Nördlingen in alten Ansichten

Nördlingen in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Dietmar-H. Voges
Gemeente
:   Nördlingen
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4878-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Nördlingen in alten Ansichten'

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59. Die innere Baldinger Straße ist zweifellos die engste der fünf zum Marktplatz führenden Torstraßen. Im Vordergrund steht rechts das Gasthaus 'Roter Hahn' (Baldinger Straße 7), das hier schon seit 1513 nachweisbar ist. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite trägt das dreigeschossige, durch profilierte Gesimse gegliederte und durch einen geschwungenen Giebel barockisierte Haus Nr. 12 in der rundbogigen Tür die Jahreszahlinschrift 1572. Das Nachbarhaus NT. 10 mit heute freigelegtem Fachwerk besitzt an den Balkenköpfen der Vorkragung über dem ursprünglich zweiten Obergeschoß geschnitzte und farbig bemalte Narrenfiguren im Stil von Moriskentänzern; das Gebäude war zwar im 16. Jahrhundert eine angesehene Weinwirtschaft, aber sicherlich nie ein Bade- oder gar Freudenhaus. Zwei Inschriften: JOHANN CHRISTOPH ARNOLDT 1668 und GEORG SENG 1668 nennen wohl den Eigentümer sowie einen wichtigen Hausbewohner zur Zeit des Umbaues. Am Ende der Baldinger Straße sind am Marktplatz das Rathaus mit dem Westturm (hier nach 1934) und der Gasthof 'Hotel Sonne' zu erkennen.

60. Wo die innere Baldinger Straße in den Marktplatz mündet, lag früher an der Nordseite des Rathauses der Mi1chmarkt, der sich hier vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nachweisen läßt, ein Platz, der früher wie heute durch ein Ensemble sehr markanter Fachwerkgebäude geprägt ist. Zu nennen sind die Gebäude Marktplatz 21 von 1501 (Dr. med. F. Lippacher) und 20 (Bäckerei M. Reitmeier), Baldinger Straße 2 (Rathauscafé) und Marktplatz 19 (Engel-Apotheke), Nach den am Giebel erhaltenen Jahreszahlinschriften wurde das Fachwerkgebäude der EngelApotheke 1513 erbaut und 1831, 1928 und 1957 renoviert. Über einem massiven Erdgeschoß liegen zwei volle Fachwerkgeschosse, über denen sich unter dem Satteldach noch vier Dachgeschosse befinden; alle Geschosse des Fachwerkgiebels kragen leicht vor. Die Engel-Apotheke besteht in diesem Gebäude in ununterbrochener Folge seit 1629.

61. Die äußere Löpsinger Straße weist im Gegensatz zu den anderen vier eher geradlinigen Torstraßen eine leichte S-Biegung auf, wodurch die Reihe der mit dem Giebel zur Straße stehenden Gebäude besonders eindrucksvoll zur Geltung kommt und die Straße ein interessantes Profil gewinnt. In die Löpsinger Straße münden von links die Frauengasse, die nach dem dort bis 1536 unterhaltenen offenen, gemeinen oder Frauenhaus so heißt, und weiter stadteinwärts die Innere und Äußere Einfahrt (seit 1384-1395), die ihren Namen sicherlich daher haben, daß nur die Ein- oder Durchfahrt unter einem Haus hindurch die Zufahrt in diese Verbindungsgassen zur Deininger Straße ermöglicht. Außer dem Gasthaus 'Zum Stieglitz' Löpsinger Straße 30, der seit 1600-1628 bis heute besteht, sowie der Gastwirtschaft 'Zum Krebs' (Nr. 37) von 1836 bis nach 1968 (und heute Pilsstube Simpel) lagen in der äußeren Löpsinger Straße noch drei weitere Gastwirtschaften: die 'Goldene Bretzge' (Nr. 27) seit 1463-1486 bis 1864, der 'Schwarze Hahn' (Nr. 40) seit 1691-1722 bis 1849 und der 'Braune Hirsch' (Nr. 21) seit 1495 bis 1846. Vor dem Daniel im Hintergrund ist das 1941 zerstörte Hotel 'Deutsches Haus' (vgl. Nr. 36 und 37) zu erkennen.

62. Stadtauswärts schließt und öffnet zugleich das 1591-1594 errichtete Löpsinger Tor (vgl. Nr. 15 und 16) die äußere Löpsinger Straße. Mit dem Löpsinger Tor ist die immer wieder erzählte Sage verbunden, daß 1440 Graf Hans von Oettingen die Türmer und Wächter dieses Tores bestoehen habe, drei Nächte hintereinander Brücke und Tor unversperrt zu lassen, um die Reichsstadt zu überfallen. Da jedoch eine Frau für ihren spät abends noch arbeitenden Mann etwas zu trinken holte und dabei bemerkte, wie eine herumstreunende Sau einen Torflügel aufdrückte, wurde der Verrat erkannt und der Überfall durch Gegenmaßnahmen vereitelt. Aus diesem historisch bislang nicht nachweisbaren, vielleicht geplanten Überfall soll sogar der Nörd!inger Wächterruf: 'So G'selI so!' entstanden sein, der jedoch mit den laut zu rufenden und daher weit tragenden O-Lauten als militärische Parole zu verstehen ist.

