Peißenberg in alten Ansichten

Peißenberg in alten Ansichten

Auteur
:   Max Biller
Gemeente
:   Peißenberg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2754-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Peißenberg in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

In einer der bekarmtesten Gegenden des oberbayerischen Alpenvorlandes, im malerischen 'Pfaffenwinkel', liegt die Marktgemeinde Peißenberg. Dieser Ort im Landkreis Weilheim-Schongau, mit seinen 10 600 Einwohnern, kann nicht nur eine lebendige, moderne Gegenwart, sondern auch eine reiche geschichtliche Vergangenheit vorweisen: Grabhügel aus der Bronze- oder Hallstattzeit (etwa 1500 bis 750 vor Christus), Münzfunde aus der Zeit der Römer, Reihengräber aus der Merowingerzeit (5. bis 8. Jahrhundert), frühe Besitzungen des Klosters Benediktbeuern im 10. Jahrhundert, eine erste urkundliche Erwähnung im 11. Jahrhundert in einer Benediktbeurer Urkunde und die Erinnerung an die im Jahre 1388 zerstörten beiden Burgen der Grafen von Seefeld und Peißenberg lassen uns weit in die Vergangenheit zurückblicken.

Bis zum Jahre 1537 kam dann allmählich das ganze Peißenberger Gebiet an den Bayernherzog Wilhelm IV. Um 1500 erbaute vermutlich der fürstliche Hofmaurermeister Hans Glück die Kirche St. Johann, 1565 erhielt das Kloster Polling durch Herzog Albrecht den Großmütigen das Patronatsrecht über die Pfarrei Peißenberg (bis 1803) und um 1580 soll schließlich jenes denkwürdige Ereignis geschehen sein, daß ein Bauernbüblein namens Christoph Lenker beim Viehhüten die auf der Südseite des Hohen Peißenbergs zu Tage tretenden Kohlenflöze entdeckte und damit eigentlich den Anfang zur Entwicklung des Bergbaus vorwegnahm.

Im Jahre 1631 veranlaßte eine kostbare spätgotische Marienfigur fromme Bauersleute zum Bau der ersten Aichkirche, wobei dann 1734 an Stelle dieser Kirche wegen der vielen Wallfahrer der gediegene Bau einer neuen Kirche aus Wessobrunner Hand erfolgte. Joseph Schmuzer kennen wir als Baumeister und ein großer Sohn Peißenbergs, Matthäus Günther, malte die Deckengemälde für dieses Kleinod des Rokoko. Damit besitzt nun Peißenberg schon den zweiten kostbaren Sakralbau, denn die Georgskapelle, mit ihrem romanischen Kirchenschiff als vermutlicher Rest einer der beiden 1388 zerstörten Burgen der Grafen von Seefeld und Peißenberg, darf ja besonders auch mit ihrem bedeurenden Freskenzyklus (entstanden um 1400) aus einer frühen Georgslegende einen kunsthistorisch hohen Rang unter den kirchlichen Bauten des Landes einnehmen.

Doch mit dem 8. Mai 1837 kam dann jener für Peißenbergs wirtschaftliche Entwicklung entscheidende Tag: Auf dem

Brandachfeld in der Gemeinde Hohenpeißenberg wurde durch den königlichen Steiger Heinrich Bauer und vier Knappen der sogenannten 'Hauptstollen' angeschlagen und damit der staatliche Kohlenbergbau im Peißenberger Raum eröffnet. Am 7. Januar 1869 faßte dann mit der Eröffnung des Tiefstollens am Hornanger südlich von Bad Sulz der Bergbau in der Gemeinde Peißenberg selbst Fuß und bestimmte die Entwicklung des Ortes für die nächsten hundert Jahre,

Mit der Erwähnung dieses Bad Sulz ist aber schon ein Stichwort gefallen, das uns die Marktgemeinde Peißenberg bereits im vorigen Jahrhundert als Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr aufweist: Dieses Mineralbad Sulz, für das bereits 1658 eine 'Baderegel' bestand, erfuhr im 19. Jahrhundert seine höchste Blütezeit. Quellen am Fuße des Hohen Peißenbergs enthielten nämlich stark eisenhaltiges Schwefelwasser, das unter anderem zur Linderung und Heilung von Lährnungen, 'Schlagf1uß', Rheuma und Gicht angepriesen wurde. So kamen in das damalige 'Bad Hohensulz' Kurgäste aus dem Inund Ausland, ja sogar bis aus Rußland und Amerika. In einer Saison wurden beispielsweise bis zu 350 Personen beherbergt, König Ludwig 1., König Maximilian Il., Franz Gabelsberger, der Erfinder der Kurzschrift, und nicht zuletzt der Maler Carl Spitzweg suchten hier Erholung. Der Apotheker Spitzweg, welcher nach einer schweren Typhuserkrankung zwischen 1833 und 1836 in das Bad kam, wurde sich hier in einem Kreise kunstsinniger Kurgäste und angeregt durch die Beschäftigungstherapie eines musisch veranlagten Kurdirektors, seines Talents zum Malen endgültig bewußt und widmete sich von nun an nur noch der Malkunst.

