Radevormwald in alten Ansichten Band 6

Radevormwald in alten Ansichten Band 6

Auteur
:   Bernhard Sieper
Gemeente
:   Radevormwald
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1564-3
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Radevormwald in alten Ansichten Band 6'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Wenn es gelang, in der kurzen Zeit von 1976 bis 1980 fünf Bildbände 'Radevormwald in alten Ansichten' den Mitbürgern als fertige Bücher anbieten zu können, dann dürfte das unter vielen Städten eine Ausnahme sein. Doch mit fünf Bildbänden à 76 Seiten Postkarten oder Fotos in der Wiedergabe historischer Aussagen, dürfte der Bildvorrat bei Radevormwalder Farnilien erschöpft sein, weshalb ich glaubte, die Buchreihe werde mit fünf Bänden enden.

Aber man trat erneut an mich heran, doch auch einen sechsten Bildband zu wagen. Und so wurden mir wieder vorwiegend Fotografien gebracht jener Zeit zwischen 1840 und 1930 die gefordert ist. Aber das mir vorgelegte Bildmaterial reichte für die Zeitbegrenzung nicht voll aus. Daher mußte ich erstmals auch auf heimatliche Bilder zurückgreifen, die in die fünfziger Jahre weisen mit heimatlichen Personen und Ereignissen. Gerade in unseren heutigen Tagen der Stadtwandlung vollzieht sich Heimatgeschichte in einern Tempo, wie es nie zuvor der Fall war. Und so sind Ereignisse zwischen 1945 und 1960 schon so bedentsam geworden, daß man sie ohne Stilbruch der Tendenz der Bildbände, mit aufnehmen kann.

Es geht in allen Büchern vorwiegend um die bildliche Darstellung des Privat-, Vereins- und Wirtschaftslebens in unserer Stadt und ihren Vororten. Politische Ereignisse sind stetem Wandel unterlegen. Was sich abgesehen von Äußerlichkeiten nicht wandelt, das ist die Gliederung unserer menschlichen Existenz zwischen Geburt und Tod. Bilder solcher Lebensstationen hat es immer gegeben und wird es stets geben. Mit den Kindergartengerneinschaften beginnt der

Etinnerungskranz des Wachsens von Gemeinschaft zu Gemeinschaft bis zum Alterskreis, dem naturgernäß die Rückschau die Augen feuchtet in der Dankbarkeit für ein reiches Leben mit allen Freuden und Mühen. Und man wird nicht müde irn Farnilienkreise die Frage zu stellen: Wißt ihr noch wie das damals war? Gerade mit dem wachsenden Alter rücken uns Kindheit und Jugend näher als anderen Jahrgängen die noch mitten im gestaltenden Leben stehen. Daher bleibt die Nachfrage nach den Bildbänden groß, die unseren nachwachsenden Mitbürgern als Erinnerungserbe verbleiben. So wird es heißen: so haben unsere Väter und Vorväter gelebt, gearbeitet, sich vergnügt und erholt.

Viele von uns, die wir Freude haben an alten Heirnatbildern, haben sich bereits durch den Tod verloren. Vor ihren Gräbern rufen sie uns in die Erinnerung, was sie uns als Weggefährten, Freunde, Vereinsmitglieder oder Familienangehörige bedeuteten und unser Leben ein Stück bereicherten. So bringt auch dieser sechste Bildband Schulklassen und Vereinsgruppen. Er bringt Firrnenbelegschaften und Hausgemeinschaften. Daß die bisherigen Bildschwerpunkte Stadtkern, Bergerhof, Honsberg, Kräwinklerbrücke in den meisten neuen Ansichten auftauchen, während man andere Orte der Gemeinde verrnißt, liegt allein am Nachlass aus alten Fotoalben. Es läßt sich nur einordnen was vorliegt. Dürfte auch hier und dort ein schon mal gebrachtes Heirnatmotiv wieder auftauchen, es behält seinen Bildwert, da unsere Stadt Kleinstadt war und sich unser Leben vor Jahrzehnten um Marktplatz und Innenstadt konzentrierte. Mag die

uns verbliebene Naturlandschaft immer noch schön sein, so ging doch vieles verloren durch Bebauung und Straßenbau. Jede solche Veränderung hat uns betroffen. Gerade unsere Stadtgemeinde unterliegt ZUl' Zeit einem gewaltigen Wandel. In Bildern vermögen wir abzulesen, wie sich von Stufe zu Stufe besonders das Tal der Wupper veränderte durch Wasserwirtschaftsmaßnahmen. Viele schöne, alte Häuser sind nicht mehr, auf deren Treppenstufen wir saßen die heirnatliche Welt der Nachbarschaften zu pflegen. Das allgemeine Bild unserer bergischen Eigenart und Landbeschaffenheit habe ich in meinen Gedichtzeilen 'Aus altbergischen Jugendtagen' skizziert um poetisch alle Bildaussagen als Lied unserer bergischen Volksgruppe abschließend zu umschreiben:

Aus altbergischen Jugendtagen

Da waren Tage unterm griingoldenen Mosaik der Mischwaldkuppeln wenn sich die Ringelnatter ins Gesträuch verzog.

