Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Werner Winzer
Gemeente
:   Rüdersdorf
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5834-3
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2'

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10.

Die weiße Villa im Dschungel

Wäre dieses, noch heute stehende, Gebäude damals so von einem Maler gemalt worden, hätte er seinem Werk wohl den oben stehenden Namen gegeben (Foto oben). Im Volksmund nannte man sie manchmal auch die 'Weiße Villa unter dem Deckenstein'. Von der Decken war ein früherer Bergwerksdirektor, der viel für die Umwelt getan hatte. Zu seinen Ehren stand auf einer Anhöhe hinter dem Haus der 'Deckenstein' . Wie ein verwunschenes Schloß bietet sich das Hotel, längst geschlossen, von dieser Seite dar. Unter der Leitung von Georg Rademacher und seiner Frau, beide unterdessen verstorben, wurde das gastliche Haus zu einem wahren Magneten für die Touristen und Rüdersdorfer Feinschmeckern. Rademachers Küche war weit und breit berühmt ...

... Zugleich lag das Hotel in der Heinitzstraße direkt am Eingang zum schönsten See der Region, dem Heinitzsee. Bei Rademachers kehrte man ein vor und nach dem Besuch des blauen Wunders - denn im Heinitzsee war das Wasser blauer als in der schönen blauen Donau schrieb man - aber das Wasser war grün! Von der großen Glasveranda konnte man auf das Fließ blieken und uralte Linden rauschten ihr ewiges Lied. Auch im großen Kaffeegarten gegenuber direkt am Mühlenftieß konnte man bei Mutter Natur seinen Kaffee oder eine kühle Blonde unter Schatten spendenden Bäumen genießen.

Im Obergeschoß gab es einen Saal, die Wände mit feinsten Ornamenten verziert, der immerhin sechshundert Personen fassen konnte. Hier feierten unzählige Rüdersdorfer Chöre und Vereine ihre Feste. Zu Stummfilmszeiten schon flimmerten hier Tom Mix und Lilian Harvay oder auch Hans Albers über die Leinwand. Vor allem volle Häuser, wenn Filme gezeigt wurden, in denen sogar Statisten aus Rüdersdorf, wie Frau Röthig zum Beispiel, mitwirkten.

Lange Abende gab es, wenn Filmschauspieler, die hier am und über dem Heinitzsee bei Filmaufnahmen der Mia-MayFilmgesellschaft halsbrecherische Abenteuer zu bestehen hatten, abends mit den Statisten und Rüdersdorfern plauderten. Unvergessen die Stunden mit Harry Piel, der nicht nur in Woltersdorf, sondern auch hier bei Rademachers oft wohnte. Sein Zimmer ist sogar noch erhalten und soll eventuell museal eingerichtet werden.

Unten gab es außer den Gasträumen einen weiteren Saal mit einhundert Plätzen. Noch heute erzählen sich altere Rüdersdorfer von den angenehmen Stunden, wo nicht selten der Hausherr selbst auf der Kinoorgel Lieder und Schlager zum Tanz erklingen ließ. Aber der Service ging noch weiter. Für die tausende Besucher, die sich im Sommer hier auf der großen Strandwiese des Heinitzsees tummelten, sorgten Georg und später Hans Rademacher für Speis und Trank der Badelustigen. Fremdenzimmer mit und ohne Pension standen den Touristen im Hotel zur Verfügung, jeden Sonntag gab es Tanz und schließlich hatte das gastliche Haus im Garten am Fließ sogar eine eigene Motorbootanlagestelle. Wollten Vereine und Schulen das Bergwerk besichtigen, so wurde ein sachkundiger Führer bestellt.

Zur Zeit gibt es Bemühungen das Haus wieder als Hotel nutzbar zu machen. Damit würde es im entstehenden Industriemuseumspark eine wichtige Funktion erfüllen. Schließlich liegt gegenüber dem Hotel auch das Eingangsgebäude des Museumsparkes, ein über zweihundert Jahre altes Haus, wo Bergdirektoren wohnten undjahrzehntelang in der DDR ein Kindergarten etabliert war.

Neuerdings gibt es die Meinung, das Hotelläge an einer früheren Poststraße und wäre einst Postkutschenstation gewesen. Das ist natürlich nicht so, denn zu damaliger Zeit hatte, wenn überhaupt, die Straße nur einen Zugang und keinen Abgang mehr. Die Bergbrücke und auch die Stolpbrücke gab es dunnemals noch nicht. So lag das Hotel, das sicherlich überhaupt erst in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erbaut worden ist, völlig abseits von der Hauptstraße, die von Rüdersdorf über die Tasdorfer und Fischerstraße nach Strausberg und Berlin führte. Es ist erhaltenswert, sicherlich.

11. So haben ihn viele Rüdersdorfer und Touristen in Erinnerung: Hans Rademacher mit Frau hinter dem Ausschank ihres Hotels "Zur Linde', Besonders die Küche, unter Leitung seiner Frau, war weit und breit berühmt.

Gedicht eines Rüdersdorfer Bergarbeiters

Bei Sturm und Wind, in finst'rer Nacht, der Schrämer aus dem Schlaf erwacht. 'Ach Frau, steh auf, ist hohe Zeit,

die Frühschicht naht, der Weg ist weit'.

So eilt er von zu Hause fort

nach seinem schweren Arbeitsort.

Schlägt mit dem großen Hammer drauf, das Herz pocht ihm: Glück auf! Glück auf!

Doch ach, das Glück ist ihm nicht hold, wie er es wohl so gern gewollt.

Es ist zu hart das Kalkgestein,

ein Bohrloch kriegt er schwer hinein.

Im Schweiß hat er's dann doch gemacht, ein Quantum Pulver reingebracht.

Der Schuß geht los! Was muß er sehn? Das halbe Loch bleibt ihm noch stehn ...

So plagt er sicb die ganze Schicht, ein hohes Lohn erzielt er nicht. Die Arme matt, die Füße lahm

schwankt er nach Hause steif und klamm.

Es könnte etwas besser gehn,

wenn's Schichtlohn wûrde höher stehn. Doch der Akkord ist schmal gemacht, der Schrämer ward zu karg bedacht.

Drum, wär' der Winter doch vorbei und diese ganze Schrämerei!

Weil wenig er verdienen tut

vergeht ihm auch zuletzt der Mut.

Mit wenig Lohn geht er nach Haus',

Die Frau schaut schon zum Fenster raus. Sie wartet, wartet lange schon

auf den verdienten Schrämerlohn.

Doch in der trauten Häuslichkeit, zur Seite ihm sein braves Weib, vergißt er allen Groll und Gram und all die Mühsal in dem Schram.

(Von Otto Düben, Gedingenehmer, der 35 Jahre im Werk tätig war, um 1890 gedichtet. Der Betriebsdirektor Ernst Reißmann übergab das Gedicht 1960 an das Betriebsarchiv.)

Vom Werden und Vergehen der 'Hohen Halde'

Das war vor vielen Jahren. Da streckte sich droben über den Orte, wo heute die Halde steht, eine Wiese wohlig aus. Falter gaukelten von Duft zu Duft, und weidende Schafe auf ihr ließen sie wohl noch schöner, als sie eigentlich war, erscheinen. Denn im Grunde war sie keine Bergwiese. Dazu fehlte ihr der goldene Überfluß, die volle Kraft und Himmelsfrische, die der rechten Bergwiese eigen ist.

Skabiosen webten braune Tupfen in ihren matten Farbenteppich, die wilden Möhren spannten ihre weißen Sonnenschirme auf und der Löwenzahn führte durch seine Zahl das Wort. Hin und wieder hatte sich die vornehm-kühle Margeritte unter die Schar gestellt, brachte ein Fleck roten Klees etwas Frische in die Farben und es fehlte wohl auch der neidgelbe Hahnenfuß nicht. Trotzdem war die Wiese über ihre einfachen Kinder glücklich. Und die Schafe? Auch die waren, wenn man so sagen darf, nicht echt. Denn sie kamen aus keinen armen und alten Bauernstall, sondern ein Junge trieb sie morgens nach der Schule aus den Schafställen zweier Schlachter herauf und abends wieder hinunter. Und wenn der Hütejunge auf seine Schalmei blies und am Bergfest seinen Freitag hatte und die Schlächter am Jahresende Gewinn übersahen, wünschte keiner von ihnen, daß es je anders sein möge.

Da war auch die Zeit, in der die alten Kalkofen noch rauchten. Wie einfach war damals doch der Betrieb. Schwere Pferde zogen den vollen Wagen auf Schienen bis vor des Brennofens Mund, Hände drehten und kippten die Loren und schwupp, polterten die Steine in den Ofen hinab, wie der Pantoffel die Treppe, um danach als gebrannter Kalk so unentbehrlich wie Salz weit über den Heimatort hinaus zu kommen. Dann warteten schon die Schiffer mit ihren großen Kähnen auf die weiße Fracht, das weiße Gold der Mark.

Doch, da sollte es anders kommen. Die große Bahn schob ihre Eisenfäden, durch die sie das stille Dorfmit der Welt verband, näher heran, und eine neue Zementfabrik baute sich (ab 1885) zu der einen auf. Da lief eines Tages ein Wort wie Alarm um. 'Der Bruch soll stärker angegriffen werden, es muß mehr geschafft werden,' hieß es. Und richtig. Immer mehr Bergmänner fanden sich morgens zur Arbeit ein. Die Bruchwand aber stand und staunte. So wurde noch nie geschafft: gefedert, gepocht, geknufft und getrieben. Immer tiefer grub sich das Bergwerk, als ob es Gold auswarf, und die Schlote dampften und stöhnten vor Arbeit.

Da ging wieder eines Tages ein Wort um. 'Habt ihr gehört?' fragten die Gräser und Blumen einander, 'sie wollen einen künstlichen Berg bauen, ihren Abfall soll die Wiese tragen.' Und da wußten sie, daß das zugleich ihr Tod sein würde. Das dauerte

dann auch gar nicht lange, da stand ein lärmend herangefahrenes schwarzes Ungetüm zwischen den blühenden Blumen, das sie immerzu fütterten, und ein steineres Haus blickte herrisch um sich, als wollte es sagen: 'Macht, das ihr fortkommt, mit der stillen Zeit ist es vorbei.' Dann aber ging es los, eins zwei, eins zwei. Alle paar Minuten kam ein Wagen an einem Seil aus der Tiefe gekrochen, oben wurde er schon erwartet und umgekippt, und leer ging es wieder hinunter. Da wuchs der Berg im Zusehen wie der Kuckuk im fremden Nest.

Aber wie alles Menschenwerk seine Zeit dauerte, so hörte nach vielen Jahren eines Tages auch der Berg zu wachsen auf. Sie futterten ihr Arbeitstier nicht mehr, und alle Räder standen still. Und die Jahre gingen ins Land. Menschen starben und wurden geboren. Die Maschine war längst lärmend wieder abgefahren worden, und die Ziegel und Steine vom Haus zerbrökkelten im Regen und Wind. Um das immer mehr verfallende Gerüst auf der Spitze des Berges flogen kreischend die Dohlen, bis es der Nord einmal packte und niederwarf. Auch der Ost und West zogen im Jahre vielmals über ihn hin und selten kamen sie, ohne etwas mitzubringen. Bald waren es Gras- und Blütensamen, dann eine Beere oder sonst eine Frucht. Und die Vögel taten das Ihrige. Der Berg fing an, sein graues Ansehen zu verlieren. Moose und Flechten klammerten sich an den Steinen fest, die Nessel, Steinnelke und Walderdbeere wuchsen zwischen Gräsern und Sanddorn und Birken kamen hinterdrein.

Und nun sah auch der Mensch den Berg. Er pflanzte süßduftende Akazien herum, vermehrte die Birken und gab dem Kastanienbaum eine neue Heimat. Selbst ein Weg führte er nach oben hinauf, und weitere Ehren ließen nicht lange auf sich warten. Der unnatürliche Berg wurde seine 'Hohe Halde' und sogar ein Wahrzeichen, nach dem er beim Kommen und Verlassen des Dorfes den ersten und letzten Bliek richtete.

Jetzt tragen (um 1925) sie ihn wieder ab. Ist 's ein Zufall? Der Geist der Berge läßt wohl nicht mit sich spotten. Bald wird er wieder mitten im Grünen stehen, und das wird droben über dem Dorf sein, wie es vor vielen Jahren einstmal war. ..

... und wenn er nicht gestorben ist, ist man beinahe geneigt, hinzuzusetzen. Aber vor wenigen Jahren ab 1975 wiederholte sich das Geschehen fast ebenso. Die 'Hohe Halde' war ja schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorhanden - aber es sollte noch schlimmer kommen. Jetzt mußte fast der ganze Arnimsberg dran glauben - denn der Kalkabbau ging vor. Fast zur Hälfte abgetragen, nackt und bloß bis auf Erde und Kalkgestein, liegt er jetzt vor aller Blieken. (Übrigens ist der literarische Beitragohne Zweifel von dem Heimatforscher, dem Lehrer Israel geschrieben - am 2. Juni 1925 in den 'Niederbarnirner Nachrichten' erschienen. )

12. Ein Bild der hohen Halde.

Ein Bergsturz in den Rüdersdorfer Kalkbergen

'Morgen nachmittag vier Uhr findet im Tiefbau der letzte diesjährige Bergsturz in Kalkberge-Rüdersdorf statt' - diese Zeitungsnachricht trieb uns an einem heißen Augusttag aus der erstickenden Luft Berlins hinaus zu dem schönen, seenumkränzten Rüdersdorf. Schon längst wollten wir dieses großartige Schauspiel aus eigener Anschauung kennen lernen; heute wurde der Vorsatz endlich ausgeführt.

Gleich uns drängten Hunderte in die Wagen des Vorortzuges, der uns in fünfviertelstündiger Fahrt nach dem zwischen Wäldern und Seen gelegenen Ziel führte. Tief aufatmend verließen wir in Erkner die heißen Wagen und eilten zum Dampfboot hinüber, das uns über den Flakensee und durch die Woltersdorfer Schleuse hindurch auf dem zwischen bunten Wiesen sich hinziehenden Kanal bis zum 'Alten Grund' in Rüdersdorf führte. Über den sogenannten Redenkanal, der in einer Länge von fast einhundert Meter tunnelartig durch die Felswand hindurchgebrochen ist, gelangten wir in den Teil des Bergwerks, der den Namen 'Der Tiefbau' führt. Am Ende dieses Redenkanals sahen wir eine Anzahl höhlenartiger Vertiefungen, die in das zum Teil loekere und darum durch Balken gestützte Gestein hineingetrieben waren. Mächtige Säulen von zwei Metern Höhe und wohl sechs bis acht Meter Umfang waren zwischen ihnen stehen geblieben und trugen eine Felsmasse von gewaltiger Ausdehnung.

Das Gefühl der Beklemmung, das besonders die Kinder während des unterirdischen Aufenthaltes erfüllt hatte, schwand schnell, als wir im goldigen Sonnenlicht auf die Brücke der Tasdorfer Straße traten. Zur Rechten hatten wir hier den' Alvenslebenbruch' , der wohl drei Kilometer weit zu beiden Seiten von stattlichen Laubbäumen und grünenden Abhängen umschlossen ist. Zur linken bliekten wir wieder in den 'Tiefbau' mit seinen steil abfallenden Felswänden hinab.

Auf den jenseitigen Höhen sammelte sich indessen eine zahllose Menschenmenge, die wie wir das Schauspiel eines Bergsturzes bewundern wollte. Wir erhielten einen Platz, von dem aus wir sowohl die Vorgänge am Fuße des Berges unten im 'Tiefbau' als auch die ganz dem Sturz verfallenene Bergwand aus geringer Entfernung überschauen konnten. Gespannt richteten sich unsere Blicke in die Tiefe.

Dort eilten wohl zweihundert Bergknappen in einer uns unverständlichen Geschäftigkeit, einem Ameisenhaufen vergleichbar, hin und her. Nun ertönt ein Glockensignal. Alle eilen auf die Felswand zu und verschwinden in den von oben kaum erkermbaren dunkelen Öffnungen, die in die Felswand hineingesprengt sind; nur der leitende Obersteiger bleibt draußen stehen. Die Sprengung soll beginnen; die Zuschauermenge erstarrt in Schweigen. Eilfertig zünden die Knappen die Zünd-

13. 'Am Rande der jäh abfallenden Felswand zu stehen und zu sehen, wie tief unten viele Hunderte geschäftiger Bergleute mit fleißiger Hand meißeln, bohren, klopfen, sprengen ... das ist ein Schauspiel, das nur Kalkberge bieten kann .. .' so steht es in einern Werbeprospekt von 1920. Unser Foto läßt erkennen, was 4,5 bis 6 Zentner Dynamit zustandebringen können. 40 bis 50000 Tonnen 'gebrochener Kalkstein' liegen nun zur Verarbeitung bereit. Gegen einen Obolus konnte man sich damals einen Führer besorgen, mit dem man in den Bruch hinunterstieg. Wenn sie sich heute an den regelmäßigen Führungen durch das Industriemuseum beteiligen, können sie dieses Stätte des Wirkens der Bergleute wieder besichtigen.

schnüre an, die zu den mit Pulver gefüllten Bohrlöchern in den mächtigen Säulen führen, die die Felswand noch tragen.

Ein schriller Pfiff des Obersteigers! Jetzt eilt ein Knappe aus dem Felsen heraus, jetzt wieder einer, dort mehrere, und nun quellen sie in dichten Massen heraus und verlassen in eiligster Flucht die toddrohende Wand. Unbeweglich steht der Obersteiger. Noch einmal schrillt seine Pfeife. Ein letzter, verspäteter oder verwegener Mann stürzt endlich heraus, und beide wenden sich zu wilder Flucht, während sich im Inneren des Berges schon unheimliches Grollen erhebt.

Die Spannung der Zuschauer wächst, jeder atmet leiser, die Kinder schmiegen sich enger an die Erwachsenen. Da ein Schuß, und noch einer, wie bei beginnenden Vorpostengefecht. Wie eine Stichflamme fährt's aus dem Berg heraus. Ein Stein wird weit hinaus den Arbeitern nachgeschleudert, sie zu eiligerem Lauf spornend. Zahlreicher springen nun die Minen, in immer kürzeren Pausen zucken die Blitze. Als ob Hunderte von Kanonen donnerten, kracht's immer lauter, immer anhaltender. So muß sich ein Gewitter in den Tälern der Alpen entladen. Unter rollendem Donnergetöse fliegen Felsstücke aus den Eingeweiden des Berges. Die Erde erbebt unter unseren Füßen, und nun löst sich die Wand von dem mütterlichen Felsen. Ein Riß zuerst, ein wachsender Spalt, dann Hunderte von Rissen, und nun, zerteilt in Millionen von Trümmerstücken, sinkt, fließt, stürzt die Masse wie ein Bergstrom, der alles mit sich reißt, hinunter - eine wunderbare Bewegung, ein Fließen starrer, fester Gesteinsmassen. Unter einer Wolke von Staub kommt in der Tiefe der Trümmerhaufe allmählich zur Ruhe. Nur hier und da zuckt noch der Blitz einer Mine auf, die sich verspätet entzündet hat; ein dumpfer Knall, eine kurze Zuckung des Gesteinsund es ist vorüber wie der Todeskampf eines gewaltigen Riesen.

Unten eilen nun die Bergleute hinzu, und rüstig geht es an die Bergung der wertvollen Steinblöcke, die teils als Baumaterial verarbeitet, teils zu Kalk gebrannt werden. Oben zerstreut sich die schaulustige Menge auf den schattigen und doch luftigen Bergwegen; aus allen Gruppen hört man Ausrufe des Staunens über das gewaltige Schauspiel und der Befriedigung über das denkwürdige, erregende Erlebnis.

An dem aus Kalksteinquadern erbauten Kriegerdenkmal vorbei mit seinem prächtigen Ausblick über die das Kalkgebirge wie ein grüner Kranz umgebenden Dörfer ging's hinab zur Haltestelle des Dampfboots. Ein Bliek grüßte noch das Kirchlein zu Erkner mit seinen silberschimmernden Kalksteinmauern; dann trug uns der Dampfwagen heimwärts.

Immer wieder aber klingen nach langer Zeit noch in den Gesprächen der Erwachsenen und dem Geplauder der Kinder die Eindrücke wider von dem Bergsturz in Rüdersdorf. (Eduard Sabobielski, Originalartikel, aus dem Lesebuch für Brandenburg, Breslau 1906.)

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