Recklinghausen in alten Ansichten

Recklinghausen in alten Ansichten

Auteur
:   Kurt Siekmann
Gemeente
:   Recklinghausen
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4721-7
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Recklinghausen in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

EINLEITUNG

Im Januar/Februar 1966 widmete die Städtische KunsthalIe Recklinghausen unter dem Motto 'Die Bildpostkarte in Deutschland - auch ein Spiegel der Kulturgeschichte' jenem Medium eine ganze Ausstellung, das sich seit eh und je großer Beliebtheit erfreut: der Bildpostkarte und Ansichtskarte. Der Aufruf der Kunsthalle an die Bürger der Stadt, anläßlich der Ausstellung aus Privatbesitz Ansichtskarten vom alten Recklinghausen für Archiv- und Publikationszwecke zur Verfügung zu stellen, hatte damals leider nur ein geringes Echo.

Zehn Jahre später legt der Verlag Europäische Bibliothek-Zaltbommel/Niederlande nun ein Buch vor, in dem sich 'Recklinghausen in alten Ansichten' einmal von seiner nostalgischen Seite zeigen kann. Der mit der damaligen Ausstellung dokumentierte Spiegel deutscher Kulturgeschichte wird durch dieses Buch reflektiert auf Recklinghäuser Stadtgeschichte.

Die Geschichte der Postkarte reicht über 100 Jahre zurück. Heinrich von Stephan, Generalpostmeister des Deutschen Reiches, erläuterte - allerdings inoffiziell - auf der 5. Deutschen Postkonferenz, die vom 13. November 1865 bis zum 2. März 1866 in Karlsruhe tagte, seine Idee von einem 'Postblatt' , die jedoch nicht bis zur Realisierung gedieh. Aber 1869 erschien in Österreich erstmals die sogenannte 'Correspondenzkarte'. Unter derselben Bezeichnung führte die Postverwaltung des Norddeutschen Bundes am 1. Juli 1870 die Postkarte ein, die sich dann schnell in anderen europäischen Staaten verbreitete, ab 1875 auch im internationalen Postdienst zugelassen wurde. Zwar hat es nicht an Bedenken moralischer oder

juristischer Art gefehlt, da man befürchtete, Unbefugte könnten den Inhalt der Postkarte lesen oder die Karte könne - anonym - zu unsittlichen oder beleidigenden Äußerungen mißbraucht werden. Doch dem Streben nach knapper Mitteilung, ohne viel Zeit und Überlegung zu verschwenden, kam diese Karte geradezu ideal entgegen. Als um 1895 die Bildpostkarte, schon zwei Jahrzehnte zuvor erschiénen, auch offiziell gestattet war, erlebte der Kontinent einen Boom der Bildpostkartenindustrie. Freilich unterschied die Post zwischen der' Ansichtskarte', der mit einer Abbildung auf der Rückseite versehenen Postkarte, und der 'Bildpostkarte' , einer amtlich hergestellten Karte, die im Auftrag der Postreklame seit 1925 auf dem linken oberen Teil der Anschriftseite mit Werbetexten und -abbildungen für Städte, Veranstaltungen, Organisationen und so weiter bedruckt sind.

Die Jahre, in denen die Korrespondenzkarte, die Bildpostkarte und die Ansichtskarte populär wurden, kennzeichnen die Epoche, die Recklinghausen durch den Bergbau seine industrielle Revolution und städtische Evolution bescherte. Nach der Hansezeit, der, bedingt durch Kriege, Seuchen und Katastrophen, eine lange Ära des ökonomischen Niedergangs gefolgt war, durchlebte die Stadt nun ihre zweite wirtschaftliche Blüte mit allen soziologischen und städtebaulichen Komponenten der sogenannten, vom Rausch größter staatlicher Potenz und höchsten Monarchenkults geprägten Gründerjahre.

Dieser Geist der Gründcrjahre, aber auch das Bemühen der Stadtväter, ihrem Recklinghausen, das sich aus einem Königshof Karls des Großen entwiekelt

hatte, seit 1236 volle Stadtrechte besaß, Jahrhunderte das Zentrum seiner Region war und nun zu neuer wirtschaftlicher Kraft aufstieg, kulturelles und urbanes Profil zu geben, spiegelt sich in den Ansichtskarten wider, die in diesem Buch zu einern visuellen Almanach der Stadtgeschichte komponiert sind. Konkret ist ~ nach Wunsch des Verlages - der Zeitraum von 1897 bis 1930 belegt, dokumentiert durch die erste und letzte Ansichtskarte. In diesem Zeitraum sah man in Deutschland den ersten Zeppelin und das erste Motorf1ugzeug, tobte der Erste Weltkrieg in Europa und stürzten Fürstenthrone, war Deutschland zum erstenmal Republik, lösten die Kursstürze an der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise aus. Recklinghausens Bevölkerung stieg in jenen Dezennien von 34 000 auf fast 90 000 an; die Stadt wurde kreisfrei und erhielt durch die Eingemeindungen von 1926 die heutige Gebietsgröße; am Herzogswall entstand das Kreishaus, am Kaiserwall das Rathaus; und drei Jahre, während der Ruhrbesetzung, beherrschten die Franzosen die Stadt. Schließlich weist jener Zeitraum auf die historisch bedeutendsten Sakral- und Profanbauten dieses J ahrhunderts in Recklinghausen hin. Solche Bauten sind neben Häusergruppen, Straßenszenen und Panoramen in Bild und Wort dargestellt und mit vielen Einzelheiten beschrieben. Dabei erbrachten die Quellenstudien und Recherchen, diese wiederum oft bei Zeitgenossen und Nachkommen der Zeitgenossen von damals, oft neue und verblüffende Erkenntnisse.

Bei der Reihenfolge der 156 Ansichtskarten wurde darauf verzichtet, eine zeitgetreue Bildchronik vorzulegen, da die Kollektion dies nicht erlaubte, statt-

dessen bietet der Verfasser einen Stadtbummel à la carte an, wobei der jeweilige Ortsteil chronologisch durchwandert werden kann. Die Variierung mancher Motive wiederum offenbart den städtbaulichen Wandeloder kultiviert die Liebe zum Detail.

Nach den ersten optischen Impressionen führt das Karren-Vadernekurn zunächst über den Markt, dann durch die angrenzenden Straßen, rund um die Wälle und von hier in die peripheren Stadtbezirke.

Die Erläuterungen verbinden Historie und Gegenwart, um Entwicklungen zu verdeutlichen und Perspektiven durch Vergangenheit zu vergegenwärtigen. Nostalgische Träurne lassen sich derart zu Wirklichkeit relativieren, und ein Appell an die Zukunft wäre auch eine denkbare Konsequenz.

Für die Auswahl der Karten erwies sich das Stadtarchivals beste Fundgrube, für Studien und Reeherehen als vorzüglicher Arbeitsplatz. Die Auswahl und Komplettierung der Karten konnte dank der Unterstützung mehrerer Familien wie Berger, Bök und Hentrei, durch Einzelpersonen wie Paul Gamke, Heinz Großmann, Else Opitz und Manfred Silvers sowie durch die Sammlungen von Alfons Verstege, Walter Zillessen und der Städtischen Kunsthalle wesentlich verbessert werden. Für den redaktionellen Auftrag dankt der Autor dem Haupt- und Finanzausschuß des Rates der Stadt Recklinghausen. 'Recklinghausen in alten Ansichten' ist das erste Buch dieser Art. Es skizziert, was war und was ist, auch was sein könnte, wenn manches nicht gewesen wäre,

1. Eine freundliche Stadt von 34 000 Einwohnern, die mit dem Bergbau ihren industriellen Aufschwung erlebt - das ist Recklinghausen in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das Panorama veranschaulicht trotz Fabriken eine beschauliche Stadtidylle mit zwei Kirchen, der katholischen Petruskirche von 1247, Wahrzeichen des Ortes, und der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche von 1847. Die Reste der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert sind berühmte Sehenswürdigkeit und der Kaisergarten ist ein beliebtes Ausflugsziel. Das Gymnasium (Petrinum) aus dem 15. Jahrhundert pflegt die humanistische Bildung, das bischöfliche Collegium Josefinum, später Maristen-Realschule, beherbergt kleine Petriner. Das Stadtwappen ist noch gar nicht genehmigt.

.f.

---

2. Historische Stadtansichten auf Postkarten publik zu machen, war schon 1902 en vogue. Und daß Recklinghausen, vom 13. bis zum 19. Jahrhundert unter der Landesherrschaft des Kölner Krummstabs, immer wieder unter Krieg und Elend darbte, bezeugt das dramatische Bild einer Belagerung der stark befestigten Stadt; in diesem Falle nicht jene von 1583 rnit Oberst Engelbert Nie ante port as, sondern die Einnahme durch Herzog Ferdinand von Bayern, der die Stadt während der Truchsessischen Wirren für seinen Bruder, den Kölner Erzbischof Ernst von Bayern und Landesherrn von Recklinghausen, im April 1584 mit zwei Regimentern zurückeroberte. Die abtrünnigen Bewohner hatten harte Strafen zu erdulden.

,
"', 'I
,
J _/5 Reckllnghausen irn Jahre 1646. Nach Merian

3. Das bekannteste historische Stadtrnotiv, das schon um 1912 auf einer kolorierten Karte verbreitet wurde, ist der von Wenzel Hollar geschaffene, in Merians 'Topographia Westphaliae' veröffentlichte Kupferstich. Hollar (1607-1677) signierte das im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrte Original mit 'W.H. 1634'. Wir blieken von der Höhe des Kunibergs auf das ummauerte, turmbewehrte Landstädtchen, das seit 1236 volle Stadtrechte hat und seit dem Mittelalter Verwaltungs- und Gerichtssitz für die Region, das 'Vest Recklinghausen', ist. St. Peter überragt mit spitzem Turm die niedrigen Fachwerk- und Ziegelbauten. Das Kunibertitor sichert den Zugang von Osten.

4. Ins Recklinghausen von etwa 1905 versetzt uns dieses Panorama. Der Bliek geht über das Altstadtviertel Herrenstraße und Löhrhof, wo einst die Lohgerber ihre Werkstätten und Wohnungen harten und jetzt das neue Einkaufszentrum 'Löhrhof-Center' der Cityeine Dominante gibt. Im Vordergrund erstreckt sich das Dach der ehemaligen, 1865 gegründeten 'Dampf-, Korn-, Branntwein-Brennerei und Preßhefefabrik' von Wilhelm Stalherm, die damals 'garantiert reinen Kornbranntwein' und 'anerkannt vorzügliche Getreidepreßhefe von besonderer Gärkraft und Haltbarkcit' lieferte. Den Horizont beherrscht der romanische Turm von St. Peter, nunmehr gekrönt mit barocker Haube und Laterne.

RéCKLlNGJ-fUSéN, VOM MeRZOG5WIILL.

5. Aus der Perspektive des Westviertels zeigt die 1914 von der Christuskirche gemachte Aufnahme die schon 60000 Einwohner zählende Stadt. Wir erkennen den Stephansturm der alten Stadtmauer, weiter rechts den damaligen Neubau des Gymnasiums Petrinum, den Turm der Hauptfeuerwache und die Pau1uskirche. Die Bildmitte bestimmt das neue Rathaus im Erlbruch. Vorn rechts sind die Villa mit Leinenweberei und Dochtfabrik von Pranz Limper zu sehen, der auch eine Bank und Staatliche Preußische Lotterieeinnahme betrieb. Diese Ecke, die Einmündung der Reitzensteinstraße in den Herzogswall, flankieren heute die Filiale der Landeszentralbank und eine Apotheke.

6. Unter Königsfrieden stand im Mittelalter der Markt der Stadt Recklinghausen, die sich aus einem Königshof Karls des Großen entwiekelt hat. Die am 10. Dezember 1900 geschriebene Karte präsentiert uns in reizvoller Stadtromantik die Südseite de> Marktes, mit dem Rathaus von 1847, vorn links, der ehemaligen Gastwirtschaft Brinkmann, dem bekarmten Modehaus Klerns, der heutigen Einmündung der Schaurnburgstraße und dem Modegesehäft David Cosmann - eine Häuserzeile, die nur noch Erinnerung ist ~ wie im Hintergrund, Ecke Markt und Große Geldstraße, das alte Amtsgericht, eine Justizbehörde, die es seit 1879 in Recklinghausen gibt.

Markt .

RECKLlNGHFlUSEN

7. Recht bescheiden wirkt dieser Wochenmarkt um 1905. 1840 in der Stadt eingeführt, durften die ambulanten Händler ihre Stände zunächst nur mittwochs, zehn Jahre später auch samstags auf dem alten Markt aufbauen. 1924, inzwischen größer geworden, wurde der Wochenmarkt zum Kaiserwall verlegt, 1957 zum Löhrhof und 1972 zum Erlbruchpark hinter dem Rathaus. Vor der Häuserreihe an der Westseite des Marktes, deren historische Substanz teilweise noch erhalten ist, verläuft das Gleis der Straßenbahn Herne-Recklinghausen, die, seit 1898 in Betrieb, 1902 über den Markt fuhr und zunächst hier endete, ab 3. Februar 1905 dann durch die Kunibertistraße zum Bahnhof rumpelte.

Recklinghausen Mark'

8. Das ist die Nordseite des Marktes, 1911. Vor dem Kirchenschiff von St. Peter mit dem gotischen Dachreiter empfehlen sich, ganz links, die Gebrüder Studinski als das 'billigstc Kaufhaus für Herren-, Knaben- und Arbeitergarderobe und Schuhwaren'. Neben der Gasse zum Kirchplatz, mit schönem Walmdach gedeckt, steht das Haushaltswarengeschäft Splettstößer, später Banniza, und in der Nachbarschaft. mit Balkon und schmuckvoller Fassade, das Rathaus von 1847, das dritte nach denen von 1256 und 1509. Es wurde 1908, nach Fertigstellung des Rathauses im Erlbruch, zum Geschäftshaus urngebaut, in dem auch die Cafés Wieier und Wulhorst ihre Räume hatten. 1956 fand hier das Kaufhaus C & A Brenninkmeyer neben einem städtischen Büro- und Geschäftshaus seinen Platz.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  9  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2018 Uitgeverij Europese Bibliotheek