Regensburg in alten Ansichten Band 2

Regensburg in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Isolde Kleinschuster
Gemeente
:   Regensburg
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5212-9
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Regensburg in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

'Bei einem Eisenbahnunglück sucht der Franzose eine Frauenbekanntschaft. Der Engländer läßt sich in seiner Zeitungslektüre nicht stören, und ein Deutscher schreibt Ansichtskarten - notfalls sogar noch im Hirnmel.' Nach einem Bliek auf das Branchenverzeichnis der Postkartenhändler und auf die ständig wachsende Anzahl professioneller und privater Sammler, stimmt man dieser ironisch gemeinten Aussage des Simplicissimus-Zeichners Thomas Theodor Heine heute bereitwillig zu.

In den Anfängen der Postkartenmanie galt sie jedoch nicht für die sogenannten besseren Kreise. Denn deren Vorstellung von Distinguiertheit oder gar SchickIichkeit entsprach es keineswegs, private Belange auf offenen Postkarten zu besprechen. Um so eifriger bedienten sich ihrer die 'kleinen Leute'. Ungezählte Ausflüge der Städter auf das Land und viele Einkaufsfahrten der Dorfbewohner in die Stadt sind in Kartengrüßen dokumentiert.

Bis 1905 war die Karte wohl weitgehend ein Medium zur Übermittlung von Grüßen, denn postalische Richtlinien zwangen die Verlage, der Anschrift eine

ganze Seite vorzubehalten. Die Rückseite mußte folglich sowohl Raum für die Abbildung als auch den Text bieten. Erst nach Aufhebung der Vorschrift erweiterte sich das Platzangebot. Dennoch vermied der Adressant in der Regel allzu vertrauliche Mitteilungen. Um unbefugtes Lesen zu unterbinden, entdeckten gebildete Leute um 1900 die Vorteile der Stenographie oder sie bedienten sich ihrer Fremdsprachenkenntnisse . Die in diesem Buch vorgestellte Bilddokumentation Regenburgs und seiner ehemaligen Vororte umfaßt einen Zeitraum von ca. dreißig Jahren. Sie ist als Ergänzung des ebenfalls in dieser Reihe erschienenen Bandes 'Regensburg in alten Ansichten Band l' aus dem Jahre 1977 gedacht; gleichzeitig erscheint sie als Begleitmaterial zu der vom 15. Dezember 1991-16. Februar 1992 im Stadtmuseum Regensburg stattfindenden Ausstellung 'Regensburg um 1900'. Beide Publikationen bezogen ihre Bildfülle aus der Sammlung Eickhoff, einem etwa 5 000 verschiedene Ansichten umfassenden Postkartenbestand, der vor einigen Jahren vom Stadtmuseum Regensburg erworben werden konnte.

Das am häufigsten wiederkehrende Sujet der Postkarte ist die Ortsansicht. Meist aufgenommen von den Hügeln im Norden oder Südwesten der Stadt, zeigt sie Regensburg ähnlich der Veduten früherer Jahrhunderte. Doch nun nicht mehr in altbewährten graphischen Techniken, sondern als fotografisches Produkt. Gleichfalls begehrt waren die Aufnahmen von Kirchoder Geschlechtertürmen. Meist nützten Fotografen Bau- bzw. Restaurierungsarbeiten, um mit ihrer schweren Ausrüstung in z. T. waghalsigen Aktionen Gerüste zu erklimmen und sozusagen aus der Vogelschau zu berichten. Später folgten topographische Wiedergaben aus Fesselballons und Luftschiffen. Doch schon im Ersten Weltkrieg waren Aufnahmen aus Flugzeugen gang und gäbe.

Reizvoller und - besonders für heutige Sammler - interessanter sind Karten mit detailreichen Einzelmotiven, mit Straßenzügen, Plätzen, Brücken, Denkmälern u.a. zu lokalisierenden Örtlichkeiten oder Bauwerken. Um eine solche Bilderanthologie zu erarbeiten ist detektivisches Vorgehen unerläßlich. Ohne Einsichtnahme in Adreßbücher, Stadtpläne, Han-

delsregister und weitere offizielle Unterlagen der Archive, müßte so manche Orts- und Zeitbestimmung scheitern.

Neben diesen echten Ansichtskarten finden sich, weniger statisch wirkend, Szenen, die Stadtgeschichte und urbanes Leben vermitteln. Sie präsentieren Menschen in ihrem Alltag, ihrer Arbeitswelt, bei Sport und anderen Freizeitvergnügungen. Verschiedene Gedenktage, historische Ereignisse oder religiöse Feste im Ablauf eines Kalenderjahres sind in dieser Rubrik ebenfalls dokumentiert.

Viele Firmen stellten die Postkarte zudem in den Dienst der Werbung. Dadurch übernahm sie nicht nur den Transport einer Mitteilung, sondern auch die Aufgabe einer Visitenkarte, die sorgfältigsten Gestaltungsprinzipien unterworfen war. Wir bieten am Ende dieses Buches eine kleine Auswahl an Werbekarten und runden damit unseren Einblick in die Sammlung Eickhoff ab.

1. Text auf der Tafel der Staffelei, 1909.

'Gruß aus Regensburg. ~ Das sind Regensburger Knackwürste. Regensburg hat circa SO 000 Einwohner, darunter viele schöne Mädchen und Backfische. Dann haben wir hier einen schonen Dom, bekommen einen neuen Haten, haben in der Nähe die Ruhmeshallen und als Spezialität die Regensburger Bratwurstküche, sowie viele Sehenswürdigkeiten. Hier wird gerne Bier getrunken, weil es sehr gut ist und die vielen Fremden und Tonristen einen guten Trunk, sowie die Regensburger Knackwürste nie verschmähen. Adjeeh!'

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vom gold. Turm gesehen,

2. Regensburg Nord vom Goldenen Turm gesehen, vor 1905.

Obgleich Regensburg mit voller Berechtigung eine Stadt der Türme genannt werden durfte, fand sich weder in einem Kirchen-, noch in einem Geschlechter- oder Torturm eine Aussichtsplattform. Aufnahmen, wie die hier gezeigte, stießen deshalb auf besonderes Interesse. Der Fotograf hatte mit dem Goldenen Turm in der Wahlenstraße, dem höchsten Hausturm nördlich der Alpen, einen wahrlich überragenden Ausgangspunkt für seine Bildstudien gewählt. Das Auge schweift - nur gebremst durch den Rathausturm - über das abwechslungsreich kleinteilige Dach- und Häusermeer der Altstadt, überquert Donau, Oberen Wöhrd und Stadtamhof und verliert sich in den unbebauten Flächen des Dreifaltigkeitsberges und der Winzerer Höhen.

3. Regensburg (Sûd), 1901.

Die frühe Ansicht der Stadt vorn Ziegetsberg aus zeigt in anschaulicher Weise ihre Zentrierung um den Dorn. Ihre unmittelbare Umgebung ist trotz kleiner Betriebe, wie der Ziegelei im Vordergrund, nur spärlich besiedelt. So wurde die Wohnraumauflockerung von den Verantwortlichen denn auch als eines der drängendsten Probleme der Zukunft angesehen. Die Erschließung neuer Grundstücke, vorrangig im Osten und Westen, ging bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges auch zügig voran, verlangsamte sich danach auf Grund der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Noch zu Anfang der fünfziger Jahre wurde in der Altstadt die höchste Wohndichte der Bundesrepublik ermittelt. Ganz beantwortet ist die Wohnraumfrage bis heute nicht.

4. Luftschiffüber Regensburg, um1912.

Den Menschheitstraurn des Fliegens versuchten Ballonfahrer schon im ausgehenden 18. Jahrhundert zu verwirklichen. Doch erst ab 1900 führte die Entwicklung des Luftschiffes in die Richtung der kommerziell zu betreibenden Fliegerei. Die Menschen zeigten sich fasziniert von den sanft durch die Wolken gleitenden Riesen. Als am 2. August 1910 der erste 'Lenkbare' über Regensburg erwartet wurde, mußten Geschäfte und Schulen geschlossen werden, denn alle drängten ins Freie, dieses Wunder des 20. Jahrhunderts nur ja nicht zu versäumen. "Da, gegen 12 Uhr schob er sich aus dem Regental heraus, ein gclber, zigarrenförmiger Gegenstand, grell von der Sonne bestrahlt. Das Luftschiff!" So schilderte der an Sensationen gewohnte Mitarbeiter des Bayerischen Volksboten das Ereignis. Im selben Jahr begann der Passagier-Luftverkehr und Regensburg erhielt des öfteren Besuch von einern 'Lenkbaren'.

5. Der westliche Domplatz mit Bliek auf Residenzstraße und Krauterermarkt, 1904.

Die Ansicht zeigt eine der bekanntesten Ecken der Regensburger Altstadt, nämlich den Platz vor der mächtigen Westfassade des spätgotischen Domes. Die Häuser im Dombereich erwiesen sich fast ausnahmslos ihrem prächtigen Gegenüber würdig. In dieser bevorzugten Lage ließen sich vorwiegend hohe Geistliche nieder, wie in der Bischefspfalz 'Salzburger Hof oder vornehme Patrizierfamilien, so in der weitläufigen Vierflügelanlage des Coppenrath'schen- bzw. Heuporthauses. Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert besiegelte der Abbruch des besagten Salzburger Hofes zugunsten des kg!. überpostamtes das Schicksal des Kathedralbezirks. Zur Zeit der Entstehung dieser Karte, um so mehr noch heute, prägen Geschäfte und deren Kunden das Bild.

6.lnnenhofmit Treppenaufgang imHaus 'an der Heuport', um 1913.

Das sogenannte Heuporthaus zählte sicher zu den vornehmsten und imposantesten Geschlechterbauten Regensburgs. Abzulesen ist diese Tatsache schon allein an dem repräsentativen offenen Treppenhaus auf der Ostseite des Innenhofes. Als Halle konzipiert, erreicht seine Deckenhöhe jene des ersten Obergeschosses, zwei Kreuzjoche gliedern es. Zum Hof öffnet sich der Aufgang in zwei gefasten Spitzbogen. Die lange Treppe wird durch eine Balustradenbrüstung aus Holz gesichert, zwei geschnitzte Vasen krönen die beiden Antrittspfosten.

7. Die gotische Totenleuchte im Domgarten, um 1914.

Aus den mittelalterlichen Friedhöfen sind uns Totenleuchten als Symbol des ewigen Lichtes allseits bekannt. Auch in Regensburg fanden sich solche Lichthäuschen, wie sie oftmals benannt wurden. Das wohl bedeutendste zeigt nebenstehende Fotografie. Ihr ursprünglicher Standort, der Domfriedhof, wandelte sich zum Domgarten, hier mit Bliek auf das kgl. Oberpostamt. Auf einer Rundsäule erhebt sich eine Art Tabernakel. Seine spitzbogigen Öffnungen werden von Strebepfeilern mit Tier- und Menschenköpfen geziert. Nach oben schließt eine Fiale das Gehäuse ab. Die Grablaternen auf den heutigen Friedhöfen greifen die mittelalterlichen Lichtsymbole wieder auf und sind somit im weitesten Sinne Nachfolger der Totenleuchten.

8. Bliek vom Dom auf die Gebäude PfauengasselDomplatz, 1921.

Am 14. März 1921 zerstörte ein verheerendes Feuer das Dachgeschoß der Anwesen Domplatz 4/5. Noch während der Aufräumarbeiten gelang dem Fotografen Jakob Fränkel vom Dom aus diese Aufnahme. Sie läßt das Ausmaß der Zerstörung erahnen. Beim Wiederaufbau beschloß man, die Gefahr eines weiteren Großbrandes zu verringem. in dem man den Dachbodenbelag über den Wohnräumen beider Häuser nicht mehr aus Brettern, sondern aus Eisenbeton feuersicher und wasserdicht ausführen ließ. Eine weitere Neuerung bildeten die Dachstühle. Anstelle von Schiefer und Blech mit Ziegel eingcdeckt, mußten sie nun entsprechend mehr Gefälle aufweisen. Mit dieser Dachlösung veränderte sich die Gesamtwirkung der Gebäude durchaus günstig.

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