Reichenau in alten Ansichten

Reichenau in alten Ansichten

Auteur
:   Karl Wehrle
Gemeente
:   Reichenau
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5145-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Reichenau in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Die 430 ha große Insel Reichenau liegt im Untersec, dem westlichen Teil des Bodensees, inmitten einer der schönsten Landschaften Mitteleuropas. Seit mehr als 150 Jahren ist sie durch einen Damm mit dem Festland verbunden. Die Bevölkerung befaßt sich heute hauptsächlich mit Gemüsebau, der Fremdenverkehr ist für die Bürger der Reichenau zweitwichtigster Wirtschaftszweig. Weinbau und Fischerei sind weitere Erwerbsquellen.

Die ehemalige Benediktinerabtei der Reichenau, 724 durch Bischof Pirmin gegründet, entwickelte sich als unmittelbares Reichskloster zwischen 800 und 1100 zu einem der geistigen und kulturellen Zentren des heiligen römischen Reiches. Namen wie Abt Waldo (Vertrauter Karls des Großen), die Äbte Heito 1. und Hatto Hl. (einflußreiche politische Persönlichkeiten), Walahfrid Strabo (frühmittelalterlicher Dichter), die Äbte Witigowo und Bema (Förderer von Buchmalerei und Baukunst) und der Mönch Hermann der Lahme (Mathematiker, Astronom, Historiker und Musiker) beweisen zusammen mit den drei erhaltenen romanischen Kirchen die hohe Bedeutung des Inselklosters in Politik, Wissenschaft und Kunst für den abendländischen Raum.

Die ältesten Bauteile des Münsters St. Maria und Markus, der ehemaligen Abteikirche, sind das Ostquerhaus mit Vierung (806 bis 816) und das von Abt Berno (1008 bis 1048) erbaute Westquerhaus mit Turm. Neben der reichen Schatzkammer mit dem gotischen Markusschrein verdient auch der nach einem Gedicht Walahfrid Strabos angelegte Kräutergarten nördlich des Münsters einen Besuch.

Die unter Abt Hatto IIl. (888 bis 913) erbaute Kirche St. Georg zählt vor allem wegen der ottonischen Wandmalereien auf den Langhauswänden zu den bedeutendsten frühmittelalterlichen Bauwerken nördlich der Alpen. Wichtigster Schatz der 793 von Bischof Egino aus Verona gegründeten und zwischen 1080 und 1130 neu erbauten Kirche St. Peter und Paul sind die romanischen Fresken in der

Ostapsis. Nach den Goldenen Jahren der karolingischottonischen Epoche verlor das Kloster im ausgehenden Mittelalter nach und nach an Bedeutung. 1540 wurde das Kloster durch das Hochstift Konstanz inkorporiert und in ein Priorat umgewandelt und 1757 durch Papst Benedikt XIV. aufgehoben.

Haupterwerbszweig der Reichenauer Bevölkerung ist seit Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts der Gemüseanbau, der damals den Weinbau abgelöst hat. Es gibt derzeit rund 130 Vollerwerbsbetriebe (Familienbetriebe). In den letzten Jahrzehnten wurden große Anstrengungen zur Intcnsivierung des Gemüsebaus unternommen: genossenschaftliche Organisation der Gärtner, Vermarktung des Gemüses über zentrale Sammelstellen, Bau eines Beregnungsnetzes für die gesamte Insel, Durchführung einer Flurbereinigung und Ausbau der Gewächshausflächen auf mehr als 40 ha. Alle diese Maßnahmen ermöglichen heute trotz der verhältnismäßig kleinen Anbaufläche von 240 ha eine jährliche Produktion von rund 18 000 to Frischgemüse.

Die einstmals die Insel beherrschenden Rebflächen urntassen seit der Flurbereinigung heute wieder 14 ha. Angebaut werden Müller-Thurgau, Blauer Spätburgunder, Ruländer, Gutedel und Kerner. Der Winzerverein Reichenau, drittältester Winzerverein Badens, hat seine Kellereianlagen im alten KIosterkeIler neben dem Münster.

Die Fischerei am Untersee , jahrhundertelang vorn Kloster Reichenau überwacht, hat sich besonders in Krisensituationen immer schon durch großes Zusarnmengehörigkeitsgefühl ausgezeichnet. Durch die 1926 erbaute und in den sechziger Jahren entscheidend vergrößerte Fischbrutanstalt auf der Reichenau konnte der Fischbestand im Untersee erhalten und gefördert werden. Heute gibt es auf der Reichenau noch etwa zwanzig Berufsfischer. Gefangen werden im Untersee unter anderem Felchen, Kretzer, Hechte und Forellen.

Sämtliche Fotos in diesem kleinen Bildband stammen von dem Reichenauer Fotografen Theodor Keller sen. Er hat dankenswerterweise auch die Informationen für die Bildunterschriften geliefert. Sein Sohn Theo R. Keller hat aus dem umfangreichen Bildarchiv seines Vaters die vcrliegenden Fotos zusammengestellt.

Auszug aus der Laudatio

auf den Fotografen Theodor Keller sen. von Wolfgang Erdmann, gehalten am 17. Sept. 1988

Die Reichenau ist schon eine besondere Gemeinde, das spürt man besonders als Fremder, - oder wie die Reichenauer sagen - als 'Angeschwemmter'. Die Besonderheit begründet sich zunächst rnit der InselIage. Sie ist auch nach dem Bau des Dammes in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wirksam. Er ist sozusagen nur eine Brücke zwischen Insel und Festland. Diese Besonderheit begründet sich weiterhin durch die Geschichte, eine vergleichsweise lange Geschichte. Für Jahrhunderte war sie eng an diejenige des Klosters geknüpft. Für ein Dorf erstaunlich genug, begarm die Gemeinde dann im 11. und 12. Jahrhundert ein gewisses Eigenleben zu führen, mit einem eigenen Markt und mit einern eigenen (Stadt- )Ammann, also einer Art Bürgermeister, mutrnaßlich bestimmt vom Abt. Eine weitergehende Selbständigkeit verzeichnen wir im 15. Jahrhundert und das 18. Jahrhundert überblicken wir auch ganz gut. Aber immer ist es die politische Geschichte , diejenige , die in den Büchern steht. Im Bewußtsein der Reichenauer ist sie kaum.

Anders für das vergangene Jahrhundert. Wir kennen noch die Erzählungen der verstorbenen Generation. die über das berichtete , was sie als Kinder erlebt und gehört hatte: kollektives Gedächtnis an die Lebensumstände reicht heute gerade über diese Generation zurück. Und dieses

Gedächtnis wird immer kurzatmiger. Wir merken das an der Pop-Generation, die sehnsuchtsvoll auf die Beatles zurückschaut - als 'lang' vergangener Geschichte der sechziger Jahre. Und daher sind die konkreten Kenntnisse über das praktische Leben zu Anfang dieses Jahrhunderts für diese Inselgemeinde nur spärlich, nur aus den Akten zu gewinnen oder aus vereinzelten Überresten, die in den Häusern oder im Heimatmuseum gehütet werden.

Für die Zeit bald nach dem Ersten Weltkrieg wird das ganz anders, für die Zeit, in der Theo Keller, der Reichenauer Drogistenlehrling, erstmals eine Kamera in die Hand bekam. Das ist die Zeit, als sich die Kunst der Lichtbildnerei nach der Gründergeneration, die mit wahren Fotomaschinen hantierte und noch mit Tageslicht Abzüge fertigte , als nach der Gründergeneration also das Fotografieren die Ebene des ausschließlich berufsmäßigen verließ und die ersten Hobby- und Wissenschaftsfotografen auf die Insel kamen. Seit diesem Moment tritt das damalige Leben auf der Reichenau mit dem Bild in das Gedächtnis hiesiger Vergangenheit.

Es kann nicht stark genug betont werden: diesbezüglich ist der Kauf einer 6 112 x 9-Kamera durch Theo Keller nicht nur ein Wendepunkt in seiner eigenen persönlichen Geschichte und seinen Lebensgang bestimmend. Es ist zugleich ein Markstein für das örtliche Geschichtsbewußtsein, für das längerfristige Wahrnehmen von Veränderungen wie von Kontinuität. Seither ist also die Reichenauer Umwelt im Bild festgehalten. Diese ist für uns heute GeschichtsquelIe: für das historische Ortsbild, für Wandlungen in der Landschaft, auf den Äckern, im Rebberg, im und vor dem Haus, für die Häuser selbst, für den See und die Fischerei, für das Handwerk und schließlich - ja hauptsächlich - für die Menschen ...

Es sei betont: Theo Keller ist kein gelernter Fotograf, sondern Autodidakt! Er fotografierte, entwickelte und vergrößerte mit Leidenschaft und Liebe - und so wurde er ein Meister seines Fachs,

Über fast siebzig Jahre hinweg sammelte sich ein Fundus von Negativen an, für uns ein einzigartiges Archiv und eine - ich wiederhole es - bedeutende Quelle Reichenauer Ortsgeschichte und Reichenauer Lebens. Das ist nicht nur von örtlichem Interesse. Für die Volkskundler dürfte dieses Material von großem wissenschaftlichem Wert sein ...

Mit seinen Bildern - ja nicht zu vergessen! - mit seinen Postkarten war Theo Keller der Botschafter der Reichenau nach außen. Seit 1924 kein Geschichtsbuch, das nicht eine Aufnahme der Reichenau von Keller enthielt. keine wissenschaftliche Literatur, die sich mit Reichenauer Problemen beschäftigt, die nicht mit seinen Aufnahmen erläutert ist, weder Reichenau-Bücher noch Prospekte, die Theo Keller nicht illustriert hätte. Seine Bilder waren die 'Reichenau'. Ohne ihn konnte die Forschung gar nicht arbeiten; er arbeitete fürsie, er arbeitete mit ihr ...

Es sei ja nicht vergessen und nochmals bekräftigend betont: das Wesentliche im Lebenswerk Theo Kellers ist nicht nur die wissenschaftliche Fotografie. Er hat dazu - und vor allem - Ortsund Heimatgeschichte gemacht, die Umwelt und die Menschen festgehalten.

1. Der Fotograf Theodor Keller (geboren am 11. Januar 1902) im Altervon 3ÜJahren.

2. Fischerei auf dem Bodensee. Bis 1960 wurde die Zuggarnfischerei auf dem Untersee betrieben. Das Bild zeigt die sogenannte Watt beim Einholen des aus Baumwollgarn bestehenden Netzes. Wir sehen 'Fischerrnösterlis Watt' auf dem Gnadensee beim Sigelishof. Jede Arbeitsgruppe bestand aus vier Mann. Hier sieht man, von links: Josef Grötsch, Karl Koch, seinen Bruder Rupert Koch und Edmund Weite. Bis Anfang 1960 gab es auf der Reichenau sieben 'Watten' oder Zuggarngruppen, die in der benachbarten Schweiz 'Segi' genannt wurden. Auf der Reichenau waren dies:

Dummels- Watt, Fischermösterlis- Watt, d'Niederzeller- Watt, d'Bradler- Watt, d'Stedi- Watt und d'Oberzeller- Watt.

3. Netzpfähle und Drähte dienten nicht nur zum Trocknen der Netze, sondern auch zum Trocknen der Wäsche. Das alte Fischerehepaar Leopold Wenk und Frau Therese sind vergnügt mit ihrer Arbeit beschäftigt und werden auch kaum von Zuschauern belästigt, denn das 'Kussenland' war durch keinen Uferweg zu erreichen. Das Holz am linken Bildrand stammt aus den Reichenauer Waldungen des Bodanrück und wurde mit dem Schiff auf die Insel gebracht.

4. Hugo Stader beim Flicken der Netze an seiner 'Bradler- Watt'. Mit seinem unvermeidlichen Stumpen im Mund macht er seine Arbeit. Im Sommer 1966 ertrank er zusammen mit seinem Sohn bei einem starken Sturm in Ausübung seines Fischerberufes.

5. Die Fischersfrauen waren wichtige Gehilfen ihrer Männer. So halfen sie oft beim Aussetzen der Netze , beim Trocknen und viele Male auch beim Flicken der Netze. Bei dieser Arbeit bot sich den Frauen die Gelegenheit, ein 'Schwätzchen' zu halten. So machten es damals Frau Anna Keller geborene Blum und ihre Tochter Frieda Glönkler an einem sonnigen Herbstnachmittag bei ihrem Haus am Rhein.

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6. Fischersfrauen und Mädchen beim Reinigen der Fischerboote am 'Mittleren Dämmli'. Bei einem der Boote ist das Segel aufgezogen, mit dessen Hilfe das Erreichen des Fangplatzes erleichtert wurde, Heute benützen die Fischer kleine Bootsmotoren.

7. Das sogenannte Wattziehen war eine anstrengende Arbeit. Hier auf dem Gnadensee mit Bliek auf das Allensbacher Ufer. Am linken Bildrand ist das Motorboot zu sehen, das regelmäßig zwischen der Reichenau und Allensbach verkehrte. Außer den schon zuvor erwähnten Zuggarnfischern gehörten dazu auch Hermann Welte , Gottfried Keller, Max Keller, August Müller, LangOberzell, Kornelius Honsell, Alfons Böhler, Alois Gasser, Baptist Böhler, Rudi Böhler, Fridolin und Richard Böhler.

8. Der 'Lebold' beim Netzflicken am 'Kussenland'. Es ist Herbst , eine wärmende Jacke und der brennende Stumpen lassen ihn das kühle Wetter vergessen. Er meinte darnals, man solle das bestehende Schilf bis zur 'Herrenbruck' entfernen und einen Uferweg anlegen. Dies ist in den letzten Jahren erfolgt; der Weg müßte heute zum Andenken 'Leopold- Wenk- Weg' heißen.

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