Osterhofen in alten Ansichten

Osterhofen in alten Ansichten

Auteur
:   Hans H. Schön
Gemeente
:   Osterhofen
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3179-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Osterhofen in alten Ansichten'

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40. DAS ALTE BRAUEREIGEWERBE

1911 stellt die Brauerei Ludwig Wurm als letzte ihren Betrieb ein. 1915 verkauft Kathi Staudinger, verwitwete Wurm, an Hacklberg. Kurz darauf wird Hans Seidl sen. Eigentümer, der den Gasthof schon seit 1912 als Pächter geftihrt hat. Ähnlich geht es den Nachbarn. Ignaz Klinger, Brauer seit 1823, verkauft den stattlichen Bayerischen Hof an Moos (Pachter Klebert), 1917 erwirbt ihn Georg Wagner sen., der ihn 1927 an Moos verpachtet (Pachter bis 1938 Zacher, bis 1960 Bär). Der heutige Bayerische Hof war ursprünglich die Brauerei Lipp/Huber/Sandner, der 1927 an Moos verkauft. Preysing übernimmt auch die Schmidbrauerei, die alte Post. In der Vorstadt braut im heutigen 'Bayerischen Löwen' Josef Schmerold, gegenüber im ehemaligen 'Goldenen Kreuz' Josef Islinger (früher Bauer, jetzt Hofbauer) und im Gasthof 'Zur Eisenbahn' Josef Rixinger (= Lauerer). Dazu kommen der Neißendorferkeller von 1815 (= DI. Rüth), die Urlbauer'sche Brauerei in der Bahnhofstraße (= Streibl; s, Bild) und eine Genossenschaftsbrauerei, vormals Johann Baumgartner (= Metzgerei Kirschner).

41. DAS ALTE GASTGEWERBE

Im Bayerischen Löwen braute bis 1904 Josef Schmerold 'braunes und weißes Bier'. Dann wird als Besitzer der Brauer Josef Staudinger von Eichendorf genannt. 1918 kommt der Gasthof in den Besitz der Familie Gerstl, die bis 1937 (an Eder und Wimmer) verpachtet, bis Alois Gerst! den Gastbetrieb führt und übernimrnt. Gasthöfe spielten in Osterhofen, der Stadt des Gewerbes und Handels, der vielen Märkte, eine besondere (auch sozialintegrative) Rolle, Hier kam man zusammen, geschäftlich und privat - meist an den Montagen, den Markttagen, die bei der Bauernschaft ein halber Feiertag waren. Zu jedem Gasthof gehörte auch eine Stallung, in der Gastpferde untergestellt wurden, auch bis zum nachfolgenden Tag, wenn man den Handel ausgiebig begossen hatte und die Heimfahrt nicht mehr riskierte. Hausknechte sorgten für Roß und Wagen, der Wirt für das leibliche Wohl.

42. AlNBOCK - GAISS UND SCHEPS

Zehn Brauereien, 19 Gasthöfe - es wurde offensichtlich viel getrunken in Osterhofen. Hans Seidl sen. schenkte pro Monat etwa 50 Faß aus, heute sind es halb so viele. Zur Genossenschaftsbrauerei kam es während des Bierkriegs 1910: Die Wirte wollten den Bierpreis von 20 auf 24 Pfennige anheben, die Verbraucher streikten und richteten eine Genossenschaftsbrauerei ein, die die Maß um 1 Pfennig unterbot. Eine Spezialität war seinerzeit der 16%ige Bock, genauer der Ainbock (Oabok), ursprünglich im März gesotten und von Einbeck in Niedersachsen importiert. Im Gegensatz dazu brauten die Jesuiten die ungefährlichere Gaiß (Goaßmaß), eine 'schwächere und siißere Art', und während der Erntezeit gab es den Scheps, ein Dünnbier für den Durst an heißen Tagen. Ein Schöps ist eigentlich ein kastrierter Hammel (v. tsch. skopec), der Scheps also quasi ein verschnittenes Bier. Ein Kuriosum unter den Brauern war der Schmidtbräu, der zeitlebens kein Bier trank. Sein Leibtrunk war der Kaffee. Bild: Gasthof 'Zur Eisenbahn' in der Vorstadt (Lauerer).

