Rheinberg in alten Ansichten

Rheinberg in alten Ansichten

Auteur
:   Heinz Janssen
Gemeente
:   Rheinberg
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2186-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rheinberg in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Das Schicksal Rheinbergs ist seit jeher vom Rhein als Lebensader, Handelsweg, Grenze, Zerstörer und Landschaftsgestalter bestimmt. Es lag früher und liegt mit seinen vier Stadtteilen Alt-Rheinberg, Orsoy, Borth und Budberg heute wieder am mächtigen Strom, der die niederrheinische Tiefebene maiestätisch durchfließt. Aus der keltisch-germanischen Siedlung Berka (= Niederlassung am Wasser) wurde im frühen Mittelalter ein Königsgut, das in einer Urkunde des Jahres 1003 erste Erwähnung findet.

Im 11. Jahrhundert ging dieser Hof als Tafelgut in das Eigentum der Erzbischöfe von Köln über, die es zu einem eigenen Territorium, dem Amt Rheinberg, ausbauten. Zu diesem nördlichsten Besitztum Kurkölns mit dem Burghof zu Rheinberg als Mittelpunkt gehörten auch Alpen, Issum und Kamp-Lintfort. Um den Burghof wuchs das Kirchdorf Rheinberg mit Markt und Zoll, dem 1233 die Stadtrechte verliehen wurden. Die Stadterhebung und der Ausbau zur Festung dienten ausschließlich landespolitischen und fiskalischen Zwecken, nämlich der Sicherung der kurkölnise hen Nordgrenze und des Rheinzolls. Der Rhein floß damals weiter westlich, der heutige Stadtteil Borth lag auf der rechten Rheinseite und war ebenso wie der im Süden liegende Stadtteil ürsoy klevisch, während Budberg von Köln und der Grafschaft Moers gemeinsam verwaltet wurde. Borth und Budberg blieben als ländliche Ansiedlungen bedeutungslos, ürsoy aber hat

als klevische Stadt, Burg, Festung und Zollort eine eigene Geschichte. Es bekam nur wenig später als AltRheinberg (1270-1280) Stadtrechte und mußte in der Folge ähnliche Schicksale erleiden wie dieses. Aus dem Mittelalter ist wenig Bedeutsames zu berichten. Wichtig wurden die stark und modern ausgebauten Festungen Rheinberg und ürsoy mit ihren großen Garnisonen erst in den kriegerischen Auseinandersetzungen des 16. und des 17. Jahrhunderts (Truchsessischer Krieg, Spanisch-niederländischer Krieg, Spanischer Erbfolge Krieg), in denen vor allem Rheinberg eine bedeutende und für seine Bürger leidvolle Rolle spielen mußte. Es wurde jahrzehntelang fast ständig belagert, erobert und wieder verloren, sodaß die Stadt schließlich zu dem wenig ehrenvollen Beinamen 'Putana della guerra' (= 'Kriegshure') kam. Etwa um die gleiche Zeit veränderte sich der Name der Stadt vom alten Berka über vielerlei Variationen zu Rheinberg. Der Bedeutung der Städte Rheinberg und Orsoy machten Ludwig XIV. (1672) und die Preußen (1710-1715) dadurch ein Ende, daß sie die Festungswerken schleifen ließen. Bei Rheinberg taten die Preußen ein übriges, indem sie den an die Stadt vorbeifließenden Rheinarm (der Rhein hatte sich 1667 durch Eisgang und Hochwasser etwa drei Kilometer weiter östlich ein zweites Bett gegraben) verlanden ließen. Da weder Rheinberg noch Orsoy Handelsorte waren, fielen sie danach in die Be-

deutungslosigkeit kleiner Landstädtchen zurück. Orsoy, Borth und Budberg waren schon im 17. Jahrhundert durch Erbfolge Brandenburg/Preußen zugefallen, während das kurkölnische Rheinberg erst nach der Säkularisation preußisch wurde. Frühe Ansätze des Merkantilismus beziehungsweise der Industrialisierung in Orsoy (im 18. Jahrhundert bedeutende Tuchindustrie, im 19./20. Jahrhundert Tabakindustrie) haben sich nicht bis in die Gegenwart erhalten, während sich Rheinberg vor allem im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort (Chemie, Bitterlikör, Steinsalzbergwerk, Stahlverarbeitung) entwickelte.

In der jüngsten Zeit ist der 'Orsoyer Rheinbogen' als geplanter Standort für Grundstoffproduktionen zum bundesweit diskutierten Zankapfel zwischen Umweltschutz und Industrieentwicklung geworden. Aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Borth, Budberg, Orsoy und Rheinberg machte die kommunale Neuordnung am 1. Januar 1975 die neue Stadt Rheinberg mit rund 27 000 Einwohnern.

Dieses Bändchen soll uns etwa 50 bis 100 Jahre zurückführen und uns zeigen, wie es damals hier aussah. Es soll uns ein wenig vom Leben unserer Vorfahren in der 'guten, alten Zeit' vermitteln, das ja so ganz anders war als heute; ob besser oder schlechter sei dahingestellt. Im Gegensatz zu anderen, glücklicheren

Städten haben Kriege, verheerende Stadtbrände und auch der Unverstand früherer und neuerer Bauherren nur wenig vom historischen Stadtbild übrig gelassen, sodaß zu den alten Ansichten in größerem Maße Bilder vom öffentlichen Leben der Stadt in alter Zeit dem Leser nahegebracht werden.

Dieses Büchlein beschränkt sich auf Alt-Rheinberg und den Stadtteil Borth. Für Orsoy und Budberg soll ein zweiter Bildband folgen.

Mein Dank gilt all den Mitbürgern, die ihre alten Ansichtskarten und Bilder zur Verfügung stellten.

In diesem Band konnten folgende Leihgaben Verwendung finden:

AKA-Sammlung Leonhard und Margaret Mertens: l, 7,8,41,54,57,69

DI. Kurt Stangenberg: 6, 19,26,42,47,55,59,70, 72

JosefMaas: 3,4,5,12,13,24 K.-H. Knott: 38,64

H. Laschet: 45

H. Haase: 46, 49

H. Herr: 52

Kreisarchiv Meers: 56

M. Wiesner: 63

Alle anderen Bilder: Stadtarchiv Rheinberg

1. Gegenüber diesem Gruß aus dem Jahre 1909 hat sich die Silhouette der Stadt kaum verändert. Pulverturm, St. Peter, Rathaus, Palais Underberg, Kamperhof, Kellnerei und evangelische Kirche stehen noch wie ehedem, nur zu sehen sind sie von dem Blickpunkt jenseits des Jenneckes Gatts kaum mehr, weil sie von den Bäumen des Walles verdeckt werden. Ob der Turm des Underbergschen Palais damals so ausgesehen hat oder ob der im Ersten Weltkrieg verstorbene Maler Fritz Voetges hier künstlerische Freiheit hat walten lassen, weiß ich nicht. Um Rheinberg von dieser Seite zu sehen, muß man heute Stiefel anziehen, denn zum Gatt kommt man nur noch über Zäune, durch Wiesen und über Äcker. Die frühen Postkarten wurden von den Rheinberger Fotografen und Buchhändlern wie Theodor Laakmann, Emil Dörr, Fritz Hoppermann, Th. Cremer, Michael Schiffer, Wilh. Kamps, Borth und Joharm Hangert, Ossenberg verlegt.

2. Aus dem Rheinberger Lied: Wo einst der Tod gebraust aus Feuerschlünden,

da reckt im Schatten sich das fette Rind,

da streuen ihre Blüten schlanke Linden

und in den Pappeln säuselt leis der Wind.

Vom Kattewall geht der Bliek weit hinaus über die grünen Wiesen der Rheinaue mit ihren Pappelreihen, Kopfweiden und Hecken aus Weißdorn hin zum Rhein und einem unendlichen Horizont. Das ist die Landschaft des Niederrheins. Die 200jährigen Linden und Kastanien der ehemaligen Stadtumwallung wurden in den Bombenstürmen des Zweiten Weltkrieges so mit Eisen gespiekt, daß sie zum Leidwesen aller alten Rheinberger gerant werden mußten. Wie ein grüner Kranz umgaben die alten Bäume früher die Stadt und ließen sie von Ferne nur erahnen. Inzwischen sind die jungen Kastanien aufgeschossen und lassen das alte Bild allmählich vergessen.

3. Der sommerliche Bade- und Tummelplatz der Rheinberger Jugend und gern gewähltes Ziel einer Wiesenwanderung, das 'Jenneckes Gatt', träumt heute fast unzugänglich in den Rheinwiesen vor sich hin, Nur noch die Angler finden sich regelmäßig ein. Das 'Gatt' ist der letzte Rest des bis etwa 1550 unmittelbar zu Füßen des Pulverturms vorbeifließenden Rheinarmes, der bis dahin an der Spey vorbei Richtung Eversael/Milchplatz floß. Sprachlich heißt 'Gatt' nichts weiter als 'Wasserloch', wohl deshalb, weil hier der Rhein am Prallhang besenders tief war. Den volkstümlichen Namen bekam er von einem Unglücksfall, ein Mann mit Namen 'Johann' (= 'Jänn') ertrank darin. In den zwanziger Jahren war hier eine schwimmende Badeanstalt, ansonsten diente die alte Weide im Vordergrund uns Jungen als Sprungturm.

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Dort mit Kirche

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4. Der Stadtteil Borth, die Dörfer Borth, Ossenberg und Wallach, war von der französischen Revolution bis 1975 selbständig. Im Mittelalter floß der Rhein von der Momm an im Verlauf der Borthschen Ley, sodaß Borth und Wallach rechtsrheinisch lagen und zum Herzogtum Kleve gehörten, während die Herrlichkeit Ossenberg kurkölnisches, später mörsisches Lehen war. Die etwa 70 Jahre alte Ansichtskarte zeigt den Ortsmittelpunkt mit der rund 500 Jahre alten St-Evermarus-Kirche und das Steinsalzbergwerk der Deutschen Solvay Werke zur Zeit der Teufarbeiten.

GruB aus MIl>lJINGEN

5. 'Op de Heij' - 'Auf der Heide' sagten die alten Rheinberger, wenn sie von Millingen sprachen. Tatsächlich war der Stadtteil mit seinen schönen Wohngebieten noch vor 130 Jahren weitgohend unbesiedelte Heide, auf der die Schafe der Anlieger aus Huck, Millingen, Saalhoff, Rheinberg und Alpen-Millingen weideten. Nach vielen Versuchen und jahrhundertelangen Streitigkeiten um Besitz und Rechte konnte sie nach 1850 endgültig kolomsiert werden. Der Name 'Millingen' gehört eigentlich nur zu der an der Römerstraße gelegenen älteren Ansiedlung, die Heide selbst hieß offiziell 'Bauerschaft', Erst die Gebietsreform von 1975 brachte das alte und das neue Millingen zueinander. Der Anschluß an die Eisenbahn im Jahre 1904 machte die neue Entwicklung zu einem blühenden Wohnplatz möglich.

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6. Das Herz der Stadt, der Marktplatz, zu Beginn des Jahrhunderts. Die Ostseite ist noch geschlossen, die Kirche liegt in ihrer Immunität. In dem Trockenjahr 1911, in dem der Rhein an einer Stelle so niedrig war, daß man hindurchreiten konnte, und die Fossa gar kein Wasser ftihrte, brannten die Häuser vor der Kirche mit der alten Lateinschule ab. Das von der Kirmes her noch stehende Schützenzelt konnte gerettet werden. Auf der Nordseite präsentieren sich der 'Kölner Dom', die Bergerfurthschen Häuser, die Manufakturwarenhandlung von Heinrich Liffers - Poppelappe Hendrek -, der Kolonialwarenladen von Schwenzfeier und die Einhornapotheke O. Stapper im neuen Jugendstilgewande. Passanten und spielende Kinder haben sich als Staffage aufgestellt, die Wirtin der 'Sonne', in die 1804 Napoleon einkehrte, schaut dem Treiben zu.

7. Im Jahre 1907 errichteten die Bürger den Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 ein Ehrenmal. Es stand zwischen der 1871 gepflanzten Friedenseiche und der alten Marktlinde. Im Zweiten Weltkrieg mußte der alte Bronzekrieger nochmals den Heldentod sterben, diesmal für die neuen Kanonen. Das so dezimierte Denkmal wurde überflüssig, als 1955 die Totengedächtnisstätte am Kattewall entstand, zumal inzwischen auch der Bronzeadler mit der Buntmetallwelle davongeflattert war. Die übrig gebliebenen Granitquadern zieren heute eine Ecke des Stadtparkes. Ob das urkundlich verkündete 'Prosit' zum Bildthema paßt, muß wohl bezweifelt werden, aber: Über Geschmack kann man nicht streiten.

Rheinberg

. Holzmarkt

8. Auf den ersten Bliek präsentiert sich der Holzmarkt heute fast noch so wie auf dieser Karte aus der Zeit vor 1914. Die Bürgerhäuser aus dem 16./17. Jahrhundert 'Im Scheffel' (früher Kornhandel), 'Im Einhorn' (dieses Haus gab der 'Einhorn Apotheke', die bis um 1900 dort war, den Namen) und 'Im Weinberg' stehen rnit ihren Giebelfronten wie eh und je. Diese drei Häuser sind die einzigen im Stadtbild, die sich aus der Festungszeit fast unverändert, wenn man von den Ladeneinbauten im Erdgeschoß absieht, erhalten haben, In unserem Bild ist das Haus 'Irn Einhorn' interessant. Nach der Verlegung der Apotheke zum Markt (Alte Apotheke) zog dort Franz Grossmeiler ein, der sich Barbier, Heildiener und Friseur nannte und damit die Tradition der historischen Feldschere fortsetzte. Es ist überliefert, daß er noch unseren Großeltern die Zähne zog.

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