Radevormwald in alten Ansichten Band 4

Radevormwald in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1334-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Radevormwald in alten Ansichten Band 4'

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EINLEITUNG

Wenn zu Band 3 'Radevorrnwald in alten Ansichten' die Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 'Rornerike Berge' in Heft 1, April 1979, schreibt: Wieder sind Fotos und alte Ansichtspostkarten von Bûrgem Radevormwalds zur Verfügung gestellt worden, so dass man mit Recht von einer Gemeinschaftsarbeit sprechen kann. Bernhard Sieper versteht es, die bergische Originalität der Radevormwalder aus der Lage ihrer Siedlung zu begrunden. Seine Texte, die den Abbildungen beigegeben sind, erklären nicht nur das dargestellte Sujet. Immer wird das Momentane in ein großeres Ganzes eingebettet, so daß das Buch zugleicli eine Lektion Heimatgeschichte darstellt, so gilt diese Buchwertung auch für den jetzt vorliegenden Band 4.

Galten die beiden ersten Bände 1 und 2 unserer alten Radevormwalder Stadtlandschaft, so sind die beiden folgenden Bände auf den Aspekt 'Mensch und Landschaft' abgestellt. Dazu bedarf es einer Begründung für die Leser, die nur alte Stadtansichten erwarten. Als Bildkornmentator ist es mir als Autor nur möglich, das Bildmaterial zusammenzustellen, das mir von vielen Mitbürgern eingereicht wird. Da der Vorrat an landschaftlichen Motiven erschöpft scheint, kann ich nur auswerten, was da an liebenswerten alten persönlichen Erinnerungen auftaucht. Und warum sollte man das abweisen, da Heimatgeschichte sich nicht nur aus bedeutenden Vorgängen ergibt, sondern auch aus der Gesamtsumme ven Farnilien-, Schul- und Vereinsgeschichte, wie aus Industrieentwicklung als zeitgeschichtliches Auf und Ab. Was wir heute als gesellschafttiches Leben betrachten, ist ja auch eine Fülle von Vorgangen, die dem Gesamtleben unserer Stadtgemeinde entsprechen.

Die Frage, die hier berechtigt erscheint, ist dahingehend zu beantworten, daß in unserer Stadt aus dem Grunde eine große Nachtrage nach Heimatbildern besteht, weil soviel alte

Erinnerungsstätten verlorengingen. Rothenburg, beispielsweise, das sich so lange schon als denkmalsgeschützte Stadt erhielt, bedarf keiner Bildbände, um Erinnerungen zu wecken. Jahrhunderte baulicher Entwicklung blieben gegenwärtig, Bei uns dagegen schrumpft das von der Kindheit her vertraute Heimatbild täglich mehr zusammen, da nicht einmal der nach dem Stadtbrand von 1802 wiedererbaute alte Festungsstadtkern unangetastet bleibt und auch hier die bauliche Wirtschaftlichkeit Vorrang gegenüber Denkmalschutz hat. Was für die Stadt gilt, gilt auch für die Außenbereiche. Doch jede Veränderung geht vom Haus aus und berührt zugleich dessen Bewohner. Von daher ist auch viel Persönliches in die Heimatgeschichte einzubeziehen. Und wenn in diesem Bande viele bekannte alte Radevormwalder zu sehen sind in der Kleidung ihrer Zeitepoche, so sind solche Bilder modische Aufschlüsse landschaftlicher Art. Selbst die Gesichter alter Radevorrnwalder sagen viel aus über das gewiss nicht leichte Leben vor Jahrzehnten, als es weder Heizung noch FahrmögIichkeiten gab. Als die Hausfrauen lange an der Waschmaschine standen, aus eigenen Gärten die Kartoffeln zu ernten waren und das eigene Schwein geschlachtet und ausgewertet wurde, um sparsam zu wirtschaften. Kleintierhaltung fand man vielfach nicht nur auf dem Lande. Feste waren selten und bei sogenannten Gebehochzeiten wurde viel an Geschenken erwartet, den Hausstand zu gründen. Für die Jugend gab es noch keine Spielplätze und außer Kindergarten und Schule keine Betreuung.

Welche Wandlungen schulischer Art haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten vollzogen. Nicht eine Landschule blieb erhalten. Und die einstmals so bedeutsame Fahrradproduktion der Bisrnarckwerke ist lang dahin. Mag es keine fußballspielende Jugendkraft mehr geben, so aber, was Treue und Beharrlichkeit bergischer Menschen bedeutet, besteht noch

immer der Kirchenchor Cäcilia, besteht noch immer seit 1859 der Radevormwalder Turnverein. Was ist nicht alles in mehr als hundert Jahren über unsere alte Stadt dahingegangen, ohne das überlieferte gesellschaftliche Vereinsformen daran scheiterten. Das gilt auch für die Herbecker Turner. Männer und Familien standen und stehen hinter Idealen, die sich gegen jeden sogenannten ' Zeitgeist' behaupten.

Und so ist jedes Heimatbuch ein Gegenstück vom äußeren Wandel, der nicht innere menschliche Festigkeit aufzuheben vermochte, Volkstum zu bewahren als bleibende landschaftliche Gegebenheit. Ja auch die Nachfrage nach unseren Radevormwalder Bildbänden spricht gegen die rein wirtschaftliche Stadtumwandlung, die alte Heimatbilder nicht zu verdrängen vermag. Was Vorväter und Väter als schön empfanden, das altbergische beschieferte oder weißgekalkte Fachwerkhaus, es wird auch von der Jugend als liebenswerte Heimat der Familie gesehen, die es früher bewohnte, was durch Bildbandeinkäufe bewiesen ist.

In diesem Bande ist wohl das wichtigste industrielle Bilddokument für landschaftlich gegebene Verbundenheit des bergischen Menschen mit seinem Arbeitsplatz, die Ansicht der heute noch bestehenden Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn in Dahlerau. Selbst die Häuser der Arbeitnehmer, wie sie das Werk vor Jahrzehnten erstellte, sind noch vorhanden. Hier hat der Heimatfluß, die Wupper, Entstehung und Dauer eines wichtigen Vorortes bestimmt.

Aus Lebensbereichen, die zu ihrer Zeit nicht lokal begrenzt waren, sind anzuftihren Kegelclubfreuden, wie es sie immer gegeben hat. Dann Hamsterausflüge in den Notzeiten. Und vor allen Dingen eine Gruppe örtlicher Arbeitsloser, die mit scheinbarer Ironie die Arbeit hochleben lassen. Auch ein Luftballonaufstieg gehört dazu. Oder ein Pferdefleischessen, was heute bei uns in keiner Weise mehr gefragt ist, aber eine

Delikatesse war, als 1918 heimkehrende Soldaten der Nahrungsnot mit Pferdefleisch steuerten.

Erstmals konnte ich auch die Ansicht eines bäuerlichen Kulturdenkmals, den Haferkasten von Filde in dieses Buch einbeziehen. Mag es Haferkästen auch in Westfalen geben, so blieb doch unser Radevormwalder Heimatraum reich an gebliebenen Haferkästen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Der Grund dafür, daß in jedem Bande Erinnerungen an das einst so vielbesuchte Ü1febad geweckt werden, liegt darin, daß die Wasserfläche als Badeort zwar verlorenging, aber als Erholungsort für uns Radevormwalder den alten Talzauber nich t verlor.

Was der anstehende Bau der Wuppertalsperre der Ortschaft Krebsöge an Bebauung nahm, ist besonders behandelt. So wird doch mancher Mitbürger etwas finden, was ihn an alten Wohnraum, an Jugendfreunde, an bergisches Leben vor langer Zeit erinnert. Mehr soll mit diesem vierten Bildbande nicht bewirkt werden. Wohl kaum eine andere Stadt bleibt im Bilde so dem verbunden, was einmal war und nicht mehr sein wird.

Folgende Mitbürger trugen durch Bildausleihe dazu bei, daß dieser vierte Band 'Radevormwald in alten Ansichten' erscheinen kann: Philipp Kreckel, Margarete Garschagen, Lina Sieper, Norbert Wolff', Hans Kröncke, Hans Joachim von der Mühlen, Artur Eisenbach, Karl Sondermann, WiJli Hussels, Paul Baroth, Heinz Genster, Frau Enneper, Frau Bourgeuignon, Frau Herminghaus und ihre Schwester, Paula Hombrecher, Else Joergens, Fräulein Steiner und Familie Geisier. Ihnen sei an dieser Stelle dafür gedankt.

1. Die Ursprünge unserer Radevormwalder Industrie waren im 18. Jahrhundert topografisch bedingt durch den Heimatfluß, die Wupper. Dort, wo in Dahlerau ab 1788 acht Buschhämmer zum Sensenschmieden durch Wasserkraft betrieben wurden, erwarb 1816 der Lenneper Tuchfabrikant Johann Wülfing zunächst ein Drittel, um gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Joharm Arnold Hardt die von Eupen zurück ins Bergische verlagerte Tuchfabrikation fortzusetzen als Firma Johann Wülfing & Sohn. Das letzte Drittel der Wasserkraftanlagen wurde 1833 Eigentum der bis heute 1979 bestehenden und produzierenden Firma. Durch direkten Export mit Amerika verstanden es die Unternehmer von der Wupper weitere Absatzmärkte zu gewinnen. Nach dem Fabrikbrand von 1836 besaß die Firma 1860 93 Webstühle. Die Werkräurne wurden erweitert und Arbeiterwohnungen geschaffen. Sächsische Wolle ersetzte spanische. An dem über einhundert Jahre alten Bild hat sich nicht viel verändert.

2. Von kulturgeschichtlicher Bedeutung ist ein Bildnis der um die Jahrhundertwende 75jährig gewordenen Johanna Mathilde Langensiepen, geborene Garschagen, Ehefrau des damaligen Lehrers Joharm Friedrich Langensiepen, der an der Schule hinter der reformierten Kirche unterrichtete. Damals trugen die Frauen noch Wollkopfrnützen, die in unserer Stadt hergestellt wurden. Auch die großen Kragen und die aufgesetzten Streifen am langen Kleid waren wohl Mode. Die Dienstwohnung befand sich dort, wo heute Haus Geister steht. Da die Lehrersfrau nichts davon wissen wollte, daß ihr Mann Bier trank, schickte der Schuljungen zu Freymanns Drickes. Doch die wären keine echten Rader Jungen gewesen, wenn sie nicht das Bier, das sie aus den Krügen vorab tranken, durch Pumpenwasser ersetzt hätten, so den Alkoholgehalt mindernd.

3. Manche Radevormwalder Familie besitzt ein Farnilienwappen, wobei man auf alte gleichgebliebene Familiennamen verweisen kann. Nur bei Familie Garschagen ist es anders. Wenn wir hier deren Familienwappen zeigen (ritterlichen Turnierhelm und Wappen mit Gerspitze) so geht daraus hervor, daß die Familie ursprünglich, also als das Wappen entworfen wurde, Gerhagen hieß, worauf sich die Gerspitze bezieht. Aus der örtlichen Geschichte der Familie Garschagen ist bemetkenswert, daß der Erbauer des 1945 abgebrannten Hauses Fleck 1803 Johann Garschagen aus einer Nebenlinie war, der 1803 und auch 1804 Bürgermeister und 1804 Richter wurde. Er betrieb in seinem Hause an der abfallenden Kaiserstraße eine Strumpfweberei mit Ladenlokal.

4. Wer kennt es von uns Radevormwaldern nicht, das an der Gartenstraße stehende Rokokogartenhaus von 1772? Aber, so ist zu fragen, wer war je im Inneren dieses unter Denkmalschutz stehendcn ältesten Bauwerkes der Innenstadt, da es auf einem privaten Grundstück steht? Da das Gartenhaus aus dem Besitz der Familie Garschagen stammt, ist zu sagen, daß beim letzten Stadtbrand von 1802 Familie Garschagen in zwei solcher Gartenhäuser vor dem Stadtgraben Notunterkunft fand. Doch blieb nur ein einziges Gartenhaus erhalten. Aus Garschagens Fotoalbum stamrrrt obige Aufnahme aus dem Gartenhaus. Auf ihr sind zu sehen: Julie und Marie Garschagen, Helene Böhmer, Gertrud Hürxtal, Käthe Hageböcker und Frau Braunschweig. In dem achteckigen Kulturbau befinden sich die allegorischen Bilddarstellungen der vier Jahreszeiten.

5. Als um 1910 die Eisenwarenhandlung Garschagen & Comp. fotografiert wurde, befand sich, wie aus einem angebrachten Schildhinweis zu ersehen ist, bereits die Radevormwalder Volksbank, Garschagen & Comp., als erste örtliche Bank im Hause. Hinterm Laden war nur ein kleiner Büroraum, der ausreichte für damalige Verhältnisse, Geldgeschäfte abzuwickeln. Zuvor hatte sich dort die Stadtkasse befunden. Obgleich Johannes Garschagen als Rendant von der Stadtkasse Gehalt bezog, stellte er weder Raumrniete noch Licht und sonstige Raumkosten der Stadt in Rechnung. So bürgerlich ideal gesonnen, waren biedere Radevormwalder Kaufleute. Die sich vorm Eingang zum Hause Garschagen postierten Hausbewohner waren: Julius Garschagen, Elisabeth Garschagen und Lehrling Karl Herold, dessen Eltern in Barmen eine Gaststätte besassen. Die Schaufensterauslage zeigt, daß vor allen Dingen Kohleherde, Petroleumlampen und Kessel gefragt waren.

6. Aus der langen Reihe der vielen Radevormwalder Lehrer, die an unseren Schulen unterrichteten, dürften sich wohl nur ganz alte Mitbürger an den Lehrer Karl Köller erinnern. Der kam 1910 an die Lindenbaumschule. Auch in Filderheide unterrichtete er. Lehrer Köller, verlobt mit Margarete Garschagen, erhoffte sich (wie so mancher andere Bürger auch) ein langes Leben, Doch sein Wunsch, 1914 Offizier zu werden, brachte ihm den baldigen tragischen Kriegstod. Statt wie er es wünschte (als Ausbilder in Münster) in der Heimat einen Offizierslehrgang absolvieren zu können, schickte man ihn an die Front, weil man sich auch dort als Offizier bewähren könne,

7. Geht wohl kaum jemand in unseren Tagen, wenn er Appetit auf Milch hat, zum Bauern, so war das bis in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg anders. Vor allen Dingen vor 1914. Als man noch kaum Molkereien und Milchangebote in Kolonialwarengeschäften kannte, war es in Rader Bürgerfamilien beliebt, früh am Morgen zu einem Bauernhof zu wandern, dort Milch direkt von der Kuh als natürliches heimisehes Nahrungsmittel zu geniessen. Von solch einer 'Milchkur' berichtet ein Foto, daß auf dem Hof Flüs in Geilensiepen geknipst wurde, wie man sagte. Von links nach rechts sieht man: Hedwig Köller, Margarete Garschagen, Martha Köller und Lisbeth Garschagen. Ein Handwagen war geeignetes Requisit für die Erinnerung an Milchkannen und Milchproben.

8. Noch heute, 1979, steht Haus Garschagen im Engpass der Kaiserstraße. Was sich gegenüber dem Foto des Hauses aus dem Jahre 1906 verändert hat, ist vor allen Dingen das Ladenlokal. Heute gibt es Textilwaren dort zu kaufen, wo bereits vor 1864 (dem Pflichteintragungsjahr ins Handelsregister) die Eisenwarenhandlung Garschagen & Cornp., Inhaber Johann Richard Garschagen, sich befand. Der Dachausstieg des zweistöckigen Fachwerkhauses blieb als bauliches Charakteristikum der Stadtaufbauepoche ab 1804 (nach dem Stadtbrand) erhalten, wie auch der bergische Farbdreiklang: Schiefer, weiße Fenster, grüne Fensterläden. Auf die 1906 noch stille Kaiserstraße schauten: Frau Lina Sieper, die Eltern Garschagen und ihre Kinder Walter, Lisbeth, Margarete und Hans.

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