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43. DAS ALTE HANDWERK

In Osterhofen werden 1874 an die 200 Gewerbetreibende gezählt - das reiche Hinterland macht es möglich. 1928 haben eine Reihe alter Gewerbe aufgegeben - der Bortenwirker Rest, der Büchsenmacher Bauer, der Bürstenbinder Nebl, der Brunnenmacher Wanner, der Drechsler A. Bauer, der Färber Hinker, die Fischbäckerei Uttendorfer, der Huterer Friesl, der Kammmacher G. Bauer, der Kupferschmied M. Bauer, der Nagelschmied Schedel, der Säckler Baumann, der Tuchmacher Egginger, der Tuchscherer Math. Bauer, der Weißgerber Spitzenberger, die fünf Weber, der Wachszieher Loib!... Die Industrialisierung wird spürbar. Eine Last waren die reisenden Handwerksburschen. 1884 unterstützt der 'Verein gegen den Hausbettel' 6 686 Personen und zahlt 1 079 Maus. 1886 richtet man Verpflegstationen ein, für die 1892 im Distrikt 3686 M aufgebracht werden. Um 1910 geht die Konjunktur zurück. Die Handwerker klagen über die 'Borgwirtschaft'; das Geld wird knapp. Bild: Mechanische Werkstätten (ehemals Kammacher) Bauer (= Hofbauer).

44. DIE SPITALMÜHLE

In der Nacht zum 30. März 1908 brannte die neben der Kirche stehende Spitalmühle des Josepb Staudinger - Wohnhaus, Stallung und Remise wurden vernichtet, das Mühlwerk blieb unversehrt ... Diese Spitalmühle gehört zu den ältesten Gebäuden; man datiert sie auf das Jahr 1220. Die dazugehörige Spitalkirche und das Bürgerspital existieren nicht mehr. 1906 tauscht der Gastwirt Joseph Staudingersein Anwesen, den 'Bayerischen Löwen', gegen die Spitalmühle, die sich im Besitz eines jüdischen Konsortiums befindet. 1911 kauft die Spitalmühle der Elektrizitätswerksbesitzer Hasl; er will Strom erzeugen. Von ihm übernimmt die Mühle Joseph Stöger, der sie für 100 000 M an seinen Vetter, den Mühlenbesitzerssohn Markus Stöger von der Niederhammühle bei Aicha v.W., verkauft. 1923 wird eine Dampfbäckerei eröffnet. 1960 stellt die Stögermüh1e ihren Betrieb ein; Markus Stöger jun. wird Bürgcrmeister.

45. DIE ÄLTESTE ZUNFT

Die Bäckerzunft dürfte in Osterhofen die älteste Zunft gewesen sein: Ihnen stand es zu, am Fronleichnamstag die Kerzen und den Himmel zu tragen. Aber auch bei den frornmen Bäckern ging es nicht immer friedlich zu, 1715 beschweren sich die sieben Bäcker von Osterhofen, daß die umliegenden (Bäcker) die '5 gefreiten Jahrmärkte' besuchen, dabei sogar 'in den Häusern hausieren', obwohl sie doch keine städtischen Abgaben leisten. Die Umstellung vom Gulden auf die Mark 1876 nutzen die Bäcker, um ihre (niedrigen) Preise etwas anzuheben: Die bisherige Kreuzersemmel soll zu 4 Pfennigen, das Zechbrot (das man in der Wirtschaft verzehrt) zu 3 und 6 Pf. gebacken werden, das ist fast der doppelte Preis. Neben den Bäckereien gab es auch Brothäuser, in denen alle Bäcker ihr Brot verkauften. 1905 wird 'das städtische Brodhaus, Inhaberin die Brodhausfanny' aus dem Rathans in das ehemalige Hochholzerhaus verlegt (da im Rathaus auch die Sauwaage untergebracht war). Bild: Familie Stöger, Dampfbäckerei.

Gruß aus Osterhofen

46. DIE LEBZELTEREI SCHLAG

1862 beginnt Franz X. Schlag, der nicht nur ein tüchtiger Lebzelter sondern auch ein aktiver Kommunalpolitiker war, im alten Rathaus mit seinem Gewerbe. 1874 kauft er das jetzige Anwesen. 1904 übernimmt die Konditorei sein Sohn Hermann 'zu vollem Besitze und Eigenthum' (was heißt mit allen Schulden) und führt sie bis 1955. Da seine beiden Söhne früh sterben, führen die Töchter das Geschäft (reduziert) weiter. Sie erinnern sich noch an die alten Zeiten, da man neben Lebkuchen zu Festtagen und Süßwaren aller Art auch selbstgebrauten Met und Likör und gar 'echten ungarischen Sligovicz' feilbot, das Speiseeis nicht zu vergessen, für das man aus dem Preysingkeller Natureis holte, den Eimer zu 50 Pfennigen, Und am 27. August 1905 serviert Konditor Schlag den ersten Eiskaffee (mit Schlag)! Daß den örtlichen und auswärtigen Markttagen besondere Aufrnerksamkeit galt, versteht sich von selbst.

