Radevormwald in alten Ansichten Band 5

Radevormwald in alten Ansichten Band 5

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2896-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Radevormwald in alten Ansichten Band 5'

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EINLEITUNG

Als ich 1976 den ersten Band 'Radevormwald in alten Ansichten' vorlegen konnte, glaubte ich noch an eine einmalige Veröffentlichung. Angewiesen auf Postkarten und Fotos von verschiedenen Mitbürgern, die mit der gewünschten Zahl von 76 Bildern übereinstimmten, blieb mir nur der Auswahlweg, mich mit vorhandenen Bildern zu begnügen. Zur Hauptsache handelte es sich um alte Innenstadtmotive. Wie sehr diese erste Ausgabe eines Bandes mit Bildern meiner Heimatstadt einschlug, konnte nicht vorausgesehen werden. Die große Nachfrage regte die Bürgerschaft an, mir weiteres Bildmaterial zur Verfügung zu stellen. So baute sich Band 2 auf Band 1 auf, ohne vorher solche Entwicklung abschätzen zu können. Und auch nun blieb nur der Weg, vorhandene Bilder zu einem bunten Strauß heimatlicher Erinnerungen zu vereinen.

Schon bei den beiden ersten Büchern wurde ersichtlich, daß eine bessere Eingliederung von Motiven und Orten hätte erfolgen körmen, wenn die Bildauswahl groß gewesen wäre am Beginn, so Buch um Buch organisch gliedern zu können. Mir war die schier unbegrenzte Fülle heimatlicher Bilder, die ich zu kommentieren hatte nicht bekannt mit dem Erfolg, daß abgesehen von wenigen Irrtümern, Bilder und Texte ankamen. Nach dem Absatz der ersten beiden Bände, also nach den Erstauflagen, wurde klar, daß wie in kaum einer anderen deutschen Stadt die Freude an weiteren Bildbänden wuchs, Aber neuer Bildzugang erfolgte erst nach Erscheinen eines Buches, was bis jetzt, bis Band 4, verhindert hat, systematischer zu gliedern nach Zeiten, Orten und Geschehnissen.

So sind die Leser der Bildbände zu bitten, dafür Verständnis aufzubringen. Auch dafür, daß die Fülle örtlicher Ereignisse

und Veränderungen zu groß ist, alles aus Eigenkermtnis beurteilen zu können. Wenn man Jahrgang 1909 ist, bleibt man auf die Mitarbeit älterer Mitbürger angewiesen. Man soll daher nicht zu kritisch an Texte herangehen, wenn sie so weit zurückliegen und sich selbst Augenzeugen mal irren können. Viel wesentlicher sind Bildaussagen, die zu Herzen gehen. Was wäre ein Menschenleben ohne jene Gedächtnisstützen die durch ihre Bildaussagen in die Erinnerung rufen, was einmal als schön, gut und zweckvol1 empfunden wurde? Zumal in unserer so bewegten und veränderten Umwelt, selbstverständlich bleiben Wertungen subjektiv. Nur weil wir Radevormwalder in der realen Heimatwelt zuvielliebgewordene Ecken, Straßen und Plätze verloren im Drange einer sogenannten fortschrittlichen Entwicklung, sind uns Bilder mehr als zeitgemäße Auswüchse von Nostalgie. Das Auftauchen alter Bilder ist schon Gegenbeweis. Wollte man fotografierte alte Dinge als reale Altertümer suchen, es wäre wohl vergeblich. Was in den Bildbänden an Postkarten und Fotos vereint ist, entstammt altem Familienbesitz, ging also von Hand zu Hand und wurde bewahrt. Die Unterlagen sind also nicht aufgekaufte Stücke vom Trödelmarkt. Lediglich in ganz seltenen Fällen finden sich auf auswärtigen Trödelmärkten alte Rader Postkarten.

