Radevormwald in alten Ansichten Band 4

Radevormwald in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1334-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Radevormwald in alten Ansichten Band 4'

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19. Es mag um 1925 herum gewesen sein, als bei Hölterhof der Ballon 'Münsterland' zu einer Fahrt gestartet wurde. Viele Radevormwalder fanden sich auf dem damals noch unbebauten Wiesengelände ein, denn mögen oft Ballons über das Gemeindegebiet geschwebt sein, so konnte man doch selten erleben, wie ein Ballon mit Gas gefüllt wird. Dazu bot sich eine Leitung des Gaswerkes an, die gerade gelegt wurde. Die zeitgemässe Kleidung der Zuschauer verrät: Sommerzeit! Siehe die Strohhüte der Männer. Gute Aufwinde auf unserer Stadthöhe zwischen 360 und 421 Meter haben dazu geführt, daß wir lange schon einen Segelflugplatz besitzen.

20. In der örtlichen Geschichte der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaft IG Metall hat es nach dem Ersten Weltkrieg keinen bedeutsameren Treffpunkt gegeben als die Ecke Elberfelder-Leimholer Straße in Bergerhof. Die dort befindliche Konsum-Einigkeit-Filiale als Einkaufsstätte der Werktätigen galt als Sammelpunkt für Demonstrationen und Maikundgebungen. Selbst die Arbeitslosen der Notjahre zwischen 1923 und 1930 kamen gern zur Konsum-Ecke. Ein Foto aus jenen Tagen mit der Schieferwandaufschrift: 'Hoch die Arbeit' läßt erkennen, daß nahe bei den Bismarckwerken (als örtlicher Fahrradproduktionsstätte) Ironie und Humor halfen, die schweren Zeiten besser zu bestehen. Artur Gilson, Pa ui Stahl, Hubert Gilson, Willi Hussels, Fritz Empersmann und Willi Kurzrock genossen in Bergerhof wärmende Sonne.

21. Eine Erinnerung an schwere Zeiten ist das Foto von einer privaten Hamstertour nach dem Ersten Weltkrieg. Die Ehepaare Hugo Baroth und Peter Christ mit ihren Frauen wählten, wie man sieht, den gefahrloseren Fußweg statt der Eisenbahnfahrt, zu Bauern zu kommen, bei denen sich Lebensmittel erwerben ließen. Trübe Erfahrungen, vor allen Dingen in den Kriegsjahren, hatten gezeigt, daß die örtlichen Gendarmen am Bahnhof bereitstanden, den vom Hamstern heimkehrenden Mitbürgern alles abzunehrnen, was nur auf Lebensmittelkarte in unzureichenden Mengen zu haben war. Radevormwalder, mit der Landschaft vertraut, wußten schon Schleichwege genug um Eier, Butter, Speek oder Mehl heimzubringen. Selbst Steckrüben wurden nicht ausgeschlagen, denn Hunger tat weh, Rucksack oder Handkoffer waren Transportmittel.

22. Kegelclubs sind noch heute, 1979, Keimzellen bergischer Fröhlichkeit. Schon die Originalität ihrer Clubnamen wie 'Lot en stohen' macht deutlich, wie heimatlich originell es zugeht. Das war vor Jahrzehnten nichts anderes, als noch nicht wie heute die Polizei hinter Promillesündern her war. Damals, wie es das alte Foto beweist, konnte man zur Kegeltour noch mit dem eigenen Auto von Kegelbahn zu Kegelbahn fahren. Heinz Lorenz als Kegelbruder steuerte. Der lange Hugo Baroth kletterte auf der Motorhaube herum und Baumeister Ernst Schwanz schob den wohl muckenden Wagen von vorne an. Schneidermeister Greve und Schuhmachermeister Paul Lüttgenau gehörten auch zur fröhlichen Keglerrunde vor altbergischer Fachwerkhauskulisse.

23. Gab es in Radevormwald die Schnapsbrennereien Budde und Hürxtal, in Herkingrade die von Proll, so hatte Krebsöge ab 1853 die Kronen-Brauerei am Hang des Schwarzen Berges vor der Wupperbrücke. Doch auch in der Stadt brauten Nürnberg und Vester, Fasbender und Hasenburg, Büchsenschütz und Feckinghaus Bier, weil das gute Radevormwalder Wasser ein bekömmliches Bier ergab. Wie in der Stadt die Eiskeller, so hatte die Lausbergsche Kronen-Brauerei in den Schwarzen Berg hinein einen langen Erdgang zum Bierkühlen. Als in Krebsöge die Herstellung von Krebsöger Pilsener, Lagerbier und Flaschenbier nach dem Ersten Weltkrieg endete, wurde das alte Brauhaus Wohnhaus. Ein Foto aus den Anfangszeiten des bewohnten ehemaligen Brauhauses erinnert an Rader Bier.

24. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden sich die heimgekehrten Sänger wieder zu traditionellen Chören zusammen. Nicht nur in der Stadt sondern auch auf dem Lande wie in Hahnenberg, auf Önkfeld, in Heide und auch auf Honsberg, wo der MGV 'Sängerkranz' das kulturelle Ortsleben auch heute (1979) noch bestimmt, Auf einem Chorausflug in den Jahren der Inflationszeit entstand ein Fotoschnappschuß, der festhält, daß bei den Männern neben schicken Hüten auch Strohhüte getragen wurden. Die Frauen trugen Blusen und lange Röcke. Ihre Hüte waren schon nicht mehr mit Straußenfedern oder anderem Putz verziert, denn man lebte in Tagen ständiger Geldentwertung. Aus der Familie Spiekenheuer (deren Gaststätte Vereinslokal war) sieht man mehrere Personen, vorne rechts Irene Spiekenheuer, Frau Otto Hager, Johanna Benscheid geborene Eisenbach und Frau Christ; Otto Hager, Peter Christ, Josef Funke und Emil Weber sind zu erkennen.

25. Der Grund dafür, daß in unserer altgermanischen Dorfsiedlung Honsberg (abgeleitet von Honne germanischer Führer) das 100jährige Bestehen einer Volksschule am Ort am 18. Oktober 1913 gefeiert wurde, dürfte darin liegen, daß man sich des Schulbeginnes 1808 durch napoleonisohen Zwang nicht erinnern wollte und preußische Tradition wünschte. Beirn 100jährigen Schuljubiläum setzte man das Jahr 1812 als Beginn schulisohen Lebens an. Mag man auf Honsberg ab 1833 ein neues zweigeschossiges Schulhaus bekommen haben, so steht heute noch jener kleine einstöckige Schulbau, worin erstmals Honsberger Kinder unterrichtet wurden. Zur 100Jahrfeier 1913 war auch der MGV 'Sängerkranz' Honsberg rnit Fahnen zur Stelle. Nach den Schulen von Remlingrade 1651, Wönkhausen und Klankenburg 1697 war Honsberg 1808 dritte ländliche Volksschule,

26. Wenn in diesem Band 4 zwei Fotos mit dem Text '100 Jahrfeier der Schule Honsberg' erscheinen, so ist das eine schulische Kuriosität in unserer festfreudigen Stadtgemeinde. Beging Hansberg 1913 die erste 100Jahrfeier der Ortsschule, so wurden Schuljahre in der ersten Honsberger Schule ab 1808 mitgezählt, allerdings erst ab 1813. Da jedoch ab 1833 eine mehrklassige Schule bestand, nahmen 1933 die beiden Lehrer Luckhaus und Liebchen das 100jährige Bestehen dieses für Honsberg großen Schulbaues zum Anlaß, noch eine 100Jahrfeier zu veranstalten, denn die Schüler, die noch lebten, als man 1913 zum ersten Mal feierte, waren inzwischen zwanzig Jahre älter geworden. Man sagt nicht umsonst: 'Doppelt gem op pelt hält langer'.

27. Seit Jahren existiert der Eisenbahnknotenpunkt Krebsöge nicht mehr. Ein Fotoschnappschuß von einem Ausflug der Schule Honsberg erinnert an die beiden Krebsöger Bahnsteige, als noch Züge mit Dampfloks verkehrten. Als 1890 die Eisenbahnlinie Radevorrnwald-Rittershausen eröffnet wurde, erhielt Krebsöge als vierte Station Richtung Wuppertal Verkehrsbedeutung, da schon Eisenbahnverbindung von Krebsöge nach Lennep bestand. Wer von Radevormwald kam und nach Lennep wollte, rnußte hier ebenso umsteigen wie Fahrgäste, die von den Wupperorten kamen und Lennep als Ziel hatten. Viele Radevormwalder haben in den Jahrzehnten des Bestehens der Eisenbahn die romantische Bahnfahrt über Krebsöge erlebt. Als aber ab 1925 eine Autobuslinie nach Lennep eingerichtet wurde, die zeitsparend war, wurde der Eisenbahnverkehr immer unrentabler.

28. Die Tage der Krebsöger Schlacht zwischen Schwarzem Berg und Weg nach Friedrichstal, das schon nicht mehr existiert, sind durch den Bau der Wuppertalsperre gezählt, Fragt man nach dem Alter der in Krebsöge gestauten überschäumenden Wupperanlage, die von hier aus noch Wasser durch den Karschgraben nach Wilhelmstal abgibt, so stößt man auf die Wasserkraftanlage für eine Walkmühle, die 1734 fertig war. Die Tuchfabrikanten Peter Moll jr. und Peter Hardt sowie Engelbert Strohn waren ihre Erbauer. Der noch heute im Volksmund bestehende Name Karschgraben, kommt von Albert Karsch, der von seinern Onkel Thüring aus Lennep die Streichgarnspinnerei Krebsöge erbte, die dessen Erben 1870 und 1879 verkauften. Aus dem mundartlichen Kriftholl als Krebsloch wurde der Ortsname Krebsöge, also eine Aue der Krebse, die durch die Krebspest von 1885 verschwand.

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