Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Werner Winzer
Gemeente
:   Rüdersdorf
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5834-3
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rüdersdorf in alten Ansichten Band 2'

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14. Unsere Aufnahmereihe zeigt anschaulich den Ablauf eines Bruchsturzes, ehe man begann, die Sprenglöcher von oben einzubohren. Von der heute nicht mehr existierenden Kreuzbrücke aus, hatte man auf der einen Seite einen guten Bliek auf den Alvenslebenbruch und auch gegenüber in den Heinitzbruch, der zur Zeit der Aufnahme nicht mehr bestand. Oben sehen Sie die Stollen mit den Pfeilern, auf denen die ganze Kalksteinwand ruht. Die in den Pfeilern enthaltenen Sprengladungen werden nun zur Detonation gebracht - unser Bild in der Mitte. Und schließlich sehen sie im Foto unten, wie die zusamrnengefallene Felswand in Form von Kalksteinen aller Größe von den Kumpeln sofort in Loren gebracht und auf die Reise geschickt werden.

Der Glöekner von Altena

Durch Wolkenlöcher schaut ab und zu der silberne Mond. Gleich silbernen Fäden fließt das bleiche Mondlicht bis auf die spiegelnde Wasserfläche des Waschepfuhls, der seit undenklichen Zeiten in Rüdersdorf zu finden ist. Der nächtliche Wanderer stutzt und hält im Schritt inne. War das nicht soeben ein leises Läuten - wie ein Glöckchen von einem fernen Kirchturm her? Da - wieder tönt es leise durch die Nacht. Nun stehst du vor dem alten, mit Weiden umstandenen Pfuhl. Wenn du genau hinhörst, dann vernimmst du, wie die Töne aus dem Grunde des Weihers kommen. Aber wie denn, denkt der Wandersmann, eine Glocke in diesem Teich - die dazu sogar läutet? Das alles genau zur mitternächtlichen Stunde?

Sprichst du mit alten Rüdersdorfern, dann wirst du erfahren, daß einer alten Sage nach, im Pfuhl eine Glocke liegen soll. Wie es dazu kam? Es könnte folgendes geschehen sein ...

Weiland, im Jahre des Herrn anno 1432 war es, als sich dieses in dem damals noch existierenden Dörfchen Altena, von dem heute nur ein Stummel von der ehemals dorthin führenden Straße zu sehen ist, zutrug.

Altena, zwischen den Woltersdorfer Kranichsbergen und Rüdersdorf gelegen, war nach der Brandschatzung der Quitzows um 1405 - sie waren als Raubritter wohl bekannt und gefürchtet - gerade wieder aufgebaut worden. Es ist Juli. Schon seit Tagen ist nächtens von fern her roter Feuerschein am wolkenverhangenen Himmel zu erkennen. Ungute Kunde vom erneuten Anrükken der Quitzows? Der in jedem Quartal mit seinem Pferdegespann einmal vorbeikommende Handelsmann aber berichtet, diesmal sind es die Hussiten. Sie ziehen brennend und plündernd durch das Land.

Küster Johann Hofer sitzt schon seit Wochen Tag und Nacht bereit, läßt Haus, Hof, Garten und Felder liegen, um rechtzeitig, durch das Läuten der Altenaer Kirchenglocke Alt und Jung zu warnen, wenn das Unheil über das Dörfchen kommen sollte. Dann ist nur noch schnelle Flucht die letzte Rettung.

Aber die Einwohner trauen dem nicht so recht. Noch ist der 'Besuch' der Quitzows in schrecklicher Erinnerung. An den abendlichen Feuern wird immer wieder davon gesproehen und man kommt überein, das Unheil nicht abzuwarten. Diesmal aber packen sie ihre Habseligkeiten für immer zusammen und verlassen ihre Heimat, um nie mehr an diese ungastliche Stätte zurückzukommen.

Küster Haver, der nun niemand mehr zu warnen braucht, läßt die Glocke noch einmallaut und kräftig ihre schallende Stimme von sich geben, die bis ins nahe Rüdersdorf hinüber klingt. Dann zerschneidet er mit einem gewaltigen Schlag das Seil und die Glocke fällt zur Erde. Damit nicht genug, rollt er die schwere bronzene Glocke den Kirchberg hinunter in Richtung Waschepfuhl. Dort will er sie ins stille Wasser versenken ...

Doch das Unglück ereilt ihn schon zuvor. Einer der inzwischen herangekommenen Brandstifter stößt den Küster unter den Rand der Glocke in den Pfuhl. Sich am Klöppel festhaltend, versinken Glocke und Glöckner im Teich. In der sich in der Glocke gebildeten Luftblase lebt nun offensichtlich der Küster noch immer - im tiefen Schlaf versunken.

Nur einmal in jedem Jahrhundert, am 30. Juli, wenn der Mond senkrecht über den Waschepfuhl steht, genau zu Mitternacht, dann oh Wanderer, hörst du den leisen, zarten Klang der Glocke von Altena, die zusammen mit dem Glöckner tief im Schlamm versunken ist ...

Bisher allerdings stand der Mond am 30. Juli noch niemals gen au um Mitternacht senkrecht über dem Waschepfuhl. .. !

Rüdersdorîer Rosenlied (1985: Winzer)

Rüdersdorf, du bist die Heimat der Rosen, in Giirten, in Wäldern blühn Rosen,

dazu noch Tulpen und Wald-Annemonen, ja, hier nur, nur hier möcht icli wohnen. Blutrote Rosen der Liebsten ich gab,

sie schenkte mir dafür ihr Herz, Rûdersdorj. ..

Rüdersdorf, du bist die Heimat der Schwalben, sie fliegen um Dächer und Halden.

Wenn sie im Sommer das Klubhaus umfliegen, dann bringen sie Grüße des Südens.

Wird es August, zieh'n sie wieder gen Süd, doch dann im Mai kehr'n sie zurück ...

Rüdersdorf, du bist die Heimat der Wälder, der Auen und Wiesen und Felder,

und in den Wäldern da blühn Orchideén,

wenn du Glück hast, dann wirst du sie sehen. Wenn dann im Frühling die Bäume hier blüh'n, mochte ich nie von hinnen zien 'n ...

Rüdersdorf, du bist die Heimat der Quellen, der Seen mit glitzernden Wellen,

und in den Seen blûh'n goldgelbe Rosen, der Reiher, der Schwan fliegt hoch droben. Und blauer Himmel, der deckt alles zu,

Ja, Rûdersdor], so schön wirst du ...

Der Rüdersdorfer Erlkönig

Als ich dieses Gedicht erhielt, war der Verfasser noch unbekannt. Es entstand, so konnte ich unterdessen ermitteln, um 1920 und wurde von dem Rüdersdorfer Albert Schuckard geschrieben.

Wat kommt da im Dustern den Wurzelberg hoch? Wer ist bloß so spät unterwegens noch?

Von 't Stubbenbuddeln da kommt Bergmann Runge,

Die Oll'n, wie'n Paar Pferde, ziehn den Wagen am Strick, Der Junge daneben - manchmalach zurück-

er hat den Vata sin Kober zu dragen,

doch wenn et berguff jeht, helft er schieben den Wagen.

Uff eenmal, da ruft er: Du, Vata, halt an

un kiek mal dahinten, da steht ja een Mann, steht hinta de Fichte und lauert janz still, det sieht aus, als ob er verdreschen uns will.

lek seh keen Menschen, die Mutter nu sacht, min Justav, du hast mi'n Schreck injejagt.

Doch Mutta, so kieck doch, da steht er un droht! Ach, Vata, ick fürcht mi - der schlägt uns noch dot! Eenen Hund hat er ach, seine Ogen jlühn

un flackern un knistern als brennt der Kien.

Ach, nich doch, sagt Vater, is schimmlieges Stroh un faulige Borke, die leuchten denn so.

Kieck Vata, jetzt reißt er det Mul janz wiet up. Der Hund will mi beißen, er freßt mi up.

lek höre ihm knurren, jetzt, jetzt kommt er hier rumeen Schree noch von Justav - der Junge fällt um ...

Ach Jatte doch, Justav, wat is dir passiert? Der Junge hat Fieber, der Junge fantasiert! Die Stubben runter - det Kind uff den Wagen,

so treeken sie heimwärts mit Jammern und Klagen. Sie wissen nicht Rat in ihrer Not.

Der Junge in 't Bette - er liegt da wie dot.

lek koche ihm Tee, da muß er nach schwitzen un Vata, du bliewest an 't Bette hier sitzen! Jau Mutta, dann lang mir den Kober mal her. Nanu, wat is det? Die Pulle is leer!

Een halweger Kanten war da noch drin.

lek hab keen jedrunken - wo ist der Schnaps denn nu hin?

Er sitzet und staunet und döst und sinnt:

Am Ende hat Justav? Det herzliebe Kind?Een Licht jeht ihm uff. - Vorbei wat ihm quält. Min Junge! Min Junge! ick weet, wat di fehlt!

Hansi Hermann, weltbekannte Rüdersdorfer LiliputArtistin

Als ich sie 1987 mit Bild und ihrer Biographie in einer Heimatausstellung erstmalig vorstellte, gab es meist Erstaunen. Nur wenige wußten, daß in ihrer Gemeinde eine weltberühmte Artistin wohnt.1895 im damaligen selbständigen Dorf Rüdersdorf geboren, heute Ortsteil Alt Rüdersdorf, lebte Hansi Hermann nach ihrer Bühnenlaufbahn von 1933 bis 1991 bescheiden und zurückgezogen im Hause ihrer Eltern; in den letzten Jahren von einer Verwandten vorbildlich betreut. In ihrer Wohnung, eingerichtet mit Möbeln entsprechend ihrer Körpergröße, hatte sie sich mit Fotos und Souvenirs der Vergangenheit eine eigene kleine Welt der Erinnerungen geschaffen. Als die Bürde des Alters zu belastend wurde, zog sie in ein Altersheim nach Fürstenwalde, wo sie kurz nach ihrem 97. Geburtstag 1992 verstarb.

Ihre Eltern, normal gewachsen, hatten noch zwei weitere kleingeratene Kinder: Hedda und einen Sohn. Nach dem Besuch der Rüdersdorfer Schule wurde Hansi bei Professor Schröder in Berlin-Adlershof ausgebildet. Auch ihre Schwester und der Bruder wurden Artisten und gingen oft gemeinsam auf Tournee. Zum besseren Verständnis soll noch gesagt sein, daß Liliputaner normal, aber zu klein gewachsen sind, während Zwerge oft verwachsen sind. Bei der Schauspielerausbildung erkannte der Professor bald ihre Begabung, die beim Gesang bis zum hohen C reichte! Dieses Gold in der Kehle machte sie, ebenso wie ihre Gemeinde wo man 'weißes Gold' aus der Erde holt, bald weltbekannt und dazu auch berühmt.

15.

16.1n der ersten Reihe 5. von rechts Hansi Hermann mit Bruder Albert, den sie untergefaßt hat. lm Hintergrund die Rüdersdorfer Kirche.

17. In Rotterdam. Vierte von links ist Hansi Hermann.

Ihre erste Reise führte sie 1909 zur Liliputaner-Ausstellung nach Paris. Anschließend bereiste sie 25 Jahre lang die ganze Welt. In einem Tagebuch sind von ihr mit Akrebie alle Daten und Orte ihres Auftretens verzeichnet. Sechs Jahre lang gastierte sie in zahlreichen Großstädten Nordamerikas. Von dort gab es Absteeher nach Kuba und Mexiko. Von 1922 bis zum 12. März 1928 wurde sie mit ihrer Truppe in über 250 amerikanischen Orten und außerdem bei dreißig Auftritten in New York und ebensovielen in Mexiko stürmisch gefeiert. Ihre Reisen führten sie unter anderem nach Dänemark, Schweden, Italien, Polen, Portugal, England, Türkei und die Schweiz.

In vielen Zeitungsausschnitten hat sie ihre Erfolgsreisen aufbewahrt. In Atlanta schreibt man im August 1924: 'Mit kurzem Haar oder Bubikopf, so präsentiert sich uns die schöne Liliputanerin von "Roses Royal Midgets" - allen voran Hansi Hermann, 29 Jahre alt, die ungekrönte Königin der Truppe. Hansi Hermann, die leitende Diva der Company, präsentiert "The Tinyland Follies of 1924', in der ausgezeichnete Sängerinnen und Tänzer auftreten. Hansi ist die Modistin und gibt in der Bekleidung und überhaupt den Ton an.'

In Blackston schreibt man im Juni 1926: 'Das kleine Fräulein Hansi ist außerdem noch eine sehr gewandte Verwandlungssoubrette, die spanisch, englisch und deutsch gleich gut beherrscht.'

Auch als Untermann für vier Personen beim Römischen Ringen bewies sie ab und zu ihre Vielseitigkeit. Ob 1910 in Dänemark oder der Schweiz, 1915 im Danziger Wintergarten, 1919 in 28 schwedischen Orten oder in 38 italienischen Städten - überall wurde sie begeistert gefeiert.

Aber das war noch nicht alles, was dieses kleine Supertalent zu bieten hatte. Auch im Film, damals noch Stummfilm, machte sie sich unentbehrlich. Ihr Film 'Schneewittchen' wurde in ihrem Heimatort zweimal aufgeführt. In München wirkte sie im Film 'Der König und die Tänzerin' (König Ludwig war gemeint) mit. Dazu wurde eine extra Manege gebaut und kleine Wagen angefertigt, die von Ponnys gezogen wurden. Wieder konnte sie ihre sprachlichen Kenntnisse benutzen und sprach französische Texte. In 'Kleider machen Leuten' und 'Maskenball' konnte man sie später noch einmal sehen.

Unter dem 15. Februar 1932lesen wir: 'Habe mein Engagement bei Glauers beendet und bin am 17. Februar 1933 um 7,29 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof angekommen und nach Rüdersdorf gereist.'

Noch einmal sah es 1933/34 nach einen come-back aus. Sie scheute sich nicht, da die Arbeit der Liliputtaner nun schon schwieriger wurde, im Zoo in einer Show mit Liliputtstadt Kaffee zu verkaufen. Aber die Nazis machten dem ein Strich durch die Rechnung und auch sie wurde nun ausgegrenzt ...

Eine kleine Rüdersdorferin mit großen Erfolgen machte mit ihrer Kunst Rüdersdorf in alle Welt bekannt. Niemals hat sie verleugnet, daß sie aus einem kleinen Dörfchen bei Berlin stammt. Wir wollen sie nie vergessen ...

Geheimnisvolle Gänge unter der Erde?

Noch heute kommen immer wieder Fragen, ob es wohl stimme, daß die Mönche von Rüdersdorfnach Kagel vor über sicbenhundertlahren einen unterirdischen Gang erbaut haben? Dazu muß man wissen, daß die in Rüdersdorf tätigen Zisterzienser Mönche ihr Stammkloster in Kagel errichteten. In Rüdersdorf waren jene Mönche, die mit dem Abbau des Kalksteins alle Hände voll zu tun hatten.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Ortschronik ging der Sache mit dem geheimnisvollen Gang nach - aber es gab keine Spur. Die wäre auf jedem Fall bereits gefunden worden, als zwischen Kagel und Rüdersdorf zahlreiche Straßen und Chausseen gebaut wurden. Dabei wäre man sicherlich auf derartige Hohlräume gestoßen.

Aber dennoch. unterirdische Gänge und Stollen gab es doch. Einer davon war im heutigen Ortsteil Alt-Rüdcrsdorf. Auch er soll zur Kirche geführt haben, allerdings nicht von Kagel aus, sondern nur von dem gegenüberliegenden damaligen Brauhaus. Dieses Gebäude, unterdessen abgerissen und neu erbaut, stand auf dem Gelände des Jagdschlosses. Die uralten Kellergcwölbe aber sind noch vorhanden, mehrere untereinander, in denen der edle Gerstensaft gelagert wurde. Hier wurde nicht nur Bier gebraut, sondern auch in die Umgebung verkauft. Und eben in einem der Gewölbe konnten wir vor einigen Jahren eine zugemauerte Öffnung in Richtung zur Straße in Augenschein nehmen. Wobei gesagt werden muß, daß diesen (vermutlichen) Gang nicht mehr die Mönche angelegt haben.

Der Gang soll allerdings nicht nur zur Kirche, sondern auch zum nahegelegenen Forsthaus geführt haben. Vielleicht liegt ein Kern Wahrheit in der wohl eher boshaften Überlieferung, daß der Förster und der Herr Pfarrer ihr Bier abgeholt haben. Damals gehörten die Geistlichen zu den führenden Köpfen der Verwaltung, sie, der Gutsherr, der Lehrer, waren meist die einzigen Burger im Ort, die studiert hatten. Und so diente ihnen der Gang woh

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