Radevormwald in alten Ansichten Band 2

Radevormwald in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1332-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Radevormwald in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Der große Erfolg des ersten Bandes, 'Radevormwald in alten Ansichten', ist für unsere alte Stadt keine Modeerscheinung. Mag anderswo im Zuge von Zeiterscheinungen das griechische Wort Nostalgie als Heim weh nach alten Dingen und vergangenen Zeiten auf vielen Lebensgebieten die Rückbesinnung auf Volksgut bringen, so war bei uns stets die Verbundenheit mit dem bleibenden Bild der Heimat gegeben, auch wenn so viele Wandlungen eintraten. Auch wird bei einem Wandel - denn alles Modische ist zuweilen kurzfristig - die Bewahrung alten Volks- und Heimatgutes bleiben, solange bodenständige Radevormwalder leben. Daß ab 1936 die rein lokal gebundene Vergangenheit unserer Festungsstadt aus dem 14. Jahrhundert so große Impulse bekam, lag allein an der buchtechnischen Verwirklichung von Bild und Text durch einen Mäzen, der das damalige Heimatbuch 'Radevormwald' von Willi Regeniter ermöglichte, nach dem heute noch gefragt wird ,

Die große Zeitspanne zwischen 1936 und 1976, dem Erscheinungsjahr von 'Radevormwald in alten Ansichten', hat Finanzierungsgründe, da sogenannte Heimatverlage bei den geringen Buchauflagen für solches Schrifttum ihre Schwierigkeiten haben, existenzfähig zu bleiben. Wenn nur der holländische Verlag Europäische Bibliothek zu Zaltbommel unsere Stadt in sein europäisches Stadtbild-Programm einbezog, so ist das - der Erfolg hat es bewiesen - eine begrüßenswerte Verlegerinitiative. Dem Verlag ist zu danken, auch diesen weiteren zweiten Band mit nun

vierundachtzig, statt zuvor sechsundsiebzig , einmaligen Fotos und Postkarten zu wagen.

Leitete der erste Band in die Bildfolge mit dem Geschichtsverlauf von der Festungs- zur Industrie- und Wohnstadt ein, so soll nun der zweite Band, mit ganz neuen weiteren einmaligen Bilddokumenten, dem Menschen unserer Stadt und seiner Landschaft gewidmet sein. Doch im Gegensatz zum ersten Band ergab sich eine Schwierigkeit durch den Umstand, daß nur wenige Originaldokumente von Mitbürgern zur Verfügung gestellt werden konnten. Meistens handelt es sich um fotografierte Bilder, die nicht mehr die Bildqualität haben wie Originale. Da es jedoch keine andere Möglichkeit gibt, Heimat in seltenen Bildern zu erhalten, als das Material zu nehmen was noch vorliegt, ist hier um Nachsicht zu bitten. Auch fehlen Verleger- und Jahresangaben, so daß man als Autor die Zeitabschnitte nur vermuten kann aus typischen Merkmalen.

Bei manchen Fotos und Karten ergaben sich große Mühen, textliche Erläuterungen zu bekommen, denn wenn man als Autor Jahrgang 1909 ist, fehlt es an Kermtnissen aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Viele alte Radevormwalder, mit bester Kenntnis der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg sind verstorben, andere vermögen sich nicht mehr genau zu erinnern. Nach besten Ermittlungen ist aber hier verfahren worden; durch technisch kurz begrenzte Texte viel an Information zu liefern. Und die Technik und Geschichte des Zeitraumes zwischen dem 19. J ahr-

hundert und den dreißiger Jahren des 20. J ahrhunderts mit einzubeziehen, Da unsere Stadt, trotz ihrer abseitigen Lage von den Zentren des Weltgeschehens, mit Kriegen und Revolutionen in Berührung kam, auch mit allgerneinen Entwiekhingen unseres Volkes, gehören solche Bezüge in ein Heimatbuch, das nach allen Seiten objektiv ein Bild von Geschehnissen ohne jede Wertung zu vermitteln hat.

Da dieser zweite Band mehr Menschen, also Mitbürger, in Bezug setzt zur heirnatlichen Landschaft und zu Ereignissen, ist das besondere Eigenleben unserer Stadt zu erörtern. Als vor millionen Jahren das Devonmeer unsere Radevormwalder Höhe als Meeresschlamm der Beckenerhöhung zurückließ, da war uns topographisch Heimat als Bergplateau zwischen 360 und 421 Meter Höhe über dem Meerespiegel auf dem Remscheid-Altenaer Sattel zugewiesen. In wuchernde Wälder waren die Breschen der landwirtschaftlichen Siedlungsräume zu schlagen, und aus strategischen Gründen bedurften die Grafen von Berg diesen Festungsort mit starkem Eigenleben als Grenzraum nach Westfalen hin.

