Radevormwald damals und heute Band 2

Radevormwald damals und heute Band 2

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2429-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Radevormwald damals und heute Band 2'

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EINLEITUNG

Bleibendes Bild der Heimat

Mögen im Laufe der Zeiten Städte und Straßen, Orte und Häuser sich zwangsläufig verändern, Landschaften bleiben, solange keine bedeutsamen Eingriffe erfolgen, Ob Ebene, Berg, Heide oder Wald Heimat für Menschen sind, wer dort sein Leben hat und sein Schicksal bezwingt, wird den heimatlichen Raum als schön empfinden. Auch Besuchern und Gästen wird es vielfach so ergehen, daß manches Land auf eine gewisse Weise als schön empfunden wird durch die besondere Einmaligkeit seiner Topographie. Vergleicht man einmal Fernsichten auf unser Radevormwald aus verschiedenen Zeiten, so wird sich, woher man auch kommt, das Bild unserer Kirchturrnsilhouetten wie ein Scherenschnitt abheben gegen bewölkten Himmel. Da ist ein Irrtum nicht gegeben, es könne sich um eine andere Stadt handeln. Die Kirchengeschichte bedingte drei evangelische Kirchen mit zwiebelförmigen Turmausbuchtungen und einen Spitzhelmturm der katholischen Kirche. Diese Turmfinger die da aus dem Stadtbild aufsteigen, sind die begrenzenden Wahrzeichen von gewachsenem Gemeinschaftsleben und bleibender Kultur. Die Sonne umrundet sie vergoldend zu Blüten über Schiefer und Fachwerk. Und auf ihnen hocken als Wächter goldene Kirchturmhähne als wollten sie Gefahren melden und den Raum schützen, den unsere Vorfahren vor Jahrhunderten rodeten als Rodung vor dem Walde. Hier auf einem Höhenplateau zur westfälischen Grenze hin. Dunkelnde Abende ziehen Nebeldecken über das

Land. Sie sind abgestimmt mit den Baumballungen umrandender Mischwälder. Solche Kontraste finden sich wieder als schwarze Balken der Hauswände, Kalkfelder gliedernd. Und das Grün von Zweigen und Wiesen ist hier und dort noch in grünen Fensterläden bewahrt zum bergischen Farbdreiklang. Was an alter Bausubstanz verblieb als Heimstätte von Geschlechterfolgen, ist bewahrendes Element einer Empfindung für biedere Lebenshaltung und persönliche Abgrenzung. Hohlwege winden sich sternbildüberzogen zur Stadthöhe hinan. Mochten auch in der Stadt die Fluchtlinien der Straßen die Nachbarschaften bestimmen, so nicht in den vielen bäuerlichen Siedlungen, die sich von Anfängen her eigenwillig gliedern. Das Vermeiden von abgezirkelter Symmetrie gibt den Höfen und Orten noch immer den Reiz bewußter Daseinsentfaltung auf einem kargen, aber sich hügelich entfaltenden Boden. Das gebliebene Bild schwarzweißer Kühe in preußischem Farbkontrast ist ebenso landschaftsbestimmendes Farbelement wie die grüne Flut übergreifenden Wiesenwogens, Täler und Höhen weithin überziehend.

Das Herz jeder Stadt ist jener Platz , der von jeher das merkantile Leben wirtschaftlicher Entfaltung bestimmte: der Marktplatz. Wir haben es unseren Vorfahren zu danken, daß nach dem Stadtbrand von 1802 ein Marktplatz geschaffen werden konnte, wie man ihn kaum anderswo findet. Wo hätte man schon sonst so ein Zentrum, angelegt als Kompaß unserer Hügelumwelt, in offenster Weise nachbarschaftliche

Ziele anzuvisieren? Da weist die Südstraße nach Hückeswagen, die Nordstraße zur Mark, die Oststraße nach Halver, die Weststraße nach Lennep und Wuppertal. Der Verkehrspfeil der heutigen B 229 durchschneidet das rechteckige Platzherz. Den Marktplatz braucht niemand suchen. Der ist beherrschende Gegebenheit unserer Stadt, die dem Wald ihren Lebensraum durch Rodung abtrotzte. Vergleiche mit anderen bergischen Städten sind da nicht gegeben. Wenn auch heutige Entwicklungen durch Satellitenstädte sich aufdrängen. Der gewesene Festungskreiskern der Innenstadt allein ist das typische bleibende bewahrende Bild von unauslöschlicher Heimatlichkeit.

