Rüdersdorf in alten Ansichten Band 3

Rüdersdorf in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Werner Winzer
Gemeente
:   Rüdersdorf
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6024-7
Pagina's
:   96
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rüdersdorf in alten Ansichten Band 3'

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Nachbemerkung: Als ich dem damaligen Bürgermeister meine Ergebnisse beiläufig erzählte, ordnete er an, daß ich den Brief ihm zu übergeben habe, da er ihn erst weitergeben muß. Heute kann ich mir denken, an wen er ging. Der Student wird ihn wohl nie erhalten haben. Das aber der 'Alte Hof' heute noch immer Judenhof genannt wird und das noch in amtlichen Veröffentlichungen, sollte eigentlich der Vergangenheit angehören. Obwohl der ganze Ruinentrakt des alten Hofes abgerissen werden soll, meine ich, etwas davon sollte erhalten und rekonstruiert werden. Sonst bleiben im Gegensatz zu den rekonstruierten Industrieruinen des Kalkbergbaus, geschichtliche Zeugnisse des Dorfes selbst immer weniger übrig!

11 Der Sage nach sollen in diesen alten, bereits vor über 200 Iahren erbauten Kalköfen und Torfschaunen, die Kalkberggeister mit eingezogen sein. Natûrlich - gesehen hat sie keine Menschenseele. Aber die damaltgen Bergleute erzählten den Touristen gegen klingende Mûnze absonderliche Geschichten. Lange nach der Außerbetriebsetzung hörte man sie nächtens im Ofen rumoren und meinte zu hören, wie die Kalksteine polternd eingeschüttet wurden. Vor Unheil sollen sie gewarnt haben, Vor dem Krieg um 1872 war ein ständiges Lärmen unter den Öfen zu hören, wer es zu hören Imstande war. Wer sich aber das Innere der Öfen betrachtere mußte mehr zu der Annahme kommen: es waren wohl keine Geister, sondern schon damalige Laubenpieper auf der ständigen Suche nach billigen Banmaterial.

Kalkberge I. M.

Die Waldungen unserer engeren Heimat und ihre Bewohner einst und jetzt

Aus 'Niederbarnirner Nachnchten'. Juni 1925.

Die großen Waldungen unserer Gegend, die sich in west-östlicher Richtung vom Kalk- und Flakensee bis Jänickendorf und Trebus und in nord-südlicher Richtung von Rüdersdorf, Kagel und Kienbaum über die Löcknitz hinweg bis zur Spree erstrecken, bedeekten in alten Zeiten eine viel größere Fläche. Holzmangel wie heutzutage, wo jedem Haushalt nur 2 bis 3 Raummeter zugeteilt werden, gab 's damals nicht. Die Bauern und Büdner der anliegenden Dörfer holten sich eben so viel Holz heran, wie sie brauchten. Es gab der Eichen, Buchen, Birken und Kiefer soviel, und andererseits waren die Dörfer noch sehr gering besiedelt. Ein regelrechtes Durchforsten des Waldes fand nicht statt. Uralte Eichen und Buchen reekten ihr knorriges Geäst gen Himmel. Durch das dichte Blätterdach drang nur selten ein Lichtstrahl. Daher war es im Wald feucht und kühl. Undurchdringliches Gebüsch umschlang die dicken Stämme. Die Kiefern wuchsen natürlicher in die Höhe, breitästig und knorrig, hier und da sogar krumm und in niedriger Höhe schon verästelt.

Diese Wàlder waren natürlich ein beliebter Aufenthaltsort für allerlei Wild und Raubzeug. Da brach mit ungeheurer Wucht der Auerochs durch das Gehölz, daß armdicke und noch stärkere Bäumchen wie Streichhölzer knickten.

