Pappenheim in alten Ansichten

Pappenheim in alten Ansichten

Auteur
:   Hans Navratil
Gemeente
:   Pappenheim
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3186-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Pappenheim in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Den Bliek auf Pappenheim wie es sich noch vor wenigen Jahrzehnten präsentierte, will dieses Büchlein von Hans Navratil lenken und damit Rückschau auf die jüngere Vergangenheit einer uralten kleinen Stadt vermitteln. Die vielen Fotos lassen etwas von der urbanen Umgebung der Groß- und Urgroßeltern erkennen und bringen dem heutigen Betrachter die oft zitierte 'gute alte Zeit' nahe, die freilich kritisch zu hinterfragen ist.

Reizvoll, ja beschaulich wirkt dieses Pappenheim von jeher. Das bestätigen die viele Gäste, die Jahr für Jahr den Luftkurort besuchen. Sie kommen auch des Namens wegen, den Friedrich von Schiller in seinem 'Wallenstein' berühmt gemacht hat. Allerdings ging es ihm um das Kürassierregiment im Dreißigjährigen Krieg, das unter dem Befehl eines Generals aus dem Geschlecht der einstigen Reichsmarschälle stand und zu dessen Abordnung der Dichter den Feldherrn ausrufen läßt: 'Daran erkenn' ich meine Pappenheimer' - also an der Treue, an der Tapferkeit, am Mannesmut! Dieses Wort erfuhr im Volksmund einerseits eine leichte sprachliche Veränderung und bekam andererseits noch einen negativen Beigeschmack. Dennoch: Bekannt sind dadurch die Pappenheimer heute über alle Ländergrenzen hinweg.

Die einstigen Marschälle des Reiches nahmen schon früh den Namen dar Siedlung an und machten sie zu ihrem Stammsitz. Deshalb ist ihr Geschlecht, das 1628 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, seit dem 11. Jahrhundert eng mit der Geschichte des Ortes verknüpft. Als Lehensleute erhielten die Marschälle von Kaiser Heinrich 111. das Königsgut Niederpappenheim sowie das Dorf Pappenheim und begannen bald mit dem Bau der Burg auf dem markanten Felskegel. Wohl auf ihre Fürsprache hin verlieh Kaiser Rudolf bereits 1288 dem Ort Stadtrechte. Da sie nebenbei mit dem Schutz der

Juden im ganzen Reich beauftragt waren, siedelte sich hier etwa seit dem 13. Jahrhundert eine verhältnismäßig große jüdische Gemeinde an, wovon noch Reste des um diese Zeit angelegten Friedhofs künden,

Auf die Marschälle und Grafen von und zu Pappenheim machen noch immer einige markante Bauten aufmerksam, so das von ihnen 1372 gestiftete und mit der Reformation aufgehobene Augustinerkloster, das Alte Schloß, jener mächtige Bau aus dem 16. Jahrhundert, weiter das nach Plänen des königlich-bayerischen Hofbaumeisters Leo von Klenze 1819-1822 errichtete Neue Schloß am Marktplatz und einst 'herrschaftliche Häuser' ihm gegenüber.

Das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt ist freilich die St.Gallus-Kirche aus dem 9. Jahrhundert, eine ursprünglich karolingische Anlage, die auf die Zeit hinweist, in der das Kloster St. Gallen hier begütert war. Sie beeindruckt den Betrachter in unseren Tagen zumindest ebenso wie die Ruine der Burg, die 1633 von einer schwedischen Armee eingenommen worden ist, oder die 1476 geweihte Stadtkirche. Historische Spuren also überall! Sie spiegeln auch die vielfältige große deutsche Geschichte mit all ihren Wirrnissen wider. Dies bedeutet, daß Pappenheim in einer Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen schwere Schäden erlitten hat. Glücklicherweise blieb es von Zerstörungen in den furchtbaren Kriegen des 20. Jahrhunderts verschont.

