Rheine in alten Ansichten

Rheine in alten Ansichten

Auteur
:   Karl-Ludwig Mengels und R. Breuing
Gemeente
:   Rheine
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1727-2
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rheine in alten Ansichten'

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49. Das Foto zeigt die Ecke Heilig-Geist-Platz/Kirchstraße mit der Dionysius-Kirche um das Jahr 1900. Kennzeichnend für die engen Altstadtverhältnisse ist der Garten vor dem Eckhaus. Selbst kleine Flächen wurden gartenbaulich genutzt und mit einem gußoder schmiedeeisernen Zaun umgeben, der um die Jahrhundertwende in Mode war. Auf dem freien Gelände an der rechten Seite der Kirchstraße steht heute das neue Pfarrhaus, da das alte Pastorat an der Klosterstraße dem Neubau des Rathauses weichen mußte.

50. Der Bliek vom Turm der Dlonysius-Kirche nach Süden zeigte um 1927 noch deutlicher als heute den Verlauf der Münsterstraße hoch oben auf der hochwasserfreien Emsterrasse. Die heutige Münsterstraße benutzt einen alten Handelsweg, der schon in frühgeschichtlicher Zeit von Münster über Emsdetten und Mesum die Verbindung Westfalens mit dem Emsland und mit Friesland herstellte. In Rheine mußte sich die Straße möglichst nahe an das Emsbett heranschieben, um die Furt unterhalb des Falkenhofs erreichen zu können. Deshalb fällt das stufenförrnig bebaute Gelande sogleich am östlichen Straßenrand steil zur Ems hin ab.

51. Wie eine Pforte umschließen die Dreihäusergruppe an der Ostseite des Marktes und das prachtige Beckerssche Haus mit seinem Giebel von 1649 den Eingang vom Markt zur Miinsterstraße, die mit der Emsstraße das Achsenkreuz der Altstadt bildet. Hierher rollte bis zum Bau der neuen Emsbrücke im Jahre 1929 der größte Teil des städtischen Durchgangsverkehrs, der gegen 1900, als unser Foto entstand, ausschließlich aus Pferdefuhrwerken bestand. Man erkennt noch gut die alte Natursteinpflasterung, die in ihrer zweckmäßig-rustikalen Art am besten den eisenbeschlagenen Rädern der schweren Wagen und Karren entsprach. Im Jahre 1976 wurden Markt und Münsterstraße zur Fußgängerzone erklärt, und die alte Pflasterung der Jahrhundertwende wurde durch eine dem neuen Zweck entsprechende ersetzt.

52. Den architektonischen Auftakt zur Münsterstraße bildete bis zum Abbruch im Jahre 1972 das für Rheinenser Verhältnisse ungewöhnlich hohe klassizistische Haus an der Ecke Münsterstraïse/ Rosenstraße, das unser Foto von 1929 noch in seinem ursprünglichen Zustand wiedergibt. Es war gegen 1820 einem schmalen, älteren Gebäude als Traufenhaus vorgeblendet worden und besaß - auch das war für Rheine ungewöhnlich - ein drittes Stockwerk in Form eines Mezzaningeschosses. Dieses Architekturmotiv, das sich aus der Schloßbaukunst des Adels herleitet, zeigt die selbstbewußten Ambitionen des wohlhabenden Stadtbürgertums, das um diese Zeit begann, die wirtschaftliche und auch geistige Führung in Europa zu übernehmen.

53. Nach einem Bericht aus dem Jahre 1805 befanden sich an der Kreuzung MünsterstraßejEmsstraße mehrere auffallende Häuser von Rheinenser Kaufleuten. Am bemerkenswertesten war das breitgelagerte klassizistische Doppelhaus an der Ecke Münsterstraße/Petersilienstraße (der heutigen oberen Emsstraße). Auf unserem Foto von etwa 1900 sieht man es auf der linken Straßenseite in seinem ursprünglichen Zustand. Man erkennt alle Merkmale des klassizistischen Stils: gequaderte Eckpfeiler, ein mächtiges Attikagesims mit steinernen Vasen und ein vorspringendes Mittelrisalit, das entgegen der Regel zweiachsig ausgelegt war, weil es sich um ein Zweifamilienhaus handelte. Heute ist das Erdgeschoß in einer breiten Schaufensterbahn geöffnet; alt ist nur noch das Obergeschoß.

54. Dicht drängen sich noch heute die Häuser an der Münsterstraße aneinander, und doch ist diese Altstadtstraße um 1910 noch um einiges schmaler gewesen, wie unser Foto gut verdeutlicht. An den Durchgangsstraßen mittelalterlicher Städte war Baugrund kostbar; hier war schon immer die beverzugte Lage fiir Geschäfte und Handwerksbetriebe. So waren die Häuser auffallend engbrüstig, und Erweiterungsmöglichkeiten gab es nicht oder im Höchstfalle auf die Straße hinaus, wie vor der Werkstatt des Schmiedes Schulte, der sogar den engen Bürgersteig zur Lagerung von Material und Geräten benutzte.

55. Dicht vor dem Münstertor erbaute im Jahre 1768 der Burgermeister Wesselinck ein prächtiges Giebelhaus, dessen besonderer Reiz in dem malerischen Wechsel von rotem Ziegelsteinmauerwerk und hellen Sandsteinrahmungen bestand. Dieser zu damaliger Zeit in der Hauptstadt Münster sehr beliebte Baustil ist in Rheine nur in ganz wenigen Exemplaren vertreten. Auf dem Foto von etwa 1935 ragt der Giebel mit seinen lustigen Rokokoverzierungen noch weit in die Münsterstraße vor. Im Jahre 1956 vollzog der Besitzer eine denkmalpflegerisch bedeutsame Tat, indem er den ganzen Giebel abtragen und ihn originalgetreu, um drei Meter zurückversetzt, wiederaufbauen Iieß, Nur die Fenster im Erdgeschoß wurden verbreitert, um einen modemen Geschäftsbetrieb zu ermöglichen.

56. Die durch Krieg und Inflation ruinierte Volkswirtschaft Deutschlands begann sich in der Mitte der zwanziger Jahre langsam zu erholen. So konnte man 1929 durch die Anlage einer modernen, hochwassersicheren und leistungsfähigen Emsbrücke ein Problem lösen, das der wirtschaftlichen Situation Rheines schon lange zu schaffen machte, nämlich die bessere verkehrsmäßige Verbindung der Altstadt mit den inzwischen stark gewachsenen Wohn- und Industriegebieten rechts der Ems. Das ehemals Hindenburgbrücke genannte Bauwerk wurde dem damaligen Geschmack entsprechend mit schweren, expressionistisch urtümlichen Bruchsteinquadern verblendet. Diese ausdrucksstarke Erscheinung verschwand bei der technisierenden Verbreiterung der Brücke um 1970.

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57. Mit Beginn der Industrialisierung um die Mitte des 19. Jahrhunderts spürten auch die Rheinenser Fabrikanten den Drang, der Enge der Altstadt zu entfliehen. So errichteten sie vor den Toren der Stadt, vornehmlich an der Ibbenbürener Straße und an der Münsterstraße, in weiten Gärten geräumige Wohnhäuser, die man wegen ihrer ländlichen Umgebung Villen nannte. Die älteste Villa vor den Toren Rheines war das Haus Veltmann von 1828, heute Kagelmann, neben der alten Emsbrücke. An der Münsterstraße entstand erst im Jahre 1853 als erstes Haus die Villa Sträter, die ihrer noblen spatklassizistischen Erscheinung wegen auch 'Weiße Villa' genannt wurde. Sie mußte 1964 bei der Anlage des Kardinal-Galen-Ringes abgebrochen werden.

58. Die meisten Fabrikantenvillen entstanden in Rheine zur Zeit der höchsten Blüte der Textilindustrie um die Jahrhundertwende. Dem historisierenden Geschmack der Zeit entsprechend suchte man die äußere Erscheinung dieser repräsentativen Wohnbauten durch die Imitation vergangener Baustile zu bereichern. Dazu wurden häufig bekannte Architekten von auswärts herangezogen, wie auch Johann Franz Klomp (1865-1946) aus Dortmund, der den Auftrag zur Erbauung der Villa Voßhemich an der Münsterstraße erhielt. Zur gleichen Zeit errichtete er gerade eines der bemerkenswertesten Bauwerke des Historismus in Deutschland, nämlich die Antonius-Basilika in Rheine. Unser Foto des 1975 abgebrochenen Hauses wurde vom Architekten selbst gegen 1900 aufgenommen.

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