Raguhn in alten Ansichten

Raguhn in alten Ansichten

Auteur
:   Rudolf Brückner
Gemeente
:   Raguhn
Provincie
:   Sachsen-Anhalt
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5375-1
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Raguhn in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

'Raguhn in alten Ansichten' soll uns unser Städtchen zeigen, wie es zu Opas Zeiten aussah. Bei den Älteren wird manch Erinnerung wach werden an den einst so geruhsamen und idyllischen Ort, fernab aller Unruhe bringenden Verkehrsstraßen. Den jüngeren Einwohnern und jenen, die nach dem Kriege zu uns kamen und längst hier heimisch geworden sind, sei gezeigt, wie ihr Wohnort zu Beginn dieses Jahrhunderts aussah. Verstärkt einbezogen wurden Bilder von Gebäuden und Einrichtungen, die in den Apriltagen des Jahres 1945 zerstört wurden und zum Teil unwiederbringlich verloren gegangen sind, wie etwa die viele Jahrhunderte betriebene Mühle und die Papierfabrik.

In den sieben Jahrhunderten seines Bestehens hat unser Ort gute und böse Zeiten erlebt. Fast völlig vernichtet wurde er im Dreißigjährigen Krieg. Am 14. September 1642 brannte die Stadt bis auf wenige Gebäude nieder. Es dauerte manch Jahr, bis das alte Leben und Treiben wieder einzog. Vier Jahrzehnte danach, im Jahre 1683, forderte die Pest ein Drittel der Einwohner als Todesopfer. Hochwasser der Mulde brachte die Stadt immer wieder in Gefahr. Seit 1945 schließlich wurde zwar manche Lücke geschlossen, die eine Woche Kampf um Raguhn gerissen harte, aber noch immer erinnern unbebaute Flächen in Rathaus- und Brauhausstraße an jene Tage. Das Büchlein soll deshalb vor allem jenen gewidmet sein, die allem Ungemach zum Trotz ihre Kraft eingesetzt haben, um unser Städtchen zu neuem Glanz zu verhelfen. Nun ist es wieder mitten in der Umgestaltung. Die Industriebetriebe , die seit etwa hundert Jahren das Bild der Altstadt prägten, werden zum Teil an den Stadtrand verlegt, andere stellten die Produktion ein. Als Nachfolgeeinrichtung der hier einst blühenden Tuchmacherei bestanden zu Beginn dieses Jahrhunderts vier Drahtwebe-

reien im Ort. Nun klappern nur noch vereinzelt Webstühle und es erhebt sich die bange Frage , ob sich dieses traditienelle Handwerk der Weberei auch über die Jahrtausendwende seine Existenz wird erhalten können. Betrachtet man die Geschichte unseres Ortes, scheint Optimismus angebracht:

Die Bürger Raguhns haben es nach all den vorangegangenen Unbilden stets verstanden, das Leben in ihrem Städtchen wieder lebenswert zu gestalten.

Das neue Raguhn wird sich von dem hier zu zeigenden deutlich unterscheiden. Das Bild der ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts läßt sich nicht wiederholen. Die Zeit der Postkutschen, der Pferde-Fuhrwerke, der Feldbearbeitung mit Ochsengespannen, aber eben auch die Zeit der Idylle und Beschaulichkeit sind vorbei. Die große Anzahl von Handwerksbetrieben und von Einzelbauern wird es genau so wenig wieder geben wie etwa die der Gaststätten. Allein hiervon konnte der Raguhner dereinst unter vierzehn auswählen: Ratskeller, Schloß Libehna, Goldener Adler , Goldener Stern, Zum deutschen Kaiser, Stadt Dessau, Schwarzer Bär, Goldener Löwe , Goldener Engel, Gaststätte Ecke , Landeskrone, Zur Erholung, Zur Mühle und Bahnhofsgaststätte. Geselligkeit wurde groß geschrieben, zahlreiche Vereine führten die Menschen des Abends zusammen, wie etwa die Gesangvereine 'Hoffnung, 'Liedertafel und 'Sängerkreis' und der Kirchenchor. Die Sportvereine 'Männer-Turn-Verein", 'Frisch Auf" und 'Vorwärts' mit ihren Handhall- und Fußballmannschaften boten den Raguhnern Ansehenswertes und sicherten dem Namen des Ortes in Anhalt einen guten Klang. Schwimm-Verein und der Radfahrer-Verein 'Solidurität' trugen ihre Wettkämpfe aus, der zumeist den Söhnen vermögenderer Bürger vorbehaltene Ruder-Club drang in seinen besten

Jahren bis zu den deutschen Meisterschaften vor. Die Feuerwehr hatte manch Einsatz im Ort, stand bei Bränden in der Umgebung stets ihren Mann, war wöchentlich bei ihren Übungen am Steigerturm auf dem Anger zu bewundern und pflegte die Zusammengehörigkeit ebenso wie etwa der Stenografen-Verein, die Geflügelzüchter, Imker, Gewerkschaftsgruppen und Innungen. Ein Fest für alle war das jährliche Schützenfest, veranstaltet von den dem Verein angehörenden Handwerkern, Gewerbetreibenden und Geschäftsinhabern. Woche für Woche war in Kurt Quells 'Raguhner Nachrichten' zu lesen, wo des Sonntags zur Tanzmusik aufgespielt wurde, welche Gaststätte Bockbier anzapfte , Speekkuchen anbot oder etwa ein Preiskegeln veranstaltete. Und die alten Raguhner werden sich noch daran erinnern, wie wöchentlich Braunbier ausgefahren wurde, das dann - stark verdünnt - in Flaschen kam und Groß und Klein half, den Durst zu löschen. Ihnen wird auch unvergessen sein, wie die Sammler mit ihrem Ruf 'Heelebärri' (Heidelbeeren) im Ort ihre Ware anboten.

Anschaulich schildert Ernst Haun in seinen 'Jugenderinnerungen eines blinden Mannes' Leben und Treiben im Städtchen Ende des 19. Jahrhunderts. Das war jene Zeit, als der Ort aus seinen Nähten platzte, die Muldinsel nicht mehr ausreichend Raum bot, um allen eine Heimstatt zu geben. Neben der Wittenberger Straße war es nun vor allem die Hallesche Straße - man nannte sie damals noch 'An der Bahn' -r- , die um die Jahrhundertwende verstärkt besiedelt wurde, danach Garten-, Mittel- und Dessauer Straße, die Bahnhofstraße und schließlich ab 1934 die Stadtrandsiedlung und danach die Reichssiedlung.

Jenen, die es miterlebten, wird die Verlegung von Wasserleitung und Kanalisation im Jahre 1927 in guter Erinnerung

sein. Gemeinsam mit Jeßnitz und Bobbau hatte sich Raguhn zu einem Wasserwerksverband zusammengeschlossen. Der Wasserturm wurde zu einem Wahrzeichen Bobbaus. In Raguhn aber verschwanden naeh und nach die 'Plumpcn', wie hier die Pumpen hießen, Wasserspender und oft Treffpunkt zum Plausch zugleich.

Berechtigt mag dem Leser manches verklärt erscheinen, was hier erwähnt wird. Daneben gab es eben auch Armenhaus, Bettler, umherziehende Gaukler, Arbeitslosigkeit und in vielen Familien oft genug die bange Frage der Hausfrau, wovon am nächsten Tag die notwendigen Lebensmittel gekauft werden sollten oder aber, ob Bäcker, Fleischer oder Kolonialwarenhändler 'anschreiben' würden. Zur angenehmen Seite unseres Lebens gehört aber nun mal, daß freudig Erlebtes stärker in unserer Erinnerung haften bleibt als seine Schattenseiten.

So soll hier auch nicht von jenen gesproehen werden, die die Arbeit an diesem Büchlein hätten unterstützen können. es aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht umsetzten. Besonderer Dank aber sei Herrn Dietwart Förster dafür gesagt, daß er uns zahlreiche Fotos seines Vaters, Herrn Emil Förster , zur Verfügung stellte, Familie Eilert, den Herren Jürgen Peters und Willi Mantzsch für die Ausleihe alter Postkarten.