Noch wissen wir nicht ob das einzige den Flammen des Stadtbrandes entgangene Rokoko-Gartenhaus von 1772 sich erhalten läßt, aber es ist das wohl am meisten durch die Kunst bewahrte Bild von alter Gartenromantik in geradezu exotischer pagodenhafter Gestaltung. Bei aller Tagessachlichkeit bleibt hier ein Hauch Poesie bewahrt. Und welche Poesie beinhaltet der Ortsname Kaffekanne! Selbst für Gäste unserer Stadt bleiben die beiden Fachwerkhäuser an der südlichen Stadtgrenze mit Hückeswagen, am Wiebach, von volkskundlichen Geheimnissen umschlossen. Über die Entstehung des Ortsnamens und über das Alter ist nichts bekannt. Aber, daß hier die Fuhren der Eisen- und Kohletransporte ins Siegerland rasteten, bewahrt die Heimatgeschichte. Kaffekannenmotive an den Häusern zeugen von star-

kem Heimatbewußtsein der Bewohner. Zum Glück blieb auch eine Doppeltür erhalten. Der Wiebach rauscht der Wupper zu. Es bedürfte nicht einmal der vielen vorhandenen Bildnisse von Kaffekanne, das einmalige Radevormwalder Landschaftsmotiv einzugrenzen in den Bereich der bleibenden Empfindungswerte lokaler Art.

Dann ist zu nennen der Bliek von der Demokratenhöhe auf das Kirchdorf Remlingrade. Wo man frühgeschichtlich den germanischen Göttern opferte, drängen sich rundlich die alten Häuser beschiefert und in Fachwerk um das Spitzhelm-Zentrurn christlicher Missionierung. Aus der alten Mönchskirche wurde die denkmalgeschützte des 18. Jahrhunderts der Protestanten. Kein anderes Landschaftsbild ist so in einer Hangmulde wie absichtlich zu geschlossener Komposition vereint, daß kein Künstler mit bergischem Sinn es übersehen kann, was uns Remlingrade bedeutet. Mag der Streit heute darum gehen das Ortsbild dem Verkehr zuliebe zu verändern, wir alle hoffen, man wird uns auch Remlingrade ebenso zu erhalten wissen wie Kaffekanne, das Gartenhaus, die Wupperpartien der Vororte, alte Stadtwinkel wie Oststraße oder Alte Post. Meine bisherigen acht Bildbände haben so viel an Erhaltenswertem aufgezeigt, daß es sich lohnt für alles einzutreten was Heimat war und bleiben möge in Tagen steter Wandlungen. Erst was sich unseren Herzen entfremdet ist für immer dahin.

1. Oben: Beim Schützenfest 1958 marschierte dem Festzug voraus die als Landsknechte kostümierte Rader Feuerwehrkapelle. Trommeln dröhnten über den Marktplatz, wo sich viele Zuschauer eingefunden hatten. Gerade dieses Bild weckte Erinnerungen an die große Notzeit unserer Stadt im Dreißigjährigen Krieg, als sie noch mauerumgebene Festung war. Die gepf1asterten Straßen waren damals noch grasbewachsen. Am Marktplatz stand die katholische Kirche mit Spitzhelm. Denkt man sich die Häuser fort, die erst nach dem Stadtbrand von 1802 errichtet wurden und die zeitgemäß gekleideten Bürgerfamilien, kann man sich einziehende Landsknechte vorstellen. Das waren 1622 Spanier unter Don A1fonso de Luna. Dann karnen pfalzneuburgische Jäger, wieder Spanier und Österreicher. 1629 quartierten sich holländische Truppen bei uns ein. Ein spanisch-österreichisches Armeekorps unter Piccolomini lagerte 1633 bei unserer Stadt. 1636 waren Holländer unter dem Obersten van Gent da. Kaiserliche nahmen die Stadt in Besitz. Westfälische Truppen waren 1638 da. Österreichische Reiter der Obersten Sparr und Meuter hielten 1638 Wache auf dem Kirchturm. Hessen die unsere Stadt eroberten, ließen unter Oberst Rabenhaupt 1645 Mauern und Türme niederreißen.