Die stadtarchitektonischen Grundzüge gleichen heute noch denen des Mittelalters, was nicht zuletzt frühe Holzschnitte und Kupferstiche bestätigen. Andererseits hat sich in den vergangenen Jahrzehnten doch mancherlei verändert: durch Renovierungen und Restaurierungen einzelner Bauten sowie die Errichtung neuer Wohn- und Industriegebiete. Hier zeichnen sich Weiterentwicklungen innerhalb der Gesellschaft ab:

Die Zeit blieb auch in Pappenheim nicht stehen!

Der Ort gibt schließlich in seiner historischen Substanz Zeugnis von den architektonischen Eigenheiten dreier Volksstämme - der Franken, Altbayern und Schwaben -, die eben in diesem Gebiet zusammentreffen. Das gilt gleichfalls für die mit der Gebietsreform nach Pappenheim eingemeindeten schmucken Dörfer: Bieswang, Geislohe, Göhren, Neudorf, Osterdorf, Übermatzhofen und Zimmern.

Was ist nun im Stadtkern konkret anders geworden? Nun, da fehlen heute fast völlig jene Häuser, die den typisohen altmühlfränkischen Baustil verkörperten. Sie waren zumeist mit Legschiefer aus den nahen Steinbrüchen um Solnhofen gedeckt und hatten deshalb eine sehr geringe Dachneigung. Nur wenige Beispiele davon sind erhalten geblieben: Die Zeit des Legschiefers und später der 'Zwickplatten' ist halt vorbei, Dem Betrachter der Fotos dürfte ebenso auffallen, daß die zahlreichen Brunnen und Pumpen verschwunden sind. Sie gehörten einst wie selbstverständlich zum Bild der Straßen. Von ihnen holte man Wasser in die Häuser, sie boten Hilfe beim Ausbruch eines Feuers, Ihr Ende kam mit der zentralen Wasserversorgung, die das Wasser in jedes Haus, damit in Küche, Bad und Toilette brachte. Man mag den Verlust solcher Relikte vergangener Tage bedauern, doch wer wollte schon auf den Wohnkomfort unserer Zeit verzichten? Wer möchte so hausen wie die Urgroßeltern, mehrmals täglich sein Wasser vom Brunnen auf der Straße holen oder wieder ein 'Plumpsklo' benutzen? Hier zeigt sich also echter Fortschritt im Bliek auf Hygiene und Gesundheitsschutz.

Die innerhalb eines halben Jahrhunderts - von 1880 bis 1930 - entstandenen Aufnahmen beweisen gleichfalls, wie sich die Wirtschaft innerhalb eines solchen Gemeinwesens gewandelt hat, Manche Handwerks- und Handelszweige sind völlig aus-

gestorben; viele Läden existieren längst nicht mehr. Damit werden wirtschaftliche Weiterentwicklungen erkennbar, die bis jetzt nicht abgeschlossen sind.

Man muß Hans Navratil dankbar dafür sein, daß er sich jahrzehntelang der Geschichte Pappenheims angenommen hat, Die Forsehungen des gebürtigen Sudetendeutschen zur Historie dieser Stadt selbst und ihren einzelnen Häusern, zu Familien und Sippen, die oft seit vielen Generationen hier leben, haben ihn zu einem glänzenden Kenner auf diesem Spezialgebiet gemacht. Die von ihm gesammelten und teilweise in diesem Band veröffentlichten Fotos veranschaulichen, was sich innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes in diesem Gemeinwesen verändert hat - negativ manchmal, oft

aber auch zum Guten hin. .

Die Gestaltung eines Ortes war und bleibt stets ein ästhetisches Problem, ebenso eines der Mentalität und geistigen Verfassung der jeweiligen Generation. In den vergangenen Jahren haben Pappenheimer Bürger aus eigener Initiative maßgeblich zur Verschönerung ihrer Häuser und damit des gesamten Stadtbildes beigetragen: Dies ist Ausdruck einer gesunden, traditionsbewußten Einstellung und des davon ausgehenden klugen Bewahrens für die Nachfolgenden.

Selbst wenn man sich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wieder mehr auf Vergangenes besinnt, wäre nichts verfehlter als nostalgische Schwärrnerei. Das ist auch nicht die Absicht dieser Büchleins, Vielleicht kann es aber in unserer schnellebigen Zeit zu Gedanken darüber anregen, was es in Zukunft zu erhalten und für kommende Generationen neu zu gestalten gilt.

Jürgen Maiwald

1. Pappenheim um 1800. Ansicht vom sogenannten Himmelssteig. Der ganze Stadtkern wird noch von wehrhaften Mauern, Türmen und Toren umschlossen, überragt von der Burg der Reichsmarschälle, deren dreigeschossiger Pallas noch vollständig erhalten ist, Rechts neben dem schlanken Turm der Stadtkirche der wuchtige Turrn des Altmühltors, das 1820 abgebrochen wurde, daneben die Brücke über die Altmühl hinüber zur Vorstadt. Im Hintergrund das Scharfrichterhaus. Links neben dem Bauhof die Schießstätte, der Turm des unteren Tors ('Lachtor'), die untere Vorstadt ('Friedrichsanlage') mit dem Ziegelstadel und ganz links Niederpappenheirn. Im Vordergrund die Straße nach Zimmern über Drei-Linden.

2. Bliek von der Burg um 1900. Damals führte der Ortsverbindungsweg nach Göhren wohl den 'Lottersberg' hinauf, jedoch nicht geradeaus weiter durch das Rindertal, sondern rechts über das sogenannte Göhrener Gsteig und weiter durch den Wald nach Göhren (jetzt Rundwanderweg 6). Links der Straße die Felder der Pfeiferleite, rechts die Eisengrube (jetzt Baugebiet) und die Stößäcker. Genau über der Galluskirche der Sommerkeller des Gasthauses 'Zum Grünen Baum' (Lotter). Am Weinberg sind deutlich die bewirtschafteten Parzellen der 1809 verteilten Weinberganteile zu erkennen. Im Vordergrund der 'Affenstein'-Turrn, darüber das grëfliche Bräuhaus, rechts das Neue Schloß und links der Schloßpark.

3. Judengasse, Reitstall und Unteres Tor um 1886. Links der herrschaftliche Reitstall mit der Bauinspektors-Wohnung darüber, dahinter das Haus des Schmiedemeisters Friedrich Bauwerker mit der 'Beschlag-Brucken': Alles gehörte früher zum Bauhof. Am Ende der Straße der Untere Torturm mit der angebauten 'Torwartelwohnung'. Beides wurde 1887 abgebrochen. Das hohe Gebäude rechts war der Gasthof 'Deutsches Haus' mit der Poststation, daneben das Häuschen des Sattlermeisters Christian Reinert (jetzt GampI) und rechts im Vordergrund der ehemalige 'Beckenstadel', später Werkstatt von Albert Dinkelmeyer, Wagnerei und Spirituosenerzeugung (jetzt Gästehaus Dengler). Ganz rechts: der private Steinbrunnen des Dinkalmeyer.

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4. Als niedriges Haus mit flachem Giebel und Solnhofer Platten bedeekt - so präsentierte sich das Anwesen des Sattler- und Tapezierermeisters Georg Hubert (dann Sattler Hermann Kurz, danach Schneidermeister Gampl). Links ein Pumpbrunnen anstelle eines früheren Kettenziehbrunnens. Dahinter das Häuschen des Taglöhners Michael Behringer (Kattinger, Domaschka) 'auf dem Weinberg', wie dieser Teil des Schloßbergs früher benannt wurde. Daneben das ehemalige Schafhans der Treuchtlinger Herrschaft (Münzinger, Weisel), ganz rechts der Giebel des Beckenstadel. Überragt wird das Ensemble von der gewaltige Ruine der Burg der Marschälle zu Pappenheim.

5. Deisingerstraße. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen hat fast jedes Haus sein Aussehen verändert. Viele wurden abgerissen und von Grund aus neu aufgebaut, wie Nr. 24, Schreiner Stephan, jetzt Volksbank; Nr. 20 Gasthof 'Zur Sonne'; Nr. 18 Bank- und Handelshaus Emmert, jetzt Café Renger; NI. 10 Bäckerei Renner, jetzt Seehuber; Nr. 5 Lampmann; Nr. 11 Metzgerei Lechler, jetzt Sippekamp; Nr. 27 Eisenhandlung Feldner, jetzt Felsner; Nr. 35 Weber Satzinger, jetzt Peschka; NI. 32 der ehemalige Beckenstadel, jetzt Dengler, Andere wieder wurden renoviert und in den unteren Stockwerken größere Läden mit Schaufenstern eingebaut. Der Pumpbrunnen vor dem Gasthaus 'Zur Sonne' wurde 1908 abgebrochen. Zur gleichen Zeit ersetzte man die Petroleumlampen durch elektrische.

6. Im Jahre 1907 feierte Pappenheim das 50jährige Bestehen des Veteranen- und Kriegervereins, Durch die festlich mit Fahnen, Girlanden, Kränzen und Birken geschmückte Deisingerstraße bewegte sich der Festzug hinaus auf die Lach zum Schießhaus, Vorneweg, im losen Haufen, die Jugend mit den in Mode gekommenen Strohhüten. Nur wenige kleinere Buben tragen noch den obligatorischen schwarzen Sonntagshut. Dann einige Herren des Festkomitees mit Zylinder und Festabzeichen. Die Musikkapelle bildete die Spitze des Festzuges, gleich dahinter die Ehrenjungfrauen, denen die vielen Abordnungen der einzelnen Vereine mit ihren Fahnen folgten. Links am Gehsteig liegen mehrere Haufen Granitwürfel: Anscheinend war man gerade dabei, die Straße auszubessern.

7. Die Judengasse 1886. Zu dieser Zeit gab es weder elektrisches Licht noch eine durchgehende Wasserleitung oder Kanalisation. Das Wasser lieferten die Pumpbrunnen wie hier im Bild vor der 'Sonne' und am Laux'schen Haus, Letzterer wurde 1871 in einen laufenden Brunnen umgewandelt. Dazu verlängerte man die hölzerne Teichtelleitung vom Brunnmühlbach, die bisher nur die Brunnen des Marktplatzes und der Herrengasse, das Alte Schloß und das Judenweiberbad mit Wasser versorgte, bis hierher. Das Abwasser aus diesen laufenden Brunnen floß durch einen neugebauten Kanal durch Schulgasse und Schloßgarten direkt in die Altrnühl. Der dicke Purnpbrunnen vor der 'Sonne' mit dem langen eisernen Schwengel wurde später durch einen 'modernen' schlankeren ersetzt.

8. Diese Aufnahme wurde im Juli 1913 von dem hiesigen Fotografen Söldner angefertigt, anläßlich des Andranges beim Total-Ausverkauf des Warenlagers aus dem Konkurs Haagen (Deisingerstraße 16). Der sehr angesehene und renommierte Bankier und Schnittwarenhändler Martin Haagen, Bürgermeister (1906-1913), Bezirksvertreter der Feuerwehr, Vorstand vieler Vereine und Ämter, und Landtagsabgeordneter (1912/13), hatte seinem Leben im Starnberger See selbst ein Ende gesetzt. Der Polizeisoldat Moritz Dehler (rechts) konnte den Ansturm der Käufer, von denen viele nur aus Neugier kamen, kaum in geordnete Bahnen lenken. Der Lehrling mit der Uhrkette (links an der Hausecke) ist Ludwig Näpflein, der 1913 nebenan in das Hutgeschäft Ammon (jetzt Café Renger) als Lehrling eingetreten war.

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