Raschau in alten Ansichten Band 1

Raschau in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Siegfried Hübschmann
Gemeente
:   Raschau
Provincie
:   Sachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6492-4
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Raschau in alten Ansichten Band 1'

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Vorwort

Der Leser dieses Büchleins findet darin Ansichtskarten und Fotos von Raschau und Langenberg vor, die fast alle vor 1930 angefertigt wurden. Sie führen uns in die Welt der Großeltern und der Urgroßeltern, die zu ihrer Zeit im Auf und Ab der Geschichte Voraussetzungen schufen für unser gegenwärtiges Leben. Der Heimatdichter Anton Günther meint: 'Hätten's de Alten net aufgebracht, nort hätteri's de Gunge net nachgemacht!' Die Älteren unter uns werden sich aus eigenem Erleben noch gern daran erinnern, daß ihnen die Heimat schon in den jungen Jahren so recht ans Herz gewachsen war. Nun hat sich manches geändert, vieles zum Guten.

Mögen die Lektüre und die Abbildungen dem werten Leser ein wenig Freude bringen. Es lohnt sich, die Zeit unserer Altvorderen mit dem Heute zu vergleichen.

Was sollten wir dem Fremden über unser Dorfin alter Zeit wissen lassen, wenn er als interessierter Gast hierher kommt?

Raschau liegt im westlichen Erzgebirge im Kreis Aue-Schwarzenberg. Zum grenznahen Fichtelberg sind es etwa 20 km. Unser Ort ist Heimat für nahezu 5 000 Bewohner, einschließlich des seit 1924 dazugehörenden Ortsteils Langenberg.

Im breiten Talkessel, durch den die Mittweida fließt, ziehen sich in Raschau die Felder sanft hinaufbis an den dichten Fichtenwald. Infolge des für gebirgische Verhältnisse günstigen Klimas wurde der Ort zu Großvaters Zeiten von den Besuchern mitunter ' erzgebirgisches Nizza' genannt. Im Norden hinter dem Knochen und dem Emmler (575 m) zieht sich, am Schwarzbach gelegen, der Ortsteil Langenberg hin. Dort an der Grenze zum Kreis Annaberg liegt das 'Förstel', heute ein Pflegeheim. Werfen wir einen Blick zurück in die Ortsgeschichte.

Raschau wurde Ende des 12. Jahrhunderts durch 22 Bauernfamilien besiedelt. Die Bauern haben auch den Wald gerodet und den Boden

urbar gemacht. Die Güter wurden später geteilt, so daß um 190045 Bauernstellen in Raschau bestanden. Reste der bäuerlichen Erstbesiedlung in der Form einesWaldhufendorfes blieben bis in die Neuzeit hinein erhalten.

In der Dorfmitte steht seit eh und je die ehrwürdige Kirche, heute evangelisch, die in katholischer Zeit eine Filiale der Zisterziensermönche in Grünhain war. Von 1240 bis 1536 gehörte namlich der Ort zur Klosterherrschaft. Im Zentrum liegt ebenfalls van Anfang an die stattliche Mühle, heute als 'Süßrnühle' bekannt.

Das große 'Berggeschrey' brachte im 16. Jahrhundert viel fremdes Volk ins Gebirge. Neue Erwerbszweige kamen auf Die Bergknappen förderten an Emmler und Hutstein vor allem Eisenerz, das in die umliegenden Hammerhütten gefahren wurde. Im Mittweidatal arbeiteten um 1560 sieben Hämmer, deren Erzeugnisse meist in die nahegelegenen Bergstädte geliefert wurden. Übrigens bestand schon 1534 auf den Raschauer Gruben eine Knappschaft. Seinerzeit entstand Langenberg als ein Dörfchen der Hammerschmiede, Bergleute und Köhler, die lange Zeit dem Hammer- und Gutsherrn aufFörstel fron- und zinspflichtig waren. Später, im 18. bis in das 2 o. Jahrhundert hinein, wurde vor allem auf Eisen, Silber, Zinn und Kiese auf den Fundgruben 'Allerheiligen' und 'Gottes Seegen' am Knochen, 'Katharina', 'Gottesgeschick' und 'Stamrn Asser am Graul' im Gemeindewald gebaut.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) brachte infolge Einquartierungen und Durchzügen der Söldner unsägliches Leid ins Dorf und auch die Pest. 1632 verteidigten Hammerleute und Bauernsöhne den Ort. Sie mußten der kaiserlichenArmee des Generals Heinrich Holk bald weichen. In einem Gefecht am Pöckelgut wurden die letzten Verteidiger erschlagen. Im Ort steht heute kein Haus mehr, das vor dem großen Krieg erbaut worden wäre.

