Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Werner Winzer
Gemeente
:   Rüdersdorf
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5834-3
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2'

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5. Denken sie sich die Riesengrube weg. Hier etwa befand sich in Höhe der Büsche die Bauernheide.

Fast 150 Jahre Rüdersdorfer 'Bergmusiker'

Auf eine lange Tradition kann das Bergmannsfest, Knappschaftsfest oder auch Bergfest genannt, zurückblicken. Nur im Kriegsjahr 1870 und während der Nazizeit ab 1939 wurden die Feste abgesetzt. In der DDR gab es sie auch noch einige Male, dann eine Zeitlang nur noch im Kulturhaus für die Bergleute und meist auch 'Tag des Bergmanns' bezeichnet, verschloß man sich schließlich im Bergwerk völlig und beging diesen Tag unter sich, möglicherweise wegen des immer wieder auftretenden Unmuts der übrigen Werktätigen im Zementwerk, die keine Bergmannsprämie erhielten.

Es war kein ungeschriebenes Gesetz, daß die Knappen zum Fest im vorgeschriebenen Anzug, bestehend aus Kittel, Leder (auch Arschleder genannt), Hose und Schachthut teilzunehmen hatten. So war es kein Wunder, daß die Betriebsangehörigen stolz auf ihre Uniform waren. Wollte um 1900 ein Arbeiter im Bergwerk arbeiten, mußte er nicht nur einige Bürgen beibringen, sondern auch nachweisen, daß er das Geld zum Kauf der obligatorischen Bergmannsuniform habe.

Nun, zu jedem Fest gehört auch eine richtige Musike. Das fiel schon beim Bergmannsfest auf (zur Erinnerung an den Besuch seiner Majestät König Friedrich Wil helm IV. mit seiner Gemahlin Elisabeth und dem notwendigen erlauchten Anhang im August 1841), das zum ersten Male zum Geburtstag des Königs (allerdings zwei Tage später) am 17. Oktober 1841 im Alten Grund am Kesselsee stattfand. Gegen die in schmucken Bergmannsuniformen steekenden Bergleute fielen die Musikusse in ihrer verschiedenartigen bunt zusammengewürfelten Zivilkleidung besonders auf.

Der Geheime Bergrat und Oberbergrat Cramer setzten sich daher tatkräftig dafür ein, daß auch in unserem Kalkbergwerk ein uniformiertes Musikkorps entstand. Stabstrompeter Pichin von der Gardekavallerie in Berlin bildete am 2. Dezember 1856 die Bergkapelle. die vorerst aus 14 'Bergsängern' bestand. Ja, Bergsänger nannten sie sich noch lange Zeit - obwohl sie nicht sangen, sondern musizierten.

Einern alten Brauch folgend, wurde schon seit langem vor Beginn der täglichen Arbeit ein Gottesdienst abgehalten und zwar in dem sogenannten Bethaus, das gleichzeitig auch als Kaue diente , wo man sich der Zivilsachen entledigte und Arbeitszeug anzog, Wobei man, besonders in der DDR, versuchte, die Geschichte anders darzustellen und nur noch von den ehemaligen Kauen sprach.

6. Die 'Bergsänger' um 1930. Unter ihnen Erich und Franz Knospe, Pau! Scho!z und Erich Sasse.

7. Der Zug der Bergknappen in der ehemaligen Redenstraße,

Damals gab es eine Sängergruppe, die 'Bergsänger' genannt wurde und praktisch zu den Gottesdiensten die notwendigen Lieder sangen. Noch im Jahre 1910 erhielt der damalige Leiter der Bergkapelle, Kühne, einen Brief, der an die 'Bergsänger' , womit die Kapelle gemeint war, adressiert wurde. Als am 20. März 1880 der 'Deutsche Männerchor' gegründet wurde , übernahm der Leiter der Bergmusik August Blankenburg auch die Leitung des neuen Chores. Der setzte sich vor allem aus Bergleuten und Handwerkern zusammen, zählte aber später viele honorige Bürger in seinen Reihen. Blankenburg dirigierte sie bis 1886. Über dreißig Jahre lang führte sie Musikmeister Ferdinand Kühne von Erfolg zu Erfolg. 1925, als Herr Pape die Leitung der Kapelle übernahm, hatte er ein hervorragendes Musikerkollektiv vor sich, mit dem er unzählige Konzertreisen machte. In ihren schmucken Uniformen und Dank ihres Könnens traten die Musiker nicht nur zum Bergfest auf, sondern in ganz Deutschland und oft auch in der Hauptstadt Berlin. Sie spielten im Berliner Rundfunk und bei Funkausstellungen am Funkturm. Überall wurden sie stürmisch gefeiert.

Schon in der Stummfilmzeit war Rüdersdorf durch die Mia May Filmgesellschaft in Woltersdorf, die als 'Kulissen' auch die wild-romantische Gegend um den Heinitzsee nutzte, bekannt. Als hier zum ersten Mal ein Tonfilm gedreht wurde, waren auch unsere Bergmusiker mit dabei. Der Film hieß 'Kameradschaft' und behandelte die Hilfsaktion deutscher Kumpel über die Landesgrenzen hinweg bei einem Grubenunglück in Frankreich.

Oft begleiteten die Musiker auch Solisten der Deutschen Staatsoper und des Operettentheaters Berlin, die in Rüdersdorf auftraten, zum Beispiel am 2. Juli 1932. Nicht zu vergessen, die in jeder Sommerwoche im Redenpark stattfindenden Konzerte.

Im Einvernehmen mit der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft sollte erstmals 1939 auch eine Amerikareise durchgeführt werden - die Koffer waren sozusagen bereits gepackt. Hitler aber hielt es für angebracht, anstatt seiner Künstler, die Armee zum größten Krieg dieses Jahrhunderts in Marsch zu setzen. Er brachte den Rüdersdorfer Klangkörper um seinen größten Erfolg!

8. Die neue Bergkapelle unter Leitung von Wolfgang Schrniele 1985 beim Bergfest. Rechts Harry WeidIer mit dem wiederentdeckten alten Schellenbaum.

Nach Kriegsende konstituierte sich bereits am 6. November 1945 das Bergorchester erneut unter der Leitung von Herrn Pape. Am 11. Dezember 1953 wird aus dem Bergorchester das Werkorchester. Von nun an schwingt Fritz Möller, der sich auch bei der Geburt des Orchesters große Verdienste erwarb, viele Jahre lang den Taktstock in und außerhalb des Kulturhauses, ob mit dem großen Orchester oder bei den beliebten Tanzteekonzerten im Vestibül.

Etwa 1953/54 etablierte sich ein zweiter Klangkörper- als Blasorchester der GST - eigentlich der echte Nachfolger der Bergkapelle. Viele Jahrzehnte wurde es von Siegfried Ulfert geleitet und war ebenfalls weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Es war übrigens das erste Orchester, daß ich für den nach einem zweijährigen ernsthaften Streit mit allen Partei- und Staatsinstanzen des Kreises schließlich doch erlaubten, von mir 1962 erstmals organisierten Karneval mit Prinzenpaar (das war das mißliebige Korpus delikti!), gewinnen konnte!

Seit etwa 1980 treten nun die Musiker des Blasorchesters, in dem auch das Werkorchester integriert wurde , unter Leitung ihres Dirigenten Wolfgang Schmiele erfolgreich bis heute in die Fußstapfen der ehemaligen Bergkapelle! Unzählige Male ausgezeichnet, spielten und spielen sie sich - auch als wichtigster Klangkörper bei den seit 1962 jährlich stattfindenden Karnevalsveranstaltungen - in die Herzen ihrer Zuhörer! Zum 750jährigen Bestehen unserer Gemeinde erhielten die Musiker wieder eine schmucke Bergmannsuniform. Mein Vorschlag damit auch gleichzeitig wieder das Bergfest mit alten Traditionen autleben zu lassen, wurde nicht verwirklicht. Erst nach der Wende wurde 1990 das wichtigste Traditionsfest anstatt Heimatfest wieder Bergfest.

Interessant ist auch, daß man nach vierzig Jahren in einem Keller unter Lumpen und Abfall versteekt, den Instrumentenschmuck der Kapelle entdeckte , der dort seit 1945 lag. Darunter war auch eine Lyra und der Schellenbaum. Das Orchestermitglied Eduard Blaser brachte den Schellenbaum wieder auf Hochglanz und beschaffte die fehlenden Teile. Der Zementwerker Harry Weidier hatte es übernommen, den Schellenbaum beim Umzug zur 750-Jahrfeier der Gemeinde 1985 der Kapelle voranzutragen. Obwohl der Schweiß in Strömen floß, er mußte ja den Schellenbaum mehrere Kilometer tragen. hat er durchgehalten. Seine Uniformjacke hat man anschließend ausgewrungen und zwei Wochen zum Trocknen aufgehängt...

Das Bergmannsfest zu Rüdersdorf am 26. Juli 1874

Heut muß ich schon bei meinen Zeilen ein wenig länger noch verweilen

als sonst, weil, was ich hab' vorzutragen, verpflichtet bin, poetisch nur zu sagen.

So höret denn nach alter Sitte, so nenne sich in unserer Mitte

das Bergmannsfest, das stets, man kanns bekunden, des Beifalls viel in jedem Jahr gefunden.

Acht schlug die Uhr vom Kirchenturme, als unsere Knappschaft fast im Sturme im Festgewand und freudevoller Miene

zum Zapfenstreich auf unseren Platz erschiene.

Hier wird man, wie es sich gebühret, auch diesmal wieder aufgeführet.

Ein Umzug, der, als Böllerschüsse fallen,

Die Knappen weis in festgeschmückten Hallen.

Dort steh'n, kaum seinen Augen traute, wer jemals diesen Aufzug schaute,

der Jungfraun Schaaren, freudig voll verlangen, in weißen Kleidern, froh, sie zu empfangen.

Dem heit'ren Abend folgt ein Morgen; Vergessen sind die Alltagssorgen,

der Festtag strahlt, die Knappen sind gebeten, um Elf den Weg zur Kirche anzutreten.

Bald hört man Orgeltöne klingen,

den Bergmann Dankeslieder singen dem Gotte, der in Nöten und Gefahren sie alle gnädig wußte zu bewahren.

Die Orgel schweigt, Trompeten schallen, und sieht man jetzt die Knappen wallen in langem Zuge, um in zwölfter Stunde Parade abzuhalten in dem 'Grunde',

'Glückauf ertont's an allen Orten geöffnet wird die Eingangspforte und es beginnt um drei in alter Weise

ein Tänzchen nun im weiten Hallenkreise.

Die Menge wogt. Nach allen Seiten sieht man der Gäste viele schreiten,

die würfelnd hier und treibend dort bekennen:

Dies Fest mit Recht ein Volksfest ist zu nennen!

Der Abend naht, und singend treten die Knappen nun zur Bahn und beten:

o Gott, wenn tischt das Lebenslicht, das Bleiche, dann gib uns Schicht in deinem Himmelreiche!

W. Braune, Cantor in Rüdersdorf

(Erstmals rezitiert von W. Winzer auf der 'Z. Geschichtlichen Rüdersdorfer Geburtstags-Matinee' am 9. Mai 1987.)

Kalkberger Weihnachtsmärchen

Vor einigen hundert Jahren, als am kleinen uralten Kesselsee im gerade entstehenden Kalkberge erst einige wenige Häuser standen, da spielt unsere Geschichte. Wie bei vielen alten Erzählungen, Sagen und Märchen ist auch hier ein wahrer Kern zu finden. Damals, noch 'die Alte Grund' oder auch Vorderbergen genannt, so um die Weihnachtszeit, waren die kleinen Häuser fast bis zum Dach eingeschneit. In der einzigen Stube hatte die Dorfmume alle Kinder um sich versammelt. Aus der Küche drang wohlige Wärme ins Zimmer, denn einen extra Ofen gab es noch nicht. Ab und zu stiebte der Schnee durch die Eingangstür, die direkt ins Freie führte, während die weißhaarige Frau erzählte: Damals war genau so ein richtiger Winter wie heuer. Am Sonntagnachmittag machten sich die Mädchen und Buben auf dem Weg in die Kirche. Das Gotteshaus aber lag eine 3/4 Meile weit auf einer Anhöhe im Dorf Rüdersdorf. Wacker gegen den starken Wind ankämpfend stakten die Kinder durch den hohen Schnee über den sogenannten Grundsteig oder auch Kirchweg hinauf nach Rüdersdorf. Jedes hatte eine Kerze in der Tasche oder in der Hand. Dann waren sie angekommen. Jeder stellte sein Lichtlein vorn am Altar auf und der Herr Pfarrer sprach über die Geburt Christi; man sang weihnachtliche Lieder und dann machte man sich wieder auf den Heimweg.

Der kleine Fritz konnte aber mit der Gruppe nicht mithalten und blieb mehr und mehr zurück. Wobei auch das Fangen der Schneeflocken seine Zeit benötigte ... Bald war er ganz allein. Unterdessen war die Dämmerung hereingebrochen. Als er nun ein langgezogenes Häulen hörte, wurde ihm doch angst und bange. Zu jener Zeit gab es noch viele Wölfe in unseren Gefilden. Vom immer schnelleren Laufen nun nicht mehr frierend, dafür aber in Schweiß gebadet, mehr aber schon Angstschweiß, erreichte er auf der Mitte der Wegstrecke eine Höhle. Man hatte sie dort zum Verschnaufen bei schlechtem Wetter eingerichtet.

Das Häulen kam näher - und nun glaubte er auch schon ein blitzendes Augenpaar durch die Eingangsöffnung erblicken zu können. Verzweifelt suchte er nach seinem Sacktuch, um sich den Schweiß abzuwischen. Dabei fand er auch den Lichtstumpf noch in der Tasche. Eine Kopfnuß war ihm also schon sicher. Ihm fiel ein, daß man mit Licht auch wilde Tiere verscheuchen kann. Er steckte das Licht vor der Höhle ins Erdreich. Aber wie sollte er es zum Brennen bringen? Da kann Gott allein nur noch helfen, dachte er. Der Junge begarm zu beten, denn damals waren alle Leute im Dorffromme Menschen! Als er so beim dritten Gebet war - da wurde es auf einmal windstill. Der Schneefall hörte auf. Plötzlich gab es einen gewaltigen Donnerschlag und ein heller Blitz fuhr direkt vorder Höhle in die Erde. Und oh Wunder, das Lichtlein hatte Feuer gefangen und ein daneben liegender Reisighaufen auch. Die Wölfe machten sich aus dem Staube ...

Zurück aber kamen die anderen Mädchen und Buben, die das Feuer und auch das Fehlen von Fritz bemerkt hatten. Die Kopfnuß blieb aus und die Mume sagte nur, man muß auf Gott vertrauen und nie die Hoffnung und den Mut verlieren. Und sie setzte hinzu: Zum Gedenken an diesen Sonntag werden wir immer vor Weihnachten eine Kerze in die Höhle stellen.

Später wurden dann an allen vier Sonntagen vor dem Fest auch in den Stuben Kerzen angezündet.

9. Die alte Rüdersdorfer Dorfkirche um 1857. Daneben befand und befindet sich noch immer die zur Zeit wohl älteste Schule unserer Gemeinde.

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