Unten: Mochte es beim Schützenfest 1958 eindrucksvoll sein durch die als Landsknechte kostumierte Feuerwehrkapelle an jene bösen Zeiten erinnert zu werden, als der Dreißigjährige Krieg tobte. 1983 feierten unsere Schützen nur 275 Jahre ihres Bestehens ab 1708. Es gab zwar schon während der Kriegszeiten zwischen 1618 und 1648 örtliche Schützen, doch diese waren als zu kleine Schar gegenüber den Landsknechtsheeren nicht in der Lage, mit Waffen ihre Heimat zu schützen, Historisch verbürgt ist nur die Gefangennahme von Demokraten 1849 auf der Demokratenhöhe vor Remlingrade als königstreuer Heimatbeitrag. Religiös waren Schützen an der Besetzung der katholischen Kirche beteiligt für die das Stadtregiment führenden Reformierten im Glaubensstreit bis zum westfälischen Frieden 1648. Doch nach drei Kriegen unseres Volkes konnten unsere Schützen am zweiten Juniwochenende 1983 ihr Fest als großes Volksfest aufziehen.

2. Wo findet man im Bergisohen einen so zentralen und übersichtlich gegliederten Marktplatz wie den unserer alten Stadt? Als noch die begrünten Flächen um unsere Ehrenmale vorhanden waren, fotografierte Heinz Krüpe vom Turm der reformierten Kirche den durch Kaiser-, West-, Ost-, Nord- und Südstraße gegliederten Marktplatz. Es gab noch die Schloßfabrik H.W. Rocholl an der Südstraße, während sich an der westlichen Platzseite noch die Geschäfte Schürmann und Gemüse-Weber befanden. Auch das Privathaus Engstfeld und das Büro H.W. Rocholl waren noch da. Ebenso die beiden Ehrenmale. Nur die Friedenseiche verblieb auf dem Platz. Der Fernblick reicht bis zum Kreuz und bis zu den Wäldern hinterm Espert,

3. Ein Fotoschnappschuß unserer Zeit der siebziger Jahre vom Turm der reformierten Kirche auf dem Marktplatz läßt erkennen, was sich verändert hat. Die beiden Ehrenmale, die auf dem alten Gegenfoto noch vorhanden waren, sind fort. Geblieben ist lediglich die Friedenseiche. Wo das Schieferhaus Engstfeld stand und der Industriekomplex H.W. Rocholl sich anschloß, ist die Sonnenapotheke neu der Häuserzeile eingepaßt. Sonst sind aus neuer perspektivisch verkürzte Sicht die alten Bauten renoviert verblieben. Als die Aufnahme gemacht wurde, lag ein besonderer Anlaß vor. Durch Neubauviertel und Geschäftsverlagerungen bedingt unternahm der Einzelhandel den Versuch, die Innenstadt wieder attraktiv zu machen. Unter der Losung 'Rade mittendrin' sollte erprobt werden, wie es sei wenn man die Innenstadt fußläufig mache. Selbst örtliche Vereine machten mit und boten Darbietungen mancher Art. Inzwischen hat man erkannt, daß ohne Parkplätze für Kraftverkehr heutiges Geschäftsleben kaum tragbar ist.

4. Von den drei Rader Getreidemühlen am Ülfebach, die nach den Besitzerfamilien genannt wurden, Ackermanns-, Hees- und Luhnenmühle, liegt ein Foto von 1900 von Heesmühle vor, als man noch sagen konnte: 'Es klappert die Mühle am rauschenden Bach.' Der als amtlich Unterste Mühle genannte Grundbesitz wurde am 16. Januar 1855 verkauft von der Frau des Notars Carl Blumberg aus CasteIlaun. Käufer war Wilhelm Hees, Ackersmann zu Dahlhausen. Frau Blumberg war von ihren Eltern, Heinrich Schmitz und Elisabeth Steger, 1847 beerbt worden. Damals war der Mühlenbesitz niedergebrannt, ist also nach 1855 neu aufgebaut worden. Hafermehl war während der Betriebszeit der Mühle, die mit Ulfewasser betrieben wurde, beliebt. Als Wilhelm Hees 1926 den Nichtschwimmerbereich des angrenzenden Ülfebades errichtete, dürfte der Mühlenbetrieb eingestellt worden sein. Lange schon ist das Mühlrad am Mühlenhaus nicht mehr vorhanden.

