Plochingen in alten Ansichten

Plochingen in alten Ansichten

Auteur
:   Dietmar Pleil
Gemeente
:   Plochingen
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2707-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Plochingen in alten Ansichten'

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Plochingen Krankenhaus

Wirbelsturm - Verheerungen 1. Juni 1913

69. Einige Sekunden später erreichte die Windhose, deren Winddruck auf 500 bis 1 000 Kilogramm pro Quadratmeter geschätzt wurde, den Krankenhausbereich. Die Krankenbaracke wurde samt Kranken weggeweht. Zuerst hob sich das Dach und drehte sich im Kreise. Dann wurden die sieben Kranken mitsamt ihren Betten bis zu zwanzig Meter durch die Luft geschleudert. Glücklicherweise ging es mit einigen Verletzungen ab. Das Zerstörungsfeld des Sturrnes, dessen Schaden man auf damals stattliche 155 000 Mark schätzte, umfaßte insgesamt eine Fläche von zwei Quadratkilometern.

70. Am 21. März 1892 wurde der vom Verschönerungsverein auf dem Stumpenhof erstellte hölzerne Aussichtsturm mit einern Fackelzug eingeweiht. Er wurde zu einem Anziehungspunkt für Wanderer und Ausflügler aus nah und fern. 1938 wurde er aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums des Schwäbischen Albvereins durch den heute noch bestehenden Turm aus Angulatensandstein ersetzt. Der prächtige Bliek, der sieh von seiner Aussiehtsplattform über Neekar- und Filstal, auf Schurwald, Filder und Schwäbische Alb bietet, lohnt das Erklimmen einiger Stufen.

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71. Wörnershof hieß früher die Parzelle nordöstlich der Stadt, genannt nach Jakob Wörner, der hier 1722 'außerhalb Etters' ein Bauernhaus und Scheunen erbaute. Der Begriff Stumpenhof ist vom Namen Stumpp abgeleitet. Ein Friedrich Stumpp ist seit dem Jahre 1760 auf dem Wörnershof nachweisbar. 1892 erbaute Friedrich Regelmann zwischen dem bestehenden Wohnhaus und der Straße die Wirtschaft 'Zum Stumpenhof'. Die Gaststätte wurde bald zu einem beliebten Einkehrort für Wanderer und Fuhrleute. 1903 präsentierte sich der 'Stumpenhof' noch ohne die später zum Verweilen einladende Gartenwirtschaft.

72. Einem Eisenbahnunglück auf Höhe des 'Waldhorns' haben die Plochinger ihren Spitznamen 'Käslaible' zu verdanken. Am 24. März 1894 war infolge eines Schienenbruchs ein Güterzug entgleist. Die Wagen waren umgestürzt und in viele Einzelteile zersplittert. Viele Plochinger eilten zur Unglücksstelle und entdeckten dabei einige aufgeplatzte Kisten vorzüglichen 'Backstein'-Käses. Offenbar knurrte einigen der Schaulustigen der Magen arg. Deshalb griffen sie herzhaft zu: Die 'Käslaible' waren geboren. Mit den Aufräumarbeiten des Unglücks waren Zimmermeister Johannes Mangold (vorn rechts) und Güterspediteur Fritz Franz (daneben) beauftragt. Im Vordergrund eine der berüchtigten Käsekisten.

VOR EINEM MENSCHENALTER - IDYLLEN UND 'HISTÖRCHEN'

Jeder Schwabe hat - um es mit Sebastian Blau zu sagen - bis zu einem gewissen Grade das Zeug zu einem Original in sich. Eben Sebastian Blau kommt zu dem Ergebnis, daß auch in der heutigen Zeit 'all die verschrobenen Eigenbrötler, die lustigen Käuze und spintisierenden Sonderlinge' nichts anderes sind als eine Art 'Uberschwaben' .

Von dieser Spezie Mensch gab es um die Jahrhundertwende in Plochingen einige. Die Streiche des Apothekers Louis Laccorn, des Häfners Bach und des Kaufmanns Henne sind alten Plochingern noch in bester Erinnerung. Das Trio bildete im 'Waldhorn', zusammen mit Pfarrer Esenwein, einigen Schulmeistern und sonstigen Honoratioren einen recht lebhaften Stammtisch. Einer der Stamrntischbrüder ward nun vom Zipperlein arg geplagt; genauer gesagt: Die Gicht setzte ihm zu. So ließ er es sich zur Gewohnheit werden, den Wirt am Stammtisch um eine Schüssel mit heißem Wasser zu bitten. Er zog seine Schuhe aus und huldigte in einer Abwandlung der Methode Kneipp nach dem Motto: 'Von oben kühlendes Bier, von unten wärmendes Naß'. Dem Häfner Bach war

dies natürlich willkommener Anlaß, dem Kurerfolg ein wenig nachzuhelfen. Deshalb brachte er eines Tages heimlich eine Tüte Gips mit und schüttete die weiße Masse, als der Jünger Kneipps gerade abgelenkt war - wofür seine informierten Spezei schon sorgten - vorsichtig in die Schüssel. Offenbar mit solch großem Erfolg, daß seither über Kneippkuren im 'Waldhorn' nichts mehr gehört wurde.