Bad Hohensulz nahm mit der Zeit einen großen Aufschwung, besonders als die durch ihre 'Wunderkuren' bekannte Frau Hohenester dort tätig war. Es war dies Ottilie Hohenester, die Nichte jener 'Wunderdoktorin' Amalie Hohenester, welche zwischen 1863 und 1878 das Bad Mariabrunn durch ihre 'Wunderkuren' weithin bekannt machte. Auch der Name dieser Ottilie Hohenester war umgeben von der Gloriole ihrer Tante, jener 'Doktorbäuerin von Mariabrunn', Nach deren Tod im Jahre 1878 kopierte nun diese Nichte im Peißenberger Bad Sulz den aufwendigen Lebensstil und die 'Praxisführung' ihrer Tante. Kurmusik und feine Kutschen mit hohen Herrschaften waren an der Tagesordnung, woraus namentlich das Peißenberger Gewerbe seine Vorteile zog. Nach 1930 mußte der Kur-

betrieb eingestellt werden, da - vermutlich durch den Bergbau - die Heilquellen allmählich versiegt waren.

Doch treten wir ein ins 20. Jahrhundert! Am 1. März 1919 geschah die Einreihung der Landgemeinde Unterpeißenberg in die Klasse der Märkte mit städtischer Verfassung, Verleihung eines Wappens und Annahme des Ortsnamens 'Peißenberg'.

Der Bergbaubetrieb erreichte 1969 bei der Zieglmeierschachtanlage die 1 200-Meter-Sohle, der Belegschaftsstand belief sich zu diesem Zeitpunkt auf 1 823 Beschäftigte. Doch der Wandel am Energiemarkt forderte seinen Tribut: Am 31. März 1971 wurde die Kohlenförderung eingestellt. Seit Bestehen des Bergbaus im Peißenberger Raum, also in der Zeit von 1837 bis 1971, wurden 40 Millionen Tonnen Kohle in einem Wert von 2 Milliarden Mark aus der Erde geholt, davon in Peißenberg gefördert etwa 32 200 000 Tonnen und in Peiting von 1921 bis 1968 gefördert etwa 7 600000 Tonnen. Die gesamte Fördermenge ergäbe, in Zwanzig-TonnerWaggons verladen, eine Zuglänge von 20 000 Kilometern, das ist der halbe Erdumfang.

Doch die Marktgemeinde konnte erfolgreich eine Umstrukturierung durchführen und auch die entlassenen Bergleute fanden besonders in den im Zuge dieser Umstrukturierung neu angesiedelten Großbetrieben (Agfa-Gevaert, BHS-Cometall, MTU, Siemens) wieder Arbeit und Brot.

Peißenberg hatte damit den Anschluß an die moderne Zeit gefunden. Bei aller Aufgeschlossenheit für die Erfordernisse des modernen Lebens aber blieben trotzdem die glückliche Verbindung von bäuerlich-bayerischem Wesen mit der Treue zur Tradition, der Liebe zur Heimat und der Pflege des Brauchtums. So lohnt sich auch heute für Fremde ein Aufenthalt in Peißenberg: Gut geführte Gaststätten und Cafés, lohnende Ausflugsziele zu den vielen Sehenswürdigkeiten der Umgebung und in die nahen Berge, Bademöglichkeiten an der Ammer und an den vielen Seen, ein Campingplatz mit Schwimmbad, schöne Wanderwege und nicht zuletzt ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm (Bauernbühne, Volksfeste, Tanzlokale, Sportveranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte) sorgen für einen angenehmen und abwechslungsreichen Aufenthalt. Auch die Errichtung eines reichhaltigen Bergbaumuseums und eines beheizten Freibades steht bevor. Eine solche Entwicklung in eine moderne Zukunft kann jedoch leicht die großen Leistungen einer oft mühevollen Ver-