47. SATTLER, RIEMER UND TAPEZIERER

1926 verkauft Josef Huber sein Haus in der Riehlkurve (= Siebenhandl) und erwirbt das Eckhaus, die ehemalige Bäckerei Weinfurtner. 1930 übergibt er - 45jährig - an seinen Stiefsohn Baumgärtner. Wie das Firmenschild zeigt, waren die alten Handwerker vielseitige Leute, selbst Spezereien (Kolonialwaren) handelt der Sattler und Tapezierermeister. Das Geld lag nicht auf der Straße! Sein eigentliches Metier sind natürlich - als Sattler im Gäu - die diversen Geschirre, Die Arbeit verlangt große Handfertigkeit, dennoch ist der Lohn gering, wie eine alte Rechnung ausweist: 4 Geschier, 2 Halfter. 4 Kieß (Kissen) ausgebeßert 3 ft 48 x, 1 Klester (Holzrahmen) eingebunden 30 x, in eine Deke 2 neie Strupfen (Schlaufen) angemacht 12 x, 1 neie Dekengurt 36 x - macht Summa 6 Gulden und 6 Kreuzer, das ist der Wert eines Zentners Gerste. Sattler gingen übrigens auch - wie die Schuster und die Schneider - auf die Stör (ins Haus).

48. ZINNGIESSER

Schon die Römer tafelten auf Zinn. Sie bezogen den kostbaren Rohstoff von der Zinninsel Britannien. Die Blüte im Mittelalter setzte ein, nachdem Kaiser Ludwig der Bayer 1321 den Bürgern von Eger das Privileg verliehen hatte, Zinn zu flößen: Aus dem Erzgebirge (Zinnwald) kam es auf der Naab nach Regensburg und war seitdem gefragte Handelsware. Man nannte es das Silber des Bürgers, und die Zinngießer standen den Silberschmieden kaum nach: Ihre Schleifkannen, Ratskannen, Willkommen (= Zunftpokale), das kirchliche Zeremonialgerät und Varia aller Art waren Meisterwerke, In Osterhofen ist Johann Jacob Lipp erster 'verrnelter' Zinngießer (gestorben 1738), gefolgt von Johann und Anton Singer und noch einmal drei Generationen Lipp. 1865 erwirbt der Sohn des Glasermeisters Ignaz Hällmayer Josef die Konzession. Zinn zu gießen. Sein Sohn übt das Gewerbe noch aus, sein Enkel nicht mehr; Glas und Porzellan haben das Zinn verdrängt. Bild: Hof des Zinngießers Josef Hällmayer, früher Poststall.

49. DIE ALTE HUFSCHMIEDE

Die Schmiede sorgten für Zugtiere und Wagen. Zu den ältesten in Osterhofen gehören die Frischhuts. Johann Frischhut, geboren 1831, veräußert einen großen Teil seines ererbten stattlichen Hofes in Pöding, übernimmt die Stolzschmiede (seine Mutter ist eine geborene Stolz) und wird der erste Hufschrnied am Ort. Er kommt 1874 durch einen Unfall ums Leben. Seine Frau Magdalena führt die Arbeit mit einem Werkführer weiter, bis einer der vier Söhne - Michael - das Schmiedehandwerk als Grobschmied fortführt. Da keine Söhne nachfolgen, muß das Gewerbe 1942 aufgegeben werden. Die Schmiede gehörten zu den angesehensten Handwerkern, und es gab viele Spezialisten - an die 50: Kesselschmiede, Messerschmiede, Sensenschrniede, Nagelschmiede, Nadler, Plattner und Schlosser, Gold-, Silber- und Kupferschmiede etc. Es war also wichtig, vor die rechte Schmiede zu kommen. Kein Wunder, daß 'Schmied' der häufigste Familienname ist.

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