Reichelsheim in alten Ansichten

Reichelsheim in alten Ansichten

Auteur
:   W.A.W. Kalberlah
Gemeente
:   Reichelsheim
Provincie
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2410-2
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Reichelsheim in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Im südlichen Teil des Bundeslandes Hessen, inmitten des Odenwaldes, liegt Reichelsheim mit den Ortsteilen Beerfurth, Bockenrod, Eberbach, Erzbach, Frohnhofen, Gersprenz, Gumpen, Klein-Gumpen, Laudenau, Ober-Kainsbach, Ober-Ostern, Rohrbach und Unter-Ostern. Der Odenwald wird heute mehr und mehr zu einem Anziehungspunkt für Touristen, die über die gut ausgebauten Straßen auch Reichelsheim erreichen. In grauer Vorzeit hingegen mögen nur kühne Jägertrupps bei der Verfolgung des Wildes in das unwegsame Innere des Odenwaldes vorgedrungen sein. Von den Kelten, die ihnen folgten, weiß man, daß sie erste Handelswege über die Höhen einrichteten, die zu einer allmählichen Besiedlung führten. So wurde auch Reichelsheim von Menschen aufgesucht. Diesen ersten Siedlern ist sicherlich der Hügel um die evangelische Kirche als ein sehr günstiger Ort in dem sumpfigen Gelände erschienen. Die quellwasserreiche Erhöhung bot somit in Zeiten der Gefahr einen wassergesicherten und gut zu verteidigenden Platz für eine Ansiedlung. Um diesen Siedlungskern gruppierten sich die ersten Häuser. Zu ihm streben noch heute die ältesten Straßen: 'Sandhohl' (Laudenauer Straße), 'Lehmhohl' (Rodensteiner Straße), Mühlgasse und 'Bäckergasse' (Beerfurther Straße).

Nach der Zeitenwende setzten die Römer ihren Fuß in den Odenwald , hatten jedoch besiedlungsgeschicht-

lich keine Bedeutung. Eine echte Besiedlung des Odenwaldes kam erst durch die Franken ab 500 nach Christus zustande. Ortsnamen, die auf -bach oder -heim enden, erinnern an fränkische Neugründungen. Gleichzeitig brachten sie das Christentum mit. Bei der Ausbreitung der Frankenherrschaft ist vermutlich einer ihrer Unterführer namens Richoldes, Richold oder Reichold als königlicher Beamter mit der Verwaltung eines gewissen Gebiets im oberen Gersprenztal beauftragt worden. Zu diesem Zweck nahm er seinen Sitz im dafür günstig gelegenen heutigen Reichelsheim und gab ihm als äußeres Zeichen der Inbesitznahme auch seinen Namen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus die Bezeichnung Reichelsheim (1307: 'Richoltzheim', 1363: 'Richetzheim', 1443: 'Richelsheim').

Nach der Christinanisierung grüßte von dem erhöhten Platz des Siedlungskerns die erste Kapelle in das Tal hinunter. Der nahegelegene Marktplatz wurde zum Handelsplatz und damit Reichelsheim zum Marktflecken erhoben. Es gehörte mit dem oberen Gersprenztal und dem Mümlingtal zum Plumgau.

1303 wird Reichelsheim erstmals als Hauptort der gleichnamigen Zent erwähnt. Oberster Beamter einer solchen Zent war der Zentgraf, der auch das Zentgericht leitete. Dieses tagte anfangs auf dem 'Alten Urteilsplatz' rechter Hand der Laudenauer Straße an

der Einfahrt zu den 'Gülläckern' und später dann auf dem Marktplatz und im Rathaus.

Doch schon vor der ersten Erwähnung Reichelsheims finden sich Aufzeichnungen über einige Ortsteile:

Eberbach wird 1012 als Grenzpunkt des Odenwälder Bannforstes genannt, den Kaiser Heinrich I. der Abtei Lorsch zum Geschenk gab. Bereits 880 und 882 findet sich der Name 'Osternaha' für Ober-Ostern. Hier dürfte der nahegelegene Erzabbau für die Bekanntheit gesorgt haben. Noch früher, nämlich 773, findet Erzbach als 'Arezgrefte' Erwähnung. Damals war vermutlich nur eine Erzgrube vorhanden, während sich die Ortsansiedlung erst später vollzog. Auch Laudenau wird bereits 1012 als 'Lutenhaha' schriftlich festgehalten. Es war über viele Jahrhunderte dreigeteilt mit einem kleinen Teil, der zu Ober-Ramstadt gehörte, einem nach Reichelsheim ausgerichteten Teil ('Laudenau unter den Bäumen') und dem Rodensteiner Teil mit der alten Malstätte, wo man das Märkergericht abhielt ('Freiheit'). Gersprenz und OberKainsbach sind bereits 10 12 als 'Gaspenza' und 'Cuningesbach' urkundlich erwähnt. In Schenkungsurkunden aus dem Jahre 1300 liest man die Namen Groß- und Klein-Gumpen (1357: 'Zu den Gumpen'), die durch den Gumpener Bach besitz- und pfarreimäßig getrennt waren. Im 14. Jahrhundert werden Frohnhofen (1307: 'Fronthoffen'), das kirchlich nach

Neunkirchen ausgerichtete Unter-Ostern (1357: 'Nidern Osterna'), Beerfurth (1321: 'Berenforte') und 1324 Bockenrod ('Bockerode') und Rohrbach ('Rorebach') genannt. Letzteres hatte bereits früher als Marktflecken Bedeutung.

