Rüdersdorf in alten Ansichten Band 4

Rüdersdorf in alten Ansichten Band 4

Auteur
:   Werner Winzer
Gemeente
:   Rüdersdorf
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6417-7
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rüdersdorf in alten Ansichten Band 4'

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15 Diesen Aus bliek auf Kalksec und Woltersdorfer Kietz am jenseitigen Ufer hatre Herr Schöpe täglich. Lange Zeit leitete er das Freibad und Restaurant Seebad. Im Kietz, wo um 1843 auch die Schiffsbauerei Erpel entstand, lebten auch viele Fischer. Sie versuchten zuerst bei Schöpes in Seebad ihre frischen Fische an den Mann zu bringen. Herrn Schöpe war besonders die Jugend ans Herz gewachsen. Als die Gemeinden Kalkberge, Rüdersdorf und Tasdorf um 1925 den Bau einer geschlossenen Badeaustalt am Mühlenfließ, besonders für die Jugend planten, riefen sie darrut auch den Bürger Schöpe auf den Plan. Vielleicht war es auch ein ",,-enig Eigemmtz, weil er um sein Seebad fürchtete. Wie dem auch sei, er bot sich der Gemeinde an, neben seinem Bad eine derartige Einrichtung für die Jugend zu schaffen. Wie es ausgegangen ist, wissen wir leider nicht.

Woltersdorfer Schleuse, Am f<alksee, Blick auf f<ietz Woltersdorf.

16 Bereits um 1900 gab es in den drei Rüdersdorfer Gemeinden über zwölfFriseur- und Barbiermeister! Heute haben wir kaum eine Handvoll. Unser Foto zeigt Friseurmeister Herrmann Überscheer in den dreißiger [ahren vor seinem Rasier- und Friseursalon in der damaligen Breitscheidstraße 9. Vorher mnß sein Vorgänger Paul Horn schon um 1900 hier seine Wirkungsstätte gehabt haben, obwohl er noch unter Nummer 5 eingetragen war. I 950 übernahm Walter Iennrich, der zuvor bei Pritz Kramm in der Redenstraße 18 tätig war, den Salon von Überscheer. Etwa fûnf Iahre später erweitete er ihn um einen neuen Friseursalon. In den siebziger Iahren gab Herr Iennnch das Geschaft auf Heute befindet sich in dem noch immer interessanten Gebäude die Augenarztpraxis van Frau Dr. Böbel.

I 7 Als käme sie aus dem fernen Indien, solchen Eindruck vermittelt diese Karre. Dabei sind die am jenseitigen Kalkseeufèr zu erkennenden Pagoden, Tempel und malerische Felsbauten nur Holz- und Leinwandatrappen und Pappwände, "ie sie in der Kinostadt am Kalksee in den zwanziger jahren für Filmaufnahmen, zuerst als Stummfilme, nötig waren. Die dazugehörenden wilden Tiere - das Tiegergebrüll konnte man über dem See bis nach Seebad horen - waren meist echt und die Schauspieler wie Harry Piel ader Mia May ebenso. Viele Rüdersdorfer Einwohner, wie Frau Rösler, denken noch heute gern an jeneTage in ihrer Jugend, wo sie als Filmsternchen ohne Namen - heute sagt man unromantisch Statisten dazu - an der WoltersdorferRüdersdorfer Filmgeschichte mitschrieben.

] 8 Jugendgemäße und ausgefallene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung haben schon unsere Altvörderen gesucht und gefunden. Unter ihre Fittiche wäre sicher der bis 1997 in Rüdersdorfliegende uralte Kalm nicht als Alteisen verwendet worden. Sicher werden nur noch wenige Rüdersdorfer diesen ausgedienten Lastkalm kennen, der 192 6 an den Ufern des Kalksees lag. Mit Hilfe der Werften wurde er damals nicht abgewrackt, sondern es wurde daraus eine schwimmende Jugendherberge. Und das nach der Inflation und großer Arbeitsiosigkeir! Natürlich legten die Jugendlichen unserer Gemeinden selbst mit Hand an. Sogar im Winter haben hier ganz unentwegte Naturfreunde ihren Urlaub oder freie Tage verbracht.

Schwimmende Jugendherberge auf dem Kalk-See

19 Zugegeben, Eingang sarrit Haus sehen nicht sehr einladend aus, In den zwanziger Iahren aber waren Inflation, Geldentwertung, ansteigende Arbeitslosigkeit und damit auch mehr Armut nicht gerade Geschäftsfördernd. So konnte auch der damalige Bäckermeister Paul Adler mit seiner Bäckerei in Tasdorf-Dorf keine großen Sprünge macheu, Mehr auch notgedrungen waren solche Plauderstunden vor dem Geschäft an der Tagesordnung. Wenn die Bäckerei dennoch beliebt war - trotz Konkurrenz um sie herum - dann wegen der guten Backwaren. die hier täglich aus dem Backofen kamen. Es hieße Eulen nach Athen tragen. wenn ich besenders betonen müßte, daß hier vor allem nicht so betuchte Einwohner Kunde waren und es nicht als Schande galt, wenn Namen und Summe im Kundenbuch standen.

Die Rüdersdorfer Sonnenuhr

Am Berg, wo sich derWeg verzweigt ins ulte Rüdersdorf hinein

und links rum Bruch ins Kalkgestein, steht eine Uhr, die jedem zeigt

die Stunde an mit Sonnenschein.

Die Rüdersdorfer Sonnenuhr, die jeder Rüdersdorfer kennt, ist ein uraltes Monument.

Es trägt der Flechten grobe Spur und ist bestäubt grau vorn Zement.

Die Sonnenuhr kennt noch die Zeit, als eineTaschenuhr recht rar.

Und drum bei schönem Weter war sie jedem Bergmann stets bereir, die Zeit zu weisen jihr für Jallf.

'Nicht jeder Sonnenuhrengang beschenkte Rüdersdorf rnit Glück', so dachte in die Zeit zurûck

der Bergmann auf der Kalksteinbank, beschaut dabei das Kalksteinstück, das Meister Steinmetz einst gelang.

('Der Kreis Niederbarnirn', von Walter Dinger, 1967, Band 2.)

Wie ich aus Woltersdorfer Kreisen erfahren konnte, wurde die Sonnenuhr einst um 1800 von einem Woltersdorfer Steinmetz erbaut.

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22 Den Freunden der CDU in der DDR haben wir es zu verdanken, daß unsere liebe alte Sonnenuhr nicht längst das Zeitliche gesegnet har. Noch als sie am Ursprungsort auf dem Konsumberg (Foto links oben) stand und neben der sonnigen Zeit zugleich auch die Richtungen nach Rüdersdorf und dem Grund anzeigte, machten sich christliche Bürger der CDU daran, die Anlage und Uhr wieder aufzumöbeln (Foto rechts). Und so sah das Schmuckstück urn 1959/60 schließlich wieder aus (Foto links unten). Heute steht die urn 1800 erbaute Sonnenuhr hinter dem Kulturhaus, Für die Autobahnbenutzer weithin sichtbar und, neben dem Kulturhaus als modernes Wahrzeichen, zugleich ein geschichtliches Denkmal. Die Uhr zeigt wie eh und je seit 200 Iahren wieder die Sonnenzeiten an, nur die Richtungshinweise sind mit Vorsicht zu genießen.

23 Spricht man von Rüdersdorf, denkt man zuerst an den Kalkabbau und seine Verarbeitung. Aber es wäre wohl mehr als eine Unterlassungssünde, wenn man die sonstige und dabei nicht unwichtige Industrie odcr das Handwerk nicht nennt. Ich glaube kaum, daß sich noch viele Bürger an die Aktiengesellschaft 'Elektrodrahr' in der Kaiserstraße, heute Thälmannstraße, erinnern. Immerhin rechnete die Fabrik schon zu den größeren Unternehmen irn Ort, waren hier doch mehr als neunzig Mitarbeiter am Wirken. Die Elektrodrähte gingen natürlich vor allem ins Zementwerk, aber sie waren

auch weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Wenn sie das

Bild genau betrachten, werden sie unschwer erkennen, daß mehr als sechzig Frauen dabei sind. Grnnd: nicht nur Gleichberechtigung, sondern auch der

um 1920 noch vorhandene Män-

nermangel- und billiger waren sie sicher auch:

24 Bisher habe ich immer nur von Touristen gesprochen, die unseren Ort einst gern besuchten - jetzt weiß ich mehr. Dieser Kartengruß, am 27. Mai 1906 in Rüdersdorf aufgegeben, wurde nämlich von einem jungen Ehepaar versandt. Frau Helene schickte ihrer 'Preundin Martha' liebe Grüße 'von ihrer Hochzeitsreise'. 'Ich fühle mich in Rüdersdorf sehr wohl,' brachte sie dokumentarisch zu Papier. Und ist die Ansicht vom Potsdamer Platz nicht schmuck anzuschauen? Allerdings gab es zu jener Zeit weder Gas, Energie noch Wasserleitung im Ort. Es muß also noch eine PetroleumIaterne gewesen sein, oder sogar cine Fotomontage. Vielleiebt verbraelite das Paar im damaligen Hotel der Witwe Külpers (hinten rechts) die erste Hochzeitsnacht - bis zum dritten Hahnenschrei. ..

Der Rüdersdorfer (Autobahn- )Brückenknall

Beim Autobahnbau bei Rüdersdorf mußte 1936 ein schwieriges Gelände überbrückt werden. Es war ein Torf-Sumpf-Gebiet, mit dem anschließenden Mühlenf1ieß. Diese Brücke von zirka 1.6 km Länge mußte durch Pfeiler abgefangen und getragen werden. Zur damaligen Zeit war es kein Problem, durch die sumpfigen Schichten auffesten Untergrund zu kommen, um die Fundamente der Brückenpfeiler zu setzen. Die Teelmik mit dem sogenannten Senkkasten, in dem die Arbeiter unter Überdruck herabgelassen wurden, beherrschte man. Nie zuvor hatte man aber eine so lange Stahlkonstruktionsbrücke gebaut. Die 1936 gebaute Autobalmbrücke war zu der Zeit die längste Europas. Zuvor hatte man Stahlkonstruktionen genietet. Hier sollte jetzt die Schweißtechnik angewendet werden. Die geschweißte Stalilkonstruktion war schon in seiner gesarnten Länge montiert, und dann passierte es.

Es war an einem Novembermorgen, so gegen 5 Uhr, es war schon kûhl, leichter Frost, und Rauhreif lag auf der Landschaft. Dann hörte man bis in den Ort Rüdersdorfhinein einen Knall, der aus der Richtung der Autobahnbaustelle karn. Es konnte sich keiner vorstellen wie dieses Geräusch entstanden ist, auch die Brückenbauspezialisten nicht. Bei näherer Untersuchung der Brückenkonstruktion entdeckte man, daß ein Stahlträger gerissen war, was den KnaU verursachte. Bei niedrigerTemperatur zieht sich fast jedes Material zusammen, so auch Stahl. Bei der hier erstmalig montierten Länge, wurde die Schrumpfungsspannung zu groß, sodaß ein Stahlträger zerbrach. Man hatte jetzt bei dem Rüdersdorfer Autobahnbrückenbau eine wichtige technische Erkenntnis gewonnen. Nach dieser Erfahrung mußte die Konstruktion verändert werden, aber die Brücke wurde fertiggebaut und war jahrzehntelang funktionstüchtig. Es waren öfter Reparaturen und Urnbanten nötig. So auch 1996 die Verbreiterung, um mehr Fahrspuren zu gewinnen.

Der Rüdersdorfer Brückenknall und die daraus gesammelten teehui-

sehen Erkenntnisse werden seitdem in allen einschlägigen Bildungseinrichtungen erwàhnt und gelehrt. So zum Beispiel an derTechnischen Universität in Dresden durch Prof. Hoyer und DI. Hohaus (t). Auch ein Stahl- und Brückenbauer ausWoltersdorf, Dr. Flössel erwähnt dieses technische Ereignis von Rüdersdorf in seiner Fachliteratur.

Die Rüdersdorfer Autobahnbrücke wird auch als Besonderheit in Bildern dargestellt, so als Anschauungs- und Lehrmaterial bei derT.U. Dresden. Es gibt auch eine Briefmarkenserie mit den größten Brücken Europas, wo auch eine Briefmarke die Rüdersdorfer Autobahnbrücke abbildet und einen Sonderstempel.

Siegfried Kuhnke

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