Auch das Augusteische Zeitalter (1694-1763) brachte viele Mißhelligkeiten für die Dorfbewohner. Hohe Steuern brauchten die Kurfürsten für Prunk und Krieg. Tiefe Armut war die Folge. Die steuerlichen Belastungen stiegen im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) ins unermeßliche. Auch die Franzosen forderten ab 1807 von den Einwohnern eine hohe Kriegskontribution.

Der Versuch, durch die Entdeckung und Nutzung von Mineralquellen ab 1808 aus Raschau vielleicht einen 'Badeort' zu machen, blieb in den Anfängen stecken.

Große Not brachte in viele Familien der Rückgang des Bergbaus Mitte des 19. Jahrhunderts. Fabriken gab es noch nicht. Bettelei, Diebstahl und die folgenden Strafen waren bald an der Tagesordnung. Manche Erzgebirger wanderten nach Amerika aus. Auch um sozialen Unruhen vorzubeugen, setzte 183 1 die sächsische Staatsreform ein. Notwendige Neuerungen auf vielen Gebieten sollten eingeführt werden.

Nunmehr mußte sich der 1839 erstmalig gewählte Gemeinderat auch um die Armen kümmern. Deshalb wurde ein Armenhaus erworben. Doch trotz Unterstützung der Mittellosen und Notleidenden durch Umsetzung einer Almosenordnung, trotz Armenkasse, konnte der Gemeinderat allein Hunger und Elend nicht lindern.

Erst nach 1860 brachte der industrielle Aufschwung zusehends Verbesserungen. Mehrere Kleinbetriebe entstanden, in denen die Menschen Arbeit und Brot fanden, wenn auch deren materielles Lebensniveau äußerst niedrig blieb. Die Korkfabrik, 1859 gegründet, entwickelte sich bald zu beachtlicher Größe. Dort arbeiteten zu Spitzenzeiten bis zu 350 Korkschneider. 1868 eröffnete Emil Freitag seine Papier- und Pappenfabrik, die sich ebenfalls behauptete und erweitert werden konnte. Ab 1911 arbeitete das Emaillierwerk von Hermann Freitag.

Der aufstrebende Kapitalismus brachte für die Dorfbevölkerung nicht nur neue Arbeitsmöglichkeiten, sondern auch manche Neuerung mit sich, die sich auf das Leben auswirkten.

1864 erhielt Raschau eine Postanstalt. Die neue Schule wurde 1884 eingeweiht, die Langenberger 1893. Ab 1889 konnte mit der Eröffnung der Bahnlinie von Schwarzenberg nachAnnaberg auch das seinerzeit

modernste Verkehrsmittel genutzt werden, denn Raschau besaß einen ortseigenen Bahnhof

1904 kam die Gasbeleuchtung auf, später folgte die Versorgung mit Strom. 1907 erhielt Raschau ein zentrales Rathaus mit Postamt. Die Wasserleitung lieferte ab 19 11 frisches Wasser in die Haushalte. Das Fahrrad wurde populär. Ein 'Automobil' dagegen konnte sich nur mancher Reiche leisten. Der regelmäßige Busverkehr setzte in den zwanziger Jahren ein.

Das geistige Leben im Ort war vordergründig durch den Zusammenhalt und das gegenseitige Interesse der arbeitenden Menschen geprägt.

