Peiting und die Peitinger in alten Ansichten Band 2

Peiting und die Peitinger in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Karl Fliegauf
Gemeente
:   Peiting
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0157-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Peiting und die Peitinger in alten Ansichten Band 2'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

In diesem zweiten Büchlein ist wieder eine Anzahl alte Bilder bis etwa 1930 wiedergegeben. In solch einer Dokumentation kann zwar kein vollständiges Bild einiger Jahrzehnte vermittelt werden, aber Erinnerungen werden wach und es ist gerade in unserer schnellebigen Zeit gut zurückzuschauen. Nach einem arbeitsreichem, langern Leben kommt es einern wie eine kurze Zeitspanne vor. Wie eine Sternschnuppe leuchtet ein Leben auf und sinkt dann wieder zurück ins Meer der Ewigkeit.

Auf den Bildern dieser Ausgabe sind viele Peitinger Menschen abgebildet, die die jungen Peitinger nur noch vom Hörensagen kennen. Lächeln sollen Sie beim betrachten dieser Bilder, aber auch ein wenig nachdenklich werden. Die Fotografien erzählen aus einer Zeit, als man noch arm war. Als es am Morgen und am Abend den vom Pfarrer Kneipp erfundenen Kathreiners Malzkaffee mit trockenem Brot zum einbroeken gab. Zur Geschmacksverbesserung nahm die Mutter 'König Ludwig Feigenkaffee' dazu. Die Erwachsenen aßen am Morgen Brennsuppe oder wirkenes Mus. Während der ganzen Woche gab es Mehlspeisen, nur an Sonn- und Feiertagen Fleisch. Eis zum kühlhalten des Bieres im Sommer wurde in den Eisweihern der Wirtshäuser geholt oder von Eisgalgen abgeschlagen, die hinter den Gasthäusern standen und vom Wasser überrieselt wurden. Im Winter fuhr man mit Bodenkreisern und Wasserschlitten die Milch in die Käsküche und nahm das Käswasser zur Schweine-

fütterung nach Hause. Das Leben im Dorf war noch geprägt vom Lebens- und Jahreszeitenrhythmus auf dem Bauernhof. Schuhe machte der Schuster, meist hohe und mit vielen Nägeln beschlagen, daß sie auch noch die jüngeren Geschwister tragen konnten. Man lief vom April bis zum Oktober barfuß um Schuhe und die selbstgestrickten Strümpfe zu schonen. Die Kleider der Mädchen und Frauen machte meistens die 'Sternäherin' , Anzüge der Schneider.

Es gab viele Kinderspiele, die alle Jahre in gleichem, zeitlichem Ablauf gespielt wurden. Im Frühjahr begannen die Mädchen mit kluckern. Mit Pfennigspannen und Bachjucken ging es bei den Buben los. Pfeilschießen, handeln mit Kaffeebildla, Sautreiben, Bund, Fangeles, Sitzenfangen, Schneider leih mir a Scher, Kuckuck Anschlag, Stöckeln, Peter erlös mich und der Kaiser schickt Soldaten aus ging es weiter. Für die Größeren gab es in der Stube das Kartenspiel, blinde Kuh und Stockschlagen. Beim Dragoner, Keppeler und Neuwirt waren Kegelbahnen für die Erwachsenen. In der Schule war die Prügelstrafe noch nicht verboten. Mit einern Rohrstock wurden 'Tatzen', das waren harte Schläge auf die Finger, verabreicht. 'Übergelegte' waren Schläge auf das Hinterteil, wobei man liegend über die Schulbank die Hosen strammgezogen bekam, damit es besser weh tat. Man war mit den Strafen, auch zu Hause nicht zimperlich. Wie auf vielen anderen Gebieten, hat sich auch darin, viel zum Besseren gewendet.

