Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 1

Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Walther Schubert
Gemeente
:   Osterholz-Scharmbeck
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0803-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 1'

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29. In Saus und Braus lebten die Herren von Sandbecke vor allem zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts. Die Chroniken erzählen, dass sie einmal einen Klostermeier 'wie ein Pferd durch das Wasser in Schermbeke getrecket' haben. Kein Wunder also, wenn von allerlei 'Irrungen und Miss verstände' die Rede ist. Wiederholt kam es zu Vergleichen. Wegen der zerrütteten finanziellen Verhältnisse der Familie während des Dreißigjährigen Krieges musste Hermann von Sandbecke beim Bremer Bürgermeister eine Anleihe aufnehmen, an der lange gezahlt wurde. Um 1800 bestand das Gut aus dem Edelhof und dem ritterschaftlichen Gut, der Wohnung des Gerichtsverwalters, dem Witwensitz der Gutsbesitzerin und der Wohnung des Gerichtsvogts. 1820 verwaltete das Amt Osterholz das Erb- und Patrimonialgericht Sandbeck. Schließlich wurde das mehr als tausend Morgen große Gut 1855 für 140 000 Thaler an einen Celler Bankier verkauft. Durch weitere Verkäufe schrumpfte das Gut innerhalb von dreißig Jahren auf ein Viertel seiner Größe. 1886 kam das Gut in den Besitz der Familie von Hodenberg und später anderer Familien, bis es jetzt von der Stadt Osterholz-Scharmbeck gekauft wurde.

30. Auch im Winter war schon um die Jahrhundertwende der 1877 gegründete Restaurationsbetrieb in Bargten, dessen spätere Besitzer F. Melzer und August Krichhoff den Namen 'Ludwigslust' beibehielten, ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus nah und fern. Sie kamen mit Schlitten, im Einspänner oder mit zweispännigen Kutschen. So wie heute die Autoparkplätze angeboten werden, wurde Irüher in den Inseraten der Wirte der 'bequeme Ausspann' nicht vergessen. Zur Anfahrt wurde Vereinen, Familien und Gesellschaften empfohlen, sich einen Landauer oder Sommerwagen zu mieten. In den 'schattigen Gärten' wie vor 'Ludwigslust' (unteres Foto) gab es nicht selten 'großes Konzert mit nachfolgendem Tanz-Kränzchen' bei 'guter Bedienung',

31. Extrazüge wurden in den neunziger Jahren eigens für die Bremer eingesetzt, die am Wochenende Osterholzer oder Scharmbecker Sommergärten zu besuchen wünschten, Dementsprechend waren die Wirte vermutlich damals noch besser für den Fremdenverkehr eingerichtet als zur heutigen Zeit. Der Besitzer des Bahnhofshotels, Emu Meyer mit dem Fernsprecher Nummer 8, ließ es sich nicht nehmen, 'einen Hausdiener an jeden Zug' zu schicken. Wie Bendorf in Scharmbeckshotel verfügte auch er über einen großen Sommergarten, ferner 'elektrische Beleuchtung, Bad im Hause, große Stallung, eigenes Fuhrwerk'. Außer der Finkeschen Kapelle gaben Verdener, Oldenburger oder Bremerhavener Militärkapellen 'Gartenkonzerte bei frohem Treiben',

32. Mit sechzig Schützen feierten die Scharmbecker am 9. Juni, dem Dienstag nach Pfingsten im Jahr 1840 ihr erstes Schützenfest, denn sie hatten den Wunsch geäußert, ihr vom Amte Osterho1z genehmigtes Erntefest, 'das eigentlich nichts anderes war als eine Tanzgesellschaft', in ein Fest der Schützen umzuwandeln. Mit Unterbrechungen - die erste bereits von 1847 bis 1851 - wurde jährlich in Scharmbeck das Fest mit mehr oder weniger grofsen Aufwand gefeiert. Nachdem der Verein fünfzehnmal das Sandbecker Holz als Festplatz benutzt hatte, wurde ihm 1867 der heutige Schützenhof zur Verfügung gestellt. Das Schießen auf den Vogel war nicht immer ungefährlich, besonders als im Jahr 1880 statt der Vorder- die Hinterlader benutzt wurden.

33. Eine Schmiedezunft hat es in den beiden Kirchspielen Osterholz und Scharmbeck nie gegeben, obwohl zum Beispiel im Jahr 1830 genau neunzehn Handwerker gezählt wurden, die den Beruf des Schmiedes ausübten. Das Zunftprivileg wurde von der Regierung nicht genehmigt. Zum ersten Mal wird im Jahr 1670 von Schmieden berichtet. Als jedoch der Acker im neunzehnten Jahrhundert intensiver bewirtschaftet wurde, stieg auch die Zahl der Schmiede. Was das Gronden einer Zunft anbetraf, so konnten sie sich trösten: auch andere Berufszweige hatten damit in Stade keinen Erfolg. Als der Fotograf im Jahr 1912 den Schmiedemeister Eduard Kunst mit Gemahlin und Gesellen vor dem Haus in der Koppelstraße 163 auf die Platte bannte, gab es für ihn noch viel zu tun.

