Nördlingen in alten Ansichten

Nördlingen in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Dietmar-H. Voges
Gemeente
:   Nördlingen
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4878-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nördlingen in alten Ansichten'

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39. In drei dem Lauf der Eger folgenden Gerbergassen sind die auf das Wasser angewiesenen Gerber angesiedelt. Während im Jahre 1541 siebzig Meister und achtzig Gesellen das Gerberhandwerk ausübten, gab es 1803 nur noch 22 Rot- und 8 Weißgerbermeister (1807: 20 und 5); die letzte Gerberei in Nördlingen, Vordere Gerbergasse 31 ist 1960/61 geschlossen geworden. Das Gebäude Mittlere Gerbergasse 2 ist ein freistehendes, dreigeschossiges Gerberhaus mit einem mächtigen Zwerchhaus und mit alten Trockenböden unter einem Hohlziegeldach; die Geschosse kragen leicht vor. Die Wände der Trockenböden im zweiten und dritten Obergeschoß sind über dem Brustriegel in den Gefachen durch Brettertafeln zu schließen oder geschlossen. Das jahrzehntelang leerstehende und nicht genutzte Gerberhaus aus der Zeit um 1520-1540, dessen Bauzustand deswegen schlecht und heruntergekommen war, ist 1983 von privater Hand sehr aufwendig saniert und renoviert worden, wodurch das Gebäude in seinem Bestand gerettet und gesichert worden ist, auch wenn durch vorgenommene Eingriffe und Veränderungen einige typische Merkmale verloren gegangen sind.

40. Die Postkarte von 1920 zeigt Gerberhäuser an der Eger, links die Südwestecke des Gerberhauses Mittlere Gerbergasse 2 mit offenen Trockenböden im zweiten und dritten Obergeschoß, rechts die Rückfronten der Gerberhäuser Vordere Gerbergasse 11 und 13. Diese beiden Gerberhäuser besitzen die an der Rückfront zur Eger typische Bretterverschalung, das über dem Erdgeschoß mit einer Altane oder einem Balkon leicht vorkragende erste Obergeschoß sowie die offenen Trockenböden im zweiten Obergeschoß und im Giebel in den Dachgeschossen, Stege über und an die Eger ermöglichen den unmittelbaren Zugang der Gerber zum Wasser.

41. Sehr eindrucksvoll kommt auch hier der Charakter des für Nördlingen typischen Gerberviertels an der Eger zur Geltung. Die Stege über die Eger erleichtern in ihrer Vielzahl nicht nur den Gerbern der Vorderen Gerbergasse an der Rückfront ihrer Gebäude den Zugang zum Wasser, sondern sie ermöglichen ihn ebenso mittels solcher Steggerechtigkeiten den Gerbern der Mittleren und Hinteren Gerbergasse, deren Handwerksbetriebe nicht unmittelbar am Wasser liegen. Die Rückfront der Gerberhäuser ist so nahe an die Eger gerückt, daß der Weg zum Wasser kurz ist, gleichzeitig bleibt der Abstand aber so breit, daß das notwendige Arbeitsgerät ausreichend Platz findet. Links sind die Gerberhäuser Vordere Gerbergasse 11 und 13, rechts das freistehende Gerberhaus Mittlere Gerbergasse 2 zu sehen.

42. Das Gebäude Vordere Gerbergasse 25, das in die Zeit um 1460-1470 datiert wird, ist ein besonders typisches und gut erhaltenes Beispiel eines Nördlinger Gerberhauses. Über einem massiven Erdgeschoß, das durch einen breiten Längsflur gleichsam in drei Schiffe unterteilt wird, erhebt sich ein zur Straßenseite verputztes Fachwerkgeschoß, über dem unter einem großen Hohlziegeldach mit SchopfwaJm drei Trockenböden ruhen. Auf der Giebelseite kragen die Stockwerke im ersten Obergeschoß auf den Balkenköpfen, im Dachbereich zusätzlich auf abgeschrägten Konsolen leicht vor; bei den drei Trockenböden sind die Gefache der sonst verputzten Fachwerkwände oberhalb des Brustriegels offen gelassen. So konnten die gegerbten, nassen Felle und Leder bei guter Witterung im Wind oder Luftzug gut trocknen. Wie bei anderen Gerberhäusern scheint es vom Typus her möglich zu sein, diese Partien bei schlechtem Wetter durch Brettertafeln zu schließen.

