Orsoy in alten Ansichten Band 1

Orsoy in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Heinz Janssen
Gemeente
:   Orsoy
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3128-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Orsoy in alten Ansichten Band 1'

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29. Es war wohl zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich die Orsoyer Tuchfabrikanten- und Großgrundbesitzerfamilie Lüps - sie hatte für Orsoy die gleiche überragende Bedeutung wie Underberg in Rheinberg - diese klassizistische Villa an der Egerstraße baute. Hier wurde 1873 Ernst Hugo Lüps, der letzte Orsoyer Lüps, geboren. Nach seiner Vermählung mit einer Tochter des Kommerzienrats Henkel (Persil) verließ er die Stadt. In das Haus zog dann Dr. Guisschard ein, der ais Nachfolger des unvergessenen Dr. Dönhoff bis zu seinem Tod im Jahre 1923 fast vierzig Jahre lang die Orsoyer Kranken versorgte. In dieser Zeit bekam die Villa im Volksmund den Namen 'Doktorhaus'. An Dr. Guisschard erinnert noch eine Straße. Auf dem Bild steht er am Fenster und schaut auf seine Chaise. Kutscher Stermann hat Pferd und Kutsche für den Fotografen blank gewienert,

30. 650-Jahrfeier. Auch ohne Parteiprominenz Bürgermeister Stienen hatte sich unter Einschaltung des Reichstagsabgeordneten Kersken vergeblich um Ministerpräsident Göring (seine Ur-Ur-Urgroßmutter war eine Lüps), Gauleiter Meyer von Lippe-Detmold (seiner Schwester Marga Hüssen gehörte das Haus Ecke Rhein- und Binsheimer Straße), Rudolf Heß (er ließ mitteilen, daß die kleine Stadt keinen großen Aufrnarsch verkraften könne) und anderer NaziGrößen bemüht - feierte Orsoy vor fünfzig Jahren sein letztes Stadtjubiläum mit einer groß angelegten Festwoche. Nachbarschaften (es waren derer noch fünfzehn), Vereine, ja alle Bürger hatten ungeachtet ihrer Auffassungen zusammengestanden, um ihre Stadt in die alte Festung zurückzuverwandeln und sie festlich zu schmücken. Stadtsoldaten und Landsknechte bevölkerten die Straßen und bewachten die Tore, Im Bürgermeister-Hüssen-Haus hatten sie ihre Kommandantur mit der Wache (unter anderen Peter Diebels), die hier unter der klevischen Lilienhaspel präsentiert.

31. Die alten Tore waren wiederaufgerichtet. Der Intention eines historischen Bürgerfestes entsprach auch der weitgehende Verzicht auf die braunen Uniformen der Zeit. So hat sich hier vor dem Egertor auch der BDM in grün-weißen (Stadtfarben) Jungmädchenkleidern aufgebaut. Ob diese aber historisch waren, wage ich zu bezweifeln. FÜI Viele wird dieses Bild ein Ausflug in die eigene Jugend sein.

32. Im 'Alten Zollhaus' hatte man die Empore in eine mittelalterliche Ratsstube verwandelt, es stört nur die Fahne links. An den Tischen hat sich der Rat niedergelassen, in der Mitte Bürgermeister Stienen, flankiert von den Beigeordneten Kersken und Ketels. Dahinter Stadtkommandant Sarres. Die Zeitung schrieb dazu: ' ... dann kommt der hohe Rat, aber nicht - wie gewohnt - in der braunen Uniform, sondern in der Amtsrobe vergangener Jahrhunderte.' Bemerkenswert war die Anwesenheit von Oberstleutnant a.D, Erkenswick, dessen Familie zwischen 1600 und 1720 in vier Generationen Orsoyer Bürgermeister stellte. Die Festrede hielt Orsoys Geschichtsschreiber Otto Ottsen, dessen Buch 'Alt Orsoy' zu diesem Jubiläum erschien.

33. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden, möglicherweise auf Anregungen aus dem Herrscherhaus hin (die Lieblingsblume der Kaiserin war die Kornblume), in vielen Orten Blumentage begangen, so auch hier am 21. Juni 1914. Über den Sinn und Zweck dieser Blumentage habe ich n,ithts gefunden, doch bieten die weißgekleideten, margueritengeschmückten Mädchen und Frauen im Garten des Bürgermeisterhauses am Rheindamm ein reizvolles Bild. Neben Bürgerrneister Höhbusch und Frau sind in der Gruppe Adi und Frieda Horster, Hanna de la Haye, Johanna Kleine, Bierhaus, Assmann, Pelzer und andere zu erkennen.