63. Die Deininger Straße, die hier mit dem behäbigen Kuhgespann noch einen recht ruhigen Eindruck macht, hat an Bedeutung und Leben zugenommen, als Nördlingen 1849 an die Eisenbahn angeschlossen worden ist, da die kürzeste Verbindung zum Bahnhof durch die Deininger Straße führt. In den Jahrhunderten davor wurden durch die Deininger Straße stadteinwärts auf Fuhrwerken die im Ries erwirtschafteten Getreideüberschüsse in die Alte Schranne angeliefert, die der Rat der Stadt als eindrucksvolles Kornhaus mit fünf Schüttboden (Erdgeschoß, erstes ObergeschoB, drei Dachgeschosse) 1601-1602 am Schrannenplatz auf dem alten Graben hatte errichten lassen. Seit Anfang des 19. und bis in das 20. Jahrhundert hinein wurden um die Alte Schranne herum Bei den Kornschrannen wenigstens viermal im Jahr der Viehmarkt, insbesondere der Kuh- und Rindermarkt abgehalten, der sich mit dem Ochsenhandel häufig bis in die Deininger StraBe ausdehnte. Vor der in der Deininger StraBe 9 seit 1529 nachgewiesenen Bäckerei besteigt gerade ein Bäckerlehrling mit einem Tragekorb auf dem Rücken sein Fahrrad, um Brot und Semmeln auszutragen.

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64. Am Beginn der Deininger Straße ist stadtauswärts das linke Eckgebäude Bei den Komschrannen 21 von dem Kaufmann Friedrich Hofielen 1908 neu gebaut worden. Das hier rechter Hand sichtbare dritte Haus Deininger Straße 8 mit dem Schweifgiebel und Rauhputz-Erdgeschoß stammt in dieser Form aus dem Ende des 19. Jahrhunderts; seit 1931132 ist dieses Gebäude und Anwesen Sitz der Buchdruckerei G. Wagner sowie des Zeitungsverlages der Rieser Nationalzeitung, aus der 1947 die Rieser Nachrichten als Lokalausgabe der heutigen Augsburger Allgemeinen erwachsen sind, Im Dreißigjährigen Krieg gewann während der Belagerung der Reichsstadt Nördlingen durch ein kaiserlich-katholisches Heer 1634 das Deininger Tor (vgl. Nr. 17, 18 und 19) für die Nördlinger Bürger für kurze Zeit eine alles entscheidende, schicksalhafte Bedeutung, da es den Feinden gelungen war, über die Brücke und den Graben in den Torturm vorzudringen und von hier in die Stadt zu schießen, Die Nördlinger konnten die bedrohliche Gefahr nur dadurch abwehren, daß sie den Turm von unten in Brand steckten, wodurch die feindlichen Soldaten vertrieben worden, zum Herunterspringen gezwungen oder gar verbrannt sind,

65. Die Reimlinger Straße, hier durch rege Betriebsamkeit geprägt, die ihr auch heute zu eigen ist, ist stadtauswärts rechter Hand durch eine Reihe eng aneinandergerückter, teilweise dreigeschossiger Fachwerkhäuser mit hohen Giebeln gekennzeichnet. Außer dem ebenso auffälligen wie eindrucksvollen Eckgebäude Brettermarkt 4 mit dem über einer runden Säule erwachsenden Übereckerker aus Fachwerk - wenigstens 1752-1936 eine Lebküchnerei, Spezerei- und Kolonialwarenhandlung - vermitteln diesen Eindruck vier Gastwirtschaften: Reimlinger Straße NI. 12 'Zum Goldenen Ochsen' (1596-1626 bis heute), NI. 14 'Zum Weißen Schwan' (154717211629-175811834), NI. 18 'Zu den Drei Mohren' (1714-1795 bis heute) und NI. 22 'Zum Storch' (16231631) bis heute, allerdings als Bar und Café Hollywood). Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fällt besonders das ehemalige Deutschordenshaus und heutige Finanzamt Reirnlinger Straße 7 ins Auge, anstelle von Vorgängerbauten von etwa 1350 und 1571 im Jahre 1714 neu gebaut, mit prächtigem Volutengiebel, einer Freitreppe, mit Stuckrahmen und Gesimsbekrönung der Fenster sowie der Dachgeschosse. Das traufständige Nachbargebäude NI. 9 wurde 1873 anstelle eines Stadels als 'Vereinsbuchhandlung des katholischen Männervereins für das Ries' neu gebaut und hieß später 'Fürstlich Öttingen-Wallersteinsche Hofbuchhandlung und Buchdruckerei, Verlag des 'Rieser Volksblatt' , Theodor Reischle, Inhaber Hugo Sommer' .

66. Stadteinwärts mündet die Reimlinger Straße am Alten Graben oder heutigen Altstadtstraßenring, der etwas nach außen versetzt den Verlauf der staufischen Stadtmauer nachvollzieht, in den Brettermarkt, der diesen Namen seit 1721 nach den hier verkauften Brettern trägt. Ursprünglich nur auf den Platz vor der heutigen Ries-Apotheke beschränkt, wurde die Bezeichnung Brettermarkt um 1800 auf den ganzen Platz übertragen, da die alte, seit 1390 gebräuchliche Benennung Vieh-, Sau- oder Schweinemarkt seinerzeit als unanständig und unangebracht empfunden wurde. Ein Ensemble gut aufeinander abgestimmter und zueinander passender Gebäude bilden damals wie heute die Häuser Brettermarkt 1-3 mit ihren Voluten- und schlichten Schweifgiebeln aus dem 18. Jahrhundert. Im Haus Nr. 1 wohnte Johann Michael Voltz (1784-1858), ein Nördlinger Zeichner und Illustrator, der über 4000 Blätter zur Orts- und Zeitgeschichte sowie anderen Inhalts geschaffen und hinterlassen hat. Das Gebäude Schäfflesmarkt 6 mit seinem zum Brettermarkt gerichteten Quergiebel, das 1647 in Brand geschossen und erst 1674 wieder aufgebaut worden ist, war einmal die Gastwirtschaft 'Goldener Löwe' (154811602-1784/1796), später (wie auf der Postkarte) die Weinwirtschaft von Karl Metzger (bis 1945/46) und ist heute (seit 1975) die Ries-Apotheke,

67. Der SchäffIesmarkt verdankt seinen Namen einem Ratsgebot von 1515, das bestimmte, daß alle Schäffler, Küfer oder Binder von nun an ihre Geschirre und Waren an den gemeinen Wochenmärkten nur hier feilbieten sollten. Das Gebäude am linken Bildrand, SchäffIesmarkt 6, mit Ziergiebel und Freitreppe, war bis 1784-1796 die Gastwirtschaft 'Goldener Löwe', später die Weinwirtschaft Metzger und ist heute die Ries-Apotheke (vgl. Nr. 66). Das Nachbarhaus Nr. 7, vor dem auf dem Platz verschiedene Wagen und Gerätschaften stehen, war schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts und dann bis 1968 eine Schmiede. In einer einfachen Stube dieses Hauses lebte angeblich bis 1861 der in Baldingen geborene Tierarzt Johannes Kähn (1810-1874), der als Dichter in Rieser Mundart sehr volkstümlich Gedichte veröffentlicht hat. Rechts neben diesem Haus, dessen Fachwerkgiebel 1970 freigelegt worden ist, steht das sogenannte Böhm'sche Haus SchäffIesmarkt 8 (vgl. Nr. 68). Mitten auf dem SchäffIesmarkt ist noch ein alter Brunnen zu erkennen, der wie viele andere anfangs des 20. Jahrhunderts aufgegeben und beseitigt worden ist, nachdem Nördlingen seit 1895/96 eine Trinkwasserleitung erhalten hatte.

68. Das Gebäude Schäfflesmarkt 8, das sogenannte Böhmsche Haus, ist anstelle eines 1647 in Brand geschossenen und zerstörten Vorgängerbaues 1710fll von dem Superintendenten Johann MarcelI Welsch neu errichtet worden. Es ist ein dreigeschossiger Bau mit je fünf Fenstern, in der Mitte mit einem Zwerchhaus mit geschwungenem Giebel; im scheingequaderten Erdgeschoß führt in der Mitte eine Freitreppe zum Segmentbogenportal; Lisenen und Bänder sowie anderer Zierat gliedern und schmücken die Fassade, die mit ihrer palaisähnlichen Schauseite gegen den Schäfflesmarkt platzbeherrschend wirkt. Im Unterscheid zu den Nördlinger Straßen und Plätzen, deren Namen in der Altstadt fast ausschließlich aus der mittelalterlichen Zeit vor 1500 stammen, verdankt dieses Gebäude seinen Namen - ähnlich anderen, vergleichbaren Hausbenennungen (vgl. Nr. 56) - seinem Eigentümer im 19. Jahrhundert: Gottfried von Böhm, in Nördiingen geboren 1835, gestorben 1926, Ministerialrat, bayerischer Reichsherold, Vorstand des Geheimen Haus- und Staatsarchivs, Verfasser von historischen Werken, Dramen und Novellen und ein Wohltäter seiner Vaterstadt. Mit der Nördlinger Bürgerschaft war dieses Böhmsche Haus bis auf den heutigen Tag stets in besonderer Weise verbunden, als hier ein Superintendent sowie der letzte Amtsbürgermeister der Freien Reichsstadt Nördlingen gewohnt und von 1762 bis heute neun Mediziner gewirkt haben. 1975-1977 ist dat Böhmsche Haus renoviert und restauriert worden.

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