Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 3

Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Fritz Witzig
Gemeente
:   Rheinfelden-Baden
Provincie
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5742-1
Pagina's
:   88
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Rheinfelden-Baden in alten Ansichten Band 3'

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EINLEITUNG

'Rheinfelden-Baden in alten Ansichten, Band 2' war in den Rheinfelder Buchhandlung kaum über die Ladentische, als sich bereits Leser bei mir meldeten, ob ich nicht auch einmal dieses oder jenes Bild oder Ereignis in ein solches Büchlein nehmen könnte? Einen dritten Bildband? Das will nicht allein von den Bildern, sondern in erster Linie von der Thematik zusammengesucht, zusammengetragen sein. So manche Idee dafür bekam ich dafür auf den Flohund Trödelmärkten. Jedes Wochenende bin ich auf Achse von Konstanz bis nach Gengenbach, um mich nach Ansichtskarten, Bildnissen aus der engeren Heimat umzusehen. Dabei ist mir meine Frau immer eine verständnisvolle Begleiterin. Sie entdeckte schon so manches Stück, gab mir oft Inspirationen - danke Trudel für Dein Verständnis! Die Kraftübertragung aus dem Rhein, die mit der Gründung der Kraftübertragungswerke Rheinfelden am 31. Oktober 1894 in Szene ging, war mehr oder weniger die eigentliche Geburtsstunde für unser Rheinfelden-Baden. Will man diese Zeitepoche aufleben lassen, dann findet man heute praktisch niemanden mehr, der einem etwas darüber berichten könnte. Die Berichte in der Lokalpresse, etwa im 'Oberbadischen Volksblatt' oder im 'Trompeter von Säckingen', die stammten meist nicht vom Ort des Geschehens, sondern aus Meldungen, die sie irgendwo von großen Zeitungen aufgegabelt haben. Die daraus übernommenen Meldungen.strotzen von Naivität, weil die Lokalberichterstatter keinerlei Vorstellungen hatten, wie so ein Kraftübertragungswerk funktioniert und wie die gewonnene Kraft zur Anwendung gelangt. Genau so naiv waren die Vorstellungen von dem zu erwartenden

Werk bei der Bevölkerung des Umlandes. 'Canal' hieß im Volksmund die Baustelle. Bei den Zeitungen, bei den Behörden, Kommunen, Geschäftsleuten und nicht zuletzt sogar bei den Schulen war diese Örtlichkeit mit diesem Wort apostrophiert. Ein Überbleibsel davon ist heute noch die Kanalstraße, die zum Kraftwerk führt. Ein Relikt in der zeitlichen Rückblende ist die vom Kraftwerk über den Rhein errichtete Industriebrücke. Deren Stahlkonstruktion hat heute musealen Charakter. Über diese Brücke kamen Jahrzehnte aus den Fricktalgemeinden die schweizer Grenzgänger, um im Badischen ihr Geld zu verdienen. 'Rheinlust' hieß das Gasthaus, an dessen Ecke die schweizer Grenzwächter ihr Etablissement einnehmend oder davor patrouillierend hatten. Ein Stelldichein pflegten in diesem Lokal die am 'Canal' tätigen leitenden Bauleute. Dr. Pistor hat diese Idylle ausführlich in seiner DegussaWerkschronik dokumentiert. Jahrzehnte soll aber auch noch danach mit den 'Rheinlust'-Kellnerinnen Süßholz geraspelt worden sein. Die im Maschinenhaus tätigen Leute der KWR, Aluminium und der 'Chemischen' gingen zu diesem Zweck in die 'Rheinlust' vespern. Auch die badischen 'Grenzaufseher' sollen in dieser Kneipe dienstlich an- und abwesend gewesen sein. Geschmuggelt wurde natürlich auch 'über die oberi Brugg'! Von der FinkenbrückeBahnunterführung in Beuggen bestand bis 1938 ein Fußund Radfahrweg entlang der Bahngeleise zu dieser Brûcke. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die 'oberi Brugg' von Leben erfüllt, insbesondere wenn mal für Stunden beim Maschinenhaus kein Zöllner stand.

Nach ihrer Gründung in Berlin haben die Kraftübertra-

gungswerke Rheinfelden auf Karsauer Gemarkung als erstes Bauwerk den Wasserturm erbauen lassen. Für die Badisch-Rheinfelder wurde der Turm zu einem Symbol, zum Wahrzeichen einer Heimat der Zuwanderer und Jungbürger. Kraftwerk und Wasserturm verkörpern die 100jährige Firmengeschichte, die 1994 die Kraftübertragungswerke feiern dürfen. Die KWR sind das wirtschaftliche Herz von Rheinfelden-Baden. Möge diese 'Kraftübertragung' weiterhin zum Wohle unserer Stadt kräftig pulsieren.

In diesem Band 3 versuchte ich vermehrt, die Bildunterschriften heimatgeschichtlich zu gestalten. Es stand mir dafür relativ wenig Raum zur Verfügung. Viele Themen konnte ich deshalb nur in Bruchstücken abhandeln. Den Bild-Beschreibungen konnte ich deswegen auch nur wenig Raum geben. Nicht machbar war auch, die 77 Bilder in einer chronologischen Reihenfolge erscheinen zu lassen. Ich hoffe, dass die bunte Folge den Lesern eine Reminiszenz bedeutet, die, ohne Inhaltsverzeichnis dazu inspiriert, bei jeder neuen Bildbetrachtung, sich auch mit dem Text zu befassen. Für solche Rückblenden darf ich den Lesern auch meine Bände 1 und 2 empfehlen.

Als Einleitung für die Bildfolge erzähle ich Geschichtliches aus der Vergangenheit der beiden Rheinfelder MutterGemeinden Nollingen und Karsau. Nollingen verfügt über ein sehr interessantes Pfarrarchiv . Darin sind neben den Taufen, Heiraten und Sterbefällen unendlich viele Dinge aus damaligen Zeitabläufen, aus dem Leben im Dorf, aber auch im Pfarrhaus selbst festgehalten. Am 26. Juni 1737 übernahm der aus Rheinfelden gebürtige Pfarrer Josephus

Nicolaus Bußy die Pfarrei. Maria hieß sein erster Täufling, ein uneheliches Kind der Adelheid Leber und des Müllers Johannes Freindt, die in der Wiechsmühle bedienstet waren. Als Paten fungierten der Müller Clemens Bächlin und die Minslerin Maria Soder. Vor seiner Nollinger Zeit war Bußy beuggischer Collatur-Pfarrer in Rickenbach. Bußy's Handschrift findet sich in den Nollinger Kirchenbüchern bis zum April 1769. Bußy nahm sich oft gestrandeter Menschen in der Waldstadt Rheinfelden an. Am 26. November 1743 traute er im Feldlager des Graf Königsegg'schen Regimënts bei Rheinfelden einen Soldaten mit einer Witwe. Von dem Franziskaner-Pater Vincenz Volz ist der im Dienste des österreichischen Regiments Dammnitz gestandene Nollinger Soldat Laurentius Roniger am 9. März 1746 mit der Witwe seines gefallenen Kameraden Simon Conrads, mit der Barbara Huler aus Biberach getraut worden. Am 9. Februar 1748 kam Roniger nach Hause mit seiner Frau, um sich bei Pfarrer Bußy anzumelden. Auf Bitten des Rheinfelder Pfarrers traute Bußy am 24. September 1737 den bei der 'cohorte Helveto Bernensi' dienenden Soldaten Laurent Steek aus Mutzig mit der Nollingerin Elisabetha Bentz. Äußerst verärgert stellte Bußy später fest, daß der Soldat schon verheiratet war. Die Bischöfe von Basel und Konstanz wurden verständigt. Vom österreichischen Oberamtmann von Notzing in Rheinfelden verlangte Bußy die Trennung des Paares. An Nollingens Jungfrauen erließ Bußy die Warnung, wenn sie sich mit Soldaten einließen bestünde die Gefahr, daß diese verheiratet seien. Den umherziehenden Bettler 'Schwefelhölzer', mit Namen Johannes Ulrich Weldte, traute Bußy mit

der Bettlerin Anna Maria Steckhermännin, beide verwitwet, deren 1739 und 1740 verstorbene Gatten lagen auf der Friedhöfen in Minsein und Eichsei begraben.

Auf dem alten Friedhof in Beuggen stand die GemeindeKirche St. Michael, die vermutlich einen Satteldach-Turm besaß. Unter den Bäumen vor diesem Kirchlein hielten die Bürger von Riedmatt und Karsau zweimal jährlich Dingrode!. Das war so eine Art Gerichtstag bei dem der DorfVogt den zwischen dem 16. und dem 60. Lebensjahr aufgebotenen Bürgern die Rechte und Pflichten verlas und auch gemeindliche Regularien zur Entscheidung vortrug. Wissenschaftler vertreten die Ansicht, daß St. MichaelsKirchen sehr oft an bestandenen heidnischen Kultstätten errichtet worden sind. Das könnte bei dem Kirchlein in Beuggen auch der Fall gewesen sein. Nach den Bauernkriegen (die Karsauer erstürmten am 1. Mai 1525 das Schloß und verwüsteten es) hat der DeutschordensritterKomtur Jörg von Andlau in Beuggen neue Befestigungen errichten lassen, um vor solchen Erstürmungen gefeit zu sein. Mit den Karsauer und Riedmatter stand der Komtur bei den vorderösterreichischen Landesbehörden in prozessualen Auseinandersetzungen. Am 12. November 1533 sagte bei einem Termin vor dem Richter Rudolf Gebhardt in Rheinfelden der Schuhmachermeister Hans Bröche aus Rheinfelden aus, daß er in seinem 10. Lebensjahr als Schusterlehrjunge um 1473 immer habe Schuhe nach Beuggen bringen müssen. Zu derselben Zeit habe er oberhalb dem Haus Beuggen bei der dortigen Kirche unter den Bäumen Gerichtsschranken gesehen, woselbst er auch sah, wie dort Gericht gehalten worden sei. Bei der Säkularisation des

Ordenshauses nahmen die Karsauer und Riedmatter die Schloßkirche als Gemeindekirche in Besitz, weil ihr Kirchlein auf dem Friedhof alt und baufällig war. Wegen Seuchengefahr (das Schloß war von 1813-1815 Lazarett) kam das Kirchlein nochmals in Benützung. In einem Schreiben des Bischöflichen Vikariates Freiburg ist 1820 die obere St. Michaelskirche als ruinös, alt, feucht, finster, bezeichnet. Sie fasse kaum ein Drittel der Pfarrgenossen. Eine Reparatur sei fast nicht möglich. Das Großherzogliche Ministerium des Innern, Section Katholische Kirchen, beschloß am 25. Mai 1820 den Abbruch des Kirchleins. Über das Großherzog!. Baudirectorium Freiburg, bekam die Gemeinde via Säckingen den Beschluß eröffnet. Am 17. Juli 1820 gaben in einer Gemeindeversammlung die Bürger ihre Zustimmung. Weil die Gemeinde den Abbruch ablehnt und eine Versteigerung keinen Interessenten fand, will die Dömänenkammer den Abbruch auf eigene Kosten durchführen. Im Jahre 1835 steht die Kirche immer noch unangetastet. Karlsruhe schlägt der Gemeinde vor, nur einen Teil abzubauen und den Chor bei einem Kostenaufwand von 200 Gulden zu einer Begräbnis-Kapelle umzugestalten. Die Bauernschädel, in denen immer noch Beuggen als der Spuk erduldeter Leibeigenschaft haftete, sagten nein! Schade, daß dieses Kleinod auf diese Art verloren ging.

Fritz Witzig

1. Rechts: Die 1246 unter maßgebendem Beistand der Familie des Minnesängers Walther von Klingen in Beuggen gegründete Deutschordensritter-Komturei Beuggen war bekanntlich als Wasserschloß gebaut. Während des ersten Bauabschnittes der Wasserburg wirkte der Bruder des Minnesängers, Ulrich, als Ritterbruder und als Komtur in Beuggen. Er war es, der Gertrud von Habsburg auf ihrer Schiffsreise zur Königskrönung nach Aachen 1273 in Beuggen empfing und sie mit ihrem Gefolge nächtigen ließ. Für die weiblichen Personen dürfte damals die bis zum Basler Erdbeben von 1356 existent gewesene alte Burg Bukein (in der Nachbarschaft der neuen Burg) Lokal für die Übernachtung gewesen sein. Vis a vis vom Schloß Beuggen besaßen die Ordensritter linksrheinisch im Heimer Holz einen zweiten Meierhof. Die Bewohner des dortigen, heute nicht mehr existenten Hofes waren Leibeigene Beuggens auf exterritorialem Gebiet, das dem Bischofvon Basel unterstand. Der in Beuggen zuständige Bischof von Konstanz maßte sich an, 'Basler Schäfchen' taufen, verehelichen und sterben zu lassen. Daraus ergaben sich immer wieder Komplikationen. Zwischen diese zwei Welten stellte Heinrich Zeiler den durch den Rhein watenden Christopherus mit dem Christkind auf dem Buckel, ein nettes Friedens-Symbol auf einer Ansichtskarte, in den Dienst der Freunde Beuggens.

2. Links: Der Hollwanger Hof mit seinem Waldgebiet ist 1738 im Zuge der erkauften hohen Jurisdiktion von der Deutschordensritter-Kommende Beuggen aus dem Karsauer Gemeinde-Besitz herausgenommen worden. Vergeblich verlangten nach der Säkularisation von 1805 die Karsauer und Riedmatter von den großherzoglichen Behörden die Rückgabe des Hollwangers. Kommunal und kirchlich blieb der Hollwanger bis in die 20er Jahre als Staatsdomäne im Bereich der Gemeinde Karsau. Weil er ihnen eine Belastung war, trat Karsau den Hollwanger Distrikt an Schwörstadt ab. Von dieser Gebietsabtretung begünstigt gelang es den Schwörstadtern (so feixten gerne die alten Karsauer), das Kraftwerk ausschließlich auf ihrem Gemeindegebiet installiert zu bekommen. Am Hochrhein bedeutete dieser Kraftwerkbau von 1928 bis 1930 eine fühlbare Entlastung der Auswirkungen der damals herrschenden Weltwirtschaftskrise. Mit der von diesem Kraftwerk ab 1930 erzeugten Ernergie sind bei der Alu-Hütte Rheinfelden neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Die Alu bekam eine eigene Versorgungsleitung. Rheinfelden konnte dadurch die Arbeitslosen in Grenzen halten.

3. Städtischen Charakter wiesen die Anfänge der Bauten, die vor 1900 an der Beuggener Landstraße entstanden, auf. Sie führte an der rechten Bildrandecke gemeinsam mit der Nollinger Landstraße über den ab 1856 dort bestandenen beschrankten Bahnübergang. Linksrheinisch war der Bau einer elektrischen Straßenbahn von Basel nach Rheinfelden in der Planung, an die das in der Entstehung begriffene Badische Rheinfelden angebunden werden sollte. Diesem Vorhaben dienlich ist 1901 die Bahnunterführung gebaut worden. Die Rheinfelder Industrie-Pioniere Emil Rathenau und Carl Fürstenberg (sie waren 1894 das Rückgrat der in Berlin gegründeten Kraftübertragungswerke Rheinfelden) befaßten sich in der ganzen Welt mit dem Bau und der Finanzierung von Straßenbahn- und Eisenbahn-Bauten. Hinter dem Riegeler Bierbrauerei-Depot ist die 1899 von der evangelischen Diaspora-Gemeinde gebaute Adelberg-Kirche, Ganz links steht das Café Motsch, heute das Hotel Danner.

4. Im 'Mumpfel' in Nordschwaben erbaute 1728 ein Mathias Kuny dieses stattliche Haus. Vermutlich in erblicher Reihenfolge gelangte der Bauernhof in den Besitz dieser Bauernfamilie Bäumle. In einer Reihe postierten sich von links: Die Hausmagd, dann die Hausfrau Berta Bäumle, geb. Rüsch (aus dem Thedore-Krämerladen von Karsau), deren Mann im Krieg war. Auf dem Schaukelpferd Kurt Bäumle, Anna Bäumle, seine Schwester; dann die Oma Anna Bäumle, geb. Sutter und daneben Altbauer Hermann Bäumle, lange Jahre Ratschreiber. Das Ochsengespann hält ein russischer Kriegsfangener präsent.

5. Zur Standarten-Weihe haben die Aktiven der roten Radler von Karsau diese Festjungfern aufgeboten. 'Radfahrer Verein Frisch Auf 1908 Karsau 1910' steht auf der Standarte zu lesen. Daran hängt schon ein Schleifenband der Kollegen aus Nollingen. In der ersten Reihe von links: August Rietschle, Emmi Forster, Frieda Urich, Gottfried Bannwarth, Hulda Forster, Marie Rüsch, Sepp Rietschle. Zweite Reihe: Frieda Soder, (Sattler-Gusti) Marie Rieß, (Frau des Konrad Mock, New York) unbekannt, Josefine Brombach-Fuchs, Rosa Fritsche, (Joggi-Fritze). Dritte Reihe: Martina Wießmer, unbekannt, Frieda Albietz. Vierte Reihe: Rosa Brombach, (Langebaschi) unbekannt, unbekannt, Fähnrich Christian Rüsch, Sophia Marchi, unbekannt, unbekannt. Auf den Mützen schwach zu erkennen sind die Solidaritätsabzeichen, die damals in gleicher Form auch die Vereine in der Schweiz und in Frankreich zu tragen pflegten.

6. Im Jahre 1912 erfolgte die Inbetriebnahme der neuen Rheinbrücke und die des Rheinkraftwerkes Wyhlen-Augst sozusagen gleichzeitig. Das bewirkt, daß auf unserem Bild der Rhein als ein recht friedliches Gewässer zu erkennen ist. Bis zum Jahre 1911 durchfloß er noch tosend ungestüm die Brückenjoche. Auf unserem Bild ragen drei Sockel mit Gittermasten am rechten Rheinufer aus dem Wasser. Sie diente als Verbundleitung zwischen den beiden KWR-Rheinkraftwerken. Heute erinnern nur noch die blanken Sockel an den damaligen Zustand. Die Veränderungen in der Bebauung am badischen Ufer bleiben dem Betrachter zu konstatieren überlassen. Da wo heute das Dietschyhaus 'Salmegg' steht, befand sich Jahrhunderte die Rheinfelder SchiffsanlagesteIle. Viele talwärts fahrende Schiffsreisende entstiegen unterhalb des Schlosses Beuggen, in der sogenannten 'Sandgrube' , ihre Gefährte und gingen zu Fuß bis in die Salmegg-Bucht, weil sie sich vor dem Schiffbruch fürchteten, den die Nase des Höllhakens beim Höllhakenhaus so vielen Passanten bereitete.

7. Auf der Richter-Wiese stand in der nordöstlichen Ecke ein Gemarkungsstein, der auch nach der ab 1. April 1901 erfolgten Gebietsbereinigung den Rheinfeldern und den Karsauern bis zur endgültigen Eingemeindung der Dinkelberger am 1. Januar 1975 oft Kopfzerbrechen bereitete. Die Wohnhäuser auf unserem Bild standen größtenteils auf Gemarkung Karsau. Die Zweigniederlassung des Görwihler Textilunternehmens Setalin (heute Neukauf) und die Degussa- Häuser standen auf Rheinfelder Territorium. Lichtmasten zeigen an, wo heute die Carl-Fürstenberg-Straße verläuft. Im Hintergrund ist der lange Zeit kalkbeschotterte Fahrweg, die Schildgasse ohne jegliche Bebauung zu erkennen. Von 1940 bis 1945 befand sich auf dem Flachdach des Setalin-Gebäudes ein Flakstand der Heimat-Flak-Batterie Rheinfelden mit einem 2 cm-Oerlikon-Geschütz. Auf dem Adelberg war damals eine Flak-Schweinwerfer-Stellung. Die Heimat-Flak-Batterie rekrutierte sich meist aus Bediensteten der örtlichen Industrie. Sie trugen blaue Kesselanzüge, Koppel und Stahlhelme als Uniform. Geballert wurde oft, ohne einen Abschuß zu erzielen.

8. Dieses schöne Bild, das als Repro-Farbfoto in vielen Warmbacher Stuben hängt, verdanken wir dem Maler, Schriftsteller und Rechtsanwalt Dr. Hans Blum. Im südlichen Eckzimmer in seiner 1898 im Kunzental erbauten Parkvilla hatte er sein Studierzimmer, das meist von Zigarrenqualm erfüllt war. Durch die offenen Fenster flogen ständig Vögel ins Zimmer, um sich das ausgelegte Futter zu holen. Dr. Blum marschierte jeden Morgen zum Badisch-Rheinfelder Postamt beim Bahnhof, um sich seine deutschen Zeitungen und seine Post abzuholen. Auf diesem Weg über die Rheinfelder Brücke begleiteten ihn immer ein Schar Spatzen, die er mit Brosamen aus seiner Rocktasche fütterte. Zu den Spatzen gesellten sich Rheinfelder Buben und Mädchen, denen er selbstgefertigte Papierflieger zuwarf. An Großherzogs und Kaisers Geburtstagen hielt Dr. Blum in Badisch-Rheinfelden von 1899 bis 1909 die Festreden. Den Siebzigerkrieg erlebte Hans Blum zu einem Gutteil in Moltkes Hauptquartier als Kriegsberichterstatter. Bei vaterländischen Vereinen, bei den Feuerwehren beidseits des Rheines, hat der Leipziger Rechtsanwalt unzählige Vorträge über geschichtliche Ereignisse gehalten. Er beherrschte die Berndeutsche Mundart, sprach italienisch, englisch und ausgezeichnet französisch. Seine Maltechnik erlangte er im Knaben-Internat Wabern, an dem zehn emigrierte 1848/49-Revoluzzer unterrichteten. Als Berner Gymnasiast nahm er bei bekarmten Malern Unterricht, belegte auch ein Semester Kunst an der Berner Uni. Zur Hochzeit seiner Warmbacher Köchin mit dem in der Degussa tätig gewesenen Bräutigam MutschelIer , malte er als Geschenk für die Brautleute dieses Warmbach-Bild vom schweizer Ufer aus.

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