Radevormwald in alten Ansichten Band 1

Radevormwald in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1278-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Radevormwald in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Von der Festungs- zur Industrie- und Wohnstadt Radevormwald: mit diesem letztgültigen Namen unserer alten bergischen Festungsstadt ist topographisch der Siedlungscharakter der Landnahme von Sachsen und Franken, in den Wäldern einer Wölbungszone des Remscheid-Altenaer Sattels zwischen 850 und 1000, festgelegt. Rodung vor dem Walde ist aus dem ursprünglichen Royde 1316 über Radt und Rade entstanden. Alte Hofnamen erinnern an germanische Vorväter, wie auch das überlieferte Weistum der von westfälischen Mönchen christianisierten Ortschaft Remlingrade, das als eine Rodung des heiligen Remigius war des Bischof von Reims, der Chlodwig in Köln taufte. Hier befand sich ein Femegericht. Das heutige Kirchdorf hatte dazu eine eigene Gerichtsbarkeit, während die Stadtbewohner dem Gericht Beyenburg, der Herrschaft der Grafen von Berg, unterstanden. Ein örtlicher Dingstuhl des Landgerichtes befand sich auf dem Hohenfuhrfeld, beim heutigen Rathaus.

Die frühe Ortschaft Royde, 370 bis 421 Meter über dem Meeresspiegel, gelangte zur Stadterhebung, gleich Lennep, durch den Umstand, daß die Grafen von Berg durch die Festungsstädte Radevormwald und Lennep Druck auf die Enklave der Grafschaft Hückeswagen ausübten, diese annektieren zu können, was aber nicht gelang. Dazu war die alte Handelsstraße Köln-Radevormwald-Lüdenscheid-Kassel zu sichern,

wie auch Übergriffe aus der benachbarten Mark.

Wenn wir Radevormwalder das Jahr der Stadterhebung nicht nennen können, so liegt das an drei historischen Stadtbränden (1525, 1571 und zuletzt 1802), die alles alte Aktenmaterial vernichteten. Inzwischen ist es nun (1976) wissenschaftlich gelungen, durch Siegelvergleiche das Jahr der Stadterhebung in die Zeitspanne 1309 bis 1316 einzukreisen. Das war unter der Landesherrschaft des Grafen Adolf VI von Berg (1308 bis 1348) auf dem bergischen Stammschloß Burg an der Wupper, dem Heimatfluß, der in drei bis fünf Kilometer Entfernung die waldreichen Täler des Radevormwalder Gemeindebereiches westwärts zum Rhein hin durchfließt, im 18. Jahrhundert Lebensader der Textilindustrie geworden und daher als 'Proletarier' unter den deutschen Flüssen bezeichnet, was Else Lasker Schülers Drama 'Die Wupper' verdeutlicht.

Hielt 1350 die Pest Einzug in die mit Mauern und Wassergraben geschützte Festungsstadt mit ihren vier Toren, so folgte im 16. Jahrhundert der Rote Hahn und bedrohte die aufgekommene Wirtschaftsblüte der Hanseepoche. Radevormwald war Binnenlandmitglied des weltweit orientierten Handelsbundes. Einer von mehreren bedeutenden Radevormwalder Kaufleuten hatte es zum Gesandten der Hanse in Moskau gebracht: Gottschalk von RemIingrade, der 1497 im I1mensee ertrank.

Die strategische Lage unserer alten Stadt, an der so wichtigen Höhenstraße vom Rheinland nach Westfalen, loekte im Dreißigjährigen Krieg den schrecklichsten der apokalyptischen Reiter, den Krieg, in das 1540 protestantisch gewordene Radevormwald. Die Trommeln spanischer Landsknechte pochten 1622 heran, ein Jahr später lagerte Piccolomini mit spanischen und österreichischen Söldnern bei der Stadt, Höfe gingen in Flammen auf, Geiseln wurden genommen, Häuser und Vorräte beschlagnahmt. Da 1636 Holländer unter dem Obersten Van Gent in unserer Stadt waren, ist es möglich, daß der heute noch auf dem Dach der Lutherischen Kirche vorhandene 'Geusen-Daniel' als trompeteblasender Engel zurückgelassen wurde.