Louis Laccorn stellte noch die Lakritzen, die er in der Apotheke zum Verkauf anbot - im Volksmund 'Bärendreck' genannt -, selbst her. Da das ehemalige Schulhaus noch hinter der Kapelle in der Marktstraße stand, wurde die Apotheke gern von Schulkindern aufgesucht. Schulbeginn war sieben Uhr, eine frühe Stunde für jemanden, der erst kurz zuvor vom Stammtisch heimgekommen war. Als wieder einmal kurz vor sieben Uhr Schulkinder am Klingelstrang der Apotheke zogen und um 'Bärendreck' für drei Pfennige baten, tönte vom Fenster des oberen Stocks die wohlklingende Stimme des Herrn Apothekers: 'Mei Bär scheißt erscht um acht!'

Mühlenbesitzer Kötzle hatte eines Tages in die Zeitung eine Annonce 'Esel gesucht' einrücken lassen. Louis Laccorn las sie, schnitt sie fein säuberlich aus und steckte sie seinem Freund Henne in den Briefkasten. Der ahnte sofort, wer da wohl dahintersteckte und antwortete prompt. Er nahm die Anzeige, heftete einen Zettel bei und schob beides dem Apotheker durch den Briefschlitz. Notiz auf dem Zettel: 'Melde Dich sofort!'

Die Pläne, in Plochingen einen Hafen anzulegen, reichen bekanntlich weit zurück. Schon 1911 verbreitete sich im Ort durch eine Zeitungsanzeige wie ein Lauffeuer die Kunde, beim Häfner Bach sei das Hafenmodell ausgestellt. Viele Plochinger liefen eilends herbei, um dieses Wunderwerk der Technik in Augenschein zu nehmen. Und richtig, der Hafen stand da! Der Herr Hafnermeister hatte einen selbstgefertigten, mit zwei Fähnchen verzierten, Nachthafen (-topf) ins Schaufenster gestellt. Ein großes Plakat mit der Aufschrift 'Plochinger Hafen' verkündete, um was es sich handelte.

Damals lebte in Plochingen auch ein Weingärtner mit dem Vornamen Fritz , der das Erzeugnis seiner mühsamen Arbeit keineswegs verachtete und so manchesmal 'viertelesselig' nach Hause wankte. In dieser Stimmung verließ er einmal den 'Ochsen' mit so viel Schwung, daß er die Treppe hinunterfiel. Langsam richtete er sich wieder auf, rieb sich Kopf und schmerzenden Rücken und murmelte: 'So hätt's na au net pressiert.'

Als das gleiche Mißgeschick an nämlicher Stelle dem Pfarrer Esenwein passierte, äußerte sich dieser schlagfertig und in einem Stile, wie es sich für einen geistlichen Herrn geziemt: 'Über Stock und Stein führet der Herr die Seinen.'

Der Mühlen- und Sägewerksbesitzer Matthäus Kötzle, der Thomas Wörner, der Fritz Haisch und der Zimmerman Fröschle bildeten ein vierblättriges Kleeblatt, dessen Stammwirtschaft der 'Adler' war (siehe das Bild vom Festzug des Kinderfestes). Der Fröschle war nun zwar ein gutmütiger Mensch, gegenüber seiner Umwelt aber mit jener gesunden Portion Mißtrauen ausgestattet, die man Schwaben bisweilen zu-

schreibt. Interessiert hätte ihn halt gar zu sehr, wer von seinen guten Freunden ihm auch einmal das letzte Geleit geben würde. So fertigte er sich schon zu Lebzeiten einen Sarg, dem er ein kleines Fenster einpaßte: 'I will seha, wer mitgeht zu meiner Beerdigung.'

Der Wörner Thomas machte sich eines Tages im Frühjahr auf Geheiß seines Eheweibes auf den Weg, um auf dem 'Stückle' beim Schafhaus Kartoffeln zu stecken. Aber der Weg war weit und führte am 'Grünen Baum' vorbei, wo er schon von einigen Freunden erwartet wurde. Geld hatte der Thomas nicht eingesteckt, und so gab er halt seine Saatkartoffeln hin. Am Abend beantwortete er die Frage seiner Frau, ob denn die Kartoffeln gereicht hätten, mit einem schlichten 'ja'. Später mußten die Kartoffeln auf Weisung seiner Frau natürlich gefelgt (gehackt) werden, und der Thomas nutzte dies stets zu einem Aufenthalt im 'Grünen Baum'. Es muß damals ein nasses Jahr gewesen sein, denn als seine Frau später einmal auf das Äckerle kam und keine Kartoffeln sah, wußte der Thomas gleich eine (doppelsinnige) Antwort: 'Die werdet halt versoffa sein.'

Auf dem Gelände in der Stadtmitte, das heute allgemein als BA WI-Gelände bezeichnet wird, obwohl es diese Firma längst nicht mehr gibt, stand früher die Firma Braun, in der Holzgriffe für Werkzeuge, Sensen und so weiter hergestellt wurden. Dort hatte der Fröschle seinen Arbeitsplatz. Eines Tages war ihm wieder einmal so gar nicht nach Arbeit zumute, weshalb er erst einmal das Markttreiben inspiziert e. Natürlich waren einige Spezei im 'Adler' schon in bester Stimmung: 'Kornm rei, heit brauchschd net ins G'schäft.' Der Fröschle ließ sich nicht zweimal bitten. Am nächsten Morgen wurde er von seinem Chef zur Rede gestellt. Er war um eine Antwort nicht verlegen: 'I kann von Glück saga, daß i überhaupt na am Leba bin. Wia i geschtern übr d'Straß lauf, kommt doch dr Storch vom Apotheker daher g'f!oga und mir nach! 1 bin schnell nei in de Ochsa, denn Sie wisset doch, Herr Braun, wia scharf d'Störch auf d'Frösch serid.'

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