Offenbach am Main in alten Ansichten

Offenbach am Main in alten Ansichten

Auteur
:   Franz Schaub
Gemeente
:   Offenbach am Main
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0750-1
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Offenbach am Main in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Keine andere Stadt in Deutschland hat sich mit so vielfältigen, in ihrer Beschaffenheit aber auch so gegensätzlichen Begebenheiten in das Geschichtsbuch der Welt eingetragen wie Offenbach. Zwar fanden in dieser Stadt keine großen Ereignisse statt, deren Resonanz spürbare weltpolitische Veränderungen zur Folge gehabt hätten, hier wurden keine Kriegsproklamationen entworfen und keine Friedensverhandlungen eingeleitet. Hier gab es weder für regierende Fürsten, noch für andere Herrscher, die weltliche oder geistliche Territorien vertraten, eine dauernde Bleibe. Hier war immer alles im Aufbruch, hier stand die Zeit nicht still, wie zum Beispiel in Frankfurt, wo man sich in der 'freien Reichsstadt' wohlaufgehoben fühlte, oder wie in Hanau, der kleinen Reichsgrafenresidenz, oder gar wie in Aschaffenburg, wo die frommen Herren von Mainz sich eine Sommerresidenz erbauten und mit behäbiger Gelassenheit die Zeiten vorüberziehen ließen. Offenbach war und ist anders als viele andere Städte gleicher Größe oder ähnlicher Struktur. Nicht schöner, gewiß nicht, aber interessan-

ter, im Kern freundlicher, aufgeschlossen der Neuzeit, die Vergangenheit als gutes Erbe mit in die Gegenwart nehmend, der Zukunft zugetan und dem Leben zugewandt, mit einem Optimismus ohnegleichen, den schon Goethe in seinem Buch 'Dichtung und Wahrheit' mit treffenden Worten zu würdigen verstand. Etwa hundert Jahre später schrieb Emil Pirazzi in seinem Buch 'Bilder und Geschichten aus Offenbachs Vergangenheit', einem Buch, das 'Seiner königlichen Hoheit, Ludwig dem vierten, Großherzog von Hessen und bei Rhein' gewidmet wurde: Denn in dem kleinen, idyllischen, leichtlebigen Offenbach mit seinem ungezwungenen, theilweise mit franzosischem Blute durchsetzten Gesellschaftston konnte sich der Verkehr der Liebenden freier entfatten. als in der sehr ehrbaren, sehr würdevollen und gravttätischen, aber noch gar sehr am Überlieferten und Altherkömmlichen klebenden Freireichsstadt mit ihrem streng lutherischen Geiste und dem exclusiv-conventionellen Formalismus ihrer vornehmen Kreise!

Pirazzi erinnert an die Zeit, da der junge Goethe die

l7jährige LiH Schönemann kennenlernte. Der 17. Geburtstag des hübschen Mädchens, das den Dichter verzaubert hatte, wurde am 23. Juni 1775 bei den Verwandten in Offenbach gefeiert. Lilis Mutter war eine geborene d'Orville. Im Hause d'Orville in Offenbach weilte Lili oft. Goethe war eingeladen, und er kam gerne um mit seiner Jugendliebe die Stadt und die Umgebung zu ergründen. Er kam, wenn es die Zeit erlaubte und wenn er Lili in Offenbach wußte, den Weg über Sachsenhausen nicht scheuend. Er ging mit seiner Liebsten dort spazieren, wo die alten Häuser schiefergedeckte Kapuzen trugen, wo die Gassen sich kurvenreich durch die Altstadt schlängelten, und wo der Main wie ein stiller See das freundliche Antlitz des Fischerviertels noch verschönerte. Daß zu dieser Zeit, als Liebeständelei und Poesie in Offenbach so einen freundlichen Rahmen fanden und eine Dichterliebe entscheidend dazu beitrug, daß weltberühmte Werke geschrieben werden konnten, auch andere, recht prosaische Begebenheiten stattfanden, überrascht nicht, wenn man Offenbach und seine Bürger

kennt. Man war schon immer bemüht, dem verschwiegenen Idyll die zustehende Toleranz zu geben, man war aber auch bereit, die praktischen Dinge des Lebens zu beachten.

Am Beginn des 18. Jahrhunderts begann die Industrialisierung Offenbachs. Die Stadt lag günstig zwischen dem Main und alten Geleitstraßen und verstand es, den Güterverkehr zu nutzen. Im Jahre 1733 gab es bereits einen Großbetrieb für Schnupftabakherstellung, andere Betriebe der Leder- und Stoffverarbeitung schlossen sich an, und das Haus der Grafen von Isenburg, im 16. Jahrhundert in Offenbach schon nachweisbar, betrieb nicht nur eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik, sondern war auch Mäzen der Künste, was sich vornehmlich im Jahre 1791 dokumentierte, als das 'Fürstliche Schauspielhaus' eröffnet wurde.

So also, auf den Fundamenten wirtschaftlicher Überlegungen, künstlerischer Empfindungen und industrieller Planungen wuchs Offenbach in die Jahrhunderte. Und so muß die Stadt gesehen werden. So muß

sie erlebt und verstanden werden. In ihren alten Mauern schläft immer noch ein Geheimnis. Ihre Chronik ist reich, interessant, und immer mit einer Prise Humor angereichert.

Soll man noch ein paar Daten nennen? Erwähnen, daß Offenbach bereits im Jahre 977 als 'Ovenbach' in Urkunden genannt wird? Daß es am Mainufer in Offenbach bereits im 15. Jahrhundert eine gotische Burg gab? Soll man die Großzügigkeit des Grafen Johann Philipp von Isenburg, der einst I 700 Hugenotten eine neue Heimat gab, herausstellen? Soll man auch an dieser Stelle an den Mut und an die Opferbereitschaft der Offenbacher Bürger erinnern, die nach Krieg und Chaos ihrer schwer zerstörten Stadt wieder neues Leben gaben? Vielleicht ist das alles selbstverständlich gewesen. Selbstverständlich wie die Gastfreundschaft der Stadt, die wir ja selbst als Schüler und Studenten kennenlernten und die wir noch heute so gerne besuchen, Einst wandelten wir auf Goethes Spuren von Frankfurt aus über Sachsenhausen nach Offenbach. Und wir kehrten in den alten

Schenken ein, die wie Hexenhäuschen an den Altstadtgassen lagen. Und wir konnten unsere Lieder auch dann noch singen, als die Turmuhren die Mitternachtsstunde längst geschlagen hatten und in Frankfurt niemand mehr mit Gesang und Lautenspiel die Stille stören durfte. So ist uns auch dies geblieben:

Jugendparadies Alt-Offenbach!

Soll es noch einmal auferstehen, liebenswürdige Erinnerung an eine Zeit, in der wir einer goldenen Zukunft entgegensahen. Daß wir alle später so schmerzliche Erfahrungen machen mußten, war damals, als wir Alt-Offenbach erlebten, noch nicht vorauszusehen. Wir erlebten den Krieg und das Chaos, wir erlebten aber auch die Wiedergeburt einer alten Stadt, die sich, - trotz Hektik und Modernität - etwas Liebenswürdiges bewahrt hat: Offenbach!

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1. ... eine halbe Meyl oberhalb Frankfurt liegt der Flecken Offenbach an dem Mayn, sampt dem Schloß gleichen Namens: Gehört dem Herrn Grafen von Ysenburg zu, heißt es in einer Chronik, in der Merians Ansicht von Offenbach beschrieben wird. Wahrscheinlich noch von Matthäus Merian dem Älteren geschaffen, nach dem Tode des in Basel geborenen und in Schwalbach im Jahre 1650 gestorbenen Künstlers von den Erben Merians herausgegeben, gehört diese Ansicht der alten Stadt am Main zu den schönsten, die in dem Band 'Topographia Hassiae et Regionum Vicinarum' enthalten sind, Die in Kupfer gearbeiteten Konturen der Stadt erheben sich wie ein zierliches Rankenwerk am Ufer des Mains und sind eine freundliche Visitenkarte der fleißigen und auf die Schönheit ihrer Stadt bedachten Bürger. Später wandelte sich die Ansicht, viele Türrne verschwanden, Häuser und Schlösser wurden verändert, aber der Gesamtprospekt behielt seine unverwechselbaren Konturen bis weit in das 19. Jahrhundert hinein.