Neben dem Gemeindediener, der am Sonntag nach dem Amt auf dem Hauptplatz verlas, was bekannt gegeben werden mußte, hatte man auch eine Einsagerin. Es war die liebenswürdige Frau des Schuhmachers, draußen am Bach 'irn Welschland'. Letzteres so geheißen weil dort der kelto-romanische Beerdigungsplatz aus der römischen Besatzungszeit ab 15 vor Christus bis ins vierte Jahrhundert war. Der fleißige, biedere Schuster hatte im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren. Man war arm, hatte viele Kinder und so war man froh um die kleine Nebeneinnahme als Einsagerin. Zum 'Leicheinsagen' ging sie schon früh am Morgen von Haus zu Haus und bekam dafür pro Haushalt zehn Pfennige. Da traf es durch Zufall einmal zusammen, daß es am gleichen Tag in der Freibank Fleisch gab und dann kam folgender Einladungstext zusammen: Grüß Gott, die alte Fleckleschusterin isch gschtorba, mea soll so guat sei und mit der Leich ganga, s Fieiscb gibt ma um 7 Uhr in der Freibank her, s Pfund koscht fuchzg Pfennig,

Seit 1870 bis zum Ersten Weltkrieg gab es in Peiting das 'Bubengeld'. Zweck war, den alljährlich zum Militär einrückenden Rekruten ein Geldgeschenk in Höhe von zehn Gulden, später siebzehn Mark mitgeben zu können. Dazu gab es aus diesem Aufkommen für jeden Tag der Militärzeit einen Zuschuß zur Löhnung von einem Kreuzer, später drei Pfennige. Es mußte pro Haus und Jahr zwei Mark gegeben werden. Man schimpfte auch damals über die hohen Steuern, ob-

wohl alles noch viel einfacher war. Mit seinem Büchlein ging man zum Rentarnt und dort wurde gleich aus den Aufschreibungen die Steuer errechnet und bezahlt. Anscheinend hat sich in hundert Jahren recht wenig geändert wie folgendes Gedicht aus dem Jahre 1879 beweist:

Besteuert die Verleumderzungen, und alle Lügenmäuler mit.

Das höchste Ziel ist dann errungen,

gedeckt wird jedes Defizit.

Fûnf Pfennig nur fiir [ede Liige und zehn für jede Klatscherei. Was diese Steuer wohl betriige? Ich glaub wir wären steuerfrei!

Für die Aufnahme als Büger mußte man bis nach dem Ersten Weltkrieg noch dreißig bis vierzig Mark bezahlen. Armen, Arbeitsunfähigen und Arbeitsscheuen wurde vom Gemeinderat die Aufnahme verweigert, weil die Gemeinde mit ihren wenigen Einnahmen für das eventuelle Armengeld aufkommen mußte. Soziale Sicherung oder gar Urlaub kannte man damals nicht. Wir nehmen heute all diese Errungenschaften als selbstverständlich hin. Deshalb schadet es nicht, wenn man manchmal in der Geschichte zurückblättert um zu sehen wie schwer es unsere Vorfahren hatten. Wir könnten dankbarer sein für all die segensreichen Einrichtungen unserer heutigen, guten neuen Zeit.

1. Auf dieser Votivtafel in der Wallfahrtskapelle 'Maria unter der Egg' aus dem Jahre 1661 sind drei Unglücksfälle in der Schnalz und in der Ammer dargestellt. Interessant ist die Votivtafel weil auf ihr links oben auch die Pfarrkirche Sankt Michael in ihrem gotischen Zustand abgebildet ist. Daneben das später abgebrochene Nikolauskirchlein, dem Patron der Flößer und Rottfuhrleute geweiht, das zwischen Pinzger und Häfner stand. Noch weiter rechts das kleine Kapellehen 'Maria unter der Egg', das an der Stelle eines Bildstöckls zwischen 1655 und 1661 gebaut wurde.

2. Links: Diese Abbildung der Wallfahrtskapelle 'Maria unter der Egg' ist keine Votivtafel, sondern eine Fotomontage aus dem Jahre 1857. Rechts neben der Kapelle das im Jahre 1854 erbaute Klösterlein der Armen Schulschwestern. Gegen diese Mädchenschule gab es im Dorf eine große Gegnerschaft, die soweit ging daß sogar das Bauholz angezündet wurde. Als Kloster mit Schule diente dieses Gebäude bis 1900, und wurde dann als gemeindliches Krankenhaus verwendet bis 1972.