Möge das Buch Freude bringen und dazu beitragen, Verständnis zu Traditionen zu entwickeln!

1. Raguhn im Jahre 1710. Die älteste bildliche Überlieferung von Raguhn verdanken wir Beckmanns 'Historie von Anhalt aus dem Jahre 1710. Von links nach rechts sind das alte Rathans. das die Brücke abschließende Torwärterhaus, die Mühle und die 1839 abgebrochene Kirche zu erkennen.

2. Die Zeichnung von Gustav Frank aus dem Buch 'Das malerische und romantische Anhalt' wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts angefertigt. Holzbrücke, Wehr und Mühle sind neben der neuen Kirche, 1839 bis 1842 erbaut, gut erkermbar.

3. Ende des 19. Jahrhunderts zeigte diese Postkarte beliebte Ansichten von Raguhn. Interessant erscheint vor allem 'Lindners Emallirwerk', 1885 von Oskar Haun als Tuchfabrik erbaut, nach dessen Konkurs 1892 als EmaIlierwerk genutzt, ging es 1899 in den Besitz der Drahtweberei und Metalltuchfabrik Pabst & Kilian über.

4. Die Luftaufnahme aus dem Jahr 1930 zeigt die Altstadt und von ihr gut erkermbar die Nordseite der Hauptstraße. Vorn rechts sind die Gebäude der 1945 zerstörten Mühle und Papierfabrik und am Ostufer der Mulde ein Stück der mit ihr verbundenen Holzschleiferei zu sehen.

5. Von Süden her erfolgte diese Luftaufnahme. Viele der 1945 zerstörten Wohnhäuser in Haupt- und Brauhausstraße sind gut zu erkennen. Die Landschaft im Hintergrund wird deutlich durch den Hauptarm der Mulde beeinflußt.

Ra~uhn (j{nhalt)

6. Für eine der ältesten Ansichten wurde der immer wieder gewählte Standort vom Wall hinter der Holzschleiferei genutzt, der den besten Überblick über die Altstadt liefert. Von rechts aus gesehen sind Schule, Kirche, Mühle , Wehr und am linken Bildrand ein Gebäude der Maschinen- und Metalltuchfabrik Gottlob Heerbrandt zu erkennen. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Tuchmacherhandwerk immer stärker an Bedeutung verlor, nutzte Heerbrandt die Fertigkeiten und Erfahrungen der Meister und Gesellen in der von ihm errichteten Drahtweberei. Ihm folgten um die Jahrhundertwende weitere Betriebe der gleichen Branche.

7. In der Nacht vom 19. zum 20. Juni 1863 brach im dem Rathaus benachbarten Grundstück des Gastwirts Püschel Feuer aus, das innerhalb weniger Stunden beide Gebäude in Schutt und Asche legte. Leider ist vom alten Rathaus nur eine Skizze erhalten geblieben. Sie zeigt uns das einzige 'Stadttor'. mit dem am späten Abend der Ratskellerwirt die Straße nach Schloß Libehna sperrte, und den 1697 angebauten Turrn, über dessen Treppe man zu den Amtsräumen in der oberen Etage gelangte. Im Jahre 1547 war es errichtet worden und hatte alle Stadtbrände heil überstanden. Die Kosten für seine Erhaltung jedoch hatten das Stadtsäckel oft stark in Anspruch genommen.

Razuhn i. Anh, Ra hau

8. Das in den Jahren 1865/66 erbaute Rathaus bekam seine Ausdehnung nun in Richtung Schloßstraße. Der Anbau diente ausschließlich dem Ratskeller. Unten befanden sich Gesellschaftsräume und die Wohnung des Wirtes, im ersten Stock dieses Traktes der Saal, der vor allem von Vereinen für deren Veranstaltungen genutzt wurde , aber auch für Konzerte und Tanzveranstaltungen. Anziehungspunkt für viele Raguhner war der Ratskellergarten. Schattenspendende Bäume und Musik loekten. hier des Sonntags und an Feiertagen Kaffee und Kuchen einzunehmen.

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