Durch Machtkämpfe zerfiel der Plumgau und Reichelsheim gelangte im 13. Jahrhundert unter die Schenken von Erbach, die später in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. Den Zentgrafen löste ein Amtmann ab, der das sogenannte 'Amt Reichenberg' verwaltete. Mit der Eingliederung der Grafschaft Erbach in das Großherzogtum Hessen im Jahre 1806 wurde auch dieses aufgelöst und die jahrhundertelange Gebietsaufteilung gehörte der Vergangenheit an. Heute ist Reichelsheim zu einer blühenden Gemeinde herangewachsen. Im staatlich anerkannten Erholungsort an der Gersprenz (Mergbach) hat sich eine gesunde Mischung aus Industriebetrieben, mittelständischen Unternehmen, Einzelhandel, Handwerk und Fremdenverkehr mit vielen modernen Einrichtungen der Infrastruktur herausgebildet.

Ich danke all denjenigen, die zur Erstellung des Bandes beigetragen haben, im besonderen Birgit Hild für ihre hilfreiche Unterstützung.

1. Die evangelische Kirche überragt weithin sichtbar den Ortskern der Gemeinde. Sie steht noch heute dort, wo bereits zur Zeit der Franken ein kleines Gotteshaus stand. In dem Kirchhof ringsherum beerdigte man die Verstorbenen. Im Laufe der Jahrhunderte brachte die steigende Bevölkerungszahl viele Umbauten der Kirche mit sich. Von einem Gotteshaus, das bereits die Reformation erlebte, ist überliefert, daß es etwas mehr als acht Meter hoch, ungefähr zehn Meter breit und dreizehn Meter lang war. Die Gemeinde baute im 16. Jahrhundert eine Empore ein. Gegen Ende des darauffolgenden Jahrhunderts brachten weitere Fenster mehr Licht in das Innere. Der heutige Kirchenbau wurde von 1716 bis 1718 neu errichtet, jedoch bereits am 30. August 1716 eingeweiht und in Gebrauch genommen. Die Jahreszahl 1716 über dem Haupteingang weist darauf hin.

2. Die Aufnahme aus dem Jahr 1890 zeigt das Kriegerdenkmal und das evangelische Pfarrhaus. Es steht schon seit über 400 Jahren auf dem gleichen Platz wie heute. Wiederholt sind Teile erneuert, verbessert und verschönert worden. Im Dreißigjährigen Krieg hat das Pfarrhaus am meisten gelitten. 100 Jahre später wurde ein Umbau, fast ein Neubau erforderlich, bei dem das Haus wesentlich vergrößert und mit allen damaligen Bequemlichkeiten ausgestattet wurde. Weitere 100 Jahre später war das Haus dem Zusammenfall nahe, so daß der größte Teil abgebrochen werden mußte. Noch im gleichen Jahrhundert erfolgte daher die größte Urngestaltung des gesamten Anwesens.

3. In den Gültbüchern des Amtes Reichenberg erscheinen um 1450 für den Marktflecken Reichelsheim neun alte Bauerngüter. Eines davon ist die 'Druschehube' mit dem ältesten nachzuweisenden Besitzer Claus Rusche. Ein Kaufbrief aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts weist auf einen Vertrag zwischen dem Grafen Georg von Erbach und Nicklas Dreusch hin, Er betraf ein Haus, das möglicherweise das heutige Hotel 'Zum Schwanen' war. Von dem Anwesen verkaufte Hans Treusch 1632 einen Anteil von zwei Drittel an die Kirche. Danach ging es auf einen anderen Namen über. 1801 baute Johann Ludwig Dingeldein das Haus neu auf und führte es als Schankwirtschaft. Sie ging durch eine gräfliche Konzession am 24. Februar 1842 an Johannes Treusch aus Bockenrod über. Durch ihn bekam das Haus den Namen 'Johanns', Im gleichen Jahr wurde die Genehmigung zum Bau eines Backofens und zum Betreiben einer Bäckerei erteilt, aus der 1890 Jakob Treusch als der erste Landkonditor Hessens hervorging.

4. Der Marktplatz von Reichelsheim ist von der evangelischen Kirche, den beiden Pfarrhäusern, dem evangelischen Gemeindehaus, dem alten Rathaus und einigen Privathäusern umgeben. Das Rathaus wurde im Jahre 1554 als Zenthaus für die damalige Reichelsheimer Zent und als Rathaus für die Gemeinde Reichelsheim, dem Hauptort der Zent, erbaut. Gemäß der Bauweise vieler mittelalterlicher Rathäuser war das Erdgeschoß noch bis zum vorigen Jahrhundert als geräumige, offene Markthalle gestaltet; sie enthielt ferner eine Wachstube. über den Marktplatz (heute Rathausplatz) gelangte man in die Halle und an deren Südseite über eine Holztreppe in den ersten Stock. Dort waren in der nördlichen Hälfte der Gerichtssaal und in der südlichen zwei Amtszimmer untergebracht. Vom Marktplatz aus konnte man den an der nördlichen Außenseite des Zent- und Rathauses angebrachten Pranger mit dem Halseisen sehen.

5. Reichelsheim war als Marktflecken weit über die Grenzen seines damaligen Verwaltungsbezirks hinaus bekannt. Als die offene Markthalle des Rathauses im letzten Jahrhundert in Amtsstuben umgewandelt wurde, konnten die regelmäßig abgehaltenen Märkte nur noch auf dem Marktplatz stattfinden. Dort fanden sich an den Markttagen Viehhändler und Krämer ein. Auf den Viehmärkten gelangten Ochsen, Rinder und Schweine zum Auftrieb. Nicht nur einheimische, sondern auch auswärtige Handwerker und Gewerbetreibende besuchten die Krammärkte. Neben Messerschmieden und Ausstellern von Gegenständen des täglichen Gebrauchs waren auch Tuchmacher da, die ihre 'Ailewar' - die mit der Elle gemessene Ware - feil boten. Als Maß für die von Käufern und Verkäufern gebrauchten Längenmaße diente die an der Ostseite des Rathauses angebrachte Normalelle.

6. Um das Jahr 1895 fanden sich die damaligen Padagogen und Theologen der Gemeinde auf dem Kirchhof ein. Es sind dies von links nach rechts: Lehrer Schad, Pfarrer Schneider, Lehrer Werner, Oberlehrer Bormuth, Lehrer Nicklas, Pfarrer Weber und Lehrer Fritz, der Gründer des Turnvereins. Diese enge Verbindung von Pfarrern und Lehrern ergibtsich schon aus den Anfängen der Reichelsheimer Schulgeschichte, denn der erste Unterricht wurde vom Kaplan gehalten. Im Jahre 1852 endete diese Verbindung als die KaplansteIle zur zweiten Pfarrstelle wurde. Man trennte den Schuldienst ab, und die erste Schulstelle ging an den Präzeptor über. Als solcher fungierte Lehrer Hertel. Ihm folgten der Präzeptor, Organistund Kirchenpfleger Christian Heinrich Willenbücher sowie der Präzeptor Georg Treusch aus Bockenrod. Sein Nachfolger wurde bis 1922 der tier abgebildete HeinrichPeter Bormuth.

7. Im Jahr 1924 erhielt die evangelische Kirche zwei neue Glocken. Aus diesem Anlaß mußte der Glockenstuhl im Turm neu erstellt werden. Die Glocken trafen am 10. Dezember um 3.20 Uhr mit dem Zug ein und wurden am darauffolgenden Sonntag unter feierlichem Geleit in den Hof der Kirche gefahren. Die weiteren Tage brachten den Zimmerleuten noch viel Arbeit. Keine Minute war zu verlieren, denn die Glocken sollten zum Weihnachtsfest hängen. Der Hof der Kirche glich einem großen Zimmerplatz. Neugierige meinten, das Holz reiche aus, um ein Haus damit zu bauen. Am 17. Dezember war es geschafft und die Zimmerleute und Maurer konnten sich nach dem Richtfest zu dieser Aufnahme einfinden. Die Glocken wurden dann am nächsten Tag an ihren vorbestimmten Platz gehängt.

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8. Die Aufnahme aus dem Jahr 1910 zeigt ganz links das Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Krieges von 1871/72. Es steht heute auf dem Friedhof. Die Zentlinde, unter der vor Jahrhunderten die Zentgerichtssitzungen stattfanden, verdeckt das Rathaus. Doch sieht man dessen Anbau, das sogenannte Blockhaus, das an die Bismarckstraße grenzt. Dieses wurde nachträglich an das Rathaus angebaut und diente dem mittelalterlichen Strafvollzug. In ihm hatte der gefürchtete Stockmeister seine Wohnung. Darüber lagen die einzelnen Arrestzellen. Spater benutzte man das Erdgeschoß unter anderem zur Unterbringung der Feuerwehrgeräte.

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