Rechts: Diese Aufnahme wurde um das Jahr 1865 gemacht. Sie stellt Frau Greinwald 'zum Jäcklin', Ödenhof, mit ihrer Tochter dar. Zur damaligen Zeit war das Fotografieren ein besonderes Ereignis und man trug dazu sein bestes Gewand. Die Mütze war aus dem Fell des Fischotters, Schultertuch und Schürze aus reiner Seide.

3. Peiting im Jahre 1866 vom Meierberg aus. Im Vordergrund der sogenannte Ziegelstadel. Um die Kirche steht noch die hohe Friedhofmauer. Auf diesem Kirchhof wurde bis 1874 beerdigt. Über der Mauer sind noch viele schmiedeeiserne Kreuze zu sehen. Im Hintergrund die Feld- und Wallfahrtskapelle 'Maria unter der Egg'. Das Bild wurde von Baron von Gumpenberg gemalt.

4. Burgermeister Georg Mayr, zum 'Zauscher', Haus Nr. 107 (heute Gasthof Keppeler) mit Frau und Tochter. Diese Aufnahme wurde im Jahre 1871 gemacht. Mayr war von 1871 bis 1875 Bürgermeister. Neben seiner Landwirtschaft fuhr er als Bote nach Augsburg, wo für Peiting die nächste Bahnstation war. Er starb am 11. Juli 1888 im 55. Lebensjahr.

5. Das älteste Peitinger Rekrutenbild vom Jahre 1878. Interessant ist die einheitliche Kleidung.

6. Peitinger Jäger im Jahre 1880. Auf dem Bild sind Krötz Xaver, geboren 1838, und in der Mitte Krötz Martin. Dieser kapitale Rehbock war wirklich ein Grund sein Feiertagsgewand anzulegen und sich fotografieren zu lassen. Damals wurden auch Rehe noch mit Schrot geschossen, Die vier Jagdbögen wurden auf sechs Jahre verpachtet. Der Pachtzins blieb bei der Gemeinde. Im Jahre 1876 erbrachtedie gesamte Peitinger Jagd 312 Mark. Ab 1910 wurde die Jagd auf zehn Jahre verpachtet.

7. Die Musikgesellschaft Peiting vorn Jahre 1888:

Mühlegger Andreas, Streif Josef, Stadier Mathias, Schmid Andreas (Hoch), Schleich Josef (Odikarl), Lechner Mathias und Vater Lechner Mathias (Bachschuster), Socher Josef, Meichelböck Anton, Reßl Johann, Socher Michael, Hirschvogel Leopold und Mehrle Josef. Musik, Theaterspiel und Gesang wurden zu allen Zeiten gepflegt. Vor dem Pinzgersaal und dem späteren Postsaai gab es ein eigenes Komödiehaus, Haus Nr. 208, heute Azamstraße 8.

" ?

<' :;
-. . -; /j- ./
d ? 0' I .e .
/t ., . ,1.. 8. Hebauf zum Bau der neuen Mädchenschule mit Kloster im Jahre 1900 am Pfarrweg. Die Planung erstellte Architekt Kranebitter. Bauherr war Pfarrer, Dekan und Geistlicher Rat, späterer Ehrenbürger Georg Braun. Er errichtete in diesem Gebäude auch eine Kinderbewahranstalt und Suppenküche, in der die Kinder die mittags nicht nach Hause gehen konnten um zehn Pfennig einen Teller Suppe bekamen. Der Bau kostete 100000 Mark und wurde ein Jahr später an die Gemeinde um 60 000 Mark verkauft. 30 000 Mark waren als Spende aufgebracht, 10 000 Mark gab es als Staatszuschuß. Die Gemeinde finanzierte den Kauf mit einem Bierpfennig!

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek