Plauen in alten Ansichten

Plauen in alten Ansichten

Auteur
:   Frank Weiß
Gemeente
:   Plauen
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5611-0
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Plauen in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die nur in einer Kopie überlieferte, vom Cranachschüler Wolf Krodel aus Schneeberg 1562 gemalte Stadtansicht auf dem Epitaph des Burggrafen Heinrich IV. von Meißen aus der älteren Linie der Plauener Vögte, ist die älteste bekannte Darstellung Plauens. Seit der ersten urkundlichen Nennung Plauens in der Weiheurkunde der St.xlohannis-Kirche vom Jahre 1122 waren damals immerhin fast viereinhalb Jahrhunderte vergangen, Jahrhunderte, aus denen uns kein Bild Auskunft über das Aussehen der Stadt gibt, die sich aus der alten slawischen Siedlung Plawe entwiekelt hatte. Holzschnitte, Kupfer- und Stahlstiche, Zeichnungen, Lithographien, Aquarelle und Ölgemälde aus den folgenden Jahrhunderten vermitteln uns hingegen Eindrücke vom Erscheinungsbild der Stadt, wie es sich nach Kriegen und Bränden, Um-, Neu- und Erweiterungsbauten darbot, Veränderung zeigend, aber auch Kontinuität wahrend.

Die Erfindung der Fotografie eröffnete neue Perspektiven. Zunächst vereinzelt, dann immer häufiger finden sich seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Aufnahmen mit Motiven aus der Stadt, mehr als an gemalten Bildern im Laufe der vorhergehenden Zeiten zusammen entstanden waren. Ansichtspostkarten trugen zur Verbreitung von Stadtaufnahmen wesentlich bei und ermöglichen uns heute interessante Einblicke in eine längst vergangene Zeit, die wie alle Zeiten ihre Lichtund Schattenseiten hatte, in die aber auch eine der bedcutendsten Phasen der Stadtgeschichte fiel.

Der Aufnahmezeitraum der Abbildungen dieses Buches reicht von den siebziger Jahren des 19. bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Obwohl im Bild nicht vertreten, bilden zwei Kriege gleichsam die historischen Eckdaten, der deutsch-französische Krieg von 1870/71 und der Zweite Weltkrieg. Brachte die im Ergebnis der ersteren vollzogene Reichsgründung günstige Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Prosperität, die mit dem Begriff 'Gründerzeit' umschrieben auch für Plauen zutraf, so brachten die vierzehn Luftangriffe am Ende des letzte-

ren weitgehende Zerstörungen und schienen das Schicksal der Stadt zu besiegeln. Zwischen diesen beiden Polen hatte sich schon kurz vor dem Ersten Weltkrieg eine Wende vom schier unaufhörlichen Wachstum hin zu Rückgang und Stagnation vollzogen, die in den zwanziger und dreißiger Jahren nicht wirklich überwunden werden konnten.

Traditionell hatte in Plauen die Textilerzeugung eine Rolle gespielt, sei es als Tuchmacherei, Zeugherstellung, Baumwollweberei, Kattundruck oder Handstickerei. Seit den 1880er Jahren wurden mit Entwicklung und Produktion von Tüll- und Luft- oder Ätzspitze die Wege zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte geebnet. Die preiswert maschinell hergestellte 'Plauener Spitze' machte Plauen in aller Welt bekannt. Weitere Industriezweige folgten. Beispielsweise wurde die Vogtländische Maschinenfabrik AG (Vomag) zum international renommierten Großbetrieb mit breitgefächertem Produktionsprofil von der Stickmaschine bis zum Lastkraftwagen. Plauen wurde um 1900 zum Wirtschafts-, Verwaltungs-, Verkehrs-, Handels-, Bildungs- und Kulturzentrum einer über die sächsischen Landesgrenzen hinausreichenden Region. 1887 bis 1917 war die alte Hauptstadt des Vogtlandes Sitz eines Konsulats der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Einwohnerzahl stieg - vor allem durch Zuzug - unaufhalt sam an. Betrug sie 1840 erst 10 152 und 187123 055, so belief sie sich 1900 bereits auf 71 922. Im Jahre 1904 wurde Plauen mit über 100 000 Einwohnern zur Großstadt und erhielt 1907 den Status einer kreisfreien Stadt. Durch die Eingemeindung umliegender Orte seit 1899 erfolgte weniger ein Bevölkerungsals ein Flächenzuwachs. Das Jahr 1912 brachte den Höhepunkt mit 128 014 Einwohnern (darunter etwa 140 registrierten Millionären), doch zugleich die Trendwende. Geschäftseinbrüche der stark zeitgeschmacksabhängigen und krisenanfälligen Textilindustrie, Arbeitslosigkeit und schließlich der Erste Weltkrieg folgten. Die Weimarer Republik konnte keine dauer-

hafte Besserung bringen. Plauen litt unter überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sank die Einwohnerzahl der stark zerstörten Stadt, in der von 8 425 Wohngebäuden lediglich 1 925 (=22,85%) als unbeschädigt galten, und in der annähernd 2 000 Menschen ums Leben gekommen waren, gar unter 100 000. Lange Zeit bewegte sie sich dann um 80 000, derzeit liegt sie bei reichlich 70000.

Das Wachstum der Stadt am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand seinen sichtbaren Ausdruck in der räumlichen Ausweitung durch die Anlage neuer Stadt- und Siedlungsteile wie Bahnhofsvorstadt, Preißelpöhl, Haselbrunn, Ost- und Südvorstadt oder Neundorfer Vorstadt oft innerhalb weniger Jahre, gegen die die Stadterweiterungen des Mittelalters oder auch die der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (zum Beispiel im Gebiet des Neumarkts zwischen Neundorfer Straße und Trockenthalstraße) geradezu bescheiden wirkten. Die meist sehr schmuckreichen Fassaden in Historismus- und Jugendstilformen künden trotz Kriegszerstörungen, Verfall oder Modernisierung noch allenthalben von dieser Zeit. Ausgesproehenen Mietskasernenbau in der Art anderer Großstädte gab es dabei nicht.

Bevorzugter Standort der Industrie war die Elsteraue, doch verteilte sie sich mit zahlreichen meist kleineren Fabrikationsstätten auch über das übrige Gebiet. Außer Wohn- und Industriebauten wurde eine moderne Infrastruktur geschaffen. Ein reges, in sich differenziertes gesellschaftliches Leben entwikkelte sich.

Bauliches Symbol der aufstrebenden Großstadt, durch deren Straßen seit 1894 elektrische Straßenbahnen rollten, sollte der imposante Bau des Neuen Rathauses werden. Sein Baubeginn fiel aber bereits mit dem Überschreiten des Höhepunkts dieser Entwicklung zusammen, mit dem ein allgemeines Nachlassen der Bautätigkeit verbunden war.

Die Aufnahmen belegen auch, daß damals viele aus früheren Jahrhunderten überkommene Bauwerke abgebrochen wurden, noch bevor die Bomben des Zweiten Weltkrieges und nachfolgende von Verfall und Abriß geprägte Zeiten für weiteren Geschichtsverlust sorgten.

Doch keine Stadtgeschichte will dieser Band schreiben, sondern Bilder vom Aussehen und aus dem Leben der Stadt in den Jahrzehnten um 1900 wiedergeben. Nicht so sehr um den Gesamtüberblick, eher um Einblicke geht es. Die Fotografie kann dabei das Fenster zu historischen Situationen sein, demjenigen, der das alte Plauen vor der Zerstörung 1945 kannte, Erinnerungen auffrischen, dem später Geborenen Interesse und Verständnis wecken, die ihn auch aufgeschlossen machen, weiterem Identitätsverlust, wie er etwa durch ungezügelte Modernisierung oder mißverstandene Sanierung drohen könnte, zu steuern. So, wie die Bilder dokumentieren, so sollen die begleitenden Texte als Zustandsbeschreibungen das Sichtbare kurz erläutern und gelegentliche Vertiefung und Einordnung bieten. Im Blickpunkt stehen weniger die 'großen Geschehnisse' der Geschichte als vielmehr gewissermaßen Plauener Alltag. Vielleicht bedarf gerade daran die Erinnerung der Stütze. Das Vergessen greift zumal in einer schnellebigen Zeit und in Umbruchsituationen nur zu rasch um sich. Wie klagte schon im Jahre 1262 Vogt Heinrich I. von Plauen: 'Da, wie zu lesen ist, kurz die Tage des Menschen sind und im vielfältigen Wechsel der Dinge alles sich ändert oder sicher untergeht, so schwindet deshalb das Andenken an alle Geschehnisse dahin und ist zusammen mit ihren Urhebern dem Tod verfallen, wenn es nicht zur Kenntnis der Nachwelt durch die überlebende Dauer schriftlicher Aufzeichnungen weitergetragen wird.' Heute leistet uns dabei auch die Fotografie unverzichtbare Dienste.

Frank Weiß

1. Den zentralen Platz der Stadt, den Altrnarkt, zeigt diese 1893 veröffentlichte Aufnahme. An seiner Nordseite erhebt sich das Rathaus, dessen Unterbau für die Spätgotik typische Vorhangbogenfenster aufweist. Der Renaissancegiebel und die Kunstuhr mit beweglichen Figuren von dem Hofer Georg Puckau entstanden nach dem Stadtbrand von 1548. Rechts vom Rathaus steht das sogenannte Stadthaus, ein für die Stadtverwaltung erworbenes Bürgerhaus. Links führt die (Innere) Neundorfer Straße - nachmals Marktstraße genanntin Richtung Lutherkirche, deren Turm über dem die Straße optisch abschließenden Heynigschen Haus aufragt.