Dumpfbrummend strich der braune Bär durch Schluchten und Tàler und war der Schrecken des Wildes und der Jäger. Rudelweise zogen die Wölfe die schmalen Pfade entlang. Wehe dem, der ihnen begegnete. Manchmal brachen sie sogar in die Siedlungen der Kolonisten ein. Wildschweine wühlten im Sumpfe. Rehe und Hirsche ästen auf der Waldblöße. Marder und Eichhörnchen sprangen von Ast zu Ast. Reiher und Kraniche spazierten langbeinig an den Ufern der Waldseen umher, bei deren Fischreichtum genügend Nahrung für sie abfiel, ohne daß der wendische Fischer Schaden litt. Adler, Falken und Weihe kreisten

hoch oben in den Lüften und spähten mit scharfem Auge nach Beute. Der Kampf der ersten deutschen Kolonisten, die mit den ersten Askaniern ins Land kamen, galt zunächst großem Getier und dem Raubzeug. Die Auerochsen wurden immer seltener bis sie schließlich gänzlich ausstarben. Ebenso erging es den Baren.

Das Raubtier, das sich am längsten in unseren Wàldern behauptete, war der Wolf. Zur Zeit des Kurfürsten Joachim 2. (1535 -1571), der ein großer Nimrod war und sich das Jagdschloß Grünheide erbauen ließ, wurde unsere Gegend noch sehr von Wölfen geplagt. Er hielt mehrere Wolfsjagden ab, bei denen eine große Anzahl von diesen gefàhrlichen Raubtieren zur Strecke gebracht wurde. Aber auch nach seiner Zeit mußte man den Kampf fortführen. Da brach der unglückselige Drelßigjährige Krieg aus, unter dem auch die Dörfer unserer Heimat fürchterlich zu leiden hatten. Ordnung, Sicherheit gingen verloren. Da die Bauern sich kaum von ihren Gehöften wegwagen durften oder aridererseits Hals über Kopffliehen mußten und unter Plünderung, Mord, Hunger und Seuche zu leiden hatten fanden sie keine Zeit auf die Wolfsjagd zu gehen. Die Folge war, daß sich die Wölfe ungeheuer vermehrten. So kam es, daß unter anderem im [ahr 1642 zwei Bauern aus Kienbaum, die gemeinschaftlich durch den Wald gingen, von Wölfen überfallen und zerrissen wurden.

Über die Zeit nach dem Krieg schreibt Seydel: 'Nach dem Kriege bediente man sich zur besseren Vertilgung der Wölfe besonderer Wolfszeuge, zu deren Aufstellung und Unterhaltung Jagdzeugknechte angestellt wurden, die mit ihren Gerätschaften von den Untertanen an die Orte, wo man ihrer bedurfte, gefahren, und denen auch Handdienste geleistet werden mußte. Der Jagdzeugknecht unserer Gegend hatte zu Erkner seinen Sitz und wurde noch unterm 29. November 1764 angewiesen, in der Umgegend eine Wolfsjagd abzuhalten, über deren Ergebnis aber nichts mitgeteilt wird,'

Gegen Ende des 18. [ahrhunderts habe ich in den Quellen die mir zur Verfügung standen von Wölfen nichts mehr gelesen, so daß man wohl annehmen kann, daß von der Zeit ab unsere Gegend von dieser schwe-

ren Plage so ziernlich erlöst war.

(Abgesehen davon, daß heute über die Gefàhrlichkeit der Wölfe noch immer gestritten wird, slnd sie dabei, in unserer Heimat wieder heimisch zu werden. Winzer).

So sehr wir es begrüßen, daß unsere Wälder im Laufe der Zeiten frei von allerlei wilden Raubzeug wurden, so sehr müssen wir es bedauern, daß nach und nach mancherlei Wild, das den Schmuck unserer Wälder und die Freude und den Stolz der Jäger und Forstleute bildete, verschwunden ist. Gewiß wird der Landmann, wo es sich um Wildschweine und Hirsche, und der Fischer, wo es sich um Kraniche, Reiher und Fischottern handelt, dies Bedauern nicht teilen; aber es hätten sich schließhch auch Mittel und Wege finden lassen, die beide zu schützen und andererseits einige dieser Tierarren zu erhalten.

Aus der Zeit joachims 2. wird uns von Edelhirschen, Dammhirschen, Püchsen, Wildschweinen, Fischottern, Reihem und Falken erzählt. Und man hat im vorig en Jahrhundert gar nicht so wellig von diesem Wild erlegt. [etzt sieht es [edoch öde aus. Mit der gründlichen Durchforstung, dem ein jährlich sich stelgender Holzbedarf zugrunde lag, wurden unsere Wälder immer lichter. Alte Baumbestände findet man fast gar nicht mehr, Das Unterholz ist an den meisten Stellen gänzlich verschwunden. Dazu kornrnt, daß sich mittels der modernen Verkehrsmittel, Eisenhahn, Straßenbahn, Automobil, an schönen Sommertagen große Menschenmassen in unsere Wàlder ergießen. Wohin soll sich da das Wild fiüchten, wo soll es Unterschlupf finden?

Sauber durchforstete Gestelle, Schonungen mit wohlausgerichteten Stämmchen in Reih und Glied, schnurgerade Gestellwege, große Kahlschläge, sorgfältig aufgesetztes Holz, sortiert in Kloben, Rollen, Stangen, Reise usw., ein vereinzeltes Reh, hie und da ein Hase, munter springende Eichhörnchen, die sich dank ihrer Gewandtheit in großer Anzahl behauptet haben, einige Vogelarten - das ist das Bild unseres gegenwärtigen Waldes.

Wir wollen nicht kritisieren; denn unser modernes Leben stellt eben andere Ansprüche als das vor zweihundert, fünfhundert oder gar tau-

send Iahren. Aber eines wollen wir uns alle von Herzen angelegen sein lassen, ob Jäger, ob Holzfäller, ob reisigsuchende Einwohner, ob Spaziergänger, ob Ausflügler; jede Blume, jeder Strauch, jeder Baum, jedes Vögelchen, jedes Wild zu schützen und zu pflegen soweit es irgend geht. Denn wir Menschen sind doch letzten Endes Kinder der Natur, und wir brauchen ihre Schönheit, um neue Krafi, neuen Mut für den Kampf ums Dasein aus ihr zu schöpfen.

(Der Beitrag stammt sicher aus der Feder des damaligen Heimatforschers Ewald Israel. Ieh glaube, was er schrieb gilt auch noch für heute, Winzer.)

12 Einen fasr aussichtslosen Karnpf gegen das Bergarm mußte die Besitzerin des Rittergutes Tasdorf Freifrau von Marschall führen. Sie begann nämlich 1772 in einem eigenen Minibruch in Schulzenhöhe mit dem Kalkabbau. Es wurde kein richtiger Bruch, denn nur der aus der Erde ragende Kalkstein kam zum Abbau, aber es wurde eine größere Senke daraus in deren Mitte sich später auch ein kleiner Teich bildete. Das Bergamt wurde vollends mobil, als die Freifrau begann den Kalkstein auf dem Wasserweg zu versenden. Ab und zu machte man die Schleuse, über die das Bergamt verfügte, dicht ... Schließlich kam man zu einem Vergleich. Der Bruch ist vergessen und es entstand nach 1945 der RichardMeier-Platz, zu Ehren eines von den Nazis ermordeten Antifaschisten. Der Platz wird seit 1994 rekonstruiert - ein Hinweis-

schild auf den ehemaligen Bruch sollte es eigentlich auch geben ...

Eine Tasdorfer Weihnachtsgeschichte

Es war einmal eine Muhme, die im DorfTasdorfwohnte. So fangen auch heute noch Märchen an. Was ich meinen jüngsten Lesern heute erzählen will, ist wohl eine Weihnachtsgeschichte - aber wie meist auch in den Marchen, steekt ein wahrer Kern in ihr.

An der B 1 von Berlin nach Frankfurt, direkt am Mühlenfheß und dem Stienitzsee gelegen, findet man das ehemals selbständige DorfTasdorf - heute ein Ortsteil von Rüdersdorf. Vor vielen Jahrhunderten soll dieses, damals nur aus wenigen Häusern bestehende Dörfchen direkt am Ufer des Stienitzsee gestanden haben. Wo das allerdings war, hat man bisher noch nicht ergründen können.

Zur Zeit unserer Geschichte stand aber das Dorf schon an der heutigen Stelle, wenngleich auch nur mit wenigen Feuerstellen, wie man die Häuser früher bezeichnete. Daher wurde es anfangs auch Gutsweiler genannt, denn es gab ein Gut und zeitweilig auch ein Rittergut.

Im Winter waren die Straße, anfangs gab es nur eine Durchgangsstraße, die Häuser und Stallungen bis unter das Dach eingeschneit. Der Ort war so manchmal tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Nur die Wölfe kamen wie eh und je bis in Ortsnähe und ließen ihr langgezogenes Geheul erklingen.

Nun begab es sich, daß gerade wenige Tage vor dem Weihnachtsfest die Muhme die Tasdorfer Kinder um sich versammelt hatte. Vielleicht saß sie auch in der uralten Tasdorfer Kirche, die schon um 1300 dort gestanden haben soll, dann vermutlich abgebrannt ist und an gleicher Stelle ein neues Kirchenhaus errichtet wurde, das wiederum um 1980 brannte und bald völlig abgerissen wurde. Sie erzählte den Kindern, daß es früher kaum eine Abwechslung im Dorf gab. Wohl gab es in der Fischerstraße, die nach Rüdersdorf führte, einen Krug, nämlich die Postkutschenstation 'Deutsches Haus'. wobei man nicht weiß, ob die Gaststätte damals bereits so hieß.

Große Freude aber stand im Haus, wenn fahrendes Volk in den Ort kam. Das waren kleine, man würde heute sagen, Zirkusse oder Gaukler,

die Kunststücke, meist mit Tieren, vorführten. Sie lebten in Wohnwagen und fuhren durch die Welt. Oft brachten sie auch neue Nachrichten aus fernen Ländern mit, denn Zeitungen gab es damals noch nicht. So sagte man dazu auch 'Ich habe euch eine gute oder aber auch schlechte Zeitung mitgebracht', womit man mit Zeitung eine Nachricht bezeichnete.

In dem Winter, wo unsere Geschichte spielt, war es nur ein ganz kleiner Wagen mit einem Ehepaar und zwei Kindern. Sie brachten ihre Kunststücke dar, die Kinder sprangen durch einen Feuerreifen und auch ein dressierter Hahn machte eitel Freude. Die Einwohner waren froh und spendeten Speis und Trank für die Zigeunergruppe, wie man sie damals nannte. Geld konnten die meist armen Bewohner in unserer Gegend nicht geben und so gab es Brot, Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse und manchmal auch ein Huhn. Die Freude bei der kleinen Familie war groß.

Am anderen Morgen aber war der Schreck noch größer - über Nacht hatte es geschneit und man konnte mit pferd und Wagen nicht weiterziehen. Guter Rat war teuer. Denn nun mußten sie bleiben, auch ohne Kunststücke vorführen zu können. Mit kummervollen Gesicht zogen sie durch das kleine Dorf, um Lebensmittel zu erbitten. Da gab es manchen, der das nicht gerne sah, obwohl er noch tags zuvor, zu den klatschenden Zuschauern gehört hatte.

Auch der Pfarrer sah das Leid der Fremden. Als nun ein Tag vor dem Fest die Dorfbewohner vollzählig in der Kirche versammelt waren, kam der Pfarrer auch auf die fremden Gäste zu sprechen. Er forderte seine Zuhörer auf den unfreiwillig hier wohnenden Menschen zu helfen.

Am Nachmittag, als er die kleinsten Bewohner um sich versammelt hatte, erzählte er ihnen von dem wohl freudlosen Fest der Wohnwagenleute und Kinder. 'Also,' so sagte er, 'gebt ihnen ab von euren Spielsachen,' 'Ja,' meinte der kleine Fritz, 'ich habe noch ein Holzpferd - es hat sowieso keinen Schwanz mehr und ein Auge fehlt auch,' 'So: meinte der Pfarrer, 'aber man verschenkt doch keine defekten Sachen! '

Da schaute der Fritz erst verwundert, dann aber strahlte er. 'Ich bekomme zum Fest zwei neue Rösser, eines werd ich davon verschenken.' Da freute sich auch der Herr pfarrer und meinte: 'Fritz, du bist ein braves Kind.' Das aber wollten nun auch alle anderen Kinder sein.

Als der Weihnachtsabend angebrochen war, saßen die fremden Kinder mit kummervollen Augen in der Kirche. Auf dern Heimweg zu ihrem Wohnwagen wunderten sie sich wohl, daß die Dorfkinder sie begletteten. Auch ihre Eltern mit Packen und Päckchen beladen, waren dabei. Noch größer aber wurden ihre Augen, als die Dorfbewohner ihre Pakken vor dem Wagen, hinein gingen sie ja alle gar nicht, auspackten. Spielsachen, Lebensmittel und Leckereien kamen ans Tageslicht. Die Hausfrauen hatten ihr Bestes getan. Und so wurde das Fest auch für die fahrende Truppe zum Freudenfest. So blieben sie noch bis es besser Wetter wurde. Zum Abschluß feierten sie alle gemeinsam ein Fest, wo so mancher Dorfbewohner zeigte, was er außer arbeiten auch noch kann.

Das gab ein Winken und Händeschütteln, als sich der Wagen in Bewegung setzte und immer wieder kam der Abschiedsruf: 'Komrnt doch einmal wieder vorbei,' Und der Herr Pfarrer meinte beim nächsten Kirchenbesuch, sie hätten nun mit ihrer Tat gezeigt, daß sie Gottes Gebot, 'Liebe Deinen Nächsten, wie dich selbst' ernst nehmen.

Unser Foto: Noch in den zwanziger Jahren sah man solche Besucher besonders zur Freude der Kinder, hier wohl in Stolpnähe, in Kalkberge.

13

DerWächter

von Gerhart Hauptmann, aus 'Das bunte Buch', Stuttgart und Leipzig 1888.

Wenn bleich der Mond mit mildem Licht erhellt um Mitternacht die schlummerndeWelt,

dann denk ich oft an einen Stillen Mann,

und meine Irdne fängt zu rinnen an.

Um einen Bahnhof schlich er jede Nacht, den er mit seinem Spieß und Hund bewacht. Der Spieß war rostig. struppig war der Hund, der armeWächter krank und todeswund.

Die Lippe bleich und schmal; seine Auge matt unheimlich düster nur gefunkelt het,

wenn man ihm mitleidsvoll ein Mittel bot, zurückzuschrecken den GevatterTod,

Gevatter Tod, mit dem er rum sich schlug und den er fest im kranken Busen trug.

Kein Mittel half; und ob er auch zuletzt,

von Todesangst und Herzensqual gehetzt,

von seinem Spieß den braunen Rost geleckt, nichts hat den Gast im Busen fortgeschreckt.

So schlich er sich gespenstig um das Haus und maß der Schienen blanke Stränge ous, ging hin und her auf einsam stiller Wacht; Gott weiß es, was der Arme da gedacht. Rings Wald und Flur; im bergig weiten Tal ein fernes Licht, bald rot, bald gelblich fahl;

ein Tropfen Schweiß bald, bald ein Tropfen Blut; KaJköfen sind 's in ewig reger Glut.

Und jedesmal, wenn heller ward ihr Brand,

war rot mit eins derWächters Wang' und Hand; und wurde matter ihr erdrückter Strahl,

so war ihm Hand und Wange wieder fahl.

Denn was sich tödlich drin im Busen regt,

das hat die Plomme ihm hinein gelegt.

Sie buk ein Brot, das er im Hunger aß,

an dem er krankt, wie Weib und Kind genas. Doch sah er auch von ferne schon den Tod, sein Weib und seine Kinder brauchten Brot.

Schweißtropfen quollen nieder jihr auf Jahr, die Brust von Kalkstaub schier zerfressen war; er ließ mit Sorg' und Mühen nimmer nach, bis er auf eimnal jäh zusammenbrach.

Ein Krankenlager kam: Furchtbare Pein,

zum Tode krank und arm dabei zu sein,

zu sehn die Not im Weibesangesicht,

ein hungrig Kind, das fast zusammenbricht vor Mattigkeit, mit jammervollen Schrei die Ärmchen ausreckt nach der Arzenei.

Da sprang er auf, und noch zum Tode krank, er seine schwachen Kräfte neu verdang ward Wächter -lief die Nächte mûd urnher und schlief am Tage heiß und fieberschwer.

So schritt er denn in einsam stillen Gang wohl auf und ab den graden Schienenstrang,

im Ietzten Dienst, gemartert und erschlafft für Weib und Kind, mit seiner letzten Kraft. Oft stand er da vom Wintersturm umbraust, mit roten Augen und geballter Faust,

von heißen Tropfen das Gesicht betränt,

on des Gebäudes Ziegelwand gelehnt,

und sah hinaus rnit stirem Angesicht

nach seiner fernen Totenfackel Licht.

Und so uuch fand man ihn zuletzt erstarrt und hut ihn still und schleuniqst eingeschcrtt. Es dröhnt der Zug und tobet übers Gleis,

das Ieuer brennt noch heut wie Blut und Schweiß, und jetzt wie damals bäckt man in das Brot

den frûhen, kelten, jammervollen Tod.

Dieses Gedicht von Gerhart Hauptmann (erhalten von Schriftsteller Albert Burkhardt) stammt vermutlich aus seiner Zeit in Erkner. Von da aus konnte man die Feuer der Kalköfen in Rüdersdorf erkennen.

Eine wahre Begebenheit soll hier folgen, die die unsagbar schwere Arbeit an den Schachtöfen des Kalkwerkes noch in den fünfziger jahren dieses Jahrhunderts widerspiegelt. Erlebt habe ich sie selbst als damaliger Redakteur der Betriebszeitung des VEB Zementwerke.

Der leider viel zu früh verstorbene Hehnut Pumper war in den Schachtöfen tätig und parteiloser Korrespondent meiner Zeitung. Als die Redakteure einmal im Monat körperliche Arbeit zu leisten hatten, meldete ich mich füreine Schicht im Schachtofen an. Als die Kalksteine glühend heiß bei rund 60 bis 70 Grad unten aus den Öfen geholt wurden, begarm die Schufterei. Mit einer großen Forke waren die Kalksteine in die Loren zu verladen. Als ich mit Mühe und Not, schweißgebadet in der höllischen Hitze, gerade so an die sechs Brokken mühsam in der Lore hatte, kam schon als rettender Engel Helmut

zur Hilfe - er hatte die Lore längst voll. Wie in der Hölle beim Höllenfürsten kam ich mir vor - das war ja keine Arbeit mehr, sondern menschenunwürdige Zwangsarbeit!

Keine Frage, vor diesen Kalkarbeitern zog ich den Hut und wenn Helmut mit einer Angelegenheit der Kollegen kam, in mir hatten sie immer einen Fürsprecher.

Als jetzt von einigen Journalisten diese Öfen als 'Kathedralen des Kalks' bezeichnet wurden (ich habe diesen Begriffnie an den Öfen gehört!), mußte ich an die tagtägliche Schinderei der Kollegen - ihre normale Arbeit - denken. Ich meine es sind fürwahr keine Kathedralen, denn das wäre ja fast Gotteslästerung! Ich glaube eher, es sind die Schornsteine von Belzebubs Höllenofen!

14

Wie der 'Hohle See' zu seinem Namen kam

Nicht nur die Angler kennen ihn - den Hohlen oder früher auch Hahlen See genannt. Von der Autobahn aus dem Norden kommend, können sie den kleinen See rechts unten gut erkennen. Um dieses wunderschone Feuchtbiotop kümmern sich dankenswerterweise Naturund Umweltschützer.Auch an diesem Gewässer standen vor rund 200 [ahren Kalköfen, die zum Berliner Magistratsbruch gehörten. Im Sommer können heutige Ausflügler, die per Boot oder Dampfer dort vorbeischippern, riesige Seelilienteppiche bewundern.

Eigentlich ist es gar kein abgeschlossener See, sondern mehr eine große Bucht des Mühlenfließes. Wie der See zu seinem Namen kam, konnte mir keiner sagen. Ein kühnerTip von dem verstorbenen Heimatfreund Bernhard Rösler veranlaßte mich, folgendes meinen verehrten Lesern zu unterbreiten.

Wir müssen schon in eine ganz ferne Vergangenheit zurück gehen. In jene Zeit vermutlich, wo auch hier am Ufer des Sees und am Ufer des FlieBes bereits Steinzeitmenschen ihre Behausung hatten. Vielleicht waren es auch die Slawen, die hier ihre Fische aus dem Wasser holten - wer weiB? Sicher aber ist - Scherben aus der Steinzeit zeugen davon

- daß der See offensichtlich schon genutzt worden ist.

Ja, damals in grauer Vorzeit geschah nun dieses. Wieder einmal war ein Fischer mit dem Kahn auf den See hinaus gefahren. Der Rest der Sippe saß am Ufer und wartere froh gestimmt, was da für die Abendtafel noch an Land kommen sollte.

Vorher aber gab es ein böses Gewitter - und die hatten es dunnemals in sich. Die Wellen schlugen hoch und die 'Zuschauer' hatten längst den Platz am Ufer mit einem Fleck in ihrer Behausung gewechselt. Nur einer blieb und er sah dieses. War es eine groBe Welle oder aber ein Riesenfisch, der sich gegen das kleine Gefährt auf dem See sternmte. Jedenfalls schlug es um und versank mit samt dem Fischer in die Tiefe. Der Fischer selbst aber hatte sich im umgeschlagenen Boot im Hohlraum gerettet, konnte sich aber nicht mehr befreien, als es auf

dem Grund des Sees aufschlug und verlor die Besinnung.

Nun erhob sich ein großesWehgeschrei. DasWehklagen dauerte bis zum nächsten Tag, aber der Fischer ward nicht mehr gesehen. Alle hatten ihn schon aufgegeben, als er einen weiteren Tag später völlig entkräftet, naß und bibbernd vor Kälte, obwohl es 30 Grad im Schatten waren, am Ufer gefunden wurde.

Nun war die Freude groß. Als der Mann erzählte, erwas verworren zwar, daß er die ganze Zeit über in einer kleinen luftigen Höhle unten im See gelegen hatte, da war des Staunens kein Ende. Alle rätselten, wie das denn bloB möglich gewesen sein kann,

Schließlich erklärte der Stammesälteste, nach langen Grübeln von seiner Sache felsenfest überzeugt: 'Ganz einfach, der See ist unten hohl. Möglicherweise ist unser Freund der Hölle gerade noch einmal entkommen!?'

Als nun auch noch allerlei Utensilien aus dem untergegangenen Boot ans Ufer gespült wurden, da war allen klar - es ist so. Und so erhielt der See einfach den Namen 'Hohler See'.

Und wer's nicht glaubt, der zahle jeder ein Märkerle in die Gemeindekasse. Wieviel Einwohner haben wir derzeit, etwa 14 000 Mark wären sicher für die Umweltschützer eine gute Hilfe ...

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