Mein Bestreben bei der Kommentierung des Bildmaterials ist das Bemühen um zeitgeschichtliche Eingliederung der Heimat ins allgemeine politische und kulturelle Geschehen. Abgesehen von einigen örtlichen Besonderheiten, waren wir nicht nur von europäischen Söldnern durchzogene Festungsstadt, sondern auch frühgeschichtliche Handels- und Gewerbestadt,

die der Hanse angehörte. Was oft nur als ländliche Idylle erscheint, war es in Wirklichkeit nicht. Geschichte ging auch mit ihren völkerbedrohenden Auswirkungen über unsere Stadt dahin. Lediglich topographisch bestimmte der Heimatfluß, die Wupper, die durch Wasserkraft bedingten Industrien. Wenn mir die Europäische Bibliothek, Zaltbommel (Niederlande), es bisher möglich gemacht hat, aus der großen Fülle örtlichen Bildmaterials, auch diesen fünften Band auf den Markt bringen zu können, dann ist das die Realisierung menschlicher Heimatverbundenheit, viele Radevormwalder teilhaben zu lassen am eigenen Album, an der eigenen alten Bildkiste. Dafür haben wir als Empfangende zu danken. Es bedeutet nicht Weltfremdheit sich an alten Ansichten zu erfreuen, sondern Geschichtsbewußtsein, Glied einer Geschlechterkette zu sein, die nicht abreißt. Es gibt ohne Wandel von Stufe zu Stufe keine Verbesserungen und sei es nur zivilisatorisch, Ortsgeschichte, wie sie war und bleiben wird, kann nicht weltanschaulich und politisch gesehen werden, so weit in diesen Bildfolgen die Zeit zwischen 1840 und 1930 eingegrenzt wird. Daher ist das Vereinsleben und auch das Privatleben unserer Bürger so einzubeziehen, wie es sich vielförmig gliederte. Neu habe ich auch geschichtliche Orte einbezogen, die unsere gewiß nicht spektakuläre Geschichte hatte, aber zur Aussage über unser bergisches Volkstum gehören wie Haverbuche oder Winkienburg. Wie weit schon zurück scheint der Bahnbau von 1910 nach Halver zu liegen, da unsere Stadt bereits 1980 keinen Eisenbahnverkehr mehr hat. Ob früher Fußball in unserer Stadt, Turner Marathonlauf 1928, oder gar Autobusausflug des Jünglingsvereins 1910, oft genügen nur

wenige Jahre bedeutsame Veränderungen zu erwirken, die uns tief berühren. Oder wer von uns heute noch lebenden Radevormwaldern hat das Ülfetal vor dem Bau des Ülfebades gekannt? Brotwagen von Pferden gezogen, Nähstuben der Mädchen, das Handwerk des Hufschmiedes? Erstmals bekam ich auch ein Bildnis von der Spannagel'schen Ziegelei, von der längst verschwundenen Nopperei, von dem Krankenhaus gewordenen Versorgungshaus. Aber fotografische Besonderheit ist hier eine Ansicht vom Haus Sieper in Kräwinklerbrücke um 1870. Möchte aus diesen kurzen Andeutungen der Wunsch aufkommen, die neue Bildfolge Band 5 als heimatgeschichtlichen Beitrag einzugliedern in die Reihe der bisher erschienenen Bände, deren Bilder uns das Leben unserer Vorfahren nahebringen mit ihren Mühen und Plagen, aber auch mit ihrer Lebensfreude und Beharrungskraft heimatlicher Verwurzelung.

Für die Postkarten und Fotos zu diesem Band 5 'Radevormwald in alten Ansichten' habe ich folgenden Mitbürgern zu danken, die mir die Bildunterlagen ausliehen: Erich Meskendahl, Frida Gessner, Kurt Scharwächter, Rudi Wohlfahrt, Heinz-Herrnann Becker, Erich Hasenburg, Familie Weyer, Auguste Kreckel, Frau Eisenbach, Wolfgang Küster, Friedhelm Brack, Brunhilde Birkner, und Hans Bornewasser.