Die Unken läuteten den Abend ein, wenn sicn die Fensterläden schlossen!

Wie bog sich groß der Sterne Schleier um den Riesen Nacht und zog der Fachwerkhäuser Rauch-Netze zu Mondes stillem Frieden ein.

Die Kiihe standen hoch in Gras und Löwenzahn.

Bei letzten Sonnenstrahlen blitzte heim der Pflug und Pferdes Hufe klirrten auf dem Stein.

Doch wenn die Nebel und Gespenster gingen, war man im Land von Glaub' und Aberglauben vom Alb der Sorgen um den Schultag

und schwerer Arbeit oft bedrückt.

Wir sahen noch wie sich das Miihlrad und der Goldne Turmhahn drehten.

In Tälern und auf Höhen gruben wir uns ein und starrten in der Hämmer Glut,

Wie Wie land auch ein Schmied zu sein.

Wir wirbelten vom Herbstwind an die Bäche, aus denen uns Undine sang und die Forelle unsrer Hand entsprang.

Advent sah oft im Schneehaus Kerzenschimmer.

Kein Hang zur Schlittenfahrt zu steil, kein Eis zu diinn; wir gingen furchtlos alle Winter an und standen auf der Bauernschlitten Kufen.

Wir spiirten schon beim ersten Föhn durch Bodens Kraft die Friihlingsboten steigen!

Das nahm der Wupper Bilderalbum auf, der Sagen und Vertellkes weitertragend Heimatohr, hinsprudelnd iiber Fels und Auen dien schöne Bergische Natur:

mit Dom und Schloß und mancher Mannestat in Fleiss und Kraft und Grauen

aus der Geschichte ins Abendländische einzuflàssen, so wie wir auf unsern Wiesen unsere Quellen leiten in allem Ansturm der Gezeiten.

Bernhard Sieper

Radevormwald Ostern 1981

1

aus }3ergischer 17öh Radevormwa d.

1. Wie sah unser Stadtbild 1901 von Nerd-Westen aus? Im Verlag August Krauskopf erschien eine Postkarte 'Gruss aus Bergischer Höh Radevormwald'. Standort des Fotografen dürfte die Kollenberghöhe gewesen sein. Vordergründig links ist die Ortschaft Kotten in Naturlandschaft zu erkennen. Es gab noch den reformierten Friedhof an der Kottenstraße. Die Steinsche Feilenfabrik war noch nicht gebaut. Das Gebäude der 'Burg' hatte noch nicht den Kaisersaal mit Flachdach. Die Brauerei Lausberg, vorher Budde, war schon da. Die katholische Kirche hatte noch keinen Spitzhelmturm. Das Rundbild (auch Schneelandschaft) hält den Bahnübergang Kreuz mit den noch jungen Alleebäumen und das bewaldete reformierte Friedhofsgelände als Ansicht fest.

2. Im ersten Pflichteintragungsjahr zum Handelsregister 1864 hieß es für die Firma H.W. Rocholl, daß Inhaber Heinrich Wilhelm Rocholl und Prokuristen Wilhelm Rocholl und Rudolph Rocholl seien. Die Schlossfabrik an der Südstraße hatte bis 1905 einen solchen Umfang angenommen, daß die Belegschaft sich für ein Widrnungsbild für den damalige Senior-Chef Bernhard Rocholl fotografieren ließ. Wer die in Fotomontage hergestellte Aufnahme machte, ist nicht ersichtlich. Interessant ist nicht nur die Aufteilung der Männergruppen in festlicher Kleidung, sondern auch der Naturhintergrund mit der Ansicht der Schlossfabrik. Der Widmungstext lautet: 'Ihrem allverehrten Senior-Chef Herrn Bernhard Rocholl aus Dankbarkeit und zur Erinnerung'. Solch patriarchalische Verbundenheit dürfte es kaum noch geb en.

3. Am 7. Oktober 1912 wurde eine Postkarte verschickt, auf der sich ein ovales Foto der Stadtansicht von Süden befand. Sie wurde verlegt im Verlag Hugo Fischer, Radevormwald. Da solch eine Karte erhalten blieb, verrät sie viel von der damaligen Fotografie und der Art, wie sie verbreitet wurde, hier wie ein Wandbild mit Schmuckecken. Von links nach rechts sieht man hinterm Bahndamm, der ab 1890 bestand, den Fabrikschornstein von H.W. Rocholl, das Anwesen Huckenbeck, das Eckhaus Fliege, das reformierte Pastorat, Haus DL Küll und Haus Kormannshaus. Nur reformierte und kathelische Kirche überragen diese Stadtansicht.