So sind wir stets Grenzbewohner geblieben und als solche nur durch eigene Kraft zu städtischer und industrieller Entfaltung gekommen, da auf unsere Höhen spät der Fortschritt kam. Das karge Bauernland, das sich mit Hafer, Roggen und Gerste vorwiegend begnügen muß, kann ohne Viehwirtschaft nicht auskommen. Und so zacken die grünen Weidelandbereiche in schwarze Waldbezirke und lehmige

Felder. Die naturgegebene Wasserkraft der die Stadt südlich und westlich umlaufenden Wupper, war Ausgang aller industriellen Entfaltung aus Talestiefe zur Stadthöhe mit ihren vier scherenschnittartigen Konturen der Kirchen.

Auf- und abwogende Waldbereiche, zerstreute Gehöfte, gewundene Wege und kein anderer Fernbliek als der in die eigene Stadtwelt. Kriegsläufe und Durchzüge ließen unsere Vorfahren mißtrauisch sein gegen alles Fremde. Sie bargen sich eng aneinander in schmalen Fachwerkhäusern mit geringem Lichteinfall. Aber sie saßen im Abendfrieden auf den Treppen zu ihren Häusern und hatten ihre eigene kleine gutnachbarschaftliche Welt zu stadteigener Sprache Radevormwalder Mundart.

So konnte sich, wie bei anderen bergischen Städten auch, kein großräumiger Sprach- und Kulturraum bilden. Nur die Kaufleute zogen in ferne Welten. Doch auch sie, durch Familie und Herkommen gebunden, blieben der Heimat treu. Jener Heirnat, in der man Freude hatte an Originalen, wo einer den anderen kannte, wo man Freud und Leid brüderlich teilte. In dem mundartlichen 'Min leiwe olle Rua' (Mein liebes altes Radevormwald) liegt alle Wärme, alle Heimatlichkeit des alten Radevormwalders beschlossen, dem jede Erinnerung an die sozial nicht immer gute alte Zeit teuer ist, weil sie so sehr vom Bild der Menschen in seiner angestammten Heimat getragen war.

AQ~ Ploennies "handschrittlicher Beschr91b~n6 des Eerzootums Bard vom Jahre 1 7 1 5 ?

1. Da im ersten Bande, 'Radevormwald in alten Ansichten', jene beiden historischen Zeichnungen vor und nach dem Stadtbrande von 1802 veröffentlicht wurden, als unsere Stadt schon drei Kirchtürme hatte, sei heute die vorhandene älteste Zeichnung von 1715 Beginn des zweiten Bandes. Damals, als nur der Spitzhelmturm der aus dem 13. Jahrhundert stammenden katholischen Kirche die Mauern der Festung 'Rath vorm Waldt', in zeitgenössischer Schreibweise, überragte, war noch ein Jahr der feudale Joharm Wilhelm 11. (Jan Wellern) in Düsseldorf Landesherr. Die Straßen unserer Stadt waren mit Gras bewachsen. Es gab noch keinen Bäcker und keinen Metzger. Von Bäumen umringt, wirkte unsere Stadt als wehrhafter Flecken und Vorposten gegen die benachbarte Mark.

2. Wohl kein Foto aus der Zeit der Jahrhundertwende gibt heute so unlösbare Fragen auf wie das obige, da es an Augenzeugen fehlt. Warum nur strömen soviel Radevormwalder Kinder die Kaiserstraße hinab? Ist es ein Bärenführer, der mit einem Bären dahinzieht? Es sind die Tage der modernen Renovierung des Hotels Fasbender. Das Pflaster der Kaiserstraße ist aufgerissen worden. Man sieht rechts ab Haus Dörner Pflastersteinhaufen. Jedes Haus hat noch seinen Treppenzugang. Vor der Apotheke stand damals ein Baum. Gegenüber, rechts, das Becken als Zeichen von Friseur Emil Duisberg, der in jenen Zeiten auch kleine medizinische Dienste übernahm, um seinen Mitbürgern vielfacher Helfer zu sein. Vor dem Hause Schwanz steht ein Planwagen.

3. Vor dem Ersten Weltkrieg, als man sich noch mit Haudereifahrzeugen durch die Gegend kutschieren ließ, gab es in Radevormwald die Haudereien Meier, Fritz Ahlefeld, Dörner und Kar! Streek. An Sommertagen waren 'Gartenlauben' beliebt, wie das Foto von einer 'Gartenlaube' der Hauderei Richard Dörner solch einen Wagen zeigt. Bei Regen oder Kälte dürften 'Landauer', also geschlossene Coupés, gefragt gewesen sein. Größere Gesellschaften wählten 'Kremser' mit sechs Rädern oder 'Große Lauben'. Zwei Söhne von 'Meiers-Prinz ' betrieben die Hauderei Meier, von denen einer tödlich mit einem Pferdefuhrwerk am Bahnübergang Heide verunglückte. Vater Meier soll den toten Sohn auf der Schulter heimgetragen haben. Auch das Pferd war tot, während der Fahrgast mit dem Leben davonkam. Sonst ist kein Unglück mit Haudereiwagen bekannt.