Als 1626 Kaiserliche die Stadt besetzten und die katholische Kirche am Marktplatz von den Reformierten besetzt fanden, ließ der katholische Regimentskaplan Arnold von Grotfeld, Canonicus an St. Martin in Emmerich, die beiden evangelisch gewordenen Priester Pollich und Sundermann wegen Konkubinat und Glaubensabfall anklagen. Beide sahen Radevormwald nicht wieder. Die von den Reformierten unterdrückten Lutheraner erhielten erst 1708 das Recht zum Kirchbau. Aus diesen bewegten Zeiten des Glaubensstreites stammt unser heutiges Stadtbild mit seinen nun vier Kirchtürmen. Die alte katholische Kirche blieb 1648 in reformiertem Besitz.

Als die französischen Revolutionsheere die Heimat bedrohten, hatte von 1795 bis 180 I Blücher als Marschall Vorwärts, am Marktplatz, dort wo heute das Haus Jendges steht, sein Standquartier, um mit seinen Roten Husaren Radevormwald zu schützen. Von den damals 4 230 Einwohnern ist die inzwischen nach dem Brande von 1802 nicht mehr mauerumringte alte Stadt auf nun an die 24 500 Einwohner angewachsen in moderner Satellitenstädte-Entfaltung, nachdem der letzte Kriegstag für Radevormwald, am 13. April 1945, achtundzwanzig Häuser durch Brandschaden forderte.

Der Wohn- und Industriestadt, mit ihrer KunststoffKleineisen- Textil- und Papierherstellung, mit überregionalen Heimen des Landessportbundes, der Kirche, der Barmer Ersatzkasse, der Kundenkreditbank, bei vielen Neubürgern sei dieser Postkartenbildband eine kurze Skizzierung bewegter Stadtgeschichte.

Zu danken ist an dieser Stelle den Mitbürgern Erich Meskendahl für zweiundsechzig Postkarten, Eugen Combächer für sechs, Rudi Wohlfahrt für vier, Thomas Birkner, Haraid Kann, Vogelsmühle und Familie Waldemar Specht, für je eine ausgeliehene Postkarte.

1. Da wir Radevormwalder von 1380 bis 1815 zu Grafschaft und Herzogtum Berg gehörten, also die Grafen von Berg auf Schloß Burg an der Wupper den Namen unserer Landschaft Bergisches Land bestimmten, führen wir seither den aufrechtgehenden gekrönten doppelschwänzigen Limburger Löwen als städtisches Sicgel- und Wappentier. 1225 war Heinrich von Limburg, durch Einheirat, Graf von Berg geworden, und er vermachte unserer Landschaft sein Wappen. Zum Zeichen der zwischen 1309 und 1316 verliehenen Stadtrechte trägt unser roter Löwe einen Schlüssel in der rechten Pranke. Rot und Weiß sind unsere Stadtfarben. Das von den Grafen von Berg im 13. Jahrhundert gebaute Schloß an der Wupper, da der alte Besitz an der Dhünn den Zisterziensern geschenkt wurde, ist Ausgang und Symbol bergischer Geschichte.

Kaiser Wilhelm-Brûcke. Höhe 107 m

2. Als heimatliche Kuriosität auf dem Postkartenmarkt des Jahres 1912 sei diese Ansicht der heutigen 'Müngstener Brücke' als Wahrzeichen eingefügt. Das 1894-1897 im Tal von Müngsten errichtete gewaltige Brückenbauwerk von 107 Metern Höhe und 500 Metern Länge, als Bahnabkürzung zwischen Remscheid und Solingen gebaut, war nach dem Kaiser als 'Kaiser Wilhelrn-Brücke' benannt bis 1918, dann folgte republikanisch die heutige Ortsbezeichnung als Brücke von Müngsten, Als der Kaiser vor der Jahrhundertwende die Brücke besuchte, mußten auch Radevormwalder Schulkinder Spalier bilden, die im Kutschwagen vorbeirollenden Majestäten zu grossen. Seither ist die Brücke von Müngsten AusfJugsziel vieler Radevormwalder.

Radevormwald vor 100 Jahren vor dem Brande.

Verlag v, Albert D~rr. Pho!ogl"apn, Recevo-mwetc.

3. Die Postkartenreihe dieser Darstellung unserer alten Festungsstadt beginnt mit der vom Radevormwalder Lehrer Peter Hürxtal dem Älteren gezeichneten Stadtansicht vor dem dritten großen Stadtbrand von 1802. Da 1645 der hessische Oberst Rabenhaupt Mauern und Türme der Stadt hatte niederreißen lassen, sind nur noch Reste der Stadtmauer zu sehen. Die mittlere Spitzhelrnturrn-Kirche war durch die religiösen Wirren des Dreißigjährigen Krieges von katholischem in reformierten Besitz übergegangen. Die neue katholische Kirche, rechts, trug damals auch einen zwiebelförmigen barocken Kirchturm, wie die linke lutherische Kirche.