34. Die Jungschützen mit ihren Förderern - unter ihnen Hauptmann Arfmann und Albertus von Rönn - wurden im Jahre 1929 in einer Abteilung zusammengefasst, die Hermann Schlüter gründete und leitete. Besonders stolz durften sie auf ihre Schießsportkleidung sein: dunkle Hose, weißes Hemd und grüner Schlips, kein Rock und kein Hut. Die ursprünglich siebenundzwanzig Mitglieder, deren Zahl sich bald auf fünfundvierzig erhöhte, übten sonntags vormittags auf dem SD-Meter-Kleinkaliberstand. An den Schützenfesttagen schossen sie mit Kleinkalibergewehren auf eine eigene Festscheibe. Mehrere Male veranstalteten sie auch ein eigenes Vogelschießen. So wurde der Nachwuchs für den rührigen Scharmbecker Schützenverein aus dem Jahr 1840 gesichert.

35. Freiwillige Feuerwehren wurden im Flecken Scharmbeck 1895 und Osterholz 1898 gegründet, als in Deutschland bereits dreihundertfünfzig Turnerfeuerwehren mit fast 30 000 Mitgliedern bestanden. Das Foto aus dem Jahr 1900 zeigt das Scharmbecker Kommando, von links zweiter Zugführer Kahle, dritter Zugführer Tietjen, stellvertretender Hauptmann Behrmann, Hauptmann Schriefer, erster Zugführer Kück und Obersteiger Weber. Das Feuerhorn erklang besouders in der heißen Jahreszeit oft, denn Moor und Wald so wie die reetgedeckten, aus Holz und Lehm gebahnten Häuser, in denen Kerzen und Petroleumleuchten brannten, waren damals noch mehr der Feuersgefahr ausgesetzt als heute. Gelöscht wurde mit Hilfe schneller Pferdewagen und Handdruckspritzen.

36. Viermal mussten laut erstem Fahrplan in Osterholz-Scharmbeck am Tag die Schranken geschlossen werden. Aus Bremen fuhren vormittags um 8.30 und nachmittags um 3.00 Uhr Züge ab, aus Geestemünde um 7.00 und um 3.45 Uhr, Die Fahrt von Bremen nach Osterholz-Scharmbeck nahm fünfzig Minuten in Anspruch - am Vormittag, am Nachmittag nur dreißig Minuten. Von Geestemünde nach Osterholz-Scharmbeck brauchte der Zug eine Stunde und fünfundzwanzig Minuten am Vormittag und eine Stunde und fünf Minuten am Nachmittag. Der Fahrpreis für die dritte Klasse betrug für eine einfache Fahrt von Osterholz-Scharmbeck nach Bremen neun Groschen. Bereits im April des Jahres 1862 musste die Zahl der Züge verdoppelt werden. Einige hielten schon damals nicht in Osterholz-Scharmbeck.

37. Aus dem Holzlager einer Sägerei entstand der 'Verbrecherkeller' der Bahnhofsgaststätte von Justus Meyer im Jahre 1860. Als die Leute sich beschwerten, im Regen draußen auf den Zug warten zu müssen, wurde ihm die Konzession zu einer Gastwirtschaft gegeben. Er räumte das Lager aus und stellte eine Theke hinein. Da der ehemalige Lagerraum nicht die vorschriftsmäßige Höhe für ein Gastzimmer hatte, ließ Justus Meyer einfach in die Tiefe schachten. Als schließlich die Bahnhofstraße ausgebaut war, der Verkehr immer dichter wurde, vergrößerte sich die Schar der Gäste, es musste angebaut werden. Einen ständigen 'Gast' bekamen die Meyers im Jahr 1875 mit dem Nachbarn Reisstärkefabrik und seinen Gerüchen ...

38. Die Reiswerke zeigten bereits drei Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1878 auf einer großen Gewerbeausstellung in Hannover Proben ihrer Arbeit: Reisstärke. Kurz darauf richtete Besitzer Gerhard Lange zusätzlich eine Reismühle ein, es wurde angebaut, die Zahl der Arbeiter stieg von ursprünglich dreißig auf dreihundertsiebzig. Es wurden allein eine viertel Millionen Mark im Jahr an Löhnen gezahlt. Wegen der Absatzschwierigkeiten gliederte Lange in den folgenden Jahren eine Syrupfabrik an. Trotzdem ging von 1899 bis 1904 die Zahl der Beschäftigten auf zweihundertdreißig zurück. Als in Hamburg eine viel größere Reismühle Konkurrenz machte, wurde die Osterholzer Reismühle bedeutungslos und stellte 1911 ihren Betrieb ein.

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