Radevormwald in alten Ansichten Band 3

Radevormwald in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1333-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Radevormwald in alten Ansichten Band 3'

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EINLEITUNG

Als sich 1976 der holländische Verlag Europäische Bibliothek, Zaltbommel an unsere Stadt gewandt hatte, um historisches Bildmaterial aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 zu bekommen, da übernahm ich gern die Auswahl und Betextung. Unter 100 deutschen Städten sollte nun auch unsere alte Stadt einen Bildband bekommen, der vor allen Dingen Postkartenansichten in Buchform bewahren würde. Als der erste Band 'Radevormwald in alten Ansichten' zu Weihnachten 1976 erschien, wurde dieses Buch von der Bevölkerung mit größtem Interesse als heimatliche Gabe angenommen. Ja, das Echo auf das erste Erscheinen eines solchen Bildbandes war so groß, daß mir spontan aus der Bevölkerung heraus soviel weiteres Bildmaterial leihweise zur Verfügung gestellt wurde, daß schon 1977 ein zweiter Band folgen konnte. Und wenn nun, 1978, sogar ein dritter Band 'Radevormwald in alten Ansichten' folgt, so auch nur durch die begrüßenswerte Anteilnahme der Bevölkerung, die mir die Herausgabe eines weiteren Buches antrug. Doch die Fülle der zur Verfügung gestellten Bilder zwang zur Auslese, wobei ich vom vorgelegten Bildmaterial ausgehen muß, nun, nach zwei vorwiegend landschaftlich ausgerichteten Bänden, einmal die Betonung auf das Thema 'Mensch und Landschaft' zu legen. Mag wohl kaum eine andere deutsche Stadt wie unser Radevormwald vom nahezu stillen nachbarschaftlichen Beisammensein geprägt sein, das gerade bei uns im Bergischen Land jeder alten Stadt einen besonderen Menschentyp im wechselseitigen Verhältnis von Mensch und Landschaft prägte, so muß man aus geschichtlichen und anderen Gegebenheiten vom Radevormwalder als vom Grenzland-

bewohner sprechen. Das bedeutet, daß bei uns, wo sich Sachsen und Franken als Ursiedler geschichtlich verzahnten, wir als Bewohner einer Grenzfestung des Herrscherhauses Berg ein Janusgesicht tragen, also ein westfälisch ernstes und ein rheinisch heiteres. Doch rheinische Heiterkeit der karnevalistischen Hochburgen ist nie in die Natur unseres gleichsam gespaltenen Wesens eingedrungen. Unsere dem Ernst des Lebens zugewandte Art der Fröhlichkeit zwischen harten Arbeitstagen gilt dem deftigen Scherz, wie er noch heute von der Önkfelder Kulturgemeinde gepflegt und erhalten wird.

Seit weit über 600 Jahren ist unser Leben auf bergischer Höhe traditionsgemäß eingebettet in die gliedernden Bereiche Schule-Kirche-Beruf und Volkstumsbewahrung durch ein vielschichtiges Vereinsleben. Die erst späte Verkehrserschließung unseres Bergraumes zum Sauerland hin bedingte starkes städtisches Eigenleben, das kaum durch Nachbarstädte beeinflußt wurde. Daher mußte jeder Mitbürger, der nicht mehr der üblichen Angleichung zuzurechnen war, als sogenanntes 'Original' auffallen in dem Sinne, als man solche Menschen zwar als gesellschaftliche Außenseiter sah, aber mit viel Freude an ihren Absonderlichkeiten. Sie wurden gleichsam, wie beispielsweise Aloisius (Alwisius) zu einer Art Narren, die bei Volksfesten zu belustigen hatten, was ja auch, man war mit Entgelten nicht kleinlich, geschah. Mag man in unserer Stadt am sonderbaren Leben von Dr. Philipp Pothmann als Außenseiter freudig Anteil genommen haben, so war doch allen Radevormwaldern klar mit welchem universal gebildeten Geist man es zu tun hatte, der eben nach

Auffassung des Durchschnittsbürgers irre Wege durchs praktische Leben ging.