gangenheit vergessen lassen. Daher ist es besonders zu begrüßen, daß Herr Bürgermeister Führler für die Marktgemeinde das Angebot des Verlages aufgriff und sich entschloß, für Peißenberg auch einen Bildband mit Ansichten aus früherer Zeit erstellen zu lassen. Dadurch konnte nun für die Peifsenberger die Vergangenheit gleichsam wieder zur anschaulichen Gegenwart werden. Daß sich dieses Vorhaben aber schließlich verwirklichen ließ, verdankt der Verfasser dieses Bildbandes auch der Unterstützung von verschiedenen Seiten, insbesondere auch den Herren Valenta und Pfeifer von der Marktgemeindeverwaltung. Ein sehr herzliches Dankeswort aber gilt selbstverständlich all den Peißenbergern, welche Fotografien für die Veröffentlichung in diesern Bildband zur Verfügung stellten. Es sind dies Franz Auer (54, 55, 56), das Fotoatelier Helmut Bindl (3, 20, 22, 30, 32, 37, 50, 53, 58, 60, 62) Antje Damm (69), Dr. Wolfgang Kircher (17, 40), Anderi Lengger und Josef Bichlmayr (52), Heini Lengger und Erwin Pössinger (76), Bernhard Marksteiner (43, 48, 49), Ludwig Morasch (9, 44), Fritz Petershofer (11,18, sowie 73 aus dem früheren Besitz von Herrn Eduard Utzschneider, der dieses Bild dem 'Pfeifenclub Sulz' übereignete), Pfarrer Gerhard Schmid (5, 7), Pfarrer Gustav Schneider (61, 65, 71) und Kathi Schwaiger (74). Die übrigen Abbildungen stammen aus dem Archiv der Marktgemeinde Peißenberg. Leider sind bei diesen Aufnahmen (außer bei Abbildung 46) die Namen der Personen, welche diese Bilder einst der Gemeinde übereigneten, nicht vermerkt. All diesen unbekannten Heimatfreunden aus früherer Zeit sei an dieser Stelle gedankt; es wäre wohl selbstverständlich sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, ihre Namen ohne großen Zeitaufwand jetzt noch ausfindig zu machen.

Dankbar sei an dieser Stelle auch noch der früheren Ortschronisten Fritz Beyerlein, Sirnon Dusch und Anton Sulter gedacht, deren Aufzeichnungen der Texterarbeitung zu diesem Bildband ebenso zugute kamen wie auch die Jubiläumsschrift 'Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg', herausgegeben von der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG. Bei der Durchsicht des Manuskriptes unterstützen mich schließlich in besonders hilfsbereiter Weise Christa Bichelmayr, Helmut Bindl, Anton Herb, Anna Pracht, Ludwig Stippl und Paul Zerle.

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1. Dieses Bild konnte von dem verdienstvollen Peißenberger Heimatforscher und Verwaltungsamtmann Fritz Beyerlein 1941 für das Gemeindearchiv erworben werden. Es ist die älteste uns bekannte Ansicht von Peißenberg, das damals (bis 1919) noch Unterpeißenberg hieß. Links unten trägt das Originalbild den Vermerk: 'Nach der Natur gezeichnet den 15. May und gemalt im Juny 1828.' Rechts steht der Name des Malers: 'H. K1oike.' Die Ansicht gibt das sogenannte 'Obere Dorf' wieder, vom Schaffler Fischer bis zum ehemaligen Salzstadel. Wir sehen auch Wanderer, die mit einem elegant gekleideten Herrn sprechen. Dieser und eine andere Gruppe werden wohl Gäste des damals in Blüte kommenden Bad Sulz darstellen.

2. Wohl nach einer Lithographie von Benno Adam (1812-1892) zeigt sich uns hier das ehemalige Bad Sulz in romantisch verklärter Landschaft zur Biedermeierzeit. Das Bad mit seinem stark eisenhaltigen Schwefelwasser, das zur Linderung und Heilung von Lähmungen, Rheuma und Gicht angepriesen wurde, erlebte im 19. Jahrhundert mit so prominenten Kurgästen wie den Köriigen Ludwig 1., Maximilian Il., Franz Gabelsberger, dem Erf inder der Kurzschrift, und dem Apotheker Carl Spitzweg seine höchste Blüte. Spitzweg erkannte übrigens hier bei einem Malwettbewerb unter den Kurgästen endgültig seine Berufung zum Maler.