2. Das Schloß, obwohl am Rande der Stadt liegend, war lange Zeit ein Mittelpunkt des geistigen und kulturellen Lebens der Stadt, war zugleich ein Objekt der Repräsentation und ein steinernes Schmuckstück in der in Jahrhunderten gewachsenen Stadt. Auf einem Platz, auf dem schon im 14. Jahrhundert eine Burg gestanden haben soll, wurde das Schloß, so wie es auf dem alten Foto aussieht, im späten 16. Jahrhundert gebaut. Bauherr, Ludwig lIl. von Isenburg, versuchte sich an anderen ähnlichen Bauten zu orientieren und gab seinen Baumeistern entsprechende Hinweise. Das Schloß zeigt gotische Formen und eine reiche Renaissancegliederung an seiner Süd-West-Seite. Vom Turm der Schloßkirche aus bot sich dem Betrachter ein Märchenschloß, verziert mit ornamentaler Pracht, ausgestattet mit Figuren aus der Antike, die sich der Bauherr in dieser Form gewünscht hatte. Mehrmals war das Schloß Schauplatz historischer Ereignisse. Im November 1631 hatte hier Gustav Adolf sein Hauptquartier und empfing im Festsaal des Schlosses die Abgesandten des Frankfurter Rates, die um das Wohlergehen ihrer Stadt besorgt waren.

3. An der Nordseite, dem Maine zugewandt, zeigte das Schloß schon immer einen wehrhaften Charakter. Die verspielte Ornamentik ist hier nur noch am mittleren Erker und arn rechten Turm zu finden. Die starken Außenmauern sind mit einern Rundbogenfries geschmückt, und die beiden Rundtürme stehen wie Grenzsteine an den Ecken dieses Schlosses, das zu den schönsten Renaissanceschlössern Hessens gehörte und noch heute, nach dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Baus, etwas von der Vornehmheit des 18. Jahrhundert spiegelt. Damals bekam das Schloß ein viertes Geschoß mit Mansarddach,

4. Schöne Formen der Hochrenaissance konnte man vor allem an den Portalen bewundern. Im Türsturz des linken Portals das Wappen des Schloßerbauers und das Wappen seiner Gemahlin, darüber die JahreszahI1572. In den Zwickeln zwei Amoretten, die versuchen, den reichverzierten Wappen alle Strenge zu nehmen. Durch diese Portale gingen sie alle, die im Schloß wichtige Angelegenheiten zu regeln hatten, darunter auch Minister und Kanzler anläßlich des Fürstenkongresses im Jahre 1741, und etwas mehr als einhundert Jahre später Turnvater Jahn, um den im Schloß wohnenden Maler Bode zu besuchen.

5. Der Stadt zugewandt zeigte das Schloß seinen schönsten Renaissanceschmuck. Die gotischen Teile verblassen vor dem reichen Zierrat. den unbekannte Steinmetzen hier angebracht haben. Zwischen den Treppentiirmen erkennt man offene Loggien und die reiche dreigeschossige Laube erinnert an Häuser in Venedig. Im Erdgeschoß dominieren überschlanke jonische Pfeiler und darüber sind alle Flächen reich ornamentiert, mit allegorischen Darstellungen ausgestattet und mit insgesamt einunddreißig Wappen geschmückt.

6. So sah die Schloßstraße im Jahre 1885 aus. Schon herrscht geschäftiges Treiben auf der Straße, die von niedrigen Häusern begrenzt wird. An einigen Straßenecken, so wie an der Einmündung zur Borngasse, sind Gaslaternen angebracht. Wirtschaften und Geschäfte werben mit Reklametafeln. Das Schloß im Hintergrund gibt der alten Straße einen freundlichen und dekorativen Abschluß. Fünfzehn Jahre später kaufte der Hessische Staat das Schloß und ließ es gründlich restaurieren. Auch die Schloßstraße bekam damals ein moderneres Gesicht.

7. Alte Häuser in dieser Straße wurden geräumt und abgerissen. An leeren Hausflächen entdeckten findige Reklamefachleute, die es damals schon in Offenbach gab und die für die Werbung in anderen Städten vorbildlich waren, Platz und Raurn, um für das neue Medium Film zu worben.

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