Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 1

Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Walther Schubert
Gemeente
:   Osterholz-Scharmbeck
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0803-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Eine geniale Idee musste wegen eines Irrtums vom Amt in Deutschland fünf Jahre auf Verwirklichung warten. Die Verantwortlichen glaubten im Jahre 1865 während der Karlsruher Postkonferenz dem Oberpostrat Heinrich Stephan nicht, daß die Menschen gewillt seien, vertrauliche Mitteilungen auf eine offene Karte zu schreiben. Die Österreicher griffen jedoch gern den Vorschlag auf und führten bereits 1869 die Correspondenzkarte mit einem aufgedruckten Wertzeichen ein. Auf der Vorderseite stand die Anschrift, auf der Rückseite der Text. Ein Jahr später, als Bismarck eine entsprechende Verordnung unterschrieben hatte, war die Correspondenzkarte auch in Deutschland zu haben, Briefträger verkauften sie für einen Groschen oder drei Kreuzer. Es dauerte nicht lange, bis A. Schwarz die ersten Ansichtskarten auf den Markt brachte, die Städte, Landschaften oder Portraits zeigten. Um die Jahrhundertwende entstand mit Hilfe guter mechanischer Reproduktionsverfahren ein schwunghafter Handel mit Künstlerpostkarten, Obwohl bei Reeherehen zu diesem Büchlein im Osterholzer Heimatmuseum sowie in verstaubten, tatsächlich von Mäusen angeknabberten Protokollbüchern, des ehemaligen Magistrats und des Bürgerkollegiums allerlei bislang Unveröffentlichtes zu Tage gefördert wurde, konnte nicht festgestellt werden, wer in den achtziger Jahren die erste fotografische Anstalt in den Flecken Osterholz und Scharmbeck eröffnete. Auf den Karten erscheinen die Namen Stüben, Murken, Saade, Steffens und schließlich Krohn, dessen Geschäft noch heute besteht.

Als die Blütezeit der Tuchmacherzunft abstarb, die Zigarrenmacher hingegen gute Geschaffte machten, beide Orte zusammen 4 720 Einwohner zählten und eine gemeinsame Eisenbahnstation besaßen, entstand in den Jahren 1891 bis 1893 nach dem Plan des Geestemünder Kreisbau-Inspectors Hellwig die Arbeits- und Armenanstalt, für die der königliche Landrath den Hausvater bestellte. Der Pflegsatz betrug für einen Mann sechzig Pfennig, für eine Frau mit Säugling anderthalb Mark 'ohne Medizin und Kleidung'. Die Insassen verrichteten Arbeiten auf den Feldern am Pass und Krummenwinkel. Die neuesten Nachrichten wurden im Nachbarkrug in der Osterholzer Hauptstraße verbreitet, dessen Wirt Johann Friedrich Böhme die Tochter Katharina an Heinrich Saade verheiratete, der ab Weihnachten 1876 im Hinterhaus das erste Osterholz-Scharmbecker Wochenblatt druckte, das zweimal in acht Tagen erschien. In Scharmbeck musste im Jahre darauf für öffentliche Konzerte, Theater, Sängergesellschaften, Tanzmusiken und Bälle eine Lustbarkeitssteuer in Höhe von drei Mark gezahlt werden, als in den dunklen Hausfluren Lehm oder weißer Sand den Fußboden bedeckten, Strohmatten in den Wohnstuben Luxus bedeuteten.

Noch vor der Jahrhundertwende brachten Ausflügler aus der benachbarten Hansestadt buntes Leben in die Flecken Osterholz und Scharmbeck. Erst mit Kremsern, später mit Extrazügen reisten die Großstädter an, um im Klosterholz die Sommergärten zu besuchen. So erschien vor dem Ersten Weltkrieg jahrelang regelmäßig der 'Eisenbahnerverein' mit siebenhundertfünfzig Mitgliedern, der 'Bürgerverein westliche Vorstadt Bremen' brachte bis zu fünfzehnhundert Besucher in den Windhorstschen Sommergarten, im Bremer- oder Hansa-Hans gab es Unterhaltungsspiele und die ersten kinematographischen Vorstellungen, in Traegers Sommergarten wurden mixet Doppel im Tennis ausgetragen, und am Stammtisch trafen sich die ehemaligen Seefahrer. Bei solchen Gelegenheiten verschickte man Ansichtskarten auch nach Übersee an die zahlreichen Auswanderer aus den Ämtern Lilienthal und Osterholz. Sie gehörten bereits seit 1875 dem 'Plattdeutschen Volksfest Vereen von New York und New Jersey' an und versuchten, engen Kontakt mit der Heimat zu halten.

Preußisch ging es in dem neuen Kreishaus zu. Der Geheime Rat Dr. Becker, der dort in der Osterholzer Hauptstraße 12 mit der Telefonnummer 38 bis 1931 amtierte, saß oftmals bis zum frühen Morgen vor Aktenstapeln, so entsinnt sich der heute neunundsiebzigjährige Oberamtmann in Ruhe Hermann Brünjes. Gearbeitet wurde von 8 bis 12 oder 13 Uhr und von 14 bis 19 oder gar 19.30 Uhr. Am Heiligen Abend ließ der Landrath seine zwanzig Untergebenen eine halbe Stunde früher nach Haus gehen. Die Spitze der Verwaltung bestand, als die Flecken im Jahr 1910 rund 5 000 Einwohner zählten, aus nur fünf Männern. Die gesarriten Steuerveranlagungen bearbeiteten der Steuersupemumerar und ein Hilfsarbeiter sowie zeitweilig ein Lehrling. Im ehemaligen Vorwerk des Klosters an der Bördestraße wuchs der Sohn des Amtsrichters Bruno Wellenkamp auf, der als Schriftsteller über sein Elterhaus später schrieb: 'Die Glucke nannten wir es immer. Weil sie uns jeden Abend wie kleine Küken unter ihre warmen Flügel nahm. Dann die vier Birkenbäume, Nachbars Anheben, der Bach, mein Sitzplatz in den Zweigen der Rotbuche...'

Keine Romantik gab es im Armenarbeitshaus. Die Inflation meldete sich an, die Pflegesätze wurden Anfang Oktober 1923 auf 120 000 Mark pro Tag erhöht, Mitte des Monats waren es sechzig Goldmark. Vier Jahre später sucht die Verwaltung für die im Jahr 1927 zusammengelegten Orte Osterholz und Scharmbeck, die 327015 Mark Ausgaben und 320 908 Mark Einnahmen im Etat ausweisen, dringend Büroräume. Der Magistrat, das Bürgerkollegium und ein Sachverständiger schlagen nach einer Besichtigung von dreizehn Häusern vor, das nunmehr Pflegeheim genannte Arbeitshaus für den Betrag von 3 500 Mark in ein Rathaus umbauen zu lassen, da ein Neubau wegen der prekären finanziellen Verhältnisse zu gewagt erscheint. Nach der Verlegung der Büros vom Schulgebäude in der Lindenstraße in das Erdgeschoß des Pflegeheims erachtet man es im Juli 1929 jedoch für notwendig, zum Preis von achtundneunzig Mark eine Flaggenstange vor dem Haus zu errichten.

Zur selben Zeit wird in Stagges Hotel mit knapper Mehrheit die Eingemeindung von Westerbeck und Lintel beschlossen. Sieben Stimmen dafür, sechs dagegen gab es laut Protokoll. Die Stadt zählte 6 060 Einwohner, der Marktplatz wurde zum Parkplatz erklärt. Damals fuhr der fliegende Hamburger einhundertsechzig Stundenkilometer, es gab vierundzwanzig Parteien und permanent Wahlen, und die Kapelle spielte: 'Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin, was ist schon dran an Argentinien...'

1. Das Dorfidyll vom Flecken Scharmbeck zeichnete Bernhard Traeger im Jahr 1865 vom Berger Hof aus. Vier Jahre später, so berichtet die Chronik, vernichtete 'ein fürchterlich Unwetter mit Blitzen und Donner' den Kirchturm von St. Willehadi. Die Holländer Kornmühle im Hintergrund wurde 1781 ursprünglich als Walkmühle für die Scharmbecker Segeltuchfabrik Ludwig und Straat gebaut, 1833 brannte sie ab, 1846 mahlte sie Korn, und 1887 wandelte sie Gevert Bötjer in eine Dampfmühle um, damit er auch bei Windstille arbeiten konnte. Clüver hieß der letzte Besitzer, der das Mahlgeschäft noch bis zum Zweiten Weltkrieg führte. Dann verfiel die Holländer Mühle allmählich. Ein Stumpf stand allerdings bis zum Bau der Umgehungsstraße.

2. Sankt Willehadi ist die Kirche in Scharmbeck geweiht, die sich seit 1745 als ein 'von Grund auf neues Gotteshaus' präsentierte, wie eine Sandsteintafel an der Südseite über der Sakristei berichtet. Ursprünglich wird an jener Stelle eine hölzerne Kapelle gestanden haben. Die Mauern aus Feldsteinen, Bestandteile des heutigen Turmes, stammen nach Ansicht der Forscher aus dem zwölften Jahrhundert. 1684 bis 1686, das belegen alte Dokumente, wurde erstmals angebaut. Noch Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, das ist erwiesen, fanden innerhalb des Gotteshauses Bestattungen statt. Im neunzehnten Jahrhundert entstand rund um die Kirche ein Friedhof. Das Foto zeigt den alten Turm: eine viereckige Pyramide aus Dachziegeln.

3. Mit einem Bindestrich verbunden sind die Namen der beiden Flecken Osterholz und Scharmbeck seit dem Jahr 1927. Es erscheinen die ersten farbigen Ansichtskarten - es sind retuschierte Schwarz-Weiß-Fotos - mit einem Fremdenverkehrs-Image. 'Unser Ort soll schöner werden' hatten sich bereits damals der 'Verkehrs- und Verschönerungsverein' sowie der 'Heimat- und Museumsverein' zum Ziel gesetzt. Das Klosterho1z und Plätze mit weitem Fernblick bekamen die ersten Ruhebänke. Ganz besonders wurde das älteste Kulturdenkmal der Stadt, das mächtige Steingrab an der Osterho1zer Straße (siehe Bildmitte) gepflegt. Ursprünglich reichte das Klosterho1z bis zu jener Stelle. Das Grab liegt heute mitten zwischen Häusern.

4. Kaiser und Könige muss der Scharmbecker Marktplatz gesehen haben. Fest steht, dass Georg V in den Flecken Osterho1z und Scharmbeck weilte. Zum Empfang am 7. August 1862 grüßte 'ein buntfarbiger Fahnenwald von den Dächern herab', hieß es in der Zeitung. Dann 'begab sich Seine Majestät nebst Gefolge unter endlosem Jubel der Einwohner nach Scharmbeck', so berichtet der Chronist. Nicht klar geht aus den Reeherehen hervor, warum die Eiche auf dem Marktplatz gepflanzt wurde. Sie trägt zwar ein Schildehen mit einer geschmiedeten, umrandeten Inschrift 'WILHELM H', doch gab es offensichtlich keinen Anlass zu solch einem hohen Besuch.

5. Ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges stand am Eingang des Friedhofes vor der St. Willehadi-Kirche, bis eines Tages, am 8. Dezember 1964, ein Lastzug daue gedonnerte. Dafür wurde am Volkstrauertag 1966 im neuen Stadtpark eine Gedächtnisstätte für die Toten beider Weltkriege eingerichtet. Auf den Gefallenen-Tafeln des Ersten Weltkriegés in Osterholz, Scharmbeck, Buschhausen, Westerbeck und Lintel sind 231 Namen eingetragen, davon 108 am Ehrenmal in Scharmbeek und 62 in Osterholz. 'Zur Erinnerung an den ruhmreichen Feldzug 1870/71' erhielt Scharmbeck 1872 ein Kriegerdenkmal vom Amte Osterholz, das noch heute an der Kreuzung Osterholzer, Bahnhofund Lindenstraße steht.

6. Die Kirchenstraße musste um 1830 ebenso verändert werden wie fast alle Wege in Scharmbeck. Zu jener Zeit begann die Pflasterung der alten Heerstraße Bremen-Bremervörde. Bei dem Straßenbau erhielt Scharmbeck ein verändertes Aussehen. Die bislang über die Loge führende Straße durchschnitt jetzt in gerader Linienführung den großen Logerteich und ließ damit die eigentliche Logerstraße zu einem stillen Winkel werden. Am Markt beim Bauer Flathmann wurde sogar ein Haus auf Rollen über einen Meter zurückversetzt. Die Kirchenstraße erfuhr eine Begradigung, indem man die Trasse über den seit 1831 nicht mehr benutzten Kirchhof legte, Zur Unterhaltung der Landstraße wurde ein Wegzoll oder Chausseegeld klinge führt.

7. In der Kirchenstraße profitierten die Geschäftsleute einmal von den Reisenden, vor allem aber von der Ausstrahlung der Märkte, die rund um die Willehadi-Kirche stattfanden und nicht nur Händler, sondern auch Käufer aus nah und fern anzogen. Einen Scharmbecker Korn- und Viktualienmarkt soll es bereits während der französischen Besetzung (1803 bis 1813) gegeben haben, der vermutlich sporadisch bis in die siebziger Jahre abgehalten wurde. Doch erst im April 1908 genehmigte der Bezirksausschuss Stade einen regelmäßigen Wochenmarkt, auf dem dienstags und freitags Gemüse, Butter, Käse und Eier angeboten wurden. Höhepunkte waren jedoch die Vieh- und Herbstkrammärkte mit den meisten Standen und Besuchern.

8. Der Herbstviehmarkt auf der Wurth ist weit über die Grenzen Scharmbecks bekannt geworden. Der Septembermarkt war einst der eigentliche Pferde- und Füllenmarkt Osterholz-Scharmbecks. Der Name 'Kirmes- oder Karkenmesmarkt' kündet von seinem früheren Charakter. Er war vermutlich einer der ältesten Märkte in den Herzogtümern Bremen und Verden, denn er stammt aus einer Zeit, als die Bevölkerung noch katholisch war. Vielleicht war die hiesige Kirmes eine Erinnerungsfeier an die Einweihung der Kirche nach einem Anbau oder Umbau, vermutet Segelten. In einer Urkunde von 1692 steht: 'Dass alle Jahre drey Wochen vor Michaelis auf die Mittwoche zu Scharmbeck Kirchmesse gehalten worden' 1774 werd berichtet, 'dass der Markt drey Tage stehe'.

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