Wenn in diesem Buch zum Thema 'Mensch und Landschaft' Gruppenbilder von Schulklassen und Konfirmanden erscheinen, so ergibt sich der Bezug zur Landschaft aus den so ernst erscheinenden Gesichtern. Das ist nicht allein auf den Umstand zurückzuführen, daß das Wissen um das Fotografiertwerden zu Ausdruckserstarrungen führt. Für alle fotografietten Lebenslagen bleibt sich die Gruppenaufnahme, in der Regel durch Foto-Krauskopf, gleich. Wenn nicht einmal bei den Kindern sich ein Lachen einstellt, so kann das bei so vielen vorhandenen Gruppenbildern kein Zufall sein, sondern Ausdruck einer besonderen Wesensart Radevormwalder Menschen, die gleichsam das Herbe unserer Landschaft mit ihren Anforderungen an Arbeitsmühe und kirchlicher Moral spiegeln durch wertende, prüfende Augen, Charakterköpfe, die man auch scherzhaft 'Bergische Dickköpfe' nennt, weil es Weltaufgeschlossenheit bei uns erst nach 1945 mit der modernen Verkehrserschließung gibt. Die eigenwilligen Anlagen unserer Bauernhöfe, die kleinen, jeden Außeneinblick abschirmenden Fenster an unseren Häusern nach der Losung 'Mein Heim ist meine Welt' beweisen ein damals noch nicht auf Massengesellschaft ausgerichtetes Volkstum kleiner Nachbarschaftsbereiche menschlicher Anteilnahme durch Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft oder durch Familienverbund.

Wer von uns heutigen Erwachsenen Schule in den Zeiten strenger Disziplin durch markante Lehrerpersönlichkeiten erlebte, denkt heute nicht aufsässig daran zurück, sondern eher schmunzelnd, da wir

Kinder uns durch Bubenstreiche zu revanchieren wußten. Auch die Lehrer waren nicht gerade glücklich mit uns, da wir uns gegenseitig rieben, um, rauhbeinig geworden, in ein auch bescheidenes Erwachsenendasein einzutreten, das noch heute von Jugenderinnerungen zehrt in einer sich von Tag zu Tag zivilisatorisch wandelnden Welt. Stationen des Lebens in unserer Stadt sind geblieben: Schulzeit, Konfirmation oder Kommunion und dann nach Jahrzehnten die Jubiläen solcher Stationen. Auch der Kindergottesdienst und der Kindergarten blieben erste Einweisungen in ein Leben hoher beruflicher Anforderungen und der Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft unserer Vier-Türrne-Stadt,

Wohl in keiner Stadt als der unsrigen konnte es 1896 zu einem 'Volksaufstand' aus überspitzter Moraloder aber Schadenfreude kommen, als es um die Person des Bürgermeisters ging. Zwar nahmen Radevormwalder 1848 Revolutionäre fest, da sie treu und bieder zum Königshaus hielten, doch was sich 1896 beim 'Ausrappeln' vor dem Rathaus zutrug, war weit dramatischer und vom Anlass her ein rechter Komödienstoff des kleinbürgerlich verkannten 'Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet', wie es die Kirche predigte. Auch Schüsse fielen, was nicht einmal bei der Festnahme der Revolutionäre geschah. Sonst aber waren Radevormwalder als eifrige Glaubensbekenner recht friedlich.

Neben Bildern aus dem Volksleben ist auch ein Flugzeugabsturz 1928 in diese Bildfolge einbezogen, um einen Rückblick in jene nicht immer ganz heile Welt zu tun, aus der wir bodenverhafteten Radevormwalder kommen.

