Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Werner Winzer
Gemeente
:   Rüdersdorf
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5834-3
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Als ich den ersten Band 'Rüdersdorf in alten Ansichten' zusammenstellte, war ich mir des Erfolges noch nicht sicher. Nachdem die erste Auflage Ende 1992 innerhalb weniger Wochen bereits vergriffen war und eine zweite Auflage erschien, kam mir der Gedanke, einen weiteren Band zu schreiben.

Der vorliegende Bildband soll Ihnen zum Bergmannsfest 1994 erneut Freude bereiten und gleichzeitig ErinnerungsSouvenir für unseren Heimatort sein. Eine seit rund zehn Jahren in mir schlummernde Idee kann ich nun mit dem vorliegenden Band verwirklichen. In unzähligen Gesprächen mit alten Rüdersdorfern, von denen viele schon nicht mehr unter uns weilen, aus vielen Dokumenten, Büchern und Zeitungen und durch meine über zehnjährige Tätigkeit als Ortschronist, sammelte ich das dazu notwendige Material.

Sie werden in diesem zweiten Band nicht nur neue alte Ansichten sehen - die ich übrigens mit Höchstgeboten auf einigen Auktionen erwerben konnte. Neben den zwei bis drei bisher bekarmten Rüdersdorfer Sagen, die ja nur aus wenigen Sätzen bestehen, werden Sie Sagen, Märchen, Geschichten, Erzählungen und Beiträge , eine Vielzahl davon von mir geschrieben, finden. Dazu noch Gedichte aus alter und neuer Zeit sowie Lieder, die allesamt auf Überlieferungen oder Erzählungen von Veteranen beruhen. Es soll eine kurzweilige Ergänzung der Fotos und ihrer Texte sein.

Viele meiner Leser gaben mir neue Hinweise, als sie sich von mir signierte Bildbände holten. Daraus wurden neue Ideen, die Sie sicherlich in diesem Buch wiedererkennen, wozu auch die Korrektur von drei nicht korrekten Angaben im ersten Band gehören ...

Mein Dank richtet sich auch an die Mitglieder der ehernaligen AG 'Ortschronik' . Die ersten dreißig Originalansichtskarten aber schenkten mir zu Beginn meiner Tätigkeit die Heimatfreunde Egon Denke und Bernhard Rösler, unterdessen leider viel zu früh verstorben. Mit dem Heimatforscher Donke saß ich mehrere Nächte bis in die Morgenstunden hinein zusammen, beim Sichten alter Fotos. Er gab mir unzählige Informationen, erzählte Episoden und ebnete mir den Weg für meine Arbeit. Zu den von mir erstmals schon 1980 organisierten Heimatausstellungen kam er, mit einer Leselupe, und studierte , dabei auf einen Stuhl sitzend, der für ihn bereit stand, stundenlang die Auslagen und sagte oft: 'Es ist doch erstaunlich, was da für mich als alten Rüdersdorfer doch immer wieder Neues zu sehen und zu lesen ist.'

Sicher wird es für Sie ebenso interessant sein, was die Rüdersdorfer oder ihre Besucher einst und bis heute in Geschichten, Gedichten und anderen Beiträgen über unsere Heimat von sich gegeben haben, Da ja viele von Ihnen, werte Leser, durch Informationen und Erzählungen, zum Erscheinen dieses Buches beigetragen haben, sorgten wir alle auch gemeinsam dafür, daß die Geschichte unserer

Heimat auch noch für die Nachwelt erlebbar bleibt. Schon jetzt liegen mir Bestellungen von Schulen oder Vereinen, die sich der Tradition verpflichtet fühlen, vor.

Leider kann unser Ort selbst zur Zeit weniger sichtbare Zeugnisse der Vergangenheit anbieten, als die Zementwerke - das war allerdings früher auch schon so. Kaum ein Haus im Ort steht unter Denkmalschutz - im Gegenteil, denkmalschutzverdächtige Gebäude, wie das alte Freihaus in Rüdersdorf, wurden abgerissen, was vermutlich auch dem Geburtshaus von Giacomo Meyerbeer bevorsteht. Dennoch, Geschichte spürt auf Schritt und Tritt, wer mit offenen Augen und etwas vorbereitet durch unseren Ort geht. Auch denen sollen die Bildbände dienen. Wie weiland Phönix aus der Asche stieg, wird auch unser Rüdersdorf - seit der Wende bin ich völlig davon überzeugt - allen Schwierigkeiten zum Trotz, die unsere Einwohner schon seit allen Zeiten mit Optimismus und Tatkraft meisterten, wieder für uns lebenswert und für unsere Gäste zu einem wieder zu entdeckenden Touristenmagneten werden! Das wird umso schneller gelingen, wenn solche Institutionen zum Schutz der Umwelt, wie unser Rüdersdorfer UmweItarbeitskreis bereits erfolgreich demonstriert, von allen Verantwortlichen gefördert und genutzt werden.

Seit meiner Tätigkeit als Ortschronist der Gemeindeverwaltung ab 1980 hatte ich zwei Frauen an meiner Seite, denen hier mein besonderer Dank gilt: Frau Marina Krüger, die vor und nach der Wende in der Gemeindeverwaltung

für die Kultur verantwortlich zeichnete, hatte für mich immer ein offenes Ohr, half mit Rat und Tat. Ohne sie hätte es sicher weder die bisherigen rund fünfzehn Heimatausstellungen noch die Traditionsveranstaltungen Rosenfest und Winzerfest oder die bisherigen drei geschichtlichen Geburtstagsmatineen im großen Saal des Kulturhauses gegeben! Und Frau Ruth Schmidt sorgte und sorgt noch heute, trotz Krankheit mit 77 Lenzen auf dem Rücken, unermüdlich als gebürtige Rüdersdorferin für immer wieder neue Informationen und Episoden aus ihren Erinnerungen, sammelt eifrig bei Bekarmten und Unbekannten weiter Materialien, Fotos und Dokumente. Sicher wird sie sich selbst und ihre Arbeit zum Wohl der Gemeinde mit vielen Bildern und auch Texten hier wiederfinden. Beide haben wesentlichen Anteil auch an diesen zweiten Rüdersdorfer Bildband!

Viel Vergnügen beim Anschauen und Lesen, vielleicht auch ab und zu eine Aha-Wirkung, neue wachwerdende Erinnerungen für die ich immer Abnehmer bin, wünscht Ihr

Werner Winzer, Ortschronist von 1980 bis 1994

1.

Fontane in Rüdersdorf

1887 verlebte der Dichter Theodor Fontane seinen Urlaub im damaligen Gasthaus 'Seebad', gelegen in und unterhalb der erst in den zwanziger Jahren erbauten Siedlung Seebad am Kalksee. Aus dieser Zeit gibt es zwei Gedichte:

Am waldessaum träumt eine Föhre, am Himmel weiße Wölkchen nur; Es ist so stille, daß ich sie höre,

die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein aufWies und Wegen, die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach, Und doch, es klingt, als stram' ein Regen Leis träumend durch das Blätterdach.

2. Als Fontane im folgenden Jahr von einigen Stammgästen wiederum eingeladen wurde, dem Wunsch aber nicht folgen konnte, sagte er ab und das auf seine eigene Art und Weise. Womit wir noch ein weiteres Werkchen von ihm zum Thema Rüdersdorf erhielten: Gruß nach 'Seebad' Rüdersdorf.

Fliege, leichtgereimte Zeile, Fliege hin mit Windeseile,

Fliege, schon warten Schiff und Ferge, Vorüber am Gasthaus zum Kranichsberge, Fliege, du kommst sonst zu spat zur Stelle, Vorüber selbst an der 'Liebesquelle', Fliege, schon glüht im Westen die Wolke, Hin zu dem Kusten- und Ufervolke, Grüße die Balls und die Dahns nicht minder, Grüße die 7levreuschen Kinder, Grüße Guttmann, grüße Nolte, Sage, daß ich gern kommen wollte,

Sag's und bringe jedem der Gaste Meine Grüße zum heutigen Feste.

Fontane 1887 auf Urlaub in 'Seebad'

Das ist keine Sage und auch kein Märchen. Der große deutsche Dichter Theodor Fontane verlebte vom 7. Juli bis zum 6. August 1887 im Rüdersdorfer Seebad einmal seinen Urlaub. Kaum zu glauben allerdings, daß er damals unsere Gegend wegen seines Ozongehaltes mit Interlaken und Biarritz verglich.

Nun gab es die heutige Siedlung Seebad zu dieser Zeit noch nicht. Vermutlich waren nur das heute noch stehende Gebäude des Kurhauses Seebad, seit vielen Jahren bis heute Kinderheim, und ganz sicher die ehemalige Gaststätte des Wirtes Liese mit vielen Sommerwohnungen 'Terrassenrestaurant Seebad' vorhanden. Unten am Strand hatte er noch einen kleinen Ableger mit einhundert Plätzen und etwas weiter nach Woltersdorf hin lag das Seebad mit Ausschank, später Freibad mit Restaurant. Dieses Restaurant von Schöpe überlebte den Krieg und war auch noch eine zeitlang nach 1945 geöffnet - ehe daraus ein Betriebsferienheim wurde. Die gastlichen Anlagen vom Fontanewirt Liese, die unterdessen in den Besitz vom Wirt Liesegang übergegangen waren, wurden durch Bomben schwer beschädigt. Den Rest besorgten die Besatzer und anschließend liebe Besucher, die mitnahmen was nicht Niet- und Nagelfest war. Nun gibt es nur einige wenige Mauerreste und den Eiskeller, wenn man von Fotos einmal absieht.

Auch in damaligen Anzeigen bot nur Liesegang, der sich auch aufFontane bezog, Sommerwohnungen und Logis an, während Herr Schöpe nur vom 'angenehrnen Aufenthalt in seiner Gaststätte und Seebad' sprach. Da Fontane in seinen Briefen unter anderem auch davon spricht, daß er aus seinem Fenster in 15 Meter Höhe über dem Kalksee einen herrlichen Bliek bis nach Erkner habe, die Schöpesche Gaststätte aber unten am Strand lag, kann es nur die nicht mehr vorhandene Einrichtung gewesen sein, was von noch lebenden Familienmitgliedern auch bestätigt wurde.

Wer Näheres über Fontanes Besuch in Seebad wissen möchte, sollte das im Buch des Schriftstellers Albert Burkhardt nachlesen. Sicher ist, daß Fontane auch ein Gedicht über den Kalksee schrieb und ein Jahr später mit einem weiteren Gedicht kundtat, daß er einer erneuten Einladung leider nicht folgen könne.

Die Rüdersdorfer Studentin Ines Elsner aus der Künstler-Siedlung fand übrigens 1992 heraus, daß Fontane auch an einem anderen Rüdersdorfer Thema arbeitete. So hat er intensive Reeherehen zum Thema 'Tasdorf-Minister von Meinders', die ja einmal Besitzer dieses Dörfchens waren, angestellt. Sie waren aber nicht ergiebig, sodaß Fontane 1879 das Vorhaben einstellte. Anzunehmen ist aber, daß er bei seinen Wanderungen in unserer Gegend 1887 auch noch einmal an Ort und Stelle Erkundungen über Meinders Wirken in Tasdorf einholte ...

IJ,U/m;4IIIf~ .

und zieh' ihn Interlaken odet Ragaz oder ThaIe weit vor'" ???? schon 1887 Theodor Fontane, als er in einem Brief vom ?? Seebad ROdenldort" ?????? jeMr"G~ die noch heute, herrlich gelegen, ihren Gästen alle Annehmlichkeiten bietet. s.aa Fontane dama's, daß "beide, er und sie, ausgezeichnete Wirte, verbindlich und ~ ????? 80 darf auch heute versichert werden: die Gäste fühlen sich wohl und werdeD bestena biiwirtet.

Gustav Liesegane Seebad ROCIef8do" ? ~~ und Sommeraufenthalt bestens

geeignet. Terrassen am See - Freibad - 'ti 1eenJaaft erleuchteter Tanzfläche -

Zimmer rnit und ohne Pension - Großer ~. - Reizvolle Spaziergänge

am Seeufer - Kommen Sie, sagen Sie miti ?? Bleichr6der gehört nach Trepor

oder Biarritz, i c h gehöre nach Seebad R es Ausflugsziel fOr Betriebs-

gefolgschaften und Vereine. SpielpWze vorhandén ?.

l Gustav Liesegangs Seebad Rüdersdorf bei Berlin

Femruf 09 (ROdersdorf) 308

Fahrverbindungen : Stadtbahn bis Rahnsdorf. dann Straßenbahn bis Woltersdorfer Schleuse. Von hier 20 Minute., herrlicher Uferweg am Kalksee bis zur Gaststltte oder auch Motorbootverbindung.

oder Stadtbahn bis Friedrichshagen. dann Straßenbahn bis ROdersdorf und wieder schOner Uferweg zu ?

. ~~sts!';tte oder Motorbootverbindung. .

A os. uber Erkner WoltersdoM oder über Dahlewitz, Tasclorf. ROdersdorf. Nach fertigstellung des Berliner RInges der Reichsautobahn Abfahrt in ROdersdoM in NAhe der Gaststätte.

3. Aus dem seinerzeitigen Urlaub Fontanes im vorigen Jahrhundert im Hotel Seebad am Kalksee machte später Herr Liesegang reichlich Reklame. Wenn es auch Ähnlichkeiten mit dem Namen des ersten Besitzers Liese gibt, ist es reiner Zufall, daß der neue Besitzer Liesegang hieß. Er kaufte das gastliche Haus samt Sommerwohnungen, pflegte auch den sehenswerten Park, schuf eine feenhaft beleuchtete, unter Glas befindliche Tanzfläche und loekte zusätzlich mit den Namen Fontanes neugierige und zugleich zufriedene Gäste in die Stätte seines Wirkens. Einige Jahre lang waren sein Anwesen und das daneben liegende Sanatorium wohl die einzigen Häuser hier. Erst in den zwanziger Jahren wurde die Siedlung Seebad gegründet, womit Rüdersdorf einen weiteren Ortsteil erhielt - sicher einen der Schönsten!

Wie der Herrgott den Stienitzsee erschuf ... und Petrus dem Tenfel ein Schnippchen schlug

Es war dunne mals um jene Zeit, als der Liebe Gott dabei war, unsere schöne Weltzu erschaffen. Und wie das Leben so spielt, kam er natürlich auch in unsere Gefilde. Das große Urmeer war verschwunden und unsere Gegend lag brach und bloß da. Von seinem großen Werk ein wenig Müde geworden, legte sich der Herr auf einer großen Sandfläche in einem Tal zwischen den Kalkbergen und den Wäldern und der Heide nordöstlich davon, zur wohlverdienten Ruhe nieder.

Als er erwachte, verspürte der liebe Gott ein großes Durstgefühl. Weit und breit aber sah er kein Wässerlein. So half er sich selbst, drückte mit seinen Daumen ein Loch ins Erdreich und siehe - eine Quelle tat sich auf und feinstes klares Wasser sprudelte hervor. Schon in wenigen Stunden hatte sich das liebliche Tal mit klarem blauem Wasser gefüllt - der Stienitzsee ward geboren.

Der böse Teufel aber, der schon eine Zeitlang verbissen und mit grimmigen Blieken dem Herrgott bei seiner Arbeit zusah, wartete ungeduldig ab, bis das Schöpfungswerk an anderer Stelle fortgesetzt wurde. Dann aber lief der Pferdefüßige einmal um den See herum. Überall wo sein Pferdefuß hintrat, sprudelten (bis heute noch) unzählige Quellen hervor- weit mehr, als dem See lieb sein konnte. Die Wasserfläche wurde größer und größer. Als sich die Fluten über eine schöne bunte Blumenwiese auszubreiten begannen, da entdeckte Petrus das Teufelswerk. Er, der gemächlich auf einer weißen Lämmerwolke durch den azurblauen Himmel schwamm, neigte sich ein wenig nieder und machte mit seinen langen Himmelstorstab in Richtung Kalkgebirge eine Delle im Uferrand des Sees. Nun floß das Wasser hurtig und mit großem Eifer in vielen Windungen durch das Fließ, das die Menschen später das Mühlenfließ nannten, ab. Der See ward gerettet ...

... und der Teufel dachte: Besser hätte ich es auch nicht machen können ..?

Als Krönung eines Tageswerkes bei der Schöpfung der Rüdersdorfer Welt hatte der liebe Gott den Stienitzsee erschaffen. Als der Teufel trotz seiner boshaften Einmischung das nicht verhindern konnte, wedelte er mit seinem Schwanze einmal über die ganze Umgebung des Sees, so daß es noch wochenlang nach Schwefel gen Himmel stank. Schließlich schlug er sich verärgert in die Büsche. Die standen am Rande des einmal sogenannten Weinmeisterluches, etwa dort, wo Millionen Jahre später das Betonwerk seine Ablage einrichten würde.

Zuerst ärgerte sich der Geschwänzte noch einmal gründlich, dann startete er senkrecht in die Höhe, so daß er kaum noch von der Erde aus zu erblicken war. Aber dann. Ja, dann sauste er aus Himmelshöhen, Feuer, Gestank und einen langen schwarzen Qualm- und Schwefelschweif hinter sich lassend, wie ein geölter Blitz zur Erde nieder. Hier aber riß er das Erdreich beim Aufprall mit großem Knall und einer riesigen Staubwolke klaftertief auf, um schließlich darin mit Gedröhn und rundherum eine schwankende Erde hinter sich lassend zu versinken. Fortan hieß dieser Teil unserer Landschaft zwischen Stienitzsee und Kriensee das Teufelsluch. Und als just an dieser Stelle später ein kleiner Teich oder Pfuhl entstand, erhielt er den treffenden Namen Teufelspfuhl.

Dem kam entgegen, daß an mancherlei Stellen um unseren Ort herum damals und heute noch nicht nur viele Quellen sprudelten, sondern manche von ihnen sogar heißes Wasser an die Erdoberfläche brachten. Solch heißes Wasser stieg auch im Teufelspfuhl auf. Bald hieß es, sah man die weißen kleinen Dampfwölkchen aus dem Pfuhl aufsteigen. Aja, heute hat der Teufel wieder einige Sünder in seinem Kessel. ..

Es soll im Jahre 1985 gewesen sein, als sich der Teufelleibhaftig wieder einmal auf die Reise durch das Erdinnere an die Oberfläche machte. Er wollte seinen eigenen See einmal von oben sehen. Zuerst war er aber ganz schön geschockt. Weder ein See, noch ein wirkliches Luch konnte er entdecken. Nicht die vielen tausende Kleinlebewesen, weder kriechendes noch fliegendes Getier, die unser Petrus ehemals hier angesiedelt hatte, ließen sich sehen. Nur Trümmer von Betonteilen, Abfall aus dem Zementwerk II und sonstiges Gerümpel mußte er schon bei seinem Aufstieg aus der Hölle durchstoßen. Daher kam er schon völlig abgeledert und verdrossen, auch nur noch rnit einem halben Pferdehuf, an die Oberfläche. Und nun das noch! 'Donnerwetter und Verflixt!' rief er verwundert und überwältigt von dem trostlosen Anblick aus. 'Das ist ja ein höllisches Dureheinander und ein großer Dreckhaufen!' Dann überlegte er einen Augenblick, wedelte nun vergnügt mit dem lädierten Schwanz herum und meinte - etwas nachdenklich und diabolisch grinsend: 'Na, ja, eigentlich hätte ich es nicht besser machen können. Nun haben die Menschen selbst aus dem Pfuhl einen Teufelshügel gemacht.' Sagte es - und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Möglicherweise irrte er sehr, als er meinte, das bliebe nun auf ewige Zeiten so. Damals kannte er noch nicht die aktiven Menschen im heutigen Rüdersdorfer Urnweltarbeitskreis, die den Schutz der Umwelt und Natur unter ihre Fittiche genornmen haben ...

Kalkberge i. M.

4. Hinter dem Schornstein links lag der Teufelspfuhl im Teufelsluch. Bildmitte: der Kriensee-Krienhafen.

Wie der Rüdersdorfer Kalk-Berggeist entdeckt wurde

Zu jedem Gebirge gehörte früher auch ein Geist. Rübezahl zum Riesengebirge und die Kalk-Berggeister zum Rüdersdorfer Kalkgebirge, wie man es damals nannte. Damals, vor hunderten von Jahren, hatten die Bauern, die den Kalk brachen, jeder noch sein eigenes Kalkloch. Eines Morgens bemerkte Bauer Kröger, daß an seinem Kalkloch bereits ein frisch ausgehackter Kalksteinhaufen lag - er brauchte die Kalksteinbrocken 'nur' noch einschaufeln und wegkarren. Erstaunt schaute er in die Höhle. Dort stellte er fest, daß sie über Nacht ein erkleckliches Stück größer geworden war. In einem Ausmaße , was er selbst gar nicht hätte schaffen können. 'Wie denn,' dachte er, 'nachts im Dunkeln war eine Arbeit doch gar nicht möglich! Wer könnte denn das gewesen sein?'

Etwa eine Woche später geschah dergleichen wieder- und auch diesmal geschah das Wunder nur in seiner Höhle. Es gab keine Erklärung. Auch die Mönche, denen dieses Geschehen nicht verborgen blieb, begannen bereits an ein Wunder zu glauben. Allerdings gab es nicht wenige Stimmen, die von Teufelswerk sprachen.

Nun packte ihm aber die Neugier gar schier zu arg. Eines Abends blieb er unbemerkt in einer Nachbarhöhle zurück und harrte der Dinge, die nun hoffentlich kommen würden.

Es muß wohl so um Mitternacht gewesen sein (der Bauer war indes etwas eingenickt), als er aus dem Schlaf aufschreckte. Lärm schallte aus seiner Höhle an sein Ohr. Wirklich, da flogen doch in hohem Bogen große Kalksteine aus seiner Höhle. Flugs eilte er nun hinzu, brannte einen Kienspan an und sah - wie ein kleines Männlein mit langen weißen Bart und grau beharrt von oben bis unten mit bloßen großen Fingern und Händen in ungeahnter Geschwindigkeit den Kalkstein aus der Wand holte und aus der Höhle warf. Der Rüdersdorfer Kalk-Berggeist aber, um den es sich hier handelte, war nicht erschrocken. Er legte seine Finger auf den Mund des Bauern und sprach: 'Hab keine Angst, ich hatte dich schon erwartet. Nur, weil du so arm bist und viele Kinder zu ernähren hast, helfe ich dir. Behalte das aber als dein Geheimnis. Komme nie wieder nachts hierher, sonst kann ich dir nicht mehr helfen.' Mit diesen Worten entschwand der nächtliche Besucher im wahrsten Sinne des Wortes in der Kalksteinwand.

Der Bauer freute sich und schwieg. Aber das Schweigen wurde bald fast unerträglich für ihn. Immer offener zerrissen sich die Teufelsaustreiber auch schon die Zuge über ihn: er sei im Bunde mit dem Bösen und so. Da sprach der Bauer erst einmal mit seiner Frau. Sie wurde nun nicht vor Freude bleich, sondern vor Angst. Dann eilte sie in die Kirche und offenbarte sich den Mönchen - zu ihrer Seele heil. Zugleich aber erzählte sie ihrer besten Freundin unter dem Siegel der Verschwiegenheit davonund damit war die Sache am anderen Tag im Dorf herum!

Eine nächtliche Invasion der Bauern in die Bauernheide begann. Mehrere Wochen lagen sie vor ihren Höhlen und warteten auf ein Wunder - und wenn sie nicht gestorben sind, warten sie noch heute ...

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