Im Sommer saßen die befreundeten Nachbarn nach verrichtetem Tagewerk oft vor den Häusern beisammen. In diesem engen Kreis in heimatlichem Gefilde fühlten sich alle wohl. Die Frauen klöppelten, die Männer rauchten Pfeife, von den Kindern umschwärmt. Es ging gesellig und gemütlich zu. Vieles wurde erzählt. Man scherzte und lachte.

Gern wurden die neuen erzgebirgischen Lieder gesungen. Im Winter besuchte man sich gegenseitig in der warmen Stube. Man ging hutzen beim Schein der Petroleumlampe, in späteren Zeiten bei Gaslicht.

Die Arbeitszeit in den Betrieben betrug um 1900 wöchentlich etwa sechzig Stunden. Trotzdem gingen die jungen Leute an den Wochenenden gern zum Tanz in den' Anker', ins 'Bad', in den 'Förstelgasthof' oder gar in den 'Schweizerhof' nach Mittweida. 1912 konnte man sich in zwölfGasthäusern vergnügen. In Raschau musizierten zwei Blaskapellen.

An mehreren Sangesgemeinschaften beteiligten sich besonders die Männer. Feuerwehr, Schützenverein, Pfeifenklub, Gartenverein, Militärverein und andere, ab 19 14 auch der Erzgebirgsverein, förderten das Kulturleben im Dorf Auch der Sport verbreitete sich schnell.

Die kirchlichen Feiertage wurden festlich begangen. Besonders freuten sich die Kinder auf die Kirmes und die Weihnachten. Alle Jahre wieder wurde auch der Sedantag gefeiert, an dem der Taten der siegreichen Helden von 1870 gedacht wurde. Laut dem neuen Lehrplan von 1878 sangen die Schüler Kinder- und Volkslieder und 'Wer will unter die Soldaten, der muß haben ein Gewehr', 'Die Wacht am Rhein' und andere

Soldatenlieder. Rekrutenaushebungen waren besondere Festlichkeiten für die angehenden Soldaten. Sie glaubten fest, das Soldatsein sei eine besondere Ehre, sollten sie doch ihr Land vor dem verschlagenen Feind schützen. Auch die Sozialdemokratie, im Ort ab 1892 erstarkend, konnte eine solche, aufkommendes Unheil zielende Erziehung nicht verhindern.

So zogen 1914 etwa vierhundert junge Leute aus dem Dorf in den Krieg. 122 ließen dort ihr Leben. Unzählige kamen als Krüppel zurück. Furchtbar war die Ernüchterung.

Die Zeit der Weimarer Republik brach an. Die Menschen hofften auf ein besseres Zeitalter. Der Hunger im Ort wurde allmählich beseitigt. 1923 aber nahm die Geldentwertung den gemeinen Bürger alle Ersparnisse. In den Nachkriegsjahren erstarkten auch in Raschau die Arbeiterparteien. Die KPD wurde zur stärksten Fraktion im Gemeinderat. Die Sportler des Arbeiter-Turn-und-Sport-Bundes errichteten 1925/26 eine SporthalIe und 1929 den Sportplatz.

Mit der krisenhaften Entwicklung Ende der zwanziger Jahre erstarkten im Ort die rechten Kräfte, die Nationalsozialisten, die durch ihre demagogische Propaganda manch ehrlichen Bürger für sich gewannen. Wieder folgte die große Mehrheit den falschen Propheten. Wieder sollten Krieg und dessen Folgen grausame Ernüchterung bringen.

Diese Ereignisse, auch Lehren der Geschichte, liegen nun über fünfzig Jahre zurück. Die Hoffnung auf bessere Zeiten begleitet stets die tätigen Menschen. Wir können getrost dem Günther Anton zustimmen, wenn er sagt:

Wos gut is un stammt von unnere Alten,

dos muß mer beschützen und fest drauf halten. Wos schlacht is, daarf mer net verlachen,

dos muß mer när gut un besser machen!

1 Raschau, Oberdorf.

Über den weiten Talgrund und die Südfluren geht der Ausblick bis ins Pöhlwassertal. Im Vordergrund steht das Bahnhofsgebäude, links davon der Bauernhof von Friedrich Albin Ficker (18641946). Am oberen Ende der Viehtrift erhebt sich die Georgenburg. Das Bild wurde 1914 aufgenommen.