NtJRDUNGEN an der wetcmurü« (Eoer.Odsse)

43. Unterhalb der Walkmühle (vgl. NI. 7) am Oberen Wasserturm (vgl. Nr. 7 und 8) verläuft entlang der Eger sowie zwischen dieser und dem Mauerabschnitt An der Baldinger Mauer die kleine Gasse Bei der steinernen Brücke, die ihren Namen der steinernen Brücke verdankt, die am unteren Ende dieser Gasse die Anker- und Farbgasse über die Eger miteinander verbindet. Für die Brücke und die Gasse kommen die Bezeichnung Bei der steinernen Brücke schon 1437 vor, in einem kleinbürgerlichen Wohngebiet, das auch heute vom Verkehrslärm weitgehend verschont geblieben ist und sich seinen malerischen Reiz erhalten hat, wie ihn die Postkarte vermittelt. Die Bezeichnung Egergasse findet sich etwa von 1856 bis gegen 1920-1926.

44. Dem Oberen Wasserturm (vgl. Nr. 7 und 8) mit der Walkmühle entspricht an der Stelle, wo die Eger wieder aus der Stadt fließt, der Untere Wasserturm (vg!. NI. 13) mit der Neumühle und ähnlich wie dort die Gasse Bei der steinernen Brücke hat hier das Gebiet Bei der Neumühle (so schon 1391 und 1397 bezeichnet) mit der Egerbrücke und der unteren Mühlgassegegen die Eger sich seine ursprüngliche bauliche Besonderheit bewahren können. Der kleine An- oder Überbau vor dem Fachwerkgiebel der bereits 1318 genarmten Neumühle verbirgt das noch heute lauffähige alte Mühlrad. Der gegenüberliegende, rückwärts an die Stadtmauer und seitlich an die Eger anstoßende Stadel hieß 1425 die Beckenaufschlag und war über Jahrhunderte mit der Neumühle verbunden und von dieser genutzt.

45. Die St.-Georgs-Kirche mit ihrem Daniel genarmten Kirchturm - im geistlichen Bereich bauliches Zentrum der Stadt wie das Rathaus im weltlichen und politischen - steht seit jeher im Mittelpunkt der mittelalterlichen Stadtanlage, allerdings nicht so von freien Plätzen umgeben wie heute. Der freie Platz des Obstmarktes an der Südseite der St.-Georgs-Kirche ist entstanden, als die Häuser, die hier 1647 durch ein Bombardement bayerischer Truppen zerstört worden waren, nicht wieder aufgebaut worden sind; der Platz an der Nordseite, als hier 1829 vier teilweise baufällige Gebäude abgerissen wurden, unter anderem um 'die freie Ansicht unserer schönen Stadtkirche zu erlangen, deren Zierde für die Stadt dadurch noch mehr erhöht wird'. Anstelle einer schon 898, mit Namen 1283 und 1306 belegten Vorgängerkirche beschlossen die Nördlinger Bürger 1427, jene alte, baufällig und zu klein gewordene Sr-Georgs-Kirche durch einen Neubau zu ersetzen, der als spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit leicht eingezogenem Chor seit 1427 gebaut und 1495-1505 eingewölbt und vollendet worden ist.

