Pegnitz in alten Ansichten Band 2

Pegnitz in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Peter Spätling
Gemeente
:   Pegnitz
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5711-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Pegnitz in alten Ansichten Band 2'

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Gruss aus PegnItz (fränk. SchweIz

Villa Weiss

29. Nicht mehr wiederzuerkennen ist das schmucke Haus, das kurz nach der Jahrhundertwende vom damaligen Bezirksbaumeister Hans Weiss am heutigen Neuhofer Weg gebaut wurde. Mit in dem Haus wohnte der Mediziner Dr. Arnold, der unten aus dem Fenster schaut. Auch sein Kutscher Gries, der links im Bild zu sehen ist, wohnte unter dem Dach, Somit war die Kutsche auch so etwas wie ein Notarztwagen. Das Haus wurde dann 1923 an den Bergwerksverwalter Römmelt verkauft, der im Dritten Reich auch kurzzeitig Bürgermeister war. Mit dem Verkauftat aber der Baumeister Weiss einen sehr unglücklichen Griff, denn durch die Inflation im gleichem Jahr ging das gesamte Geld verloren. Das Haus ist heute völlig umgebaut und natürlich verputzt, so daß vom Backsteincharakter und den markanten Fensterumrahmungen nichts mehr zu sehen ist.

30. Was auf den ersten Bliek bei dieser gezeichneten Ansicht aus dem Jahre 1907 nach viel Phantasie des Zeichners aussieht, nämlich der schienengleiche Bahnübergang beim Gasthans 'Zum Gold'nen Stern', entsprach zum damaligen Zeitpunkt aber durchaus der Realität. Nach dem Bau der Eisenbahn im Jahre 1877 führte die Straße zum Bahnhof über diesen beschrankten Bahnübergang. Erst 1913 wurde eine Brücke etwas weiter östlich über die Bahnlinie hinweg gebaut und an dieser Stelle eine Fußgängerunterführung eingerichter. Wesentlich größer, wenn auch an Zahl geringer, sind die Bäume des lauschigen Biergartens geworden, die aus diesern Bliekwinkel das Gasthaus jetzt fast ganz verdecken.

31. Vom Buchauer Berg bietet diese Ansicht einen Bliek auf den Bahnhof, das heutige Industriegelände um die KSB und den Zipser Berg, der damals noch kaum besiedelt war. Bemerkenswert ist aber auch die ausschließlich der Grünnutzung unterworfene Fichtenoheaue. Sclbst das alte Freibad in diesern Bereich fehlt noch. Dafür sieht man aber den Knopfer-Weiher - nach dem der Volksfestplatz der Stadt seinen Namen hat -, der für heutige Verhältnisse ein einmaliges Bictop wäre. Der Brauerei am Buchauer Berg diente er aber vor allem zur Eisgewinnung irn Winter, das man dann zur Kühlung des Bieres verwendere. Wer genau hinschaut, sieht auch, daß die heutige Bundesstraße in Richtung Bayreuth noch nicht vorhanden ist , das heißt, der gesamte Verkehr rnußte sich damals noch über den steilen Zipser Berg quälen.

pegnitz

32. Im Jahre 1890 übernahm die 'Armaturen- und Maschinenfabrik AG vormals J.A. Hilpert in Nürnberg" kurz Amag, wie der Betrieb oft heute noch von den Einheimischen genannt wird - die Fabrik der Firma Merkel am Bahnhof. Mit den Erzeugnissen der 'Eisengießerei Pegnitzhütte' konnte sich das Unternehmen mit 'Absperrschiebern für Gas, Wasser und Dampf sowie Wasserleitungsartikeln, Dampfkesselarmaturen, Pumpen für alle Zwecke und Brauereiartikeln' bald einen Namen machen. Die im Original handkolorierte Federzeichnung zeigt das Betriebsgelände etwa im Jahre 1906. Im Vordergrund steht der Gasthofvon Philipp Hammerand. der bald in Gasthaus 'Zurn Bahnhof' umbenannt wurde. Dieser mußte jedoch schon kurz darauf einer Erweiterung des Betriebsgeländes weichen.

33. Eine ganze Reihe ähnlicher Bilder aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts gibt es von den Männern, die als Kernrnacher, Formmaschinisten oder Gießer in der Pegnitzhütte, dem Vorläuferbetrieb der Amag Hilpert AG, arbeiteten. Schon damals war dieses Unternehmen einer der wichtigsten Arbeitgeber in Pegnitz. Stolz brachte man auch Arbeitsgeräte und Erzeugnisse mit auf das Bild, was zeigt, wie sehr sich der Einzelne mit seiner Arbeit selbst identifizierte. Auffallend ist auch, daß viele ihre 'alten Hüte' bei der Arbeit aufbrauchten, was neben der vielfältigen Barttracht jedem Arbeiter eine gewisse Individualität verleiht,

AllSbruch des Brandes

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34. Der Betriebserweiterung der Amag Hilpert AG ging allerdings am 6. März 1910 ein Brand voraus, der Teile des alten Werkes einäscherte. Die vier Fotos der Postkarte, die Ernst Schülein fotografierte, zeigen Phasen des verheerenden Brandes. Links sieht man Frauen, die aus dem Gasthof Inventar in Sicherheit bringen. Der Brandherd lag im Modellboden der Fabrik und die Flammen fanden in den dort gelagerten Holzmodellen reiche Nahrung und konnten sich rasch ausbreiten, so daß dort nichts mehr zu retten war. Heute würde man von einer solchen Katastrophe wohl kaum mehr eine Postkarte anfertigen. doch muß man bedenken, daß zu dieser Zeit die Medien und andere Informationsmittel noch wenig Verbreitung harten, und die Sensatienslust der Menschen konnte auf diese Weise befriedigt werden.

35. 'Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit' - die Schlagworte der Französischen Revolution - forderten die Pegnitzer Sozialdemokraten bei ihrer Maifeier 1928 auf dem Schloßberg. 'Gegen Krieg Reaktion!' ist eine weitere Parole, die auf einem Schild mitgetragen wurde. Man zog immer vom Bahnhof aus zum Schloßberg hinauf, wo Redner auf der Kundgebung sprachen. Bei schlechtem Wetter wurde die Veranstaltung in die heute nicht mehr existierende Schloßberghalle verlegt. In der ersten Reihe des Bildes steht die Stadtkapelle unter der Leitung von Georg Lienhardt (dritter von links mit der Trompete). Ganz links steht Kaspar Fuchs, ein Mitglied einer bekarmten Pegnitzer Musikerfamilie, rnit der Tuba.

36. An Bildern anläßlich des Gregorienfestes kommt man bei einer nostalgischen Rückschau nicht vorbei, denn es wird schon seit mehreren Jahrhunderten bis heute jedes Jahr gefeiert und ist wohl das bedeutendste Traditionsfest der Pegnitzer überhaupt. Gerade dieses Bild der Kinderschar aus den zwanziger Jahren bietet viele lustige und interessante Details. Fast alle Buben sind in Anzug mit weißem Hemd und Strohhut gekleidet, die Mädchen tragen lange weiße Kleidehen und ausladende Strohhüte. Gerade die unterschiedliche Tragweise der Hüte, die den Kindern trotz der scheiribaren Uniformierung eine gewisse Individualität verleiht, läßt den Betrachter schmunzeln. Auch die Burschen mit den Maßkrügen in der Mitte schauen recht verwegen und lässig aus dem Bild.

37. Unter den schattigen Bäumen der Schloßberganlage fanden auch die Familien des gehobenen Bürgertums beim Gregoriefest ein lauschiges Plätzchen. Die Damen mit den langen Kleidern und den aufwendig gestalteten Hüten drücken ebenso Vornehmheit aus wie die obligatorische, wohlverdiente Zigarre, die das Familienoberhaupt genießt. Der älteste Sohn präsentiert stolz seine Uniform, während die Mädchen wie kleine Bräute herausgeputzt sind. Dieses Flair eines mit Stolz zur Schau getragenen Standesbewußtseins läßt sich heute in dieser Weise nicht mehr beobachten.

38. Nicht nur den Pegnitzern selbst, sondern auch den Kindern aus den Großstädten Frankens diente der Schloßberg in Pegnitz gclegcntlich der Erholung vom Großstadtleben, auch wenn dieses damals wohl noch nicht so hektisch war wie heute. Doch gerade für Arbeiterkinder war eine solche Abwechslung natürlich ein besonderes Erlebnis. Deshalb veranstalteten die Arbeiterwohlfahrt und die Kinderfreunde in Nürnberg ein Ferienzeltlager auf dern Pegnitzer Schloßberg, das sie 'Kinderrepublik Franken' nannten. Dies geschah in den zwanziger Jahren, noch vor der Kinderlandverschickung der Nationalsozialisten, die notgedrungenermaßen irn Zweiten Weltkrieg vorgenommen wurde. Das Bild zeigt eine 'Vollversammlung' der Jungen und Mädchen auf dem heutigen Festplatz.

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