2. Als Nachfolger von Ernst Wilhelm Gottschald wurde im Jahre 1865 der am 30. November 1827 in Grimma geborene Oskar Kuntze in das Amt des Bürgerrneisters der Stadt Plauen eingeführt. Er sollte es bis zu seinem durch Krankheit erzwungenen Rücktritt 1893 behalten. Seit 1882 führte er allerdings als erster den Titel Oberbürgcrmeister, während der jeweils erste besoldete Stadtrat nunmehr als Bürgermeister bezeichnet wurde. Oskar Kuntze verstarb am 7. Februar 1911 in Plauen. Das etwa aus der Mitte der 1880er Jahre stammende Bild zeigt ihn im Zentrum sitzend, umgeben von weiteren Repräsentanten der Stadt. An den verdienstvollen Oberbürgermeister erinnern die Kuntzestraße und die Kuntzehöhe sowie ein Gedenkstein am Essigsteig.

3. Von der Marktstraße geht der Bliek in die Schustergasse, die parallel zum Unteren Graben hinunter an die Klosterstraße führte. Im hier nicht sichtbaren Gebäude Schustergasse 10 befand sich 1825-1864 das Innungshaus der Schuhmacher. Links ist das Heynigsche Haus, Marktstraße 12, eines der bedeutendsten klassizistischen Bürgerhäuser Plauens, angeschnitten. In dem 1803 erbauten und 1886 von der Stadt erworbenen Gebäude wurde dann die Städtische Sparkasse untergebracht. Das anschließende Haus Schustergasse 1 war vor 1650 erbaut worden. Beide wurden 1912 abgebrochen.

4. Die gesamte Bebauung zwischen AltmarktlRathaus, Marktstraße, Unterem Graben und Herrenstraße mußte dem Bau des Neuen Rathauses weichen, zu dem 1912 die Ausschachtungsarbeiten begannen. Eines der ältesten Stadtviertel verschwand für immer. Schon seit 1898 hatte man Häuser zum Abbruch angekauft. Mit dem anfallenden Schutt füllte man das Syratal mit den Lohmühlenanlagen bis zu 10 m hoch auf. Glücklicherweise erhielt man das Alte Rathaus, das hier seinen spätgotisch geformten Nordgiebel zeigt. Im Bild links, an der Ecke der Marktstraße zur Schustergasse, sehen wir noch das 1790 errichtete Gebäude des Restaurants 'Ritterhof' .

5. Da das alte Rathaus schon längst nicht mehr den Bedürfnissen der unaufhaltsam wachsenden Stadt genügte, wurde 1908 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, zu dem 115 Entwürfe eingingen. Die endgültigen Pläne erarbeitete Stadtbaurat Wilhelm Goette. Am 2. September 1913 fand die Grundsteinlegung statt, 1916 setzte man dem 64 m hohen Turm den Knopf auf. Der Bau währte noch bis 1922. Anschließend erneuerte man das Alte Rathaus. Der irn Zweiten Weltkrieg beschädigte Nordflügel mit dem Haupteingang wurde abgerissen und bis 1976 mit einer die architektonische Wirkung beeinträchtigenden Stahl-GlasKonstruktion versehen.

6. Etwa aus der Höhe der rechts seit 1891 einmündenden Königstraße, der heutigen Nobelstraße, wird der Bliek über die Neundorfer Straße und den Unteren Graben zum Tunnel gelenkt, wo 1903/04 das stattliche Caféhaus Trömel entstanden war, das durch zwei turmartige Aufbauten gekennzeichnet wird. Davor erhebt sich an der Einmündung der Klosterstraße der mittelalterliche Nonnenturm. Rechts davon ist an der Schustergasse das Gasthaus 'Zur Pyramide' (erbaut 1835/36) zu erkennen und noch weiter rechts an der Marktstraße das große Heynigsche Haus. Das Neue Rathaus steht noch nicht; die Herrenstraße ist noch nicht bis an den Unteren Graben verlängert.

7. Um 1930 bot sich die Neundorfer Straße so dar: Zwischen Oberem Graben und Königstraße steht die 1913·1915 erbaute Feuerwache (rechts), zwischen Königstraße und Marktstraße folgt die Sparkasse (erbaut 1911/12) und begrenzt von Markt- und Herrenstraße das Neue Rathaus, dessen zum Unteren Graben gerichteter Nordflügel von einem Dachreiter bekrönt wird. Das eindrucksvolle Architekturensemble geht auf das Wirken des Stadtbaurats Wilhelm Goette (1873-1927) zurück.

8. Nachdem man mit Hilfe eines fahrbaren Untersatzes den günstigsten Standort ermittelt hatte, wurde das bronzene Reiterstandbild des als Held des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und als Vermittler zu Österreich beliebten sächsischen Königs Albert (1828-1902) an der Westseite des Altmarkts aufgestellt und am 23. April 1907 im Beisein seines Neffen, des Königs Friedrich August Ill. von Sachsen, eingeweiht. Geschaffen hatte es der Leipziger Bildhauer Prof. Carl Seffner (1861-1932). In der Folge des Zweiten Weltkriegs ging das abgerissene Denkmal verloren. Die links an der Marktstraße erkennbare Bebauung weist gegenüber Abbildung 1 Modernisierungen auf.

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