34. Die Frontseite der aus dem 15. Jahrhundert stammenden evangelischen Kirche wurde 1855 mit einer Maßwerksgalerie und Eckfialen nach dem Geschmack der Zeit umgestaltet. Im gleichen Jahr hob man auch den Kirchenboden erheblich an, der durch die nach den großen Stadtbränden planierten Schuttmassen sozusagen in den Keller (die Zahlen schwanken zwischen 0,65 und 1,50 Metern) gerutscht war. Mit einiger Sicherheit lag bis etwa 1600 vor der Kirche ein Marktplatz, der dann bis auf einen kleinen Vorplatz bebaut wurde, Erst vor wenigen Jahren ließ der Abriß der Häuserzeile Ecke Fähr- und Egerstraße die alte Situation neu erstehen.

Innenan icht der Kirche

Choransicht

35. Die erst 1847-1850 erbaute katholische Pfarrkirche wurde 1945 beim Kampf um den Brückenkopf Wesel von deutschen Granaten zerschossen. Ein Bild auf Seite 319 der Orsoyer Geschichte von Kastner/Köhnen zeigt, wie abenteuerlich noch der Turmhelm auf'-zwei schmalen Säulen des Turmschaftes schwebt, bever er kurz darauf vom Winde verweht wurde. Von der äußerlich schlichten, aber im Innenraum mit schlanken Säulen, reizvollen Gewölben und großen Wandgemälden des Kunstmalers H. Dieckmann aus Kempen interessant gestalteten neugotischen Kirche, blieben nur die Umfassungsmauern sowie der kunsthistorisch bedeutsame Hochaltar des Brüsseler Meisters Colijn de Coter (16. Jahrhundert) erhalten.

36. Was haben das Postamt Orsoy und ein pensionierter Briefträger gemeinsam? Sie mußten beide viellaufen! Beim Briefträger ist das klar, beim Postamt ulkig. In den letzten 150 Jahren domizilierte es die Rhein-(Fähr-)Straße auf und ab (den Friedrichsplatz als Fortsetzung der Fährstraße hinzugerechnet, den Seitensprung zur Egerstraße vergessend) in acht Häusern, Das liest sich so: 1835-1863 Rheinstraße 15 - Präparandie -, 1863/64 Rheinstraße 23, 1864-1885 Rheinstraße 9, 1885-1893 Rheinstraße 13, 1893-1905 Egerstraße 11 - Doktorhaus -, 1905 Neubau Friedrichsplatz (unser Bild), 1945 Zerstörung, 1945-1972 Rheinstraße 17 - ehemalige Präparandie -, 1972 Neubau Friedrichsplatz. Wirklich eine reife Leistung.

37. Mit der Anbindung Orsoys an die Eisenbahn ging die Postkutschenzeit zu Ende. Am 10. Juli 1910 fuhr die letzte Postkutsche nach Rheinkamp. Wenige Tage vorher war die Kreisbahn Moers-Orsoy-Rheinberg sehr feierlich eingeweiht worden. Viele Gäste kamen mit Sonderzügen aus Moers und Rheinberg und zogen mit den Klängen der Heesen'schen Kapelle vom Kreisbahnhof zum Festbankett im Rheingarten. Zur jungen Kreisbahn noch eine nette Anekdote: Bei einem anderen Bankett taufte ein Spötter die drei Lokomotiven der neuen Bahn 'Isolani' - 'Spät kommt ihr, doch ihr kommt, Graf Isolani' - 'Galilei' 'Und sie bewegt sich doch' - und 'Luther' - 'Hier stehe ich, ich kann nicht anders'.

38. Um den Güterverkehr auf der neuen Kreisbahn zu fördern und der linksrheinischen Industrie, insbesondere den neuen Zechen, eine kurze Anbindung an den Wassertransport zu geben, baute der Kreis Moers von 1910 bis 1913 die Rheinwerft, Das Baumaterial wurde vcrwiegend mit Lastkähnen und -nachen antransportiert, umgeladen und mit Loren im Handbetrieb zur Baustelle geschafft. Wie auf unserem Bild zu sehen, eine Knochenarbeit bei einern zwölfstündigen Arbeitstag. Und bei vielen wartete nach Feierabend auch noch der Acker oder Garten. Oh, du gute, alte Zeit!

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