1. Am 31. August 1896 karn es in unserer alten Stadt zum bisher einzigen 'Volksaufstand', der zu Sachbeschädigungen am Rathaus führte, Ursache dieses 'Volkszorns' waren weder religiöse noch politische Anliegen. Die zeitgeschichtliche 'Unsitte ' des sogenannten 'Ausrappelns' von Mitbürgern die man sittlicher Delikte beschuldigte, führte dazu, daß auf die Anschuldigungen der Hausangestellten Elise Haberer aus Karnen hin gegenüber Bürgerrneister Hüsgen, ihrem Brotgeber, unsittlich beleidigt worden zu sein, sich eine große Menschenmenge vor dem Rathaus einfand, dort lärmte und mit Steinen, von der Baustelle der Firma H.W. Rocholl, Scheiben einwarf. Zur Niederschlagung des Aufstandes wurden 18 auswärtige Gendarmen zur Ortspolizei benötigt. Der Bürgermeister wurde mit drei Monaten Haftstrafe bedacht, die Aufrührer wurden in Elberfeld freigesprochen.

2. Eine 1900 abgestempelte kolorierte Postkarte 'Dahlhausen a.d.W. Restauratien zum Bergischen Hof von Friedr. Kohl.' die bei Paul Kickert, Lagerfeld, verlegt wurde, ist so historisch schon, daß sich nun 1978 selbst alte Dahlhauser nicht mehr an die Gaststätte Kohl erinnern. Nach der Zeichnung befand sich die Restauratien rechts vom heutigen Haus Schneiderhöhn an der Hardtstraße dort, wo die alte Wupperbrücke auf die Hardtstraße mündete, die 1945 am letzten Kriegstage sinnlos gesprengt wurde. An dieser Stelle wurde keine neue Brücke errichtet, sondern weiter rechts. Die Postkartenzeichnung ist gegenüber dem damaligen wirklichen Zustand sehr überhöht, zumal auch oberhalb der Hardtstraße am Berghang die Eisenbahnanlagen zu großzügig erscheinen.

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3. Die vor dem Ersten Weltkrieg üblichen gezeichneten Postkarten von besonderen Gewerbeobjekten darf man nie mit Fotografien vergleichen, da es dem zur Bildwiedergabe beauftragten Verleger nicht auf exakte Genauigkeit, sondern auf Bildwirkung ankam. Daher vermögen heute 1978 alte Krebsöger auf der Postkarte 'Gruss aus Krebsöge', aus dem Verlag Lith. Anstalt H. Witte, Köln, das rechtsseitige Wohnhaus gegenüber der 1853 gegründeten Kronen-Brauerei von J.F. Lausberg, kaum wiederzuerkennen. Die 1900 verschickte Karte macht deutlich, daß das Hochhaus noch nicht gebaut war. Der Eisenbahnknotenpunkt hatte, seit 1890, Anschluss Radevormwald-Rittershausen dazu bekommen, regen Eisenbahnverkehr. In dem heute noch vorhandenen Bau des damaligen Brauerei-Ausschankes, war R. Fischer Ww. Pächter.

4. Im ersten Pflichteintragungsjahr in das Handelsregister 1864, finden sich beide innerstädtischen Radevormwalder Schlossfabriken, die nun 1978 nicht mehr existieren, verzeichnet. Mit dem Beginn der Fabrikation von Schlössern aller Art, endete die Herstellung von Hand in den vielen örtlichen Schmieden auf den Bauernhöfen. Ein wohl erstes Foto der Schlossfabrik Ludwig Rocholl & Comp., so wie es die nun noch lebende Generation nicht gekannt hat, läßt erkennen, daß damals weder das Bürogebäude zwischen Stall und Fabrik eingegliedert war, noch die weiteren Fabrikanbauten zum Bahnhofsvorplatz hin schon bestanden. Firmengründer waren Ludwig Rocholl und Friedrich Bernhard Rochol!. Im linksseitigen Haus an der Grabenstraße, das ebenso verschwand wie der Fabrikbereich als neues Sanierungsgebiet, wohnte Friedrich Bernhard Rocholl.