5. Mag sich in Heesmühle schon lange kein Mühlrad mehr drehen, das alte Mühlhaus steht noch. In den unteren Räumen, wo Mehl eingesackt wurde, ist nun gemütliche Gaststätte. An der Hausseite, an der sich das Mühlrad befand, ist eine Restaurationsveranda angebaut worden. Für den Sommer 1983 hat sich die landschaftlich ungünstige Situation ergeben, daß das Wasser des ab Heesmühle beginnenden früheren Ülfebades, abgelassen werden mußte, da der Sperrdamm undicht wurde und die Uferbefestigungen erneuert werden müssen. Aus dem gebliebenen Schlamm des Nichtschwimmerbereiches erhebt sich zwar das Entenhaus, doch hat man den Wassertieren vorerst ihr Element entzogen. Alte Rader die in ihrer Jugend in Heesmühle Hafermehl holten, kehren trotz notwendiger Renovierungen gerne dort ein, wo alte Mühlenromantik als Platz am Ü1febach fortlebt durch den Mühlenbesitzerfamiliennamen Hees. Amtlich heißt es Unterste Mühle.

6. Der Schützenverein von 1708 besteht in diesern Jahr (1983) bereits 275 Jahre. Das Jubiläum wurde mit einem großen Fest gefeiert. Aus der traditionsreichen Geschichte des Vereins fand sich ein Foto von 1921. Beim Königsschießen auf dem Schießstand Hölterhof wurde Dachdeckermeister Hermann Krapp Schützenkönig. Im Schmuck der Schützenkette sieht man ihn neben seiner Gattin in der vorderen Reihe. Darüber in der zweiten Reihe sind Emil Hasenburg und Willi Kampmann zu erkennen. Sie wurden 1922 und 1924 Könige der Schützen. Keiner von den dreien lebt mehr. Die damaligen Kommandeure trugen Federbüsche an den Schützenhüten. Auch hatten sie Säbel als Zeichen ihrer Ämter. Der Festort Hölterhof ist bestehen geblieben. Die Schützen bauten sich hier ein Vereinsheim.

7. In jenen Jahren da Emil Hasenburg, Willi Kampmann und Hermann Krapp Schützenkönige waren, hatte der Schützenverein von 1708 eine stattliche Jungschützengruppe, Sie stellte sich am Festort Hölterhof zum Foto. Hugo Hageböcker fûhrte die Gruppe. Im Gegensatz zu den älteren Schützen trugen die Jungschützen Mützen. Wie auch heute noch wurde unter der Jugend ein Prinz ausgeschossen. Nach dem Foto machten um 1930 herum mit: Anton Fossbach, Walter Grüterich, Ernst Gröschner, Anstreicher Kemp, Richard Dörner, Hummeltenberg, Höltken und Albert Combächer. Feierte der Verein sein Fest im Saal der Restauration Hölterhof, so kommt man längst ohne Festzelt nicht aus. Für das Vereinsleben wurde ein Heim gebaut.

8. In den zwanziger Jahren ließ der Wuppertaler Filmunternehmer Anton Lirnberg den Gaststatten- und Saalbau 'Burg' in der Burgstraße zurn ersten reinen Kinobau gestalten. Zuvor waren Filme im gemieteten Saal an der Hochstraße vorgeführt worden. Mit Spitzenfilmen fand das erste Kino als Union-Theater viel Zulauf. Auch für kulturelle Veranstaltungen örtlicher Vereine war das Union-Theater gut geeignet. Es hatte einen zur Bühne hin abgeschrägten Boden, der gute Sicht erlaubte. Die Akustik war gefragt. Das Foto von einer Konzertveranstaltung der örtlichen musikalischen Vereinigung läßt erkennen, daß man vom früheren 'Kaisersaal' Seitenstücke hatte stehenlassen, die als Balkonbrüstungen zusätzlich Plätze boten.

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