Orsoy in alten Ansichten Band 1

Orsoy in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Heinz Janssen
Gemeente
:   Orsoy
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3128-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Orsoy in alten Ansichten Band 1'

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19. JosefWinschuh hat sich von den schönen Alleen zu diesem Gedicht inspirieren lassen:

Orsoy, Stadt der Lindenhaine von der Sonne mild beschienen, doch des Nachts im Mondenscheine geistert's durcb die Turmruinen.

Orsoy, Stadt der Lindendome wandeln wir durch deine Hallen, grüßen Lieder uns vom Strome,

die durch Baum und Büsche schallen.

Orsoy, Stadt der Lindenbäume schon dein Anblick zeigt Geschichte, Mauerreste sind wie Träume, Wall und Gräben wie Gedichte!

20. In den meisten kleinen Städten und Dörfern repräsentierte die Feuerwehr in besonderem Maße die Bevölkerung. Handwerker, Arbeiter und Gewerbetreibende fanden sich im Dienst am Nächsten zusammen. In Orsoy wurde sie ziemlich spät, nämlich 1906, gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern finden wir viele alte Orsoyer Namen, wie Gervers, Funck, Trompetter, Dahlschen, Drüen, Münster und Simon Friedemann. Auf unserem Bild löscht die Feuerwehr so um 1932 ausnahmsweise mit Wein. Ob das an der Ahr war? Neben Brandmeister Hein Horster, der von 1932 bis 1939 Wehrführer war, erkennen wir Funck, Trompetter, Wette, Ewalds, Engeln und andere.

21. Wir können uns, trotz aller begründeten oder unbegründeten Zukunftsfurcht, kaum mehr vorstellen, wie sehr unsere Vorfahren mit viel wirklicheren und unabwendbaren Gefahren leben mußten. Hochwasser und Eisgang, Seuchen und Brände waren nicht nur Zeitungsnotiz, sondern gehörten zu ihrem Leben. In der engen Stadt mit ihrem schmalen Gassen waren es vor allem die Brände, die viele Menschen arm und obdach- und arbeitslos machten. Die Einäscherung der Lüps'schen Tuchfabrik im Jahre 1818 beendete eine Wirtschaftsblüte und war Anfang einer harten Notzeit. Unser Bild zeigt den letzten der großen Stadtbrände, der am 27. Mai 1880 fast das ganze Rheinviertel in eine Trümrnerwüste verwandelte. Im Hintergrund die nur wenig beschädigte Präparandie.

22. Dieses Kapitel erzählt von Häusern, die den Bomben und Granaten des Zweiten Weltkriegs oder dem Zahn der Zeit zum Opfer fielen, und von den Menschen, die darin lebten. Hinter dem barocken Giebel des Hauses Egerstraße 6 wurde im 17./18. Jahrhundert Recht gesprochen, hier war das Stadtgericht, 1752 kaufte es Bernd Hüssen und machte eine Schnapsbrennerei daraus, 1898 gründete Simon Friedemann hier sein Textilkaufhaus, mit dem er zu Wohlstand und Ansehen gelangte. Seine soziale Einstellung und seine offene Hand gegenüber den Armen und dem bescheidenen katholischen Krankenhaus ist vielen alten Orsoyern noch in guter Erinnerung.

23. Das bewahrte den Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges und seine Familie aber nicht davor, hier im ehemaligen Haus des Rechts in der Unrechtsmaschinerie der Nazis zermahlen zu werden. In der Reichskristallnacht 1938 verwüstete die SA sein Geschäft. Den Scherbenhaufen durfte sein Sohn Kurt am nächsten Tag wegkehren. Friedemann mußte mit seiner Frau und dreien seiner Kinder den Schreckensweg in die Gaskammern gehen, die übrigen drei Kinder wanderten rechtzeitig aus und überlebten.

