich durchgeführte umfassende Restaurierung gotisiert das Rathaus unter anderem mit Fialen auf den Giebeln, bildet den Erker zum Markt hin als Turm aus und deckt ihn anstelle einer geschwungenen Kuppel nun mit einem spitzen Turmhelm. 1933/34 werden diese gotisierenden Umbildungen wieder entfernt. Das dem Rathaus am Marktplatz gegenüberliegende Tanz- oder Brothaus mit der Statue Kaiser Maximilians 1. stammt von 1442-1444, das benachbarte Hohe Haus ist sogar noch älter. Der Gasthof 'Zur Goldenen Sonne', als solcher schon 1477-1484 nachgewiesen, beherbergte unter anderen 1487 Kaiser Friedrich III., 1495196 und 1500 Kaiser Maximiliam 1. und 1548 Kaiser Kar! V.

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