5. Es gibt von der im Radevormwalder Wandergebiet liegenden Ennepetalsperre mit ihrern Fassungsvermögen von 12.6 Millionen cbm ab 1912, viele Bilddokumente. Einmalig dagegen dürfte eine Postkarte sein, die um 1904 vom damaligen Radevormwalder Fotografen Albert Dürr vertrieben wurde. In zwei Fotos ist auf dieser Postkarte dokumentiert, wie nach 1900 die Erdbewegungen erfolgten, das Tal der Ennepe in eine Talsperre zu verwandeln. Textlich hieß es nach dem Stand jener Zeit: 'Nach Fertigstellung die grösste Sperre Deutschlands. Wasserinhalt ca. 10 Millionen cbm.' Sieht man daneben noch ein Foto 'Restaurant der Sperre Emil Marafante', so wird mancher fragen, wo es blieb. Mit einer Schmalspurbahn wurde Baumaterial vom Bahnhof Radevormwald zur Baustelle transportiert.

6. Mit der Jahrhundertwende begarm das Zeitalter der natürlichen Wasserspeicher der Bachstauungen zu Talsperren. Die erste Talsperre Deutschlands wurde 1889 bis 1891 in Remscheid mit einem Fassungsvermögen von 1.1 Millionen cbm. gebaut. Um die gleiche Zeit entstand die Panzersperre bei Lennep mit 300 000 cbm Fassungsverrnögen. Und noch die Herbringhauser Talsperre für Barmen ist zu nennen, die bis 1900 Iertig wurde. Sie staut 2.9 Millionen cbm. Als man dann nach 1900 den Bau der Ennepetalsperre, auch nach den Plänen von Professor Intze, Aachen begann, zunächst 10 Millionen cbm Wasser dann 12.6 Millionen cbm, an der Gemeindegrenze Radevormwald·Breckerfeld zu stauen, da war das damals schon ein großes Werk. Ein Foto von der Auftürmung der 51 Meter hohen zur Wasserseite hin gewölbten Sperrmauer, ist recht eindrucksvoll.

7. Eine bei Gebrüder Schlegtendahl, Barmen, erschienene kolorierte Postkarte 'Gruss von Bergisoher Höh' läßt aus dem damaligen Stadtbild erkennen, daß die katholische Kirche mit stumpfwinkligen Turmdach noch nicht gotisch restauriert war. Erst 1903 war es soweit. Noch steht das Bahnhofsgebäude, wie es durch die Bahnlinie Radevorrnwald-Rittershausen 1890 bedingt war, doch seine Tage dürften nach Einstellung des Bahnbetriebes gezählt sein. Die Gasanstalt wie sie der Postkartenzeichner sah, ist noch, wenn auch verändert, erhalten geblieben. Dagegen gibt es kein 'Kaiser Wilhelm Stift' als örtliches Krankenhans mehr. An der Stelle dieses räumlich überholten Baues befindet sich nun ein modemes Altenheim. Die Lindenbaumschule besteht noch verändert und die Post bekam einen Neubau, aber der Altbau steht noch.

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8. Eine 1910 abgestempelte kolorierte Postkarte 'Radevormwald', die 1907 im Verlag Reinicke & Rubin, Magdeburg, erschien, bietet einen Bliek auf die lutherische Kirche von der Ecke Kaiser-Burgstraße aus. Damals war Gustav Wild Besitzer des beschieferten Eckhauses, das heute 1978 Gaststätte türkischer Gastarbeiter ist. Der dann zur Kirche hin folgende alte Bau der sogenannten 'Burg', ist längst zum Saal umgestaltet und wird heute als Warenhaus genutzt. Die 1907 noch jungen Bäume auf dem Kirchplatz sind längst entfernt. Die beiden an der Kaiserstraße sich an das Haus Wild anschließenden Fachwerkhäuser Sondermann und Sieper sind ursprünglich nur ein Haus gewesen, das einem Schneider Werner gehörte. Noch war die Zeit der Schnapsbrennerei Lausberg, deren Schornstein die Häuser überragte als Zeichen gewerblichen Lebens im Stadtkern.

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