Radevormwald vor 100 Jahren nach dem Brande.

Verlag v, Albert Dürr, Photograph, Radevormwald.

4. Die zweite historische Zeichnung von Peter Hürxtal hat als Bildurkunde festgehalten daß nur die katholische Kirche den zweistündigen Flammensturm vom 24. August 1802 überstand. Der vor der Stadt gelegene südliche Wiesengrund, durch den 1889 die Bahnstrecke Radevormwald-Wuppertal gebaut wurde, läßt Gruppen von Obdachlosen erkennen, sodann drei jener Rokoko-Gartenhäuser, von denen nur noch eines heute mit der Jahreszahl 1772 vorhanden ist und durch die Denkmalspflege Schutz genießt. Zwei vom Feuer ebenfalls verschonte Häuser sind in der Bildmitte und rechts zu sehen. Durch Spenden aus Deutschland und Holland vermochte das heutige alte Radevormwald wiederautgebaut zu werden.

5. Die erste als Fotografie herausgebrachte Postkarte mit einer Stadtansicht um 1898, aus dem örtlichen Atelier August Krauskopf, zeigt die wiederaufgebauten evangelischen Kirchen mit zwiebelförmigen Barocktürrnen. Der bis heute noch markante hohe Turm der reformierten Kirche ist weithin sichtbares Wahrzeichen, ebenso wie das neue Stadtzentrum. An markanten Gebäuden sind einzeln dem Gesamtbild untergeordnet: Das Haus von Rektor Spratte an der Bahnhofstraße.

Der geschätzte Schulmann und Sänger schuf nicht nur die erste Bücherei unserer Stadt, sondern auch die zweite Jugendherberge der Welt 1910. Außerdem Rathaus, Post, Krankenhaus, Gasanstalt und Bahnhof.

6. Die um 1908 bei P.W. Fieseler Radevormwald herausgekommene Karte der Stadtansicht hat jene Bereiche von der Grabenstraße aus zum Marktplatz hin zum Ausschnitt, die mit dem heutigen Gelande der Minigolf- und Parkanlage beginnen. Das alte Arzthaus an der Grabenstraße (links) wurde erst 1911 von Dr. Kröncke gekauft. DI. Killl, der nach Eisenach verzog, hatte es gebaut. Er war gründer der örtlichen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. Rechts ist das Haus Rocholl mit dem Anbau, in dem zuletzt der Eisenwarenhandel Melskotte untergebracht war. Die typisch bergische Verschachtelung der meistens beschieferten Lehmbauten deutet den heimatlichen Partikularismus an. Reste der Stadtmauer sind zum Wiederaufbau verwandt worden. Der alte Stadtgraben wurde zugeschüttet und Straße.

7. Der Weltpostverein legte koloriert 1909 eine Stadtansicht als Postkarte vor, die rechts Einblick in die Bahnhofstraße gewährt. Rechts ist die inzwischen abgerissene Schloßfabrik Ludwjg Rocholl & Co zu sehen; nach links zieht sich die Grabenstraße hin mit dem markanten weißen Arzthaus von Dr. Kröncke. Nach dem Foto muß damals die katholische Kirche umgebaut worden sein. Das daneben rechts erscheinende Dachreitertürmchen dürfte die Michaeliskirche der Altlutheraner gekrönt haben. Der Volksmund nannte sie 'Kleinroggenkirche'. In ihr wurde zur Arbeitslosenzeit die Bücherei beherbergt zum Aufenthaltsraum mit Schachspiel.

8. Eine kolorierte Karte aus dem örtlichen Verlag Fieseler (von 1912, nach dem Poststempel) bietet einen Stadtbildausschnitt von Norden nach Süden. Im Vordergrund sieht man die Gärten zwischen West- und Gartenstraße. Rechts vom historischen Gartenhaus von 1772 das heutige Haus Köhler. An der Ecke Bahn- und Bahnhofstraße stand schon das Haus Rocholl, doch war vor dem Fabrikgelände Ludwig Rocholl & Co das Bahnhofshotel noch nicht gebaut. Rechts hinter dem Bahnhof stand ein Lokomotivschuppen. Die bis zum Abriß des Fabrikgeländes Rocholl vor wenigen Jahren vorhandenen hohen Mauem zur Bahnhofstraße und zum Bahnhof hin waren zu jener Zeit noch nicht vorhanden. Die Achenbachsche Fabrik war noch klein.

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