46. Mittelpunkt und Wahrzeichen der Stadt ist der Kirchturm der spätgotischen, 1427-1505 als Hallenkirche errichteten St-Georgs-Kirche, deren drei gleich hohe Kirchenschiffe in ihrer Gesamtbreite von einem einzigen, mächtigen Dach überspannt wurden. Der in sieben Geschossen bis zu einer Gesamthöhe von 89,9 m hochstrebende Turm, der 1454-1490 gebaut worden ist, wird seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Volksmund der Daniel genannt, wohl nach dem Bibelvers Daniel 2,48, wo es heißt: 'Und der König erhöhte Daniel.,; und machte ihn zum Fürsten über die ganze Landschaft...' Vom oberen Turmkranz, zu dem 350 Stufen hinaufführen, genießen nicht nur die Türmer auf dem Daniel, die rund um die Uhr hier oben Wache halten, sondern auch alle Besucher einen herrlichen Rundbliek über die kreisrunde mittelalterliche Stadtanlage von Nördlingen und in den Meteoritenkrater Ries. Wenn auch die historischen Pflichtaufgaben der Türmer, nämlich der Feind- und Feuerwache, heute eingeschränkt sind, so rufen sie doch nach wie vor allabendlich jede halbe Stunde von 22.00-24.00 Uhr den alten Nördlinger Wächterruf: 'So, G'selI so!'

47. Die St.-Georgs-Kirche ist eine spätgotische Hallenkirche mit dreischiffigem, leicht eingezogenem Chor zu sechs Joehen und einem dreischiffigen Langhaus zu sechs Jochen, die im Hauptschiff und in den Seitenschiffen gleich hoch sind. Die Kirche ist 93,5 m lang, der Chor 19,4 m, das Langhaus 23,5 m breit, das Langhaus 18,6 m hoch. Durch die gleichermaßen bis zum Gewölbe hochstrebenden, jedoch ebenso tief hinunterreichenden Fenster dringt eine große Lichtfülle in den Raum, dessen Gewölbe von elf Säulenpaaren gestützt wird, die im Chor schlicht rund, im Langhaus mit Runddiensten verstärkt sind. Während alle Seitenfenster nur durch drei Stäbe unterteilt sind, verlangt das breitere Ostfenster fünf Stäbe. Vor dieser gesteigerten Lichtfülle und durch Stufen im Chor mehrfach erhöht, erhebt sich als Herzstück der Kirche der Hochaltar, 1462 von Friedrich Herlin geschaffen, 1683 barock ummantelt, 19711973 restauriert; Figuren (Christus, Maria, Johannes, Georg und Magdalena) von Nicolaus Gerhaert von Leyden (1430-1473). Durch den auf der Postkarte noch vorhandenen Mittelgang ist das zum Hochaltar hinführende Raumerlebnis noch gut nachzuvollziehen.

48. Nach Westen trifft der Bliek im Inneren der St.-GeorgsKirche auf die Westempore, die über einem reichen Rippengewölbe die beiden Westjoche des Langhauses und die letzten Joche der beiden Seitenschiffe überspannt und sich zum Langhaus im Spitzbogen öffnet. Die Emporenbrüstung mit reich durchbrochenem Maßwerk schmückt in der Mitte ein Steinrelief der Kreuztragung Christi, von Paul Ypser 1507 geschaffen. Auf der Orgelempore ist im Orgelgehäuse der Prescher-Orgel von 1668-1672 das SteinmeyerOrgelwerk von 1889 zu sehen, die beide völlig vernichtet worden sind, als am 30. März 1945 ein Bombentreffer nordöstlich des Kirchturmes Teile der Westernpore, der Gewölbe und des Daches sowie die alte Verglasung der Kirchenfenster zerstörte. Die 1499 von einem Augsburger Meister in Stein geschaffene Kanzel enthält in reich reliefiertem Rippenwerk die Reliefs der vier Evangelisten mit ihren Symbolen und dazwischen die Figuren des Schmerzenmannes sowie von Maria, Magdalena, Johannes und Georg. Der Schalldeckel über der Kanzel mit Putten, Engelsköpfen und dem auferstandenen Christus stammt von dem Nördlinger Bildhauer Johann Michael Ehinger (1681), der zwei Jahre später (1683) den Hochaltar barockisierte.

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