24. Der Name Hüssen führt uns zum nächsten historischen Haus Ecke Binsheimer und Rhein-(Fähr-)Straße, das man auch Hüssen-(Huissen, Huyssen)Haus nannte. Die Familie Hüssen gehörte mindestens seit dem 16. Jahrhundert zu den angesehenen und begüterten Bürgergeschlechtern, die viele Schöffen und Bürgermeister stellte. Herausragender Vertreter war Bürgermeister Peter Huissen (1797-1822), seines Zeichens Tuchfabrikant, Fuselbrenner und Ackerbauer über einhundert Morgen, der mit Geschick und Können das Stadtschiffchen durch die schwere Zeit der napoleonischen Besetzung steuerte. Es darf angenommen werden, daß auch die Ruhrorter Großindustriellenfamilie Huyssen (Jacobi, Haniel & Huyssen) hier ihre Wurzeln hatte.

25. In diesem Haus war zuletzt das kleine Orsoyer Heimatmuseum untergebracht, dessen unersetzliche Stücke mit dem Haus im Krieg untergingen. Das Museum wurde seinerzeit von JosefWinschuh betreut, dessen Gedicht von den Lindenwällen es wert wäre, zum Heimatlied vertont zu werden.

26. Und wieder führt uns ein Name weiter, weil in diesem Haus an der Rhein-(Fähr-)Straße die Familie Winschuh bis zu seiner Zerstörung ein Lebensmittelgeschäft betrieb. Nach der Jahreszahl (1621) auf dem barocken Giebel war es wohl eines der ältesten Häuser der Stadt. Erinnern wir uns, daß nach dem Brand von 1587 kein einziges Bürgerhaus mehr stand. Zur Geschichte des Hauses habe ich nichts herausgefunden, doch muß es seiner Statur nach von einem stolzen Bürgergeschlecht gebaut worden sein. Zur Zeitgeschichte ist das erhalten gebliebene Nebengebäude, die ehemalige Gaststätte Schwinning, interessant, denn sie weist sich mit Hakenkreuz und Schriftzug als 'Verkehrslokal der NSDAP' aus.

27. Zu diesem Bild genügt ein Sprung über die Straße. Die alten Häuser von der ehemaligen Tabakfabrik Kersken (neben der Präparandie) bis zur Einmündung der Schulstraße in die Egerstraße stehen nicht mehr, Einige wurden im Krieg zerstört, die anderen waren in so desolatem Zustand, daß sie Ende der sechziger Jahre abgerissen wurden. Unser Bild aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zeigt, wie schön diese Häuserzeile und vor allem das Eckhaus waren. Sie wäre es wert gewesen, restauriert zu werden. Man mag einwenden, daß eine Restaurierung bei den meisten gar nicht mehr möglich war und daß durch den Abriß der mittelalterliche Markt (?) wieder freigelegt worden sei, schade bleibt es doch. Auf unserem Bild schellt gerade der Stadtbote öffentliche Bekanntmachungen aus. Sie scheinen aber nicht sehr interessant zu sein, denn kaum einer hört zu.

28. 'Elternliebe überwindet Standesdünkel', könnte man die vom Orsoyer Volksmund überlieferte Geschichte der 'Kotlett-Villa' am Südwall überschreiben, Da wollte im Kaiserreich der Sohn des achtbaren und betuchten Metzgermeisters Tinssen gerne Offizier werden. Aber Metzgermeister und Garde du Corps? Was tut der sorgende Vater? Er hängt seinen Beruf an den Nagel, baut sich am Südwall eine prächtige Villa, und siehe da: Rentier mit Villa, das ist 'comme iI faut'. Für den Sohn ist der Weg frei. Ob er's nun geworden ist, hat man mir nicht erzählt. Das ist aber auch nicht so wichtig. Unser Bild stammt vom Hochwasser 1920. Die Binsheimer kriegten nasse Füße, wenn sie nach Orsoy wollten. Aber die hatten sie bei dem Zustand der Binsheimer Straße wohl sowieso.

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