Radevormwald, Mai 1980

Bernhard Sieper

1. Da viele alte Mitbürger bereits verstorben sind, ist nicht zu ermitteln, wann die Aufnahme von einer Theateraufführung des Radevormwalder Turnvereins entstand. Gespielt wurde 'Die Schillschen Offiziere'. Zu erfahren war nur, daß in der dem Turnverein gehörenden Turnhalle eine Bühne errichtet war, um bei einer herbstlichen Kulturveranstaltung der Bürgerschaft vaterländische Geschichte zu verrnitteln, Bekanntlich wurden nach der Erhebung des Majors Ferdinand von Schill 1809 elf seiner Offiziere in Wesel von französischen Soldaten Napoleons erschossen. Da die RTV Turnhalle am 27. und 28. August 1898 eingeweiht wurde und nur bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges dem turnerischen Leben diente, ist die Zeit der Aufführung eingegrenzt. Nach dem Kriege ging die Turnhalle an der Bredderstraße in städtischen Besitz über. Zu erkennen ist lediglich Turner Walter Jansen.

2. In der Ülfestraße befindet sich noch nach Jahrzehnten die Spirituosenbrennerei Julius Hasenburg. Vom jetzigen Inhaber Erich Hasenburg wurde uns eine militärische Gruppenaufnahme aus Wesel von 1896 entliehen. Auf ihr ist als zweiter von rechts oben JuIius Hasenburg, der Vater von Erich Hasenburg, zu sehen, der viele Jahre vor seinem Ableben das Geschäft führte, Dessen Vater als Firmengründer hieß auch Julius. Heimatgeschichtlich ist bezeichnend, daß dieser, als er das Haus an der Ü1festraße ersteigerte und ein Notar fragte, ob er auch 22000 Taler zahlen könne, einen Beutel mit Geld zückte mit den Worten: 'Eek häw en Bühl voll Daler metgebracht, genügt dat nich? ' Es genügte. Er begann in unserer Stadt mit vier Gewerben: Brauerei, Bäckerei, Wirtschaft und Landwirtschaft. üb noch andere Radevormwalder mit Julius Hasenburg dienten, konnte noch nicht geklärt werden.

3. Von den vier Kirchtürmen unserer Stadt sind die drei der evangelischen Bekenntnisse zwiebelförrnig, also mit barocken Ausbuchtungen. Daß das nicht immer so war, ergibt sich aus einer Aufnahme von der altlutherischen Kirche nach dem Bau 1852. Damals im Mai 1852 hatte der lutherische Pastor Haver durch Separation seine Gemeinde mit 1 300 Seelen von 4400 verlassen, um sich dem Breslauer Ober-Konsistorium anzuschließen. Pastor Havers Leben endete bereits im Januar 1853 durch Mörderhand. Sein Nachfolger war Theodor Crome. Da die aufbauende neue Gemeinde noch keine Reichtümer besaß, begnügte man sich mit dem Eckturm-Dachreiter, der später durch den heutigen Kirenturm ersetzt wurde. Auch gab es eine Spaltung unter den Altlutheranern, da ein Teil von ihnen sich der Immanuelsynode verbunden fühlte, die als Michaeliskirche in unserer Stadt an der Hohenfuhr bekannt wurde und im Volksmund 'Kleinroggenkirche' hieß. Heute ist sie längst verschwunden.

4. Die überlieferte Bezeichnung 'Kuhmarkt', für jene Stelle an der Telegrafenstraße, dort wo heute die Andreasstraße abzweigt, dürfte auf Kuhhandel vor Jahrzehnten zurückzuführen sein. An dem alten Foto ist zu sehen, daß die Telegrafenstraße noch nicht ausgebaut war. Der lutherische Friedhof, auf dem heute das Wartburghaus steht, bestand schon. Bis zur Stein'schen Feilenfabrik hin gab es Gärten. Die katholische Kirche hatte noch nicht ihre heutige Turmform, also war es noch vor 1903. Das vor der lutherischen Kirche stehende Schulhaus ist noch vorhanden als Ausländergaststätte. Der Bau Drecker ist ebenso wie die Feilenfabrik nicht mehr. Das Hohenfuhrfeld war zum Teil mit Sträuchern bewachsen. Die damalige Gaststätte Feckinghaus hatte noch nicht ihre heutige Flachdachform als Warenhaus. An der linken Bildecke stand ein Atelier des Anstreichergeschäftes Krauskopf. Der Gendarmerieposten Weber war noch nicht gebaut (heute das Haus Flüs),