4. Wohl kein Ereignis unserer Radevormwalder Stadtgeschichte war so bedeutsam, wie 1890 die Eröffnung der ersten Bahnlinie nach Rittershausen, dem heutigen Oberbarmen. Wenn solch ein Dampfzug mit drei Wagen den Bahnhof verließ über den aufgeschütteten Erddamm auf Bergerhof zu, schien ein neues Zeitalter der Stadtgeschichte angebrochen zu sein. Bereits nach neun Jahren wurden 80 590 Fahrkarten verkauft. Auf dem historischen Foto sieht man die Häuser Rocholl, Kanter, Wiesenberg und den Hof Engstfeld. Wenn 1976 die Bahnlinie endete, so lag das nicht allein am Talsperrenbau, sondern aus topographischen Gründen an der Unmöglichkeit eines Schnellzugverkehrs über unsere bergische Höhe, die nur Station einer Nebenlinie bleiben konnte.

5. Der Marktplatz unserer Stadt im 19. Jahrhundert auf der Ostseite zur reformierten Kirche hin war, bevor die Ehrenmale errichtet wurden, großräumig, aber mit einem gepflasterten, begehbaren Streifen rundum versehen, auf dem man einen Bürger mit einer Schiebkarre Fracht befördern sieht. Die markanten öffentlichen Einrichtungen waren die Wasserpumpe vor der Gasse zwischen den Häusern Höller und Meskendahl und der Gaskandelaber dort, wo später das Ehrenmal für die Gefallenen von 1870/71 errichtet wurde. Noch war das spätere Café Pohlig Wohnhaus. Hohe Bäume mit runden Laubkronen bekundeten die Naturverbundenheit unserer Vorfahren, die sich durch den Stadtnamen als 'Rodung vor dem Walde' verpflichtet sahen Bäume dort zuzulassen, wo sie den Verkehr nicht behinderten.

6. Das im Vordergrund rechts zu sehende zweistöckige schindelnbekleidete Haus an der Kaiserstraße (gegenüber dem Hause Fischer) war bis 1905 'Herberge zur Heimat'. Hier wurde wandernden Handwerksgesellen für fünfundsiebzig Pfennige Schlafstätte und Tagesverpflegung geboten. Auf Kosten der Stadt. Auch Italiener und Kroaten, die beim Talsperrenbau der Ennepetalsperre eingesetzt waren, kamen am arbeitsfreien Sonntag als ausländische Gäste. Bei dem bunten Treiben mußte zuweilen die Polizei einschreiten. Für Radevorrnwalder war die Herberge montags Treffpunkt der Schloßmacher, Feilenhauer und Bierbrauer, um den Wochenbeginn in gemütlicher Runde ohne Tagewerk zu begießen. Am Dritten Weihnachtstag wurde hier der zweite Bürgermeister gewählt,

7. Als nach der Jahrhundertwende die nach Westen aus dem alten Stadtkern hinausführende Kaiserstraße (in der bis heute bestehenden Breite) mit Steinhäusern bebaut wurde, waren die Bäume der Allee noch von geringern Umfang. Vor der markanten Ecke zwischen Alter Post und dem kleinen Haus Korten, wo das Kölner Stadttor stand, sieht man ab Grabenstraßenecke die beschieferten Häuser Spieker und Gaststatte Stauder. Dort wo heute die Häuser Lüttgenau, Wigger und Kampmann stehen, war heckenumgebener Gartenbereich. Im Vordergrund links wurde gerade das Haus Stein im Anschluß an die Häuser Stoffel und Knipping renoviert. Der Bliek zum Marktplatz hin endet bei der Gaststätte Freymann und dem Rathaus. Rechts vor dem Haus Korten, dem heutigen Haus Ruckebier, wohnten die Originale Kar! und Mina Straus.

Rndrnltrn

an den rag der Einweihung

unserer Klrd]e.

8. Im Jahre 1902 wurde die Erweiterung und Überhöhung der katholischen Kirche als vierter nachreformatorischen in Radevormwald begonnen. 1900 war das Pfarrhaus hinter der Kirche an der Hohenfuhrstraße errichtet worden, das Erzbischof Simar einweihte. Am 30. August 1903 war der Tag der Einweihung der Kirche im spätgotischen Stil, die als erste der Radevormwalder Kirchen eine dritte Glocke erhielt. 1904 folgte eine gotische Monstranz. Pfarrer war damals, bis 1907, Julius Scheffen aus Weismes bei Malmedy, der zuvor Kaplan in Barmen-Rittershausen gewesen war. Sein Bild ist auf der Erinnerungskarte über der dreischiffigen Rückansicht der Kirche und dem Foto vom Pfarrhaus zu sehen. Von Radevormwald ging Scheffen als überpfarrer nach Malmedy.

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