4. Sieht man Fotos von Rekruten der militärischen Ausbildung vor 1914, so wird meistens der Eindruck erweckt, es habe sich um lustige Tage beim Biergenuß gehandelt. Doch ist so etwas als 'Galgenhumor' zu sehen, denn die Ausbildung bei den Truppenteilen des kaiserlichen Heeres war kein Zuckerlecken. Wenn die Radevormwalder, die des Kaisers Rock trugen, unter dem von ihnen gemachten Foto den Text setzen ließen: 'So verlebten wir Radevormwalder die letzten 250 Tage in Hagenau' so glaubt das niemand. An gutbekannten Radevormwaldern dienten damals zwischen 1904 und 1906:

Hugo Winterhagen. Robert Wagner, Otto Drecker und andere.

5. Ein Foto von vor 1914 mit Haus Werner im Engpaß der Kaiserstraße, das noch besteht, bewahrt den Bliek in die Gasse zwischen Kaiser- und Weststraße. Das Hinterhaus, in welchem Familie Jansen wohnte, wurde durch Kriegseinwirkung zerstört. Auch gibt es die Gasse nicht mehr. Das Nebenhaus rechts mit Treppenzugang, heute Modehaus Ruckebier, diente den Originalen Karl und Mina Strauss, die mit Eiern handelten. Ein Laden war vorhanden. Der Gelegenheitspoet Kar! Strauss beschrieb in Reimen seinen Wohnort so: Karl Strauss, fein heraus, wohnt bei Werners im Nebenhaus. Mahle (Amalie Mühlenmeister) oben dadriiber, Leusbergs gegenüber. Kürzer lässt sich eine Wohnsituation kaum beschreiben.

6. Abgesehen davon daß es vorm bekarmten Schuhhaus Schmidt am Beginn der Blumenstraße keine Bäume mehr gibt, blieb der alte Schieferban mit angegliedertem Laden am Beginn der B1umenstraße erhalten. Aber das Foto von 1914 hat auf der Beschriftungsseite eine kulturgeschichtliche Besonderheit der Frankierung. Als Postkarte an den 'Musketier, Holthaus, 5. Camp. Inf. Reg. Nr. 41 in TiIsit Ostpreußen' , findet man eine schwarz-weiß-rot gerandete Briefrnarke mit dem Text: 'Soldatenbrief. Eigene Angelegenheit des Empfängers' mit dem Poststempel vom 22. Juni 1914. Auf der Karte wird aus unserer Stadt berichtet: Bei uns ist das Wetter abwechselnd es regnet jetzt. Was bei Euch wohl nicht der Fall ist.

7. Vorgänger für die örtliche Schlittschuhindustrie unserer Tage war an der Bahnstraße die Firma Schlittschuh- und Baubeschlag. Aus jenen langst vergangenen Tagen unserer Industriegeschichte sind von der Belegschaft im Foto festgehalten: Laura Konze, Marleehen Meier, Carl Groll, Erich Wirts, Ernst Friedhoff, Ernst Wellershaus, die Arbeiter Herringer und Stickdorn und andere. Der Radevormwalder Erfinder und Patentinhaber Hugo Dornseif setzte die Schlittschuhindustrie an der Ülfestraße fort, während in dem Fabrikgebäude an der Bahnstraße der Kunststoffexperte Wilhelm Bisterfeld eine sich immer mehr ausweitende Produktion von Kunststoffartikeln begann. Heute werden Bremsbeläge der amerikanischen Firma Raybestos-Manhattan GmbH & Co in den Mauern des alten Werkes hergestellt.

8. Wenn noch heute an der Blumenstraße die Schlossfabrik Robert Wagner angrenzend an das Wagnersche Wohnhaus so steht, wie sie ab 1912 für die Reichsbahn mit der Fabrikation von Schiebetürschlössern begann, dann ist das ein Industriedenkmal für die Erflillung eines Kindertraumes. Als mittelloses Kind vom Lande hatte der junge Schlosser Robert Wagner nur ein Lebensziel: Um eine Transmission herum eine eigene Fabrik zu schaffen, als ihn der ferne Ruf der Dampffeife der Firma Streppel in Wintershaus erreichte. 1909 war zunächst das Wohnhaus an der Blumenstraße und dazu eine Stadtschlosserei geschaffen worden, die dann 1912 zur Fabrik erweitert wurde. Das Foto des Werkes mit Beschäftigten dürfte aus der Kriegszeit 1914/1918 sein, als Robert Wagner Soldat war.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek