Ratekau damals und heute

Ratekau damals und heute

Auteur
:   Harald Gerhardt
Gemeente
:   Ratekau
Provincie
:   Schleswig-Holstein
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5420-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Ratekau damals und heute'

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EINLEITUNG

Wann ein Mensch zum erstenmal das Gebiet der heutigen Großgemeinde Ratekau betreten hat, ist sicher nicht mehr testzustellen. Die ersten Spuren der Besiedlung unserer Gegend stammen aus der Steinzeit, wie Funde eindeutig beweisen. Zeugen dieser Zeit sind das Großsteingrab am Waldhusener Forst (ca. 2000 v. Chr.) und das Megalithgrab, das aus der Zeit um 2700 v. Chr. stammt. Dieses Grab wurde 1979 am Beutz entdeckt, ausgegraben und in der Nähe der Ratekauer Kirche wieder aufgestellt. Die Grabbeigaben (Steinbeile, Pfeilspitzen, Tongefäßscherben, Bruchstück einer Bernsteinperle), die von einer Nachbestattung um etwa 1800 v. Chr. stammen, sind im Ratekauer Rathaus ausgestellt und zu besichtigen.

Als um das Jahr 400 die germanische Bevölkerung unsere Gegend verließ und auf die Wanderung ging (Völkerwanderung), stießen slawische (wendische) Stämme in den bevölkerungsarmen ostholsteinischen Raum vor und besiedelten ihn. Die Slawen unterteilten ihr Herrschaftsgebiet in elf Gaue, einer davon war der Gau Ratekau mit dem gleichnamigen Hauptort. Ein Gau bestand aus mehreren Dorfschaften, die man noch heute an den etwas slawisch klingenden Namen erkennen kann: Ratekau (Rarekowe, Hain oder Wald des Radek), Sereetz (Cyretz, Ort des Cerad, aber auch als 'Weideort' gedeutet), Techau (früher Techowe), Häven (früher Wedole, Vidole, später Hofen, dann Häven), Pansdorf (Dorf des Pan, des Herrn). Gesichert wurden die Gaue durch Fluchtburgen, der Gau Ratekau hatte davon zwei: den Blocksberg bei Pansdorf und den Pöppendorfer Ringwall. Beide Anlagen sind noch sehr gut erhalten. Hinter einem hohen Ringwall (Durchmesser der gesamten Anlage gut 100 m, Wallhöhe bis zu 12 m) konnte die Bevölkerung Schutz vor Feinden suchen. Ein Palisadenzaun auf dem Wall bot zusätzliche Sicherheit, von Wachtürmen aus konnte das umliegende Gelände gut beobachtet werden.

Die von den Slawen bewohnten Dörfer waren in der Regel sehr geschlossene Ortschaften. Urn einen Dorfplatz gruppierten sich die Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Diese run-

de Siedlungsform ist eine wehrhafte und den Platzbedürfnissen ihrer Bewohner Rechnung tragende Dorfanlagc, in deren Mitte nachts das Vieh gut gehalten werden konnte. In jeder Dortschaft lebte eine ungefähr 80-100 Personen zählende Familie oder Sippe. Der Älteste der Sippe in einem Ort war der Starost, der die Sippe führte und das Sagen hatte. Nach dem Namen des Anführers richteten sich oft auch die Namen der Dorfschaften (s.o.).

Um 950 wurde erstmals der Versuch unternommen, die Slawen zu christianisieren, doch wehrten sich diese durch wiederholte Aufstände dagegen. So im Jahr 1066, woraufhin das Bistum Starigard/heute Oldenburg nicht wieder besetzt wurde, so auch um 1134, als der wendische Fürstensitz Alt-Lübeck zerstört wurde. Ein Erfolg der Bemühungen setzte erst ein, als 1143 Graf Adolf 11. von Schauenburg mit unserem Gebiet belehnt wurde. Mit Hilfe der Kirche und angeworbener Siedler sicherte er sein Lehen. Zum Schutz vor den Slawen - und nicht nur für den Gottesdienst - wurden Kirchen errichtet: in Bosau, Lütjenburg, Süsel und 1156 in Ratekau. Die Kirchen waren Gotteshaus und Wehranlage zugleich, Noch heute steht die aus unbehauenen Feldsteinen und Segeberger Gips errichtete Ratekauer Kirche in ihrer ursprünglichen Form vor uns. Urn den Bau der Kirchen haben sich die Bischöfe Vicelin und Gerold (Ratekau) verdient gemacht.

In diese Zeit der Kolonisation, der Christianisierung und der Regermanisierung unserer Gegend fallen viele Ortsgründungen, die schon an den deutsch klingenden Namen zu erkennen sind: Ruppersdorf (Dorf des Ruppert, des Ruhrnvollen), Rohlsdorf (Dorf des Rolf, des Ruhmvollen), Ovendorf und Offendorf (Dörfer des Offen), Luschendorf (Dorf des Lossen), Kreuzkarnp (zwei Wege kreuzen sich), Hobbersdorf (Dorf des Hobrand), Wilmsdorf (Dorf des Wiebert) und Warnsdorf.

Unter den Nachfolgern Graf Adolfs Ill. von Schauenburg wurde 1273 der ehernalige Slawengau Ratekau aufgeteilt. Die Besitzverhältnisse wechselten häufig, oft gab es in ei-

nem Dorf mehrere Grundherren. Sämtliche Besitzwechsel aufzuzählen, ist hier nicht möglich. An einem Beispiel soll gezeigt werden, wie am Ende der Reformation (1561 erhielt das Kirchspiel Ratekau seinen ersten evangelischen Pastor) die Besitzverhältnisse im heutigen Gemeindegebiet waren. Es gehörten: dem Eutin-Lübecker Fürstbischof: Hobbersdorf, Offendorf, Ratekau (ohne Kirche und Pastorat), Rohlsdorf, Ruppersdorf, Sereetz und Techau; zum Dornkapitel (Lübeck): Häven, Pansdorf z. T., Ovendorf; zum Amt Ahrensbök (holsteinisch-dänisch): Luschendorf; zum Johanniskloster (Lübeck): Wilmsdorf; zu adligem Besitz: Pansdorf z. T. und Ovendorf. Die Ratekauer Kirche mit Pastorat gehörte dem holsteinischen Herzog.

Bis zum Jahre 1857 gab es noch keine Gemeinden im heutigen Sinn. Die Verwaltung wurde von sogenànnten Ämtern ausgeführt. Für das heutige Gemeindegebiet waren es vor allem die Ämter Kaltenhof (nach einem 1280 von Bischof Burchard von Serken gegründeten Gut), Großvogtei (beide bildeten ab 1842 das Amt Schwartau) und Ahrensbök. Mit der 'Gemeindeordnung für das Fürstentum Lübeck von 1857' wurden die Ämter aufgelöst und Gemeinden gebildet. So entstanden damals die Gemeinden West-Ratekau (Ratekau, Sereetz, Hobbersdorf, Ruppersdorf, Techau, Rohlsdorf, Hemmelsdorf, Pansdorf', Groß und Klein Tirnmendorf und Luschendorf) und Ost-Ratekau (Offendorf, Grammersdorf, Ovendorf, Wilmsdorf, Warnsdorf, Häven und Niendorf). 1933 wurden diese beiden Gemeinden zur Vereinfachung der Verwaltung zu einer Großgemeinde zusammengefaßt. 1945 wurden auf Anordnung der britischen Militärbehörden die Ortschaften Niendorf', Groß und Klein Timmendorf und Hemmelsdorf vom Ratekauer Gemeindegebiet abgetrennt und zu einer selbständigen Gemeinde zusammengelegt. Wenn man das 1939 eingeweihte hübsche Ratekauer Rathaus besucht, findet man an der Eingangstür noch die Namen aller Orte der Großgemeinde Ratekau ausder Zeit vor 1945.

Außer durch seine Kirche ist der Ort Ratekau noch durch die

Ereignisse des Jahres 1806 bekannt geworden. Nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt flüchtete der spätere General von Blücher vor den Franzosen und kam bis nach Ratekau, wo er sich am 6.17. November 1806 aufhielt und im alten Pastorat kapitulierte. Erinnerungen an dieses Ereignis findet man in Ratekau mehrere: Blüchereiche mit Stein, Stein im Pastoratsgarten, Blücherzimmer im Hotel 'Zur Linde'.

Seit 1945 erlebte die Gemeinde Ratekau einen enormen Aufschwung. Wie jede andere Gemeinde hatte auch Ratekau zunächst stark unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu leiden. Doch mit der beginnenden Umsiedlung der Flüchtlinge nach Westdeutschland oder der Ansiedlung in den Dörfern der Gemeinde selbst begann die Zeit der Besserung. Durch die Ausweisung von Bauland und Industriegelände wuchs die Gemeinde Ratekau zu einem blühenden Gemeinwesen heran. Eine Grundschule, drei Grund- und Hauptschulen, eine Realschule , vier moderne Turnhallen, fünf ausgezeichnete Sportplätze, Volkshochschule, ein reges Vereinsleben, eine Badeanstalt am Hemmelsdorfer See und günstige Verkehrsverbindungen nach Lübeck und Bad Schwartau machen die Gemeinde zu einem beliebten Wohngebiet. Die nahe Lage zur Ostsee und ausgedehnte Wälder mit vielen Wander- und Radwanderwegen lassen im Sommer viele Fremde die Gemeinde Ratekau als Ferienziel auswählen.

Sehr herzlich bedanke ich mich bei folgenden Damen und Herren, die mir bei der Zusammenstellung der Texte behilflich waren oder Bilder zur Verfügung stellten: Heidebert Mahnkopf, Ulrich Moll, Else Böbs, Freimut Hamann, Rosemarie und Henner Stooß, Walter Langhoff, Luise und Wolfgang Sudau, Gabriele Priedemann, Elsbet Rohrer , lnge Bluhm, Rüdiger Stooß, Adelheid und Alexander Pfau, Heinke Stoffers, Dr. Ingo Dietrich, Bernhard Hohn, Claus Friedrichsen, Kathrin Ilgener, Horst-Wilhelm Ströh, Walter Prehn, Felicitas Anders, Hans Schacht, Dorothea Behr, Anni Englerund Frau Frost.

1. Aus Nordosten schwebten Pilot und Fotograf in ihrem Flugzeug auf Ratekau zu und hielten fest, wie das Dorf vor ungefähr sechzig Jahren aus der Luft aussah. Die Anlage des Ortes als slawischer Rundling ist sehr schön zu erkennen. Den Mittelpunkt des Dorfes bildeten Dorfplatz und Kirche, um beide herum lagen die Gehöfte der Bauern. Nichts ist von den großen Neubaugebieten der letzten vierzig Jahre zu erkennen. Auf den Feldern im Hintergrund stehen heute (von rechts) die Häuser der Baugebiete Rosenstraße, Jürgen-Glüe-Koppel und Wuhrowstraße - daneben das Schul- und Sportplatzgelände. Als hellen Strich erkennen wir die heutige Bäderstraße.

2. Welch ein bauliche Entwicklung hat der Ort Ratekau hinter sich! Kaum ist noch der alte Dorfkern an der Kirche und um den Dorfplatz herum zu erkennen. Gewaltige Neubaugebiete sorgten seit ungefähr 1955 für eine Versechsfachung der Einwohnerzahl (heute rund 3 650 Einwohnerinnen und Einwohner). Eingeschlossen von der Bundesstraße 207 am Rande des Riesebusches und der Eisenbahnstrecke Lübeck-Neustadt (1925 eingeweiht), bleiben dem Ort kaum noch Möglichkeiten einer weiteren Ausdehnung. Am unteren Bildrand erkennen wir die Ratekauer Anschlußstelle der Autobahn A 7 (seit 1975), die links nach Lübeck und rechts nach Neustadt führt.

3. Als nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) durch den Zustrom vieler Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und deren Unterbringung und spätere Ansiedlung in Ratekau die Volksschule in der Alten Schulstraße zu klein wurde, wurde die heutige Grund- und Hauptschule errichtet. Dieses Gebäude, 1949 eingeweiht, war der erste Schulneubau in Schleswig-Holstein nach dem Krieg. Die Schule lag damals am Rande des Dorfes. Die freie Fläche hinter dem Schulhaus diente als Sportgelände, am oberen Rand erkennen wir das Fritjof-Nansen-Heim.

4. Auf der neuen Aufnahme von 1990 befindet sich rechts in der Mitte die Grund- und Hauptschule Ratekau, bis heute durch mehrere Erweiterungsbauten vergrößert. Der moderne Sportplatz (1976 fertiggestellt) und die Turnhalle (bei der Einweihung 1967 war sie die modernste SporthalIe im damaligen Kreis Eutin) bieten der Schule und dem TSV Ratekau ausgezeichnete Sportmöglichkeiten. Neben der Turnhalle steht der Evangelische Kindergarten, das frühere Fritjof-Nansen-Heim. Unterhalb der Sportanlagen verläuft die Bäderstraße, oberhalb erkennen wir die Jürgen-Glüe-Koppel.

5. Rückansicht der Feldsteinkirche in Ratekau. Die Kirche wurde im Zeitalter der Christianisierung und Rückeroberung von den Slawen ab 1156 erbaut. Gut zu erkennen ist die Abstufung Turm, Kirchenschiff und Altarraum. Rechts befindet sich die 1913 angebaute Sakristei. Als 1985 der Kirchturm neu eingedeckt werden mußte, hatte man sich kirchlicherseits für ein Dach aus Bleiplatten entschieden. Als diese Entscheidung in der Öffentlichkeit bekannt wurde, gab es einen massiven Protest weiter Bevölkerungskreise. Auf Grund des öffentlichen Drucks erhielt der Kirchturm doch wieder ein Dach aus Holzschindeln.

6. Um den Ort Ratekau attraktiver zu gestalten und die Kirche noch mehr in das Blickfeld der Einwohner und Fremden zu stellen, wurde 1989 in Gemeinschaftsarbeit mehrerer Vereine, Verbände, der Gemeinde und der Kirche eine Beleuchtungsanlage installiert. Allabendlich erstrahlt die Kirche nun im hellen Licht der Scheinwerfer. Dern Betrachter bietet sich ein eindrucksvolles Bild - vor allen Dingen, wenn er sich von Ruppersdorf oder von Norden her auf der Autobahn Ratekau nähert.

7. Dieses Bild aus dem Jahr 1906 zeigt das Kircheninnere, wie es seit den Renovierungsarbeiten durch Pastor Eckermann in den Jahren 1820 bis 1822 aussah. Der Altar stammt aus der Zeit vor 170 Jahren, die Kanzel erhielt damals ihren jetzigen Platz. Zwei Etagen Gestühl wurden angebracht. Jeder Platz wurde für 120 Taler an seinen Besitzer verkauft. Mit diesem Geld bezahlte man die Renovierung. Ganz glücklich waren Pastor Eckermanns Nachfolger nicht über das zweistöckige Gestühl, saß ihnen doch ein Teil der Gläubigen bei der Predigt Auge in Auge gegenüber. Die beiden Kronleuchter wurden 1900 der Kirche vom Besitzer des Hofes Alt-Ruppersdorf, Gustav Schulte, geschenkt.

8. Bei zwei größeren Restaurierungsarbeiten (1933 und 1956) erhielt die Ratekauer Kirche ihr heutiges Aussehen. Das zweistöckige Gestühl wurde abgebaut, Altar und Kanzel wurden umgebaut bzw. erneuert, die jetzt sichtbaren Deckenbalken entdeckt und freigelegt. Das um 1600 geschaffene Kruzifix erhielt 1989 seinen jetzigen Platz im Triumphbogen. Auch heute findet, dank der Unterstützung durch den Förderverein der Kirche , eine laufende Erneuerung der Feldsteinkirche in kleinen Schritten statt: neue Verglasung der Fenster, Anschaffung stilvoller Lampen, Zuschüsse zu einern bronzenen Lesepult - um nur einige Maßnahmen zu erwähnen. Als nächste große Aufgabe hat sich der Verein die Anschaffung neuer Glocken gestellt.

9. Zum Dorfkern Ratekaus gehört seit über 130 Jahren neben der Kirche und den Bauernhöfen rund um den Brink (Dorfplatz) auch der Gasthof 'Zur Linde'. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts (1859) wurde das Lokal von dem Zimmermeister Quitzow erbaut. Sieben Besitzer hatte es seitdem. Für viele Vereine und Organisationen war die alte 'Linde' Treffpunkt. Bunte Abende, Karnevalsveranstaltungen, Turnschauen und Kinderfeste fanden hier statt. Als es in Ratekau noch keine Turnhalle gab, wurde der Saal von der Volksschule und dem TSV Ratekau als Turnboden genutzt. Da eine Renovierung wohl nicht mehr möglich war, wurde das Gasthaus Anfang des Jahres 1980 abgerissen.

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