3. Ein anderes Bild von Bad Sulz, wahrscheinlich ungefähr um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden: Wir sehen berelts eine verhältnismäßig weitläufige Anlage rnit Kurgästen, Springbrunnen und Laubengängen sowie eine Kutsche, mit welcher wohl gerade neue Kurgäste ankommen.

4. Hier sehen wir, noch nach einer Originalaufnahme von Oskar Dietlmeier, die gemütlich anmutende Ortseinfahrt zu einer Zeit, als der Ort noch 'Unterpeißenberg' hieß, also vor 1919. Dem Stromleitungsmast zufo1ge muß aber das Bild schon nach 1909 (Aufbau eines Stromvertei1ungsnetzes) aufgenommen worden sein.

Die Pfarrkirche St. Johann wurde vermutlich um 1500 von dem Hofmaurermeister Hans Glück erbaut, da auch ein Baumeisterzeichen bei der Jahreszahl 1526 an der Südseite des Turmes unter dem Satteldach wohl auf diesen Namen hinweisen dürfte.

5. Ein Bliek in unsere Pfarrkirche St. Johann vor dem tiefgreifenden Umbau und der Erweiterung im Jahre 1904 unter der Leitung des Münchener Architekten Alois Elsner. Die Aufnahme zeigt uns wie klein und ziernlich unansehnlich der Raum dieser alten spätgotischen Kirche damals war; wir sehen einen noch gotisch gewölbten Innenraum mit tiefen Stichkappen über den Fenstern. Mit Maßen von 17,50 Metern in der Länge und 10,50 Metern in der Breite war die Kirche damals eigentlich eher eine größere Kapelle und entsprach wohl schließlich so nicht mehr den Bedürfnissen der Zeit, Deshalb wurde das Gotteshaus 1904 nach Westen und Osten verlängert, wuchs dadurch auf 36 Meter Länge und erhielt anstelle des gotischen Gewölbes eine erhöhte Flachdecke.

6. Glockenabnahme für Kriegszwecke (Einschmelzen) während des Ersten Weltkrieges im Jahre 1917. Glocken von besonderer Bedeutung durften damals auf dem Turme bleiben. Dazu zählte auch die Glocke von 1738. Die Glocke aus dem Jahre 1708 mit etwa neunzehn Zentnern und eine von den beiden 1719 gegossenen Glocken mit acht Zentnern Gewicht mußten abgenommen werden. Die beiden Glocken kamen jedoch wieder nach Peißenberg zurück. Die Glocke von 1719 hatte jedoch einen Sprung bekommen und wurde mit der anderen Glocke aus dem Jahre 1719 in Kempten im Jahre 1924 umgegossen, und zwar die Acht-Zentner-Glocke auf fünfzehn Zentner und die andere, die zweite Glocke, von vier Zentnern auf acht Zentner.

7. Auch der Zweite Weltkrieg fordert seinen Tribut: Am 27. Januar 1942 mußten wieder Kirchenglocken abgeliefert werden, und zwar diesmal auch die Glocke von 1738 unddie beiden im Jahre 1924 gegossenen Glocken. Der Pfarrkirche verblieb somit nur die Glocke aus dem Jahre 1708. Die Glocken wurden nach Hamburg geschafft und lagerten dort teilweise bis Kriegsende. Während die Glocken von 1924 eingeschmolzen worden waren, kam die Glocke aus dem Jahre 1738, auch die 'Peißenberger Brummerin' genannt, am Samstag, den 2. August 1947, wieder unversehrt in ihren Heimatort zurück. - Weitere Einzelheiten können im 'Peißenberger Heirnat-Lexikon' und in der 'Peißenberger Jahreschronik 1979' nachgelesen werden.

8. Hier zeigt sich uns wieder die Ortseinfahrt; die Masten der Telefonleitung aber verweisen uns bereits in die Zeit nach 1920 (Aufbau eines Ortstelefonnetzes). Links ist das ehemalige Rathaus, in den Jahren 1872-1873 als Schulgebäude erbaut. Nach Eertigstellung des Schulhauses St. J ohann wurde dieses Schulhaus dann 1912-1913 für Lehrerwohnungen umgebaut und nahm auch die Geschäftsräume der Gemeinde auf; die Sparkasse befand sich ebenfalls bis 1928 in diesem Gebäude. Es blieb bis 1960 das Peißenberger Rathaus, dann konnte das neue Rathaus bezogen werden.

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