Rasd!au I. sdd!s. f.regeb.

2 Das Zentrum,

Die im Verlag Max Mennicke, Raschau, um 1928 erschienene Luftaufnahme zeigt das Mitteldorf. Wir sehen die 1924 erweiterte Volksschule noch ohne den Marktplatz. Vorn an der Hauptstraße erhebt sich das stattliche Laucknergut, früher das Salzfickergut, dahinter die Etuifabrik]. & G. Gottschalck. An der Bahnlinie steht die Korkfabrik, die bis 1930 im Besitz der Familie Lindemann war.

3 Langenberg.

Der Besitzer des Förstelhammerwerks Nikolaus Klinger

(1 SS 1-16 1 0) hatte 1 588 von der Gemeinde Raschau ein Grundstück erworben, auf dem das Dörfchen Langenberg entstand. Bis 1835 waren die Einwohner gegenüber dem Gutsherrn auf Förstel zinspflichtig. Hatte das Dorf anfangs nur zwölf Hütten und 1807 erst vierzehn, so standen hier 1930 bereits siebzig Häuser ohne die neue Siedlung. 1924 wurde Langenberg Ortsteil von Raschau. Auf dem Foto sehen wir die 1893 errichtete Schule mitTürmchen und Glocke. Hier unterrichtete einst der bekannte Lehrer Wilhelm Peschke (18821961).

lflNGENBERG von Nord·West gesehen

4 Der Knochen.

Der Knochen (SS 1 m) ist einer den Ort umgebenden Berge. Das Bild von 1927 zeigt ein altes Bergarbeiterhaus, erbaut 1854, abgerissen 1984, zuletzt bewohnt von der Familie Carl Hermann (1896-1979). Es wurde die 'Giflhûtre' genannt, da einst Bergleute hier ihr Gezähe sowie Pulver und Karbid aufbewahrten. Am Knochen wurde auf der 'Fundgrube Allerheiligen' auf Silber, Zinn, Eisen und Kies gebaut. Eine Vitriolhütte stellte 1874 die Giftproduktion ein. Der Knochen war vielbesuchtes Ausflugsziel. Hier befand sich 192 7 eine Jugendherberge.

5 Der Fmmierfelsen.

Irn Volksmund Karlfritzfels, benannt nach dem Landwirt Karl Friedrich Weigel (18061885), war der Berg stets ein beliebtes Wanderziel. Van hier aus hatte man einen weiten Rundblick. Im 16. [ahrhundert bildete der Fels den Mittelpunkt eines größeren Grubenfeldes, auf dem im Tagebau der Eisenstein gewonnen wurde. Auch auf Silber wurde gebaut, daher auch der Name 'Silber-Emmler'. Schon 1534 wurde eine Knappschaft gegründet und die erste Bergordnung erlassen.

6 Das Rathaus.

Es wurde am 1 1. November 1907 eingeweiht. Bürgermeister Max Jäger gab auf der ersten Sitzung des Gemeinderates der Hoffnung Ausdruck, daß die Beratungen und Beschlüsse im neuen Haus immer zum Wohl und Segen der Gemeinde gedeihen mögen. So beschloß der Rat 1912, daß die 'Stundengeschwindigkeit für Automobile durch den Ort 1 5 Kilometer' betragen dürfe. Von 1919 bis 1930 wirkte hier der Sozialdemokrat Alfred Seifert als Bürgermeister. Auch die seit 1864 bestehende Poststelle erhielt im neuen Haus ihren Platz. Davor befand sich seit den zwanziger [ahren die zentrale Bushaltestelle.

7 Der Bahnhof.

Die Bahnstation wurde am 1. Dezember 1889 eröffnet. Raschau hatte seinen Bahnhof. Geladene Persönlichkeiten nahmen an der Eröffnungsfahrt teil und zahlten für Fahrt und Festessen in Annaberg drei Mark. Der Bahnhof sollte ursprünglich im Unterdorf angelegt werden.

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