5. Nichts zeugt mehr von der Beharrlichkeit und Energie bergischer Unternehmer, als das 1975 gefeierte Jubiläum '100 Jahre Heinrich Betz', Mag die Firma auch ab 1906 heißen 'Heinrich Betz Söhne, Baubeschlag und Rollenfabrik', die ab 1909 ihren Betrieb an der Blumenstraße hat, so wäre ohne den Firmengründer Heinrich Betz eine mehr als hundertjährige Firmengeschichte nicht denkbar. Ein altes Familienfoto, wahrscheinlich mit einem Auto der Marke Opel, hat uns Heinrich Betz von Gesicht und Gestalt als Bild, mit weißem Bart, bewahrt. Er hatte 1875 in einer Dorfschmiede in Feckinghausen mit der Fertigung von Kasten-Türschlössern begonnen. Seine drei Söhne, Walt er, Houwald und Hugo, gesellten sich zum Vater. Die Frauen von Walter und Hugo waren dabei und Sohn Kurt. Walt er Betz gründete ein eigenes Elektrogeschäft.

6. Eine geradezu malerisch wirkende Fotografie der Stadtansicht von der Wiesenstraße her, muß vor 1903 gemacht worden sein, da sie die 1826 nach vorausgegangenem Abbruch wiedererbaute katholische Kirche mit stumpfwinkligen Turmabschluß zeigt. 1903 erfolgten die erste Kirchenerweiterung und die Erhöhung des Turmes zur Spitzhelmform (die noch besteht), während die Kirche, vergrößert, erneuert wurde. Noch stand, vorne rechts, nicht das Haus von Altbürgermeister und Stadtältesten Ewald Meskendahl. Von dem an der Hohenfuhrstraße rechts stehenden Haus Klüting wurde ein Teil abgetragen. Durch den Ausbau der Hohenfuhrstraße ist die Wiesenstraße nur noch für Fußgänger passierbar. Der linksseitige Gartenbereich wurde Sparkassenparkgelände und ist im unteren Teil schon bebaut.

7. Die Söhne HouwaId und Hugo des Firmengründers Heinrich Betz, hatten 1906 das väterliche Werk unter dem neuen Firmennamen 'Heinrich Betz Söhne' übernommen. 1909 erwarben sie das Grundstück Blumenstraße, auf dem sich heute noch die Fabrikationsräume befinden. Ein Foto aus jenen Tagen des Beginns der maschinellen Produktion am Rande des Stadtkerns läßt im Vergleich zu heute erkennen, wie das wirtschaftlich gesunde Unternehmen sich entwickelte. Statt der Herstellung von Schlössern, wurden nun Schiebetürrollen produziert. Da die Ehe von Hugo Betz kinderlos blieb und Houwald Betz nur die Tochter Gerda hatte, die Pastor Becker heiratete, wurde die Firma nach dem Tode ihrer Inhaber Houwald und Hugo Betz, von 1954 bis 1959 treuhänderisch durch Direktor Walter Stoffel geleitet. Dann übernahm Heinz Hermann Becker, rühriger Vorsitzender des Heirnat- und Verkehrsvereins, die seit 1875 bestehende Firma Betz.

8. Als um 1905/1906 herum sich Familie Meskendahl zum Foto vor ihrem Hause in Filderheide (heute Busch) stellte, waren im Tal der Ennepe gewaltige Erdbewegungen angelaufen, die Ennepetalsperre zu erstellen, die aber erst 1912 mit ihrem heutigen Fassungsvermögen von 12,6 Millionen Kubikmetern fertig wurde. Es werden aber damals schon viele Radevormwalder durch die bäuerliche Ortschaft zwischen Wönkhausen und Filde gekommen sein, um sich anzusehen, was da im Ennepetal wasserwirtschaftlich die Landschaft veränderte. Man trug wohl nicht nur auf dem Lande lange Kleider und weiße Schürzen. Stolz schmauchen die Männer ihre Pfeifen. Seit 1828 gab es in Filderheide schon eine Schule und im benachbarten Wönkhausen war schon 1697 eine Schule. Ländliche Orte waren schulisch der Stadt weit voraus.

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