Rheine in alten Ansichten

Rheine in alten Ansichten

Auteur
:   Karl-Ludwig Mengels und R. Breuing
Gemeente
:   Rheine
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1727-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rheine in alten Ansichten'

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19. Während die malerische Dreiergruppe an der Ostseite des Marktplatzes bis heute nur wenig verändert wurde, zeigt die Südostseite seit dem Zweiten Weltkrieg weitgehend ein neues Gesicht. Zwar hat das Beckerssche Haus am Eingang zur Münsterstraße die Gefahren des Bornbenkrieges heil überstanden, verschwunden sind jedoch die beiden Giebel des Hotels Letterhaus, die das Foto um 1910 noch im alten Zustand vor ihrer gewaltsamen Vernichtung zeigt. In diesen beiden Häusern befand sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts der vornehmste Gasthof der Stadt, der vom tüchtigen Hotelier 'Paucus' Schultze bewirtschaftet wurde und lange nach ihm seinen Namen trug.

20. In dem 1975 gründlich umgebauten Haus Markt 9 befand sich um die Jahrhundertwende der Sitz der Verwaltung des Amtes Rheine, wie man am Schild mit dem preußischen Adler auf dem Foto um 1910 erkennt. Damals konnten die Verwaltungsaufgaben des Amtes noch in den fünf kleinen Räumen dieses angepachteten Geschäftshauses in typisch preußischer Sparsamkeit bewältigt werden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde jedoch der Platz zu eng, und man zog in ein geräumigeres Gebäude an der Poststraßc urn. Architektonisch interessant ist dieses Haus, weil es die Verwilderung der baukünstlerischen Formen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bloßlegt, Bedenkenlos setzte der Architekt auf den gotisierenden Treppengiebel die Akroterien eines griechischen Tempels.

RHEINE I. W., MARKTPLATZ.

21. Die bescheidendsten Häuser des Marktes standen gegen 1900 an der Westseite am Eingang zur Klosterstraße. Es handelte sich um drei kleine Giebelhäuser, von denen das älteste links mit seinem Krüppelwalmdach und dem Termentor charakteristisch für die Hausform der Ackerbürger war. Alle drei Giebel mufsten sich spater eine weitgehende Umgestaltung gefallen lassen. Ganz rechts ist auf dem Foto noch ein Teil der hölzernen Markthalle zu sehen, die nach dem Abbruch des alten Rathauses an dessen Stelle trat. Da sie aber von den Marktleuten nicht angenommen wurde und vornehmlich als Abstellplatz für Karren und Kisten diente, hatte sie nur ein kurzes Leben und verschwand schon wieder nach wenigen Jahren.

RHE/NE. rterkt

22. Eines der elegantesten Häuser des Marktplatzes war das Fonteinsche Haus links auf dem Foto von etwa 1910. Es war ein klassizistisches Giebelhaus mit all den Vorzügen dieser Stilrichtung vom Anfang des 19. Jahrhunderts, die in Rheine maßgebliche Impulse durch den hier geborenen bedeutenden Architekten August Reinking (1776-1819) bekommen haben dürfte. Die gequaderten Wandpfeiler geben dem Erdgeschoß Festigkeit, das Mittelgeschoß mit seinen vertieften Wandfeldern atmet wohltuende Harmonie von Vertikale und Horizontale, und der Dreiecksgiebelläßt die Mittelachse wie ein Risalit erscheinen, das die Baumasse zentralisiert und bändigt. Das Haus wurde 1968 abgebrochen, während das kleine Fonteinsche Eckhaus bereits ein halbes Jahrhundert früher verschwand.

23. Im Jahre 1677 errichtete der Apotheker Bernhard Meyeringh arn Markt die vermutlich erste Apotheke Rheines, die jedoch schon im Jahre 1743 eine Konkurrenz durch den Dr. med, Giese in dessen neuerbautem Hause auf dem Thie 11 bekam. Die Apotheke am Markt, die unser Foto noch kurz vor dem Neubau im Jahre 1932 im alten Zustand zeigt, erhielt ihre merkwürdige zweigieblige Form durch die Zusarnmenlegung zweier schmalbrüstiger, ehemals getrennter Einzelhäuser, die Apotheker Meyeringh an dieser geschäftsgünstigen Stelle am Eingang zur Marktstraße erwerben konnte.

24. Die auffallende Schmalbrüstigkeit der historischen Häuserzeile an der Marktstraße, die unser Foto um 1930 noch unversehrt vor dem Neubau der Apotheke und des Hauses Nummer 6 zeigt, erklärt sich aus dem frührnittelalterlichen Verlaufder Stadtmauer und des Stadtgrabens, welche an der Stelle, die der Fotograf als Standort für seine Aufnahme benutzte, die Marktstraße kreuzten. Zwar wurde die Befestigung schon früh, vermutlich gleich nach der münstersehen Stiftsfehde von 1450-57 aufgelassen, der alte Graben bestand jedoch nachweislich noch im Jahre 1783 und engte das kostbare Baugelände an der Hauptdurchgangsstraße in der Nähe des Marktplatzes drangvoll ein.

25. Ein ungewöhnliches Foto, das trotz aller scheinbaren Friedfertigkeit keine Idylle darstellt, sondern ein bitteres Kapitel der Wirtschaftsgeschichte Rheines dokumentiert! Es ist Markttag, der Einkaufstag der Hausfrauen. Als Besucher des Lebensmittelmarkts erscheinen jedoch fast ausschließlich Männer, viele von ihnen mit der typischen Mütze des Industriearbeiters. Unser Foto zeigt deutlich die trübe Situation der Massenarbeitslosigkeit nach der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1932/1933. Nur die holländische Fischverkäuferin in ihrer Nationaltracht scheint mit ihrer billigen Ware, dem traditioncllen Fleisch des armen Mannes, noch zufriedenstellende Geschafte zu machen.

]heine, Kil'ebp 8 I.

26. Nördlich des Marktes liegt der ovale Kirchplatz, in dessen Mitte die schon im Jahre 838 urkundlich erwähnte älteste Pfarrkirche Rheines steht. In ihrem Schatten wurden noch bis 1835 die Verstorbenen des ganzen Pfarrbezirks begraben. Ihnen gilt die steinerne Kalvarienberggruppe, die sich bis zu ihrer Zerstörung im Kriegsjahr 1942 vor dem Südseitenschiff der Kirche erhob. Sie war ein bewegtes und ausdrucksvolles Werk von der Hand des münstersehen Bildhauers Joharm Adam Ney (1800-1879). Er schuf diese Kreuzigungsgruppe im Jahre 1849 als Ersatz HiJ: ein ähnliches Vorgängerwerk des Rheinenser Barockbildhauers Bernd Meyering (1632-1702).

27. Die Pfarrkirche St. Dionysius, die Urpfarrkirche Rheines, beherrscht von der höchsten Stelle der Altstadt aus mit ihrem mächtigen Dach das Stadtbild. Die spätgotische Hallenkirche wurde gegen 1400 mit dem nördlichen Seitenschiff begonnen. Reinste Getik zeigen die schlanken Strebepfeiler und Fenster des 1450 vollendeten Chores, der auf unserm Foto von 1894 noch sein altes Bleidach von 1661 besitzt. Jüngster Bauteil ist der wuchtige Turm, der von 1494 bis 1520 errichtet wurde und bereits etwas von der Baugesinnung der Renaissance ahnen läßt. Links im Bild sieht man noch das 1697 erneuerte Gebäude des Bentlager Hofes, der den Kreuzherren aus dern benachbarten Kloster Bentlage als Stadtsitz diente.

28. Das Raumbild der Dionysius-Kirche wird bestirnrnt von der Asymmetrie der Seitenschiffe. Das linke ältere Schiff ist wesentlich niedriger als das Mittelschiff', dessen Scheitelhöhe jedoch vom jüngeren Südschiff fast erreicht wird. Links zeigt sich im Bautyp der Stufenhalle deutlicher Einfluß des Niederrheins, rechts haben wir die reine westfälische Hallenform. Das Foto von 1894 zeigt die Neueinrichtung der Kirche im Nazarenerstil, die 1870 erfolgte. Damals wurden der mächtige, bis ins Gewölbe aufragende Barockaltar des Bildhauers Joseph Guidobald Licht aus Worms (gestorben 1771) und die üppige Barockkanzel durch neue gotisierende Nachfolger ersetzt. Doch auch sie fielen schon hundert Jahre später, ab 1964, der